Ohne Steuer-Identifikationsnummer künftig kein Kindergeld

12.11.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (929 mal gelesen)
Ohne Steuer-Identifikationsnummer künftig kein Kindergeld © Marco2811 - Fotolia.com
Nach einer Mitteilung der Bundesagentur für Arbeit müssen Eltern ab Januar 2016 im Antrag auf Kindergeld die Steuer-Identifikationsnummer angeben – sonst gibt es kein Geld. Es gibt allerdings Übergangsfristen.

Neue Voraussetzung für den Kindergeldantrag
Eine Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit wirbelte am 11.11.2015 kräftig Staub auf. Bekanntgegeben wurde, dass ab 1.1.2016 eine zusätzliche Voraussetzung für den Bezug von Kindergeld gilt: Im Antrag auf Kindergeld sind die Steuer-Identifikationsnummern des Kindergeldberechtigten und der Kinder anzugeben. Sinn und Zweck der Angelegenheit ist, dass Doppeltzahlungen für ein- und dasselbe Kind vermieden werden sollen.

Die Steuer-Identifikationsnummer
Die Steuer-Identifikationsnummer ersetzt nach und nach die alte Steuernummer. Sinn ist eine Vereinfachung des Systems, denn die neue Nummer ändert sich zum Beispiel nicht mehr mit einem Umzug. Das Bundeszentralamt für Steuern teilt eine Steuer-ID jedem zu, der beim Einwohnermeldeamt gemeldet ist. Auch Neugeborene erhalten bereits eine solche Nummer – es könnte ja sein, dass sie Zinsen oder Dividenden aus irgendwelchen geschenkten oder vererbten Wertpapieren bekommen, und daher müssen auch sie steuermäßig erfasst werden.

Steuer-ID-Nummer: Woher nehmen?
Die Steuer-ID-Nummer ist auf dem Einkommenssteuer -Bescheid und auf der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung vom Arbeitgeber vermerkt. Außerdem kann sie beim Bundeszentralamt für Steuern erfragt werden. Die nötigen Angaben kann man online machen, die Nummer kommt per Post.

Neuanträge und Stammkunden
Bei Neuanträgen müssen die ID-Nummern im Antrag auf Kindergeld angegeben werden. Wer bereits Kindergeld bekommt, sollte die Nummer beim nächsten Kontakt der Familienkasse mitteilen.

Übergangszeit: Keine Panik!
Der Bundesagentur für Arbeit zufolge werden die Familienkassen Eltern keine Probleme machen, die erst im Laufe des Jahres 2016 ihre Steuer-Identifikationsnummern mitteilen bzw. dort nachreichen. In diversen Veröffentlichungen und im Internet kursiert die Meldung, dass man kein Kindergeld mehr bekommt, wenn die Steuer-ID-Nummer nicht bis 1.1.2016 bei der Behörde vorliegt. Dies ist falsch.

Allgemein: Voraussetzungen für Kindergeld
Anspruch auf Kindergeld haben grundsätzlich alle Kinder von der Geburt an bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Für Kinder über 18 gibt es besondere Regeln:
- Ein volljähriges Kind kann bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres Kindergeld bekommen, solange es für einen zukünftigen Beruf ausgebildet wird.
- Dazu gehören zum Beispiel der Besuch allgemeinbildender Schulen, die betriebliche Ausbildung, eine weiterführende Ausbildung sowie die Ausbildung für einen weiteren Beruf.
- Kindergeld bis 25 kann auch gezahlt werden, wenn das Kind eine Ausbildung machen will, aber trotz ernsthafter Bemühung keinen Ausbildungsplatz findet.
- Vor Vollendung des 25. Lebensjahres kann auch Kindergeld für höchstens vier Monate für eine Übergangszeit etwa zwischen Schulabschluss und Beginn der Ausbildung gezahlt werden.
- Ebenso während der Ableistung eines berücksichtigungsfähigen Freiwilligendienstes (zum Beispiel freiwilliges soziales Jahr).
- Nach Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung oder eines Erststudiums wird Kindergeld nur gezahlt, wenn das Kind keiner anspruchsschädlichen (also mehr als geringfügigen) Erwerbstätigkeit nachgeht.
- Bis zum 21. Lebensjahr kann Kindergeld gezahlt werden, wenn das Kind nicht in einem Arbeitsverhältnis steht und bei einer Agentur für Arbeit als arbeitsuchend gemeldet ist.
- Kinder, die aufgrund einer Behinderung nicht in der Lage sind, für ihren eigenen Unterhalt zu sorgen, können auch über das 25. Lebensjahr hinaus Kindergeld erhalten.
- Freiwilliger Wehrdienst gilt unter Umständen als Berufsausbildung.
- Kindergeld kann nicht nur an die leiblichen Eltern ausgezahlt werden, sondern auch an Großeltern, Pflegeeltern oder Stiefeltern. Allerdings immer nur an eine Person zur Zeit.

Wo und wie stellt man einen Antrag auf Kindergeld?
Der Antrag ist bei der Familienkasse am Wohnort zu stellen – und zwar schriftlich und mit Unterschrift. Die Familienkasse hat dafür Formulare. Der Antrag kann persönlich in der Familienkasse abgegeben, per Post zugesandt oder auch durch einen Beauftragten abgegeben werden – oder auch per Fax zugeschickt. Für den ersten Antrag auf Kindergeld muss man einen Antragsvordruck (KG 1) mit „Anlage Kind“ ausfüllen. Soll Kindergeld für mehrere Kinder beantragt werden, muss die „Anlage Kind“ für jedes Kind ausgefüllt und mit dem Antrag eingereicht werden.