Kann man Unterhaltszahlungen von der Steuer absetzen?

26.10.2018, Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (106 mal gelesen)
Kann man Unterhaltszahlungen von der Steuer absetzen? © Bu - Anwalt-Suchservice

Unterhaltszahlungen sind oft eine erhebliche finanzielle Belastung. Allerdings kann man sie unter bestimmten Voraussetzungen von der Einkommenssteuer absetzen. Hier haben wir einige Hinweise zusammengestellt.

Der Zahlung von Unterhalt gehen zumindest im Trennungs- oder Scheidungsfall oft jahrelange Rechtsstreitigkeiten voraus. Aber nicht nur für Ex-Partner ist Unterhalt zu zahlen. Viele geschiedene Eltern müssen auch Kindesunterhalt bezahlen, und selbst für die eigenen Eltern kann Unterhalt fällig werden – auch wenn dieser meist von den Sozialbehörden eingeklagt wird, um geleistete Zahlungen insbesondere im Pflegefall auszugleichen. Einen Lichtblick verschafft dem Zahlungspflichtigen hier allerdings das Finanzamt. Denn: Unter bestimmten Voraussetzungen kann man den Unterhalt von der Steuer absetzen.

Welche Möglichkeiten gibt es, Unterhalt von der Steuer abzusetzen?


Unterhalt kann nur dann abgesetzt werden, wenn er tatsächlich und nachweisbar auch geleistet wird. Bei der Absetzbarkeit gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Unterhaltszahlungen können als Sonderausgaben oder als sogenannte außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden.

Was muss man zum Abzug als Sonderausgaben wissen?


Unterhaltsleistungen können im Rahmen des sogenannten Realsplitting von der Steuer abgezogen werden, wenn sie an geschiedene oder getrennt lebende Ehegatten gezahlt worden sind. Dies muss derjenige, der den Unterhalt zahlt, beantragen. Dazu muss er die Anlage U der Einkommenssteuererklärung ausfüllen und einreichen. Der Empfänger muss dem zustimmen – also auf der Anlage U mit unterschreiben. Abgesetzt werden können höchsten 13.805 Euro pro Kalenderjahr. Geregelt ist dies in § 10 Abs. 1a des Einkommenssteuergesetzes.
Durch das Realsplitting verringert sich die Steuerlast des Unterhaltszahlers, während die des Unterhaltsempfängers sich erhöht. Hier kommt also das steuerliche Leistungsfähigkeitsprinzip zum Ausdruck. Derjenige, der den Unterhalt erhält, muss ihn in der Rubrik „Sonstige Einkünfte“ seiner Steuererklärung aufführen.
Diese Steuervergünstigung erfordert also etwas, das nicht selbstverständlich ist: Kooperation unter zerstrittenen Ehegatten.

Welche Besonderheiten gibt es beim Steuerabzug als Sonderausgaben?


Der Empfänger des Unterhalts kann seine Zustimmung zum Antrag nicht nachträglich zurückziehen oder in der Höhe des Betrages beschränken. Er kann sie höchstens für das nächste Kalenderjahr widerrufen. Allerdings kann der Betrag nachträglich erhöht werden.
Der Unterhaltszahler kann den abgesetzten Betrag in der nächsten Steuererklärung heruntersetzen, obwohl er immer noch den gleichen Unterhalt zahlt. Der Antrag auf Sonderausgabenabzug muss jedes Jahr neu gestellt werden.

Wie funktioniert der Steuerabzug als außergewöhnliche Belastung?


Ein Steuerabzug als außergewöhnliche Belastung ist möglich, wenn das Realsplitting nicht funktioniert – wenn also der (Ex-) Ehegatte nicht mitwirken will oder auch bei Unterhaltszahlungen an Nicht-Ehegatten. Dementsprechend muss der Unterhaltsempfänger hier auch nichts zusätzlich versteuern. Allerdings muss er oder sie trotzdem mitwirken, indem nämlich dem Finanzamt die Höhe des Einkommens des Empfängers mitgeteilt wird. Diese Zahl ist nötig, um den Unterhaltshöchstbetrag des Unterhaltszahlers zu berechnen.

Zwar liegt der Unterhaltshöchstbetrag grundsätzlich bei 9.000 Euro im Jahr (2018). Bis zu diesem Betrag können die Unterhalts-Aufwendungen abgesetzt werden. Dies ist in § 33a Abs. 1 Einkommenssteuergesetz festgelegt. Aber: Der Unterhaltshöchstbetrag kann gekürzt werden, zum Beispiel anteilig, wenn in einem oder mehreren Monaten die Voraussetzungen nicht vorliegen (Beispiel: es wurde tatsächlich kein Unterhalt gezahlt) oder auch um Einkünfte des Unterhaltsempfängers, die den Betrag von 624 Euro monatlich übersteigen. Diesen Betrag bezeichnet man auch als den Anrechnungsfreibetrag.

Weitere erhebliche Kürzungen sind möglich, wenn der Empfänger im Ausland in einem Land lebt, in dem der Lebensstandard deutlich niedriger ist als in Deutschland.
Der Unterhaltshöchstbetrag kann sich allerdings auch erhöhen – um die Beiträge zur Basiskranken- und Pflegeversicherung, die der Unterhaltszahlende an den Unterhaltsempfänger zahlt und die in seiner Steuererklärung noch nicht als Sonderausgaben abgezogen worden sind.
Einzutragen sind die außergewöhnlichen Belastungen auf Seite 3 des Mantelbogens der Einkommenssteuererklärung.

Wie kann der Unterhalt für Kinder von der Steuer abgezogen werden?


Auch der Kindesunterhalt kann steuerlich als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Hier gilt ebenfalls der oben erwähnte Unterhaltshöchstbetrag von 9.000 Euro. Dieser kann sich von Jahr zu Jahr ändern. Allerdings gibt es eine zusätzliche Voraussetzung: Ein Steuerabzug ist nur möglich, wenn der Unterhaltszahler nicht das Kindergeld bekommt und auch nicht den Kinderfreibetrag in Anspruch nimmt.
Oft kommt es deshalb nur dann zum Abzug von Kindesunterhalt als außergewöhnliche Belastung, wenn das Kind bereits volljährig ist, immer noch Unterhalt bezieht, aber kein Kindergeld mehr gezahlt wird.
In der Realität ist es daher eher die Ausnahme, dass Kindesunterhalt von der Steuer abgesetzt werden kann.
Ist das Absetzen als außergewöhnliche Belastung möglich, müssen auch bei Kindern deren mögliche Einkünfte abgezogen werden – zumindest der Teil, der den Freibetrag von 624 Euro monatlich übersteigt.

Was gilt für Elternunterhalt?


Unterhalt ist nicht nur für Kinder zu zahlen, sondern generell für Verwandte ersten Grades, wenn diese unterhaltsbedürftig sind. Dies können auch die Eltern sein. Zwar machen diese meist keine Unterhaltsansprüche gegen die eigenen Kinder geltend. Dies tun dann aber die Sozialbehörden in deren Namen, denn diese versuchen gern, sich gezahlte staatliche Hilfen für pflegebedürftige Senioren von deren Kindern zurückzuholen. Auch der Elternunterhalt kann als außergewöhnliche Belastung von der Einkommenssteuer abgesetzt werden.

Praxistipp


Wer Unterhalt zahlt – insbesondere für Ehepartner, Expartner oder Eltern – kann erhebliche Beträge von der Steuer absetzen. Ganz ohne Beteiligung des Unterhaltsempfängers geht es allerdings nicht. Bei Steuerfragen im Zusammenhang mit dem Unterhalt lohnt es sich, einen Fachanwalt für Steuerrecht zu konsultieren.

(Ma)



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