Persönlichkeitsrecht für Rindviecher oder: Darf man fremde Kühe fotografieren?

14.08.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (317 mal gelesen)
Persönlichkeitsrecht für Rindviecher oder: Darf man fremde Kühe fotografieren? © DragoNika - Fotolia.com
Dass Personen ein Recht am eigenen Bild haben, ist den meisten Menschen bekannt. Dieses Recht entstammt ihrem allgemeinen Persönlichkeitsrecht, und das stammt immerhin aus dem Grundgesetz. Dieses Recht verhindert, dass jeder von uns unfreiwillig und ohne Bezahlung schnell mal abgelichtet und dann zum zentralen Objekt einer Werbung für Katzenfutter, Abführmittel oder Pickelcreme werden kann. Aber wie sieht es eigentlich mit Tieren aus?

Das Amtsgericht Köln hat sich mit diesem Thema ausführlich beschäftigt. Geklagt hatte in diesem Fall eine Bäuerin, der ein Kalb namens "Anita" gehörte. Besucher auf dem Bauernhof hatten dieses Kalb nun ohne Einwilligung der Bäuerin fotografiert. Wenig später wurden drei Fotos von "Anita" durch eine Eventmarketing-Agentur bei einer "Kuh-Charity-Party" veröffentlicht. Auch die Presse übernahm die Bilder. Schließlich landeten sie auch im Internet. Nun erkannte die Bäuerin darauf nicht nur ihr Kalb, sondern es war auch deutlich die Nummer auf der Ohrmarke zu lesen. Die Bäuerin sah ihre Eigentumsrechte als verletzt an. Sie klagte auf 2.000 Euro Schadensersatz. Denn soviel hätte sie ihrer Meinung nach verlangen können, wenn man ihr die Rechte für eine gewerbliche Verwendung der Fotos ordnungsgemäß abgekauft hätte.

Aus Sicht des Gerichts waren hier wohl nicht die Pferde, sondern die Rinder mit der Klägerin durchgegangen. Es wies die Klage ab. Zunächst einmal sei die Bäuerin weder durch die Anfertigung der Fotos, noch durch deren Verbreitung geschädigt worden.

Ein Persönlichkeitsrecht von "Anita" wollte das Gericht nicht in Erwägung ziehen. Es erklärte, dass man allenfalls für eine Verletzung des eigenen (menschlichen) Persönlichkeitsrechts Ansprüche geltend machen könne. Das Persönlichkeitsrecht der Klägerin sei hier aber nicht verletzt worden. Denn immerhin könnten durch die Fotos des Rinderkalbs "Anita" keine Rückschlüsse auf die Persönlichkeit der Klägerin gezogen werden. Bei Häusern oder Wohnungen sei das zum Beispiel anders, denn diese würden von ihren Bestzern individuell gestaltet.

Das Gericht wies die Klage also ab.

Anmerkung: Es steht nicht zu befürchten, dass nach diesem Urteil nun Millionenschäden für die Volkswirtschaft entstehen, weil für Katzenfotos im Internet keine Lizenzgebühren mehr verlangt werden können. Denn diese beruhen darauf, dass der Katzenbesitzer als Fotograf das Urheberrecht an den Fotos seiner Katze innehat.