Rechtsirrtum: Tiere können erben

13.09.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (228 mal gelesen)
Rechtsirrtum: Tiere können erben © aleksandr - Fotolia.com
Berichte über Prominente - etwa in den USA oder Großbritannien -, die ihr oft nicht unbeträchtliches Vermögen ihrem Haustier vermacht haben, tauchen in den Medien immer mal wieder auf. Aber wie ist das eigentlich in Deutschland: Können Tiere hier als Erbe eingesetzt werden?

Reicher Dackel?
Trude Tierlieb ist 85 Jahre alt. Seit einigen Jahren lebt die Witwe allein mit ihrem Dackel Daisy in ihrer Doppelhaushälfte. Tier und Mensch verstehen sich prächtig; Daisy hält Trude ein wenig auf Trab, und die alte Dame fühlt sich im großen Haus nicht so allein. Trude möchte, dass es Daisy, wenn sie selbst eines Tages sterben sollte, an nichts fehlen soll. Deshalb soll Daisy alles erben, was in Trudes Eigentum steht. So schreibt es Trude dann auch in ihr handschriftliches Testament. Als schließlich der Tag kommt, an dem Trude das Zeitliche segnet, entdeckt ihr Neffe das Testament. Es fragt sich nun, ob die Erbeinsetzung von Daisy tatsächlich wirksam ist.

Keine Erbschaft für Tiere
Die Zweifel des Neffen sind vollkommen berechtigt. Denn nach dem geltenden Erbrecht in Deutschland sind nur natürliche und juristische Personen erbfähig. Nur diese können Träger von Rechten und Pflichten sein. Tiere hingegen sind nicht rechtsfähig und damit auch nicht erbfähig. Wird also ein Tier als Erbe eingesetzt, ist das Testament unwirksam und es erben die gesetzlichen Erben des Verstorbenen (so etwa LG Bonn, 28.10.2009, 4 T 363/09).

Versorger wird nicht Miterbe
Auch das LG München I hat im Jahr 2003 hatte einen Fall zu entscheiden (16 T 22604/03), in dem ein Hund neben einigen Verwandten der Erblasserin erben sollte. Nach dem Tod des Frauchens kümmerte sich eine Bekannte um den Hund. Das Gericht stellte fest, dass diese damit keinesfalls Miterbin geworden ist. Der Hund sei keine rechtsfähige Person und könne daher nicht erben, so die Richter.

Person des Vertrauens
Wer wie Trude Tierlieb sicherstellen möchte, dass dem Haustier nach dem eigenen Tode kein Ungemach droht, hat dennoch Möglichkeiten. Im besten Falle hat man sich im Vorfeld mit dem im Testament festgelegten Erben abgesprochen, der sich dann um das Wohlergehen des Tieres kümmert. Das setzt natürlich voraus, dass man der entsprechenden Person diesbezüglich vertraut. Bleiben hierüber Zweifel, besteht die Möglichkeit, die artgerechte Versorgung des Tieres mit einer entsprechenden Auflage abzusichern.

Kontrolle oder gleich Tierpension?
Darüber hinaus kann ein Testamentsvollstrecker im Testament bestimmt und ihm die Aufgabe übertragen werden, in gewissen Abständen zu kontrollieren, ob die Auflage tatsächlich erfüllt wird. Eine andere Möglichkeit: Das Vermögen einer Tierpension vererben und zwar unter der Maßgabe, dass das Tier dort bestens versorgt wird, solange es lebt. Bei beiden Varianten kann der Tierfreund sicher sein, dass für das Haustier weiterhin gut gesorgt wird.