Tiere als Weihnachtsgeschenk

10.12.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (386 mal gelesen)
Zwergkaninchen,Mietwohnung Tiere sind nicht immer das richtige Weihnachtsgeschenk © Bu - Anwalt-Suchervice

Flauschiges Fell und große, runde Augen kommen gut an – nicht nur bei Kindern. Das Schenken von Tieren kann aber für Probleme sorgen. Oft übersehen die Käufer, was der Besitz eines Haustieres mit sich bringt.

Wer ein Tier kauft, muss sich darüber im Klaren sein, dass dies unter Umständen eine Menge Arbeit mit sich bringen wird. Auch werden Kosten für Tiernahrung, Zubehör und ab und zu auch für den Tierarzt anfallen. Tiere haben ihren eigenen Tagesablauf, sie brauchen Pflege. Hunde müssen jeden Tag Gassi gehen, auch die meisten anderen Tiere brauchen Gesellschaft und eine möglichst artgerechte Haltung. Wird ihnen keine passende Ernährung oder artgerechte Unterbringung geboten, leben viele exotische Tiere nicht sehr lange. Andere werden schon nach kurzer Zeit von ihren Besitzern ausgesetzt. Dies ist jedes Jahr vor den Sommerferien zu beobachten, aber auch nach Weihnachten sind die Tierheime voll von unüberlegt angeschafften Tieren. Wer sich ein Tier kauft, übernimmt damit die Verantwortung für ein lebendes Wesen und sollte diese ernst nehmen.

Dürfen Kinder Tiere kaufen?


Hier setzt das Tierschutzgesetz eine klare Altersgrenze: Kinder und Jugendliche dürfen erst mit dem vollendeten 16. Lebensjahr ohne Zustimmung ihrer Eltern ein Wirbeltier kaufen. Zuvor ist die Erlaubnis der Erziehungsberechtigten notwendig. Liegt diese nicht vor, darf der Zoohändler das Tier nicht abgeben.

Welche Pflichten gelten in puncto artgerechte Haltung?


Nach § 2 des Tierschutzgesetzes sind Tierhalter verpflichtet, ihr Haustier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen zu ernähren, zu pflegen und verhaltensgerecht unterzubringen. Dies bedeutet auch, dass das Tier ausreichend Bewegungsmöglichkeiten haben muss.
Dies sind keine leeren Phrasen: Der Fall einer nicht artgerecht gehaltenen Wasserschildkröte ging bis vor das Oberverwaltungsgericht von Nordrhein-Westfalen. Deren Besitzer war beim Ordnungsamt angezeigt worden: Er hatte die Florida-Schmuckschildkröte mit einer daran befestigten Boje in einer öffentlichen Parkanlage im Teich schwimmen lassen. Zu Hause hielt er die Schildkröte auf einer Wolldecke und setzte sie zum Schwimmen in eine Schüssel.
Die Stadt Essen erließ gegen den Mann eine Ordnungsverfügung, nach der er ein Terrarium mit bestimmten Maßen anschaffen musste. Da er dies nicht einsah, mussten zwei Gerichtsinstanzen die Anordnung bestätigen (Az. 20 B 173/12).
Auch das Verwaltungsgericht Stuttgart urteilte zur nicht artgerechten Tierhaltung: Es entschied, dass ein Hundehalter seinen Hund nicht täglich während seiner Arbeitsstunden in einer Transportbox im Auto lassen durfte. Das Gericht musste dem Mann erklären, dass ein PKW für die tägliche, stundenlange Unterbringung eines Hundes nicht geeignet ist (Urteil vom 12.3.2015, Az. 4 K 2755/14).

Ohne Wissen geht es nicht


§ 2 des Tierschutzgesetzes schreibt vor, dass Tierhalter auch über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen müssen. Unwissenheit ist also keine Entschuldigung.

Tierarztkosten: Haftet der Händler?


Im Prinzip gilt für ein Tier laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) die gleiche Sachmängelhaftung, wie für eine Kaffeemaschine. Wer jedoch Ansprüche geltend machen will, stößt in der Praxis oft auf Hindernisse. Erkrankungen und andere Probleme, die ein Käufer mit seinem Tier hat, sind häufig auf falsche Haltung oder Ernährung zurückzuführen. Dies ist auch den Gerichten bekannt.
Die meisten Urteile befassen sich mit Reitpferden oder Rassehunden. In diesen Fällen wird - oft unter Hinzuziehung von teuren Sachverständigen - ausführlich darüber gestritten, wer daran schuld ist, dass das Rennpferd plötzlich lahmt.

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat sich allerdings vor einigen Jahren auch mit einem Fall befasst, in dem es um einen Hund ging. Der Züchter und Verkäufer des Hundes musste dem Halter die Tierarztkosten ersetzen, da der Hund schon beim Verkauf krank gewesen war. Der Züchter hatte dies zunächst verweigert, weil der Käufer mit dem kranken Hund gleich zum Tierarzt gegangen war, statt zuerst den Züchter aufzusuchen. Dies ist laut BGH jedoch unnötig: Der Hundehalter darf mit seinem neu erworbenen kranken Hund sofort zum Tierarzt gehen und muss nicht zuerst den Hundezüchter auf "Nachbesserung" in Anspruch nehmen. Dies gilt jedenfalls dann, wenn der Halter davon ausgehen muss, dass ein dringenden Notfall vorliegt und sich der Zustand des Hundes bald verschlechtern wird (Az. VIII ZR 1/05). Denn: Ein Hund ist eben doch keine Kaffeemaschine.

Wann haftet der Halter für Schäden?


Wenn ein Tier bei jemandem einen Schaden anrichtet oder einen Menschen verletzt, muss der Tierhalter Schadensersatz zahlen. Dies geht aus § 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches hervor. Diese Tierhalterhaftung hängt nicht davon ab, ob den Tierhalter irgendeine Schuld trifft. Er haftet sogar, wenn sein Hund in seiner Abwesenheit den Tierarzt oder die Inhaberin einer Tierpension beißt.
Mancher Tierhalter denkt, dass Personen, die beruflich mit den Tieren anderer Leute umgehen, dies auf eigene Gefahr tun. Das ist jedoch nicht richtig. In diesem Sinne entschied etwa das Oberlandesgericht Celle (Az. 20 U 38/11).
Bei Tieren, die Schäden verursachen können, ist daher eine Tierhalter-Haftpflichtversicherung sehr zu empfehlen. Dies gilt in besonderem Maße für Hunde und Pferde.

Was muss man zu Tierheimtieren wissen?


In Tierheimen gibt es eine große Auswahl an Tieren. Die Tierheime achten in der Regel darauf, dass das Tier beim neuen Besitzer artgerecht gehalten wird. Halter und Tierheim schließen meist einen Abgabevertrag und der neue Halter muss eine Schutzgebühr bezahlen. Manche Tierheime fordern sogar eine schriftliche Selbstauskunft, bei sie beispielsweise nach Erfahrungen mit der Tierhaltung und der Größe der Wohnung fragen.

Was dürfen Vermieter untersagen?


Die Haltung von Haustieren dürfen Vermieter nicht pauschal per Mietvertrag verbieten. Die Haltung von Kleintieren wie Meerschweinchen, Kaninchen, Fischen und Vögeln ist grundsätzlich ohne Erlaubnis des Vermieters zulässig. Bei größeren Tieren wie manchen Hunden kann der Vermieter die Haltung von seiner Zustimmung abhängig machen.
Vermieter können zum Beispiel die Haltung von Tieren in der Mietwohnung untersagen, wenn diese eine Gefahr für andere darstellen oder die anderen Hausbewohner sich durch Lärm oder Schmutz belästigt fühlen. Untersagt werden kann etwa die Haltung von Kampfhunden. Dies gilt aber auch für andere Tiere: So entschied das Amtsgericht München vor einigen Jahren, dass ein Hausbewohner ein Mini-Schwein abschaffen musste, welches zwei Mal Personen innerhalb der Wohnanlage angegriffen hatte (Amtsgericht München, Urteil vom 6.7.2004, Az. 413 C 12648/04).

Erlaubnispflicht durch Gefahrtiergesetze beachten


In einigen Bundesländern wie etwa in Hamburg gibt es sogenannte Gefahrtiergesetze oder entsprechende Regelungen in anderen Gesetzen. Diese Vorschriften verbieten das Halten bestimmter gefährlicher Tiere nicht, machen es aber von einer behördlichen Erlaubnis abhängig, bei der unter anderen die sichere und artgerechte Haltung geprüft wird. Zu den gefährlichen Tieren zählen zum Teil bestimmte Kampfhunde, aber auch (am Beispiel Hamburg) Wolfshybriden, bestimmte Skorpion- und Spinnenarten, Riesenschlangen, Giftschlangen und einige Affenarten.

Praxistipp


Wer sich ein Tier anschaffen möchte, sollte sich zuerst über dessen Bedürfnissse und Verhalten informieren und überlegen, ob er dem Tier eine artgerechte Haltung bieten kann. Bei Tieren, die unter Umständen Nachbarn oder Vermieter stören könnten, hilft es, rechtzeitig mit allen Beteiligten abzusprechen, ob diese etwas gegen die Anschaffung haben. Kommt es dann doch zu rechtlichem Ärger, hilft ein Rechtsanwalt für Zivilrecht, Ihre Rechte zu wahren.

(Bu)



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