Tiere als Weihnachtsgeschenk

28.12.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (277 mal gelesen)
Tiere als Weihnachtsgeschenk © aleksandr - Fotolia.com
Flauschiges Fell und große, runde Augen kommen gut an – gerade bei Kindern. Aber das Schenken von Tieren kann auch Probleme mit sich bringen. Denn oft übersehen die Käufer, was für Folgen der Besitz eines Haustieres mit sich bringt.

Praktische Folgen
Wer ein Tier kauft, muss sich darüber im Klaren sein, dass dies eine Menge Arbeit mit sich bringen kann – und dass auch Kosten für Tiernahrung, Zubehör und gegebenenfalls den Tierarzt anfallen. Tiere haben ihren eigenen Tagesablauf, brauchen Pflege, müssen vielleicht jeden Tag Gassi gehen, benötigen Gesellschaft und eine möglichst artgerechte Haltung. Viele exotische Tiere leben nicht sehr lange, weil sie keine artgerechten Bedingungen oder schlicht die falsche Ernährung bekommen. Andere werden nach kurzer Zeit ausgesetzt. Dies ist zum Beispiel in jedem Jahr wieder vor den Sommerferien zu beobachten. Auch nach Weihnachten sind die Tierheime voll von unüberlegt gekauften Tieren. Wer ein Tier anschafft, übernimmt die Verantwortung für ein lebendes Wesen und sollte diese ernst nehmen.

Dürfen Kinder Tiere kaufen?
Das Tierschutzgesetz setzt hier eine Altersgrenze: Erst mit dem vollendeten 16. Lebensjahr dürfen Jugendliche ohne Zustimmung der Eltern ein Wirbeltier kaufen. Vorher ist die Erlaubnis der Erziehungsberechtigten erforderlich – ansonsten darf die Zoohandlung das Tier nicht abgeben.

Artgerechte Haltung ist vorgeschrieben
§ 2 des Tierschutzgesetzes schreibt vor, dass ein Tierhalter sein Haustier dessen Art und Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen muss. Auch ausreichend Bewegungsmöglichkeiten muss dass Tier bekommen. Dies sind keine leeren Phrasen: So musste sich sogar das Oberverwaltungsgericht von Nordrhein-Westfalen mit dem Fall einer nicht artgerecht gehaltenen Wasserschildkröte beschäftigen. Der Besitzer war beim Ordnungsamt angezeigt worden, weil er die Florida-Schmuckschildkröte mit einer daran befestigten Boje in einer öffentlichen Parkanlage im Teich schwimmen ließ. Zu Hause lebte die Schildkröte auf einer Wolldecke und kam zum Schwimmen in eine Schüssel. Die Stadt Essen gab dem Mann per Ordnungsverfügung auf, für ein Terrarium mit bestimmten Maßen zu sorgen, zwei Gerichtsinstanzen bestätigten die Anordnung (Az. 20 B 173/12). Auch das Verwaltungsgericht Stuttgart entschied, dass ein Hundehalter seinen Hund nicht täglich während der Arbeit im Auto in einer Transportbox lassen darf. Dem Urteil zufolge ist ein PKW für die tägliche, stundenlange Unterbringung eines Hundes nicht geeignet (Urteil vom 12.3.2015, Az. 4 K 2755/14).

Tierarztkosten: Haftet der Händler?
Auch wenn für ein Tier laut Zivilrecht theoretisch die gleiche Sachmängelhaftung gilt wie für eine Kaffeemaschine: In der Praxis stößt man schnell auf Hindernisse. Denn Probleme, die ein Käufer mit einem Tier hat, sind – wie auch Erkrankungen – oft auf falsche Haltung oder Ernährung zurückzuführen. Dies wissen auch die Gerichte. Urteile sind nur bezüglich Reitpferden oder Rassehunden bekannt. Hier wird dann oft unter Hinzuziehung von teuren Sachverständigen ausführlich darüber gestritten, wer denn nun schuld ist, dass das Rennpferd plötzlich lahmt. Immerhin entschied der Bundesgerichtshof in Karlsruhe vor einigen Jahren, dass ein Hundehalter mit seinem neu erworbenen kranken Hund sofort zum Tierarzt gehen darf, statt erst den Hundezüchter auf "Nachbesserung" in Anspruch zu nehmen. Dies gilt zumindest, wenn der Halter von einem dringenden Notfall und einer drohenden Verschlechterung des Zustandes des Tieres ausgehen muss. In diesem Fall musste der Züchter und Verkäufer des Hundes die Tierarztkosten ersetzen, weil der Hund schon beim Verkauf krank gewesen war (Az. VIII ZR 1/05).

Halter haften für Schäden
Richtet ein Tier bei jemandem einen Schaden an oder verletzt einen Menschen, muss der Tierhalter Schadensersatz zahlen. Dies steht in § 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Diese Tierhalterhaftung ist nicht von einem Verschulden des Tierhalters abhängig. Dies geht so weit, dass der Tierhalter selbst dann haftet, wenn sein Hund in seiner Abwesenheit den Tierarzt oder die Inhaberin der Tierpension beißt. Wer beruflich mit den Tieren anderer Leute umgeht, macht dies nämlich nicht auf eigene Gefahr. So entschied zum Beispiel das Oberlandesgericht Celle (Az. 20 U 38/11). Bei Tieren, die Schäden anrichten können, empfiehlt sich daher eine Tierhalter – Haftpflichtversicherung. Dies gilt besonders für Hunde und Pferde.

Tierheimtiere
Tierheime bieten eine große Auswahl an Tieren. Hier wird auf artgerechte Haltung beim neuen Besitzer Wert gelegt. Meist wird ein Abgabevertrag geschlossen und eine Schutzgebühr verlangt. Einige Tierheime verlangen auch eine schriftliche Selbstauskunft, bei der zum Beispiel nach Erfahrungen mit der Tierhaltung und der Größe der Wohnung gefragt wird.

Mietwohnung
Vermieter dürfen die Haltung von Haustieren nicht pauschal verbieten. Trotzdem sollte man sich vor der Anschaffung eines Tieres Gedanken darüber machen, ob man sich Ärger mit Nachbarn oder Vermieter einhandeln kann. Untersagt werden kann zum Beispiel die Haltung von Tieren, die eine Gefahr für andere darstellen können. Dies gilt nicht nur für Kampfhunde. So verfügte das Amtsgericht München vor einigen Jahren die Abschaffung eines Mini-Schweins, welches zwei Mal Personen innerhalb einer Wohnanlage angegriffen hatte (Amtsgericht München, Urteil vom 6.7.2004, Az. 413 C 12648/04).