Tiere als Weihnachtsgeschenk

24.11.2021, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (431 mal gelesen)
Zwergkaninchen,Mietwohnung Tiere sind nicht immer das richtige Weihnachtsgeschenk © Bu - Anwalt-Suchervice

Ein flauschiges Fell und große, runde Augen kommen gut an – nicht nur bei Kindern. Das Schenken von Tieren kann jedoch auch für viele Probleme sorgen. Häufig bedenken die Käufer nicht, was der Besitz bedeutet.

Wer ein Tier kauft, sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass dies womöglich eine Menge Arbeit mit sich bringt. Auch werden unvermeidlich Kosten für Tiernahrung, Zubehör und ab und zu auch für den Tierarzt anfallen. Tiere brauchen Pflege, und ihr Tagesablauf richtet sich nicht immer nach dem ihres Besitzers. Hunde müssen jeden Tag Gassi gehen. Alle Tiere brauchen eine möglichst artgerechte Haltung und oft auch Gesellschaft, um sich wohl zu fühlen und gesund zu bleiben. Wird ihnen keine passende Ernährung oder artgerechte Unterbringung geboten, leben exotische Tiere oft nicht sehr lange. So mancher überforderte Besitzer setzt sein Tier bereits nach kurzer Zeit irgendwo aus - dies ist die denkbar schlechteste und unfairste Lösung. Besonders oft kommt dies vor den Sommerferien vor. Aber: Auch nach Weihnachten sind die Tierheime regelmäßig voll von unüberlegt gekauften Tieren. Daher sollte man nicht vergessen: Wer sich ein Tier anschafft, übernimmt damit die Verantwortung für ein lebendes Wesen. Diese sollte man ernst nehmen.

Dürfen Kinder Tiere kaufen?


Hier setzt das Tierschutzgesetz eine klare Altersgrenze: Kinder bzw. Jugendliche dürfen erst ab dem vollendeten 16. Lebensjahr ohne Zustimmung ihrer Eltern ein Wirbeltier kaufen. Jüngere brauchen die Erlaubnis ihrer Erziehungsberechtigten. Liegt diese nicht vor, darf der Zoohändler das Tier nicht abgeben.

Welche Pflichten gelten in puncto artgerechte Haltung?


Nach § 2 des Tierschutzgesetzes sind Tierhalter dazu verpflichtet, ihr Haustier seiner Art und seinen Bedürfnissen gemäß angemessen zu ernähren, zu pflegen und verhaltensgerecht unterzubringen. Dazu gehört auch, dem Tier ausreichende Bewegungsmöglichkeiten zu bieten.

Dies sind keine leeren Phrasen. Der Fall einer nicht artgerecht gehaltenen Wasserschildkröte wanderte durch die Gerichtsinstanzen bis vor das Oberverwaltungsgericht von Nordrhein-Westfalen. Deren Besitzer war beim Ordnungsamt angezeigt worden: Er hatte seine Florida-Schmuckschildkröte nämlich mit einer daran befestigten Boje im Teich eines öffentlichen Parks schwimmen lassen. Zu Hause durfte das Tier in einer Schüssel schwimmen und wurde ansonsten auf einer Wolldecke gehalten.

Die Stadt Essen erließ gegen den Schildkröten-Halter eine Ordnungsverfügung, die ihn verpflichtete, ein Terrarium mit bestimmten Maßen zu kaufen. Da er sich weigerte, dem nachzukommen, ging der Prozess durch zwei weitere Gerichtsinstanzen. In beiden wurde die behördliche Anordnung bestätigt (Az. 20 B 173/12).

Auch das Verwaltungsgericht Stuttgart entschied zum Thema der nicht artgerechten Tierhaltung. Per Urteil untersagte es einem Hundehalter, seinen Hund täglich während seiner Arbeitsstunden in einer Transportbox im Auto zu lassen. Das Gericht erläuterte dem ungläubigen Mann, dass ein PKW für die tägliche, stundenlange Unterbringung eines Hundes tatsächlich nicht geeignet ist (Urteil vom 12.3.2015, Az. 4 K 2755/14).

Das Verwaltungsgericht Köln beschäftigte sich mit der nicht artgerechten Haltung von grünen Leguanen. Eine Frau hatte zwei etwa einen Meter lange Exemplare frei laufend in ihrer 24 Quadratmeter großen Einzimmerwohnung gehalten. Durch Aufdrehen der Heizung und Verdunsten lassen von Wasser versuchte sie, die notwendige tropische Atmosphäre mit hoher Luftfeuchtigkeit herzustellen, was zu ständig beschlagenen Fensterscheiben führte. Nachdem ein Leguan entkommen und durch die Nachbarschaft gezogen war, wurden die Behörden aufmerksam. Eine Amtstierärztin stellte Bakterienbefall, Häutungsprobleme und offene Wunden fest und nahm der Frau die Tiere weg. Die Stadt verbot ihr, Reptilien zu halten. Dies wurde vom Gericht bestätigt (Verwaltungsgericht Köln, Urteil vom 4.9.2019, Az. 21 K 6578/18). Ihr Wissen über die Tierhaltung hatte die Frau ausschließlich von Youtube.

Ohne Wissen geht es nicht


Tierhalter haben nach § 2 des Tierschutzgesetzes auch die Pflicht, sich über die für ihr Tier angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung zu informieren. Sie müssen sich die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten aneignen. Das heißt auch: Unwissenheit ist keine Entschuldigung.

Tierarztkosten: Haftet der Händler?


Nach dem Bürgerlichem Gesetzbuch unterliegen Tiere grundsätzlich der gleichen Sachmängelhaftung (auch Gewährleistung genannt), wie eine Kaffeemaschine. Allerdings stehen Käufer, die Ansprüche geltend machen wollen, in der Praxis oft vor Problemen. Krankheiten oder andere Schwierigkeiten, die ein Käufer mit seinem Tier hat, werden oft durch falsche Haltung oder Ernährung verursacht. Dies wissen auch die Gerichte.

Bei Gerichtsurteilen aus diesem Bereich geht es oft um Reitpferde oder Rassehunde. Häufig kommen Sachverständige zum Einsatz, die teure Gutachten verfassen. Dann wird lange darüber gestritten, warum das Rennpferd denn nun plötzlich lahmt und wer dafür verantwortlich ist.

Der Bundesgerichtshof hat sich vor Jahren mit dem Fall eines Hundes befasst. Dessen Züchter und Verkäufer musste dem Halter die Tierarztkosten ersetzen, weil der Hund schon beim Verkauf krank gewesen war. Zuerst hatte der Züchter die Kosten nicht übernehmen wollen. Der Käufer war mit dem kranken Hund nämlich sofort zum Tierarzt gegangen, statt zuerst den Züchter aufzusuchen. Der Bundesgerichtshof stellte klar: Ein Hundehalter darf mit seinem neu erworbenen kranken Hund durchaus sofort den Tierarzt aufsuchen, ohne zuerst vom Hundezüchter im Rahmen der Gewährleistung eine "Nachbesserung" im Rahmen seiner Gewährleistungsrechte zu fordern. Dies gilt zumindest dann, wenn der Halter von einem dringenden Notfall ausgehen muss, durch den sich der Zustand des Hundes bald verschlechtern wird (Az. VIII ZR 1/05). Hier zeigt sich: Vor Gericht ist ein Hund eben doch keine Kaffeemaschine.

Wann haftet der Halter für Schäden?


Wenn ein Tier bei jemandem einen Schaden anrichtet oder einen Menschen verletzt, muss der Tierhalter Schadensersatz zahlen. Dies regelt § 833 BGB. Diese Tierhalterhaftung ist nicht von irgendeinem Verschulden des Tierhalters abhängig. Dieser haftet also zum Beispiel auch, wenn sein Hund in seiner Abwesenheit den Tierarzt oder im Urlaub die Inhaberin der Tierpension beißt.

Viele Tierhalter denken, dass Personen, die beruflich mit den Tieren anderer Leute umgehen, dies auf eigene Gefahr tun. Dies ist falsch. Ein entsprechendes Urteil fällte zum Beispiel das Oberlandesgericht Celle (Az. 20 U 38/11). Für Tierhalter heißt das: Hält man ein Tier, das Personen verletzen oder deren Eigentum einen Schaden zufügen kann, ist eine Tierhalter-Haftpflichtversicherung sehr zu empfehlen. Ganz besonders trifft dies auf Hunde und Pferde zu.

Was muss man zu Tierheimtieren wissen?


In den Tierheimen ist die Auswahl an Tieren groß. Dort wird in der Regel genau darauf geachtet, dass die Tiere bei ihren neuen Besitzern artgerecht gehalten werden. Üblicherweise wird zwischen Tierheim und Tierhalter ein Abgabevertrag geschlossen. Der neue Besitzer muss eine Schutzgebühr zahlen. Manche Tierheime verlangen auch eine schriftliche Selbstauskunft. Dabei wird zum Beispiel nach Erfahrungen mit der Tierhaltung gefragt, nach der Wohnungsgröße oder Auslaufmöglichkeiten.

Was dürfen Vermieter untersagen?


Vermieter dürfen die Haltung von Haustieren nicht pauschal im Mietvertrag verbieten. Zum Beispiel ist die Haltung von Kleintieren wie Meerschweinchen, Kaninchen, Fischen und Vögeln grundsätzlich ohne Erlaubnis des Vermieters erlaubt. Von ihrer Zustimmung abhängig machen können Vermieter jedoch die Haltung von größeren Tieren, etwa größeren Hunden.

Vermieter können die Haltung von Tieren in einer Mietwohnung verbieten, wenn diese eine Gefahr für andere darstellen oder die anderen Hausbewohner sich erheblich durch Lärm oder Schmutz belästigt fühlen. Untersagt werden kann auch die Haltung von Kampfhunden. Näheres zum Thema finden Sie hier:
Tiere in der Mietwohnung – was ist erlaubt?

Erlaubnispflicht durch Gefahrtiergesetze beachten


Einige Bundesländer wie beispielsweise Hamburg haben sogenannte Gefahrtiergesetze erlassen oder entsprechende Regelungen in anderen Landesgesetzen getroffen. Zwar untersagen diese Vorschriften das Halten bestimmter gefährlicher Tiere nicht. Sie machen es jedoch von einer behördlichen Erlaubnis abhängig. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Tiere sicher und artgerecht gehalten werden. Zu den gefährlichen Tieren im Sinne der Vorschriften gehören bestimmte Kampfhunde, aber auch (im Beispiel Hamburg) Wolfshybriden, bestimmte Skorpion- und Spinnenarten, Riesenschlangen, Giftschlangen und sogar einige Affenarten.

Praxistipp


Wer sich überlegt, ein Tier anzuschaffen, sollte sich zuerst über dessen Bedürfnisse und Verhalten informieren und sich überlegen, ob dem Tier eine artgerechte Haltung geboten werden kann. Handelt es sich um eine Tierart, die möglicherweise Nachbarn oder Vermieter stören kann, hilft es, rechtzeitig mit allen Beteiligten abzusprechen, ob diese etwas gegen die Anschaffung haben. Kommt es dann doch zu rechtlichem Ärger, steht Ihnen ein Rechtsanwalt für Zivilrecht mit Rat und Tat zur Seite.

(Bu)



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