Scheidung: Haben Oma und Opa ein Umgangsrecht mit den Enkeln?

27.12.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (288 mal gelesen)
Scheidung: Haben Oma und Opa ein Umgangsrecht mit den Enkeln? © detailblick - Fotolia.com
Oft wird um das Umgangsrecht von Ex-Partnern ohne Sorgerecht mit deren leiblichen Kindern gestritten. Aber: Auch Großeltern möchten oft trotz Trennung der leiblichen Eltern noch Kontakt zu den Enkeln haben. Wie ist die Rechtslage?

Was ist das Umgangsrecht?
Wenn sich ein Paar mit Kindern trennt, leben die Kinder in der Regel bei einem Elternteil. Der andere hat nach § 1684 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) ein sogenanntes Umgangsrecht. Er oder sie darf also die eigenen leiblichen Kinder auch sehen und mit ihnen Zeit verbringen. Genauer gesagt: Er hat das Recht, aber auch die Pflicht zum Umgang mit dem eigenen Nachwuchs. Der andere Elternteil darf dies nicht unterbinden. Allerdings kann das Familiengericht die näheren Umstände regeln – wie Art und Umfang der Besuche. Es kann das Umgangsrecht auch einschränken oder ausschließen, wenn das zum Wohle des Kindes erforderlich erscheint.

Das Umgangsrecht anderer Verwandter
§ 1685 BGB gibt nun weiteren Personen ein Umgangsrecht. Dies sind Großeltern und Geschwister, sofern ihr Umgang mit dem Kind dessen Wohl dient. Aber auch andere Personen, können ein Umgangsrecht haben, wenn sie als Bezugspersonen des Kindes zu betrachten sind. Das bedeutet: Sie müssen tatsächlich Verantwortung für das Kind getragen haben. Davon geht man aus, wenn sie mit diesem im gleichen Haushalt gelebt haben. Also: Auch die Großeltern haben grundsätzlich ein Umgangsrecht mit dem Enkelkind, das nicht bei ihrem Kind aufwächst, sondern beim anderen Elternteil.

Entscheidend: Das Wohl des Kindes
Wie immer, wenn es um den Umgang mit Trennungskindern geht, ist jedoch eine Voraussetzung wichtig: Der Kontakt mit den Großeltern muss dem Kindeswohl entsprechen. Bei den leiblichen Eltern gehen die Gerichte gemäß § 1626 Abs. 3 BGB grundsätzlich davon aus, dass dies der Fall ist – zumindest solange nichts Ernsthaftes dagegenspricht. Wer sein Kind schlägt, gegen den sorgeberechtigten Elternteil aufhetzt, nach Madagaskar zu kidnappen versucht oder in die Drogenszene einführt, hat die Vermutung zugunsten des Kindeswohls sehr schnell widerlegt. Aber zurück zu den Großeltern: Bei ihnen spricht keine grundsätzliche Vermutung dafür, dass ein Kontakt zum Wohle des Kindes ist. Das heißt: Ist keine gütliche Regelung möglich, muss vom Gericht im jeweiligen Einzelfall festgestellt werden, ob der Kontakt zu den Großeltern im Sinne des Kindeswohls ist. Beweisen müssen dies die Großeltern.

Wann entspricht der Kontakt dem Kindeswohl?
Gute Chancen haben die Großeltern, wenn sie gewachsene Bindungen zum Kind haben. Zum Beispiel dann, wenn sie das Kind oft in Abwesenheit der berufstätigen Eltern betreut haben oder auch mit dem Kind mehrfach im Urlaub waren. Auch nahezu tägliche Besuchskontakte über einen längeren Zeitraum können dazu führen, dass ein Gericht eine solche Bindung annimmt (Oberlandesgericht Celle, Beschluss vom 22.4.1999, Az. 18 UF 4/99).

Unstimmigkeiten über Erziehungsfragen
Nun sind ja Großeltern bekanntermaßen oft großzügiger, wenn es um Erziehungsfragen geht. Hier gilt: Haben die Eltern das Sorgerecht, hat ihr Wille Vorrang. Kommt es darüber zum Dauerstreit mit den Großeltern, kann dies wiederum entgegen dem Kindeswohl sein und damit ein Umgangsrecht der Großeltern verhindern. Auch herabwürdigende Äußerungen über die Elternteile sollten sich die Großeltern besser verkneifen.

Schlechtes Verhältnis zwischen Eltern und Großeltern
Ein schlechtes Verhältnis zwischen Eltern und Großeltern ist nicht automatisch ein Grund, den Großeltern keinen Umgang mit den Enkeln zu gestatten. Denn es geht hier in erster LInie ja nicht um Rechte der Großeltern, sondern um das Wohl des Kindes. Kontakt zu den Großeltern gehört nun einmal zu dessen persönlicher Entwicklung dazu. Problematisch kann dies allerdings werden, wenn ein Streit auf dem Rücken des Kindes ausgetragen wird. So entschied das Oberlandesgericht Brandenburg gegen ein Umgangsrecht für ein Großelternpaar, das ein sehr schlechtes Verhältnis zur Mutter des Enkels hatte. Der Vater war verstorben, die Großeltern waren seine Eltern. Es gab Streit um den Nachlass des Vaters, auch um eine Darlehensrückforderung der Großeltern, und das Enkelkind war Alleinerbe des Vaters. Aus Sicht des Gerichts bestand für das Kind in diesem Fall ein schwerer Loyalitätskonflikt, da die Großeltern sich äußerst unversöhnlich gegenüber der Mutter zeigten. Das Gericht erklärte, dass das Verhältnis eines Kindes zu seiner Mutter immer vorgehe. Nicht entscheidend sei, wer die größere Schuld am Entstehen des Streits habe. Berücksichtigt wurde auch, dass das sechsjährige Kind erklärte, keinen Kontakt zu den Großeltern zu wünschen (Oberlandesgerichts Brandenburg, Beschluss vom 17.5.2010, Az. 10 UF 10/10).