Die richtige Wahl der Steuerklasse bei Heirat

04.07.2018, Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (1070 mal gelesen)
Die richtige Wahl der Steuerklasse bei Heirat © Rh - Anwalt-Suchservice

Die Steuerklasse IV ist bei Eheleuten gängig. Aber: Ehepartner haben bei der Steuerklasse Wahlmöglichkeiten. Ein Wechsel kann sich lohnen. Die Zustimmung des Partners ist nicht mehr erforderlich.

Dass sich mit der Hochzeit die Steuerklassen ändern, ist allgemein bekannt. Aber: Viele junge Ehepaare wissen nicht, welche Wahlmöglichkeiten sie haben. Durch eine geschickte Gestaltung können sie in der Ehe nämlich ihren Nettolohn erhöhen. Dies ist vom Gesetzgeber so gewollt, denn dieser will die Eheschließung fördern.

Welche Steuerklassen kommen für Ehepaare in Frage?


Es gibt sechs Lohnsteuerklassen. Ledige und Alleinerziehende haben oft die Steuerklasse I oder II. Wer nichts weiter unternimmt, wird nach der Hochzeit vom Finanzamt automatisch in die Steuerklasse IV eingestuft. Das heißt: Beide Ehepartner haben dann die Steuerklasse IV. Aber: Es gibt auch noch die Möglichkeit, sich für eine Kombination zu entscheiden, bei der ein Ehepartner in der Steuerklasse III und der andere in Klasse V ist. Um zu verstehen, was dies für Folgen hat, muss man sich zunächst kurz mit der Besteuerung von Ehegatten allgemein befassen.

Wie werden Ehepartner besteuert?


Generell wird die Einkommenssteuer so berechnet, dass man das zu versteuernde Einkommen mit dem persönlichen Steuersatz multipliziert. Mit steigendem Einkommen steigt auch der Steuersatz – das ist die sogenannte Steuerprogression. Diese verläuft nicht linear, sondern überproportional – deshalb bleibt von einer Einkommenserhöhung oft nicht viel übrig.
Eheleute, die nicht auf Dauer getrennt leben, können sich wahlweise zusammen oder einzeln veranlagen lassen. Die Zusammenveranlagung ist meist die günstigste Möglichkeit. Dabei werden die Einkünfte beider Ehepartner einzeln ermittelt, dann aber zusammengerechnet. Nun kommt das Splittingverfahren zum Einsatz: Man berechnet für die Hälfte des gemeinsamen Einkommens die Steuer nach der Steuertabelle. Dann verdoppelt man diesen Steuerbetrag. Meist kommt dabei eine geringere Einkommenssteuer heraus, als wenn beide getrennt veranlagt würden. Bei gemeinsamer Veranlagung geben beide eine gemeinsame Steuererklärung ab und bekommen einen gemeinsamen Steuerbescheid.

Welche Auswirkungen hat die Steuerklasse?


Die Berechnung der Lohnsteuer richtet sich einerseits nach der Höhe des Einkommens, andererseits werden aber auch bestimmte Freibeträge und Pauschbeträge berücksichtigt. Der Arbeitgeber beachtet schon beim Abführen der Lohnsteuer die Steuerklasse und damit die für die jeweilige Steuerklasse geltenden Freibeträge. Wenn Ehepaare ihre Steuerklasse richtig wählen, haben sie jeden Monat mehr Geld auf dem Konto, dass sie sonst erst durch Abgabe einer Steuererklärung im Folgejahr wieder hereinbekommen würden.

Welche Wahlmöglichkeiten haben Ehepartner?


Nur Verheiratete und eingetragene Lebenspartner können bei Zusammenveranlagung aus drei Kombinationen von Steuerklassen wählen. Dies sind die Steuerklassen III/V sowie IV/IV und das sogenannte Faktorverfahren.
Verdienen beide etwa gleich, bietet sich die Kombination IV/IV an, die das Finanzamt grundsätzlich automatisch für Ehepaare vorsieht. Alles andere muss explizit beantragt werden, und zwar von beiden Ehepartnern gemeinsam.

Welche Folgen hat die Wahl der Steuerklasse?


Haben beide Steuerklasse IV, wird beiden ein Grundfreibetrag angerechnet – und mögliche Kinderfreibeträge. Verdienen beide Ehepartner sehr unterschiedlich, bietet sich eine andere Steuerklassenwahl als IV/IV an. Hier wäre zum Beispiel die Kombination III/V günstiger. Der Mehrverdienende sollte Steuerklasse III verwenden. Der schlechter Verdienende wählt die ungünstigere Steuerklasse V. Die Steuer wird nach der Splittingtabelle ermittelt. Im Ergebnis zahlt das Paar weniger Steuern, als wenn beide Steuerklasse IV hätten. Die Kombi III/V ist zu empfehlen, wenn der Unterschied im Gehalt mindestens bei 60/40 liegt. Andernfalls riskiert man eine Nachzahlung.
Nun ist der schlechter Verdienende dadurch aber recht schlecht gestellt. Einen Ausgleich kann das Faktorverfahren schaffen. Man spricht auch von der Steuerklasse IV mit Faktor. Beide haben dabei die Steuerklasse IV. Damit sollen beide Partner in den Genuss der Steuerersparnis kommen. Sie müssen dazu jedes Jahr im Voraus eine Einkommensschätzung ans Finanzamt übermitteln. Ab 2019 soll ein Zweijahresrhythmus eingeführt werden. Das Finanzamt ermittelt dann einen Faktor, mit dessen Hilfe eine Steuerersparnis auf beide verteilt wird. Überlegenswert ist dieses Verfahren, wenn ein Ehepaar trotz der Wahl der Kombination III/V immer noch Steuern nachzahlen muss.

Wie funktioniert der Steuerklassenwechsel?


Von der Eheschließung erfährt das Finanzamt automatisch über das Standesamt und teilt dann den Ehepartnern jeweils Steuerklasse IV zu. Wollen Sie etwas ändern, müssen Sie dies gemeinsam beantragen. Dies ist nur bei Zusammenveranlagung möglich. Dafür gibt es ein besonderes Formular, genannt „Antrag auf Steuerklassenwechsel für Ehegatten“. Auch der Arbeitgeber sollte informiert werden. Ein Steuerklassenwechsel ist einmal im Jahr möglich und muss vor dem 30. November beantragt werden. Das Finanzamt muss nach § 39 Abs. 6 S.5 Einkommenssteuergesetz (EStG) die Änderung mit Wirkung vom Beginn des Kalendermonats an durchführen, der auf die Antragstellung folgt.

Wer muss eine Steuererklärung abgeben?


Arbeitnehmer müssen grundsätzlich keine Steuererklärung abgeben. Aber: Beim Wechsel der Steuerklasse sieht das anders aus. Wer die Steuerklassenkombi III/V oder die Steuerklassen IV/IV mit Faktor wählt, ist verpflichtet, eine jährliche Steuererklärung abzugeben. Dies ist übrigens auch der Fall, wenn außer dem Angestellten-Job noch weitere Einnahmen vorhanden sind, etwa Nebentätigkeiten oder selbstständige Einnahmen.

Steigt mein Gesamtverdienst durch den Steuerklassenwechsel?


Grundsätzlich nicht. Der Wechsel der Steuerklasse hat Auswirkungen auf das monatliche Nettogehalt, Arbeitnehmer haben bei günstiger Wahl also netto mehr auf dem Konto. Die monatlich vom Arbeitgeber abgeführte Lohnsteuer ist jedoch nur eine Vorauszahlung, und auf die endgültige Berechnung der Steuer im Rahmen der Steuererklärung haben die Steuerklassen weniger Auswirkungen. Wer also etwa mit der Kombination der Klassen III/V mehr Netto auf dem Konto hat, sollte sich etwas Geld zurücklegen, falls er insgesamt für das ganze Jahr eine Nachzahlung leisten muss. Dies gilt insbesondere, wenn der Einkommensunterschied der Partner nicht bei mindestens 60/40 liegt.

Was, wenn wir weiter einzeln veranlagt werden wollen?


Dann müssen beide auf dem Mantelbogen der Steuererklärung „Einzelveranlagung von Ehegatten/Lebenspartnern“ ankreuzen. In der Regel ist diese Variante jedoch bei Ehepaaren ungünstiger.

Was passiert bei einer Trennung?


Seit 1.1.2018 gilt: Ein Wechsel von Steuerklasse III oder V in Steuerklasse IV kann auch auf Antrag nur eines Ehegatten stattfinden. Dies regelt § 38b Absatz 3 Einkommenssteuergesetz. Ein solcher einseitiger Antrag bietet sich meist bei einer Trennung an. Der Gesetzgeber möchte damit erreichen, dass die Kombination der Klassen III/V nur zur Anwendung kommt, wenn und solange beide Ehegatten dies wünschen.

Praxistipp


Die Steuerklasse hat Auswirkungen auf den Nettolohn und damit auch auf Lohnersatzleistungen, die nach dem Nettolohn berechnet werden. Dies sind zum Beispiel Elterngeld, Mutterschaftsgeld oder Arbeitslosengeld. Seit 2013 berechnet man zum Beispiel das Elterngeld auf der Basis des Nettogehalts, für das in den zwölf Monaten vor der Geburt überwiegend die gleiche Steuerklasse angewendet wurde. Wer in Elternzeit gehen möchte, sollte also mindestens sieben Monate vor der Geburt dafür sorgen, dass er in Steuerklasse III oder IV wechselt, damit sein Nettogehalt und damit auch das Elterngeld steigt.

(Wk)



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