Steuertipps für Rentner

21.12.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (635 mal gelesen)
Steuertipps für Rentner © Bu - Anwalt-Suchservice

Seit 2005 gibt es neue Spielregeln für die Besteuerung gesetzlicher Renten. Rentner können bestimmte Freibeträge in Anspruch nehmen. Außerdem können sie manche Kosten als Sonderausgaben absetzen.

Im Jahr 2019 müssen sehr wahrscheinlich mehr Rentner Steuern zahlen. Grund ist das erwartete Rentenplus von 3,2 Prozent in Westdeutschland sowie 3,9 Prozent in Ostdeutschland. Die Anzahl der steuerpflichtigen Rentner wird steigen, weil diese künftig oberhalb der Freibeträge liegen.

Was sind die Kernpunkte des Alterseinkünftegesetzes?


Vor 2005 wurde die Altersrente nur mit ihrem Ertragsanteil besteuert. Dies hat sich durch das Alterseinkünftegesetz geändert. Der Grund für die Änderung war, dass das Bundesverfassungsgericht die bestehende Regelung wegen der Ungleichbehandlung mit den Beamtenpensionen für verfassungswidrig erklärt hatte. Seitdem unterliegen gesetzliche Renten der sogenannten nachgelagerten Besteuerung. Bei dieser ist der Besteuerungsanteil ausschließlich vom Jahr des Renteneintritts abhängig und steigt mit den Jahreszahlen an.

Welcher Anteil ist zu versteuern?


Rentner müssen Ihre Einkünfte aus der gesetzlichen Rente nicht vollständig, sondern nur zu einem gewissen Anteil versteuern. Dieser Anteil steigt mit dem Jahr des Renteneintritts. Ist also jemand 2005 in Rente gegangen oder war 2005 schon in Rente, muss er 50 Prozent versteuern. Dies bleibt für ihn auch auf Dauer so. Bei Rentnern, die danach in Rente gehen, steigt der steuerpflichtige Anteil mit jedem Jahr des Renteneintritts um zwei Prozent. Ab 2021 steigt er nur noch um ein Prozent. Wer ab 2040 Rentner wird, muss seine gesetzliche Rente dann in vollem Umfang versteuern.

Wie ermittelt man den Rentenfreibetrag?


Wer zum Beispiel 2015 zum ersten Mal Rente bezogen hat, muss 70 Prozent davon versteuern. Der nicht zu versteuernde Betrag wird im zweiten Jahr des Rentenbezuges als Rentenfreibetrag auf Lebenszeit festgeschrieben.
Beispiel: Von 1.000 Euro Rente müssen 70 Prozent, also 700 Euro, versteuert werden. Der Rest von 300 Euro ist künftig der Rentenfreibetrag.
Der Rentner muss fortan alles versteuern, was nach Abzug des Rentenfreibetrages und des Werbungskosten-Pauschbetrages übrig ist.
Dabei steigern Rentenerhöhungen nicht den Rentenfreibetrag. Wenn die Rente also auf 1.015 Euro erhöht wird, bleibt der Rentenfreibetrag bei 300 Euro, alles andere ist zu versteuern.

Urteil: Regelmäßige Rentenanpassungen sind steuerpflichtig
Das Finanzgericht Baden-Württemberg hat entschieden, dass regelmäßige Rentenanpassungen in der gesetzlichen Rentenversicherung zu 100 Prozent der Einkommensteuer unterliegen. Diese Ansicht wurde vom Bundesfinanzhof in München bestätigt (Az. X B 113/11).

Wie kann ich den Sonderausgabenabzug nutzen?


Die Beiträge für Haftpflichtversicherungen, Lebensversicherungen, Krankenversicherungen, Krankenhaustagegeldversicherungen, Unfallversicherungen, die PKW-Haftpflicht und die Pflegeversicherung können Rentner als Sonderausgaben geltend machen. Dazu müssen sie eine Steuererklärung abgeben und die Höhe der Beiträge nachweisen. Ansonsten gibt es nur einen Pauschbetrag von 36 Euro (das Doppelte bei Ehepaaren). Auch Spenden und Mitgliedsbeiträge werden zu den Sonderausgaben gerechnet.

Was gilt für private Renten?


Einkünfte aus privaten Rentenversicherungen – meist Leibrenten – sind mit dem Ertragsanteil zu versteuern. Dieser wird bei lebenslangen Renten nach dem Lebensalter bei Rentenbeginn berechnet. Bei abgekürzten Leibrenten bestimmt sich der steuerpflichtige Ertragsanteil nach der voraussichtlichen Laufzeit der Rente. Je höher diese ist, desto größer ist der Ertragsanteil. Die Ertragsanteile wurden 2005 gesenkt.

Wie werden Riester- und Betriebsrenten besteuert?


Bei Betriebsrenten gibt es unterschiedliche Modelle, die steuerlich verschieden behandelt werden. Dabei kommt es meist darauf an, inwieweit die verschiedenen Varianten in der Ansparphase steuerbegünstigt waren. Riester-Renten werden in der Auszahlungsphase in voller Höhe nachgelagert besteuert. Allerdings gibt es hier Unterschiede je nachdem, ob eine Auszahlung aus einem Riester-Vertrag oder eine fiktive Auszahlung von Kapital stattfindet, das nun in Form einer Immobilie vorhanden ist. Beim letzteren kann der Steuerzahler zwischen einer jährlichen und einer einmaligen Besteuerung wählen.

Was gilt für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung?


Betriebsrenten sind für Mitglieder der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung grundsätzlich beitragspflichtig. Der Rentner muss also auf die Betriebsrente Sozialversicherungsbeiträge entrichten. Dies gilt auch für die Auszahlung einer Direktversicherung in einem Beitrag. Für eine Riester-Rente müssen grundsätzlich keine Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung und die Pflegeversicherung gezahlt werden, außer, sie wurde über den Arbeitgeber abgeschlossen. Man sollte sich also gut überlegen, ob man Betriebsrente und Riester kombinieren möchte.

Wann müssen Rentner eine Steuererklärung abgeben?


Ein Rentner muss eine Steuererklärung abgeben, wenn sein Gesamteinkommen den jährlichen Grundfreibetrag übersteigt. Im Jahr 2018 liegt der Grundfreibetrag bei 9.000 Euro für Ledige und bei 18.000 Euro für Verheiratete. Im Jahr 2019 sind es 9.168 für Ledige und 18.336 für Verheiratete.
Zu den anzugebenden steuerpflichtigen Einkünften von Rentnern gehören die private und gesetzliche Rente (Anlage R), aber auch beispielsweise Miet- und Kapitaleinnahmen (Anlage V und Anlage KAP).

Praxistipp


Auskünfte über die Rentenversicherung sowie Rat und Hilfe im Streitfall kann ein Fachanwalt im Sozialrecht bieten.

(Bu)



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