Tattoos bei Bewerbungen: Immer noch ein Problem?

11.10.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (212 mal gelesen)
Tattoos bei Bewerbungen: Immer noch ein Problem? © belyjmishka – Fotolia.com
Manch konservativer Arbeitgeber hat mit Körperschmuck nicht viel im Sinn. Tattoos können sich bei Bewerbungen negativ auswirken und sind oft auch im laufenden Arbeitsverhältnis nicht gern gesehen. Wie sieht aber die Rechtslage zu diesem Thema aus?

Persönlichkeitsrecht contra Arbeitgeber-Interessen?
Tätowierungen sind heute keine Seltenheit mehr und werden von immer mehr Menschen als Ausdruck ihres persönlichen Stils getragen. Acht Millionen Menschen sollen in Deutschland bereits Tattoos tragen. Das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit schützt einen individuellen Stil grundsätzlich auch im Arbeitsverhältnis – aber nur, wenn er nicht allzu sehr den Interessen des Arbeitgebers in die Quere kommt. In Branchen mit viel Kundenkontakt – etwa bei Versicherungen, Banken oder Behörden – sind Tattoos nach wie vor verpönt. Hier kann der Arbeitgeber durchaus verlangen, dass das Äußere seiner Mitarbeiter bestimmten Anforderungen gerecht wird.

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz als Lösung?
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet auch im Arbeitsrecht eine Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität. Von Körperschmuck ist nicht die Rede. Dieses Gesetz steht also der Ablehnung eines Bewerbers nicht im Wege, wenn der Arbeitgeber sich beim Vorstellungsgespräch an einem Tattoo stört. Ausnahmen sind denkbar, wenn der Bewerber nicht wegen des Tattoos an sich abgelehnt wird, sondern wegen dessen Inhalt oder Aussage, und wenn diese einen politischen oder religiösen Inhalt hat oder auf eine besondere sexuelle Orientierung hinweist. Hier könnte das AGG also greifen – allerdings sucht man Gerichtsurteile zu solchen Fällen vergebens. In der Regel wird das Tattoo nicht als Grund der Absage erwähnt werden. Tattoos mit strafrechtlich relevanten Aussagen in politischer oder sexueller Hinsicht können natürlich ein Ablehnungsgrund sein, bei dem auch das AGG nicht hilft.

Tattos bei der Polizei
Gerichtsurteile zum Thema Bewerbungen und Tattoos befassen sich fast ausschließlich mit Bewerbungen bei der Polizei. Oft hört man, dass Tattoos ein generelles Einstellungshindernis für den Polizeidienst sind. Dies stimmt jedoch so nicht – denn einerseits handhaben die Bundesländer dies nicht einheitlich, andererseits sehen manche Gerichte in Tätowierungen auch kein so großes Problem.

Bundespolizei: Tattoo ist Hindernis
Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel erklärte die Ablehnung einer Bewerberin wegen eines Tattoos auf ihrem rechten Unterarm für rechtmäßig und bestätigte damit die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Darmstadt. Tätowiert war auf Französisch der Spruch "Bitte zähme mich" als Zitat aus der Erzählung "Der kleine Prinz". Das Gericht zitierte allerdings eine Richtlinie der Bundespolizei, nach der sichtbare Tätowierungen generell ein Einstellungshindernis seien. Es ginge darum, keinen Ansatz für Provokationen zu bieten. Der Dienstherr dürfe Bewerber mit Tätowierungen ablehnen, die beim Tragen vorschriftsmäßiger Dienstkleidung wie Kurzarmhemden im Sommer sichtbar seien (VGH Hessen, 9.7.2014, Az. 1 B 1006/14).

VG Aachen: Tattoo kein Hindernis
Das Verwaltungsgericht Aachen hielt großflächige Tattoos auf beiden Armnen (einschließlich der Unterarme) nicht für einen Grund, einen Bewerber für den Polizeidienst abzulehnen. Tätowiert war hier unter anderem eine mexikanische Totenmaske. Das Gericht sah hier keinen sachlichen Zusammenhang mit der Eignung für den Polizeidienst. Notfalls könne der Dienstherr dem Mann ja aufgeben, ein Hemd mit langen Ärmeln zu tragen (VG Aachen, Urteil vom 29. November 2012, Az. 1 K 1518/12).

Tattoos bei der Marine?
Auch die Bundeswehr hat seit Februar 2014 eine Dienstvorschrift, die sich mit Tattoos beschäftigt. Danach sind größere Tätowierungen in geeigneter und dezenter Weise abzudecken. Ein Staabsbootsmann wehrte sich gegen diese Regelung. Er trug ein 12 x 10 cm großes Tattoo am rechten Unterarm, das eine Sonne mit darauf liegendem Herz und Namensschild sowie eine rote Rose darstellte. Dieses trug er im Dienst auf See und auch bei Auslandseinsätzen bereits seit 18 Jahren. Auf seine Beschwerde hin änderte man tatsächlich die Dienstvorschrift: Diese beinhaltet nun die Ausnahme, dass Tattoos während des Dienstes innerhalb militärischer Bereiche und auf Schiffen jederzeit zu sehen sein dürfen – nur nicht bei offiziellen Veranstaltungen mit Außenwirkung. Der Seemann erklärte den Streit damit für beigelegt. Er musste allerdings die Verfahrenskosten des mittlerweile mit der Sache befassten Wehrdienstsenats des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig bezahlen, da er nicht ausreichend erklärt hatte, inwieweit er persönlich in seinen Rechten verletzt sei (BVerwG, Beschluss vom 6. Februar 2015, Az. 1 WB 31.14).