Totalschaden: BGH schiebt Manipulationen bei Reparaturkosten einen Riegel vor

26.08.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (294 mal gelesen)
Totalschaden: BGH schiebt Manipulationen bei Reparaturkosten einen Riegel vor © benjaminnolte - Fotolia.com
Der BGH hat Manipulationen bei Reparaturkosten von alten Autos nach einem Unfall mit Totalschaden einen Riegel vorgeschoben (VI ZR 387/14). Die geschädigten Autobesitzer dürfen demnach nicht von den Vorgaben der Sachverständigen abweichen. Betroffen sind allerdings auch Besitzer von Neuwagen, die sehr schnell an Wert verlieren, was oft einen finanziellen Verlust zur Folge hat.

Versicherung zahlt nur Wiederbeschaffungswert
Die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers im oben genannten Fall hatte die Reparaturkosten zunächst von einem Sachverständigen schätzen lassen. Liegen die Kosten in solchen Fällen 30 % über dem Wiederbeschaffungswert, gilt die Reparatur in aller Regel als wirtschaftlich unvernünftig. Die Geschädigten erhalten insofern nur den Wiederbeschaffungswert von der Versicherung. Die teurere Reparatur wird nicht bezahlt. Das war vielen Leuten bisher häufig zu wenig, weshalb sie - wie im vorliegenden Fall auch - versuchten, die Reparaturkosten zu drücken, um mehr Geld von der Versicherung zu erhalten.

Auf den Mehrkosten sitzengeblieben
Der vorgerichtlich mit der Schätzung des Sachschadens beauftragte Sachverständige im vorliegenden Fall hatte die Reparaturkosten bei dem Mercedes Benz C 200 D mit rund 2.973 € brutto, den Wiederbeschaffungswert mit 1.600 € und den Restwert mit 470 € ermittelt. Von der Werkstatt ließ die Mercedes-Besitzerin Gebrauchtteile einbauen und gab einige Reparaturen gar nicht erst in Auftrag, so dass die Reparatur letztlich nur 2.079 € kostete. Die Versicherung regulierte den Schaden dennoch als wirtschaftlichen Totalschaden und zahlte nur 1.130 €. Die Mercedes-Besitzerin verlangte gerichtlich die Zahlung der noch mit rund 949 € offenen Reparaturkosten. Auf diesen Mehrkosten blieb sie jedoch sitzen.

Vorgaben des Sachverständigen missachtet
Zwar erkannte das AG Oberkirch die Reparaturkosten noch in vollem Umfang an. Das LG Offenburg hob das Urteil jedoch im Berufungsverfahren wieder auf und wies die Klage ab. Der BGH bestätigte diese Auffassung. "Lässt der Geschädigte sein Fahrzeug trotz wirtschaftlichen Totalschadens reparieren, können die Kosten nicht in einen vom Schädiger auszugleichenden wirtschaftlich vernünftigen und einen vom Geschädigten selbst zu tragenden wirtschaftlich unvernünftigen Teil aufgespalten werden," so die Richter. Schließlich war die Reparatur auch nicht vollständig nach den Vorgaben des Sachverständigen erfolgt, wozu Autobesitzer fortan verpflichtet sind.

Kein grundsätzliches Verbot von Gebrauchtteilen
Die Richter merkten an, dass zwar altersentsprechende, funktionsfähige Gebrauchtteile eingebaut werden dürften, um Kosten zu sparen. Allerdings dürften - wie im vorliegenden Fall geschehen - keine Teile komplett weglassen werden. Insoweit hilft es auch nicht, wenn trotz allem "keine optischen Mängel" zu sehen sind. Denn es kommt nicht darauf an, ob die verbliebenen Defizite optisch nicht störten.

Wie können sich Neuwagenbesitzer schützen?
Neuwagen verlieren schnell an Wert. Erleidet ein Neuwagen einen wirtschaftlichen Totalschaden, wird die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers auch in solchen Fällen nur den Wiederbeschaffungswert zahlen. Um hier einem finanziellen Verlust zu vermeiden, sollten Neuwagenbesitzer mit ihrer Versicherung eine Neupreisentschädigung vereinbaren. Dadurch erhält der Versicherungsnehmer den Neupreis des Fahrzeugs erstattet, und zwar unabhängig vom jeweiligen Zeitwert des Fahrzeuges.