Unfall auf der Probefahrt: Wer haftet?

07.03.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (849 mal gelesen)
Unfall auf der Probefahrt: Wer haftet? © B. Wylezich - Fotolia.com
Bevor man einen Kaufvertrag über einen Gebrauchtwagen unterschreibt, wird meist eine Probefahrt durchgeführt – denn man will ja wissen, ob das Fahrzeug funktioniert und man sich darin gut fühlt. Aber was ist, wenn es auf der Probefahrt zu einem Unfall kommt?

Ungewohntes Auto: Höhere Unfallgefahr
Gerade auf einer Probefahrt ist das Unfallrisiko gar nicht so gering. Denn der Probefahrer ist an das neue Auto noch nicht gewöhnt, die Bedienungselemente sind anders als bisher, ebenso wie vielleicht das Brems- und Lenkverhalten. Die Konzentration des Fahrers liegt mehr beim Auto als auf der Straße. Und vielleicht besteht auch eine gewisse Verlockung darin, einmal das Fahrverhalten auszutesten – durch Vollbremsungen oder Spurts mit Vollgas, die auch ein gewisses Unfallrisiko mit sich bringen. Und letztendlich dient die Probefahrt ja dazu, einen möglichen Sachmangel am PKW auszumachen – dieser kann sich aber auch auf die Sicherheit auswirken.

Probefahrt beim Autohändler
Bei vielen Autohändlern besteht für Probefahrten eine Vollkaskoversicherung, durch die auch Schäden am Fahrzeug des Händlers abgedeckt sind. Hier gibt es allerdings eine wichtige Ausnahme: Wird der Schaden durch grobe Fahrlässigkeit oder durch Vorsatz des Kunden verursacht, ist dieser von der Versicherung nicht abgedeckt und der Probefahrer haftet dafür. Das Überfahren einer roten Ampel kann genauso unter grobe Fahrlässigkeit fallen wie allzu abenteuerliche Fahrmanöver, um das Brems-, Kurven- oder Beschleunigungsverhalten des Autos zu testen. Dass der Probefahrer nicht betrunken sein oder unter Drogen stehen sollte, wenn er Versicherungsschutz erwartet, versteht sich von selbst.

Verkauf "im Kundenauftrag"
Nun kommt es jedoch immer wieder vor, dass Gebrauchtwagen von Händlern "im Kundenauftrag" verkauft werden – das heißt, das Fahrzeug gehört nicht dem Händler, sondern einem anderen Kunden, in dessen Auftrag es der Händler veräußern soll. Das Oberlandesgericht Koblenz hat sich mit einem solchen Fall beschäftigt. Ein Kunde hatte eine Probefahrt mit einem auf dem Hof des Gebrauchtwagenhändlers angebotenen Trike gemacht. Bei der Rückkehr touchierte er ein anderes Kundenfahrzeug, rutschte von der Kupplung ab, rammte das Tor der Reparaturhalle und fuhr gegen ein Ölfass. Am Trike entstand ein fünfstelliger Schaden, den die private Eigentümerin des Fahrzeugs nun vom Probefahrer verlangte. Sie ging davon aus, dass der Händler den Kunden darüber informiert hatte, dass er ein noch regulär angemeldetes Privatfahrzeug fuhr.

Typische Gefahren einer Probefahrt
Das Gericht wies die Klage auf Schadensersatz ab. Entscheidend war, dass der Unfall hier nur durch leichte Fahrlässigkeit verursacht worden war. Überlasse ein Kraftfahrzeughändler einem Kaufinteressenten ein neues oder gebrauchtes Fahrzeug zu einer Probefahrt und werde dieses infolge leichter Fahrlässigkeit des Fahrers beschädigt, dann komme eine stillschweigende Haftungsfreistellung zum Tragen. Voraussetzung sei, dass der Unfall im Zusammenhang mit den typischen Gefahren einer Probefahrt stehe. Diese Freistellung gelte zugunsten des Kunden gegenüber dem KfZ-Händler. Aber auch die Klägerin müsse dies hier gegen sich gelten lassen, da sie den Händler nach dem Zivilrecht als Erfüllungsgehilfen genutzt habe. Der Unfall sei hier nur leicht fahrlässig verursacht worden: Der Fahrer habe die Breite des hinteren Fahrzeugteils unterschätzt, da er nur den motorradähnlichen Teil des Fahrzeugs im Sichtfeld hatte. Gerade die mangelnde Routine mit einem Trike sei für den Unfall verantwortlich gewesen.

Eigentümer nicht relevant
Ob nun der Händler oder ein anderer Kunde Eigentümer sei, hielt das Gericht für unwichtig. Wer ein Fahrzeug von einem Händler zur Probefahrt übernehme, dürfe darauf vertrauen, dass dieses gegen leicht fahrlässige Schäden vollkaskoversichert sei. Sei dies nicht der Fall, müsse der Händler ihn darauf hinweisen. Dies sei hier nach Überzeugung des Gerichts nicht erfolgt (OLG Koblenz, Urteil vom 13.1.2003, Az. 12 U 1360/01).

Kauf von privat
Anders sieht es natürlich bei einem Kauf von privat aus. Hier übernimmt die Versicherung des Verkäufers den Schaden – im vertraglich vereinbarten Umfang. Hat er also nur eine Haftpflicht, übernimmt diese den Schaden an einem frenden Auto, aber nicht am "Probefahrzeug". Für den würde der Probefahrer haften – und zwar auch bei leichter Fahrlässigkeit. Besteht eine Teil- oder Vollkasko, hängt es von den Versicherungsbedingungen ab, was diese zahlt. Womöglich sind Schäden bei Probefahrten ausgeschlossen. Oder es gibt eine Selbstbeteiligung, vielleicht wird der Versicherungsnehmer in der Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft. Auch dies sind Schäden, auf die der Probefahrer unter Umständen in Anspruch genommen werden kann. Verkäufer sollten zuvor einen Blick in den Versicherungsvertrag werfen, um später keine Überraschung zu erleben.

Haftungsausschluss beim Privatkauf?
Auch bei einem Kauf von privat kann die Haftung des Fahrers für einen Unfall auf der Probefahrt ausgeschlossen werden, etwa durch eine schriftliche Vereinbarung. In der Praxis ist dies eher unüblich und auch kaum im Interesse des Verkäufers. Die Haftung für Vorsatz und grobe Fahrlässiglkeit kann durch eine solche Vereinbarung nicht ausgeschlossen werden.