...und mein Vermögen erbt mein Hund Berry...

31.07.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (317 mal gelesen)
...und mein Vermögen erbt mein Hund Berry... © adogslifephoto - Fotolia.com
Dass ein Haustier als Erbe benannt wird, mag in anderen Rechtssystemen üblich sein. In Deutschland gibt es so etwas selbstverständlich nicht. Nur – was macht das Nachlassgericht, wenn der Erblasser das nicht wusste?

Eine tierliebe Dame aus München war mit 67 Jahren verstorben. Kinder hatte sie keine, nur Geschwister, Nichten und Neffen. Besonders nahe stand ihr aber ihr Hund Berry. So stand der treue Weggefährte im Testament denn auch an erster Stelle. Darin schrieb sie: "Mein letzter Wunsch ... Meine Erben sind mein Hund Berry, mein Bruder D., mein Bruder G., mein Neffe A., meine Nichte S., mein Neffe M. ... bitte nicht streiten, Eure Tante."

Bevor sie in das Krankenhaus kam, hatte sie den Hund in die Obhut ihres Bruders gegeben. Nach ihrem Tod übernahm eine Bekannte Berry, und kümmerte sich um ihn. Das Nachlassgericht überging den Hund und erteilte den menschlichen Erben einen Erbschein zu je einem Fünftel. Nun fand die Bekannte, dass auch Berry seinen Anteil am Erbe erhalten sollte – den sie gerne für ihn verwalten würde. Zum Nachlass gehörte eine Eigentumswohnung in München. Sie legte Beschwerde gegen die Erbscheinserteilung ein.

Das Landgericht München I hatte wenig Verständnis für Hunde als testamentarische Erben. Es erklärte der enttäuschten Frau, dass nur rechtsfähige Personen (im Sinne von: Menschen) erben könnten. Im Testament seien nur die Verwandten benannt worden. Da es mit "Eure Tante" unterzeichnet sei, stehe fest, dass familienfremde Personen nichts erben sollten.

Das Gericht gestand der Frau zwar zu, dass sie den Hund behalten durfte. Immerhin sei im Testament nicht bestimmt worden, wer ihn bekommen solle. Ein Erbrecht hinsichtlich des restlichen Nachlasses könne sie aus dem Besitz des Hundes jedoch nicht ableiten.

Da kann man nur hoffen, dass Berry auch für seine neue Besitzerin zu einem treuen und geschätzten Weggefährten geworden ist – obwohl er kein Geld mit ins neue Heim gebracht hat.

Landgericht München I, Beschluss vom 22.1.2004, Az. 16 T 22604/03