Urlaub und Haustiere - Wissen für Tierfreunde

27.06.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 6 Min. (230 mal gelesen)
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Viele Menschen fragen sich vor der Urlaubszeit, wer sich um ihre Haustiere kümmern kann. Manche möchten ihr Tier auch gerne in den Urlaub mitnehmen. Hier einige Tipps rund um Tiere und die Urlaubszeit.

Die beste Lösung für die Urlaubszeit besteht natürlich darin, dass nette Freunde oder Verwandte sich der tierischen Hausgenossen annehmen und sie täglich füttern, Gassi gehen oder auch den Käfig säubern. Solche netten Menschen sind jedoch nicht immer verfügbar. Natürlich gibt es auch professionelle Tiersitter. Sollen diese hinzugezogen werden, müssen sich die Tierfreunde jedoch auch mit Verträgen und Haftungsfragen befassen. Was passiert etwa, wenn der Hund in der Tierpension mal zubeißt? Nicht zuletzt gibt es auch einige Möglichkeiten, den Urlaub mit tierischer Begleitung zu verbringen.

Wer pflegt mein Haustier?


Die erste Möglichkeit besteht hier darin, im Bekannten- und Verwandtenkreis zu fragen. Vielleicht hat ja ein Bekannter ein Tier, und man kann sich revanchieren, wenn derjenige selbst im Urlaub ist? Hat trotzdem niemand Zeit und Lust, sich um das Haustier zu kümmern, stehen bezahlte Tiersitter bereit. Im Internet findet man mehrere Vermittlungsportale, die Kontakte zwischen Tierhaltern und privaten Tiersittern vermitteln. Hier können Tierfreunde Profile möglicher Kandidaten anschauen, aus denen auch die einschlägigen Erfahrungen der Tiersitter hervorgehen, sowie Preise vergleichen. In vielen Fällen sind die Tiersitter Studenten, die sich etwas dazu verdienen wollen. Große Fachkenntnis wird man dabei in vielen Fällen nicht erwarten dürfen. Ob diese erforderlich ist, hängt von der Tierart und dem Charakter sowie den Bedürfnissen des Tieres ab. Eine Katze ist sicher einfacher zu füttern als bestimmte Exoten, und mit Hunden sollte man schon umgehen können. Daneben gibt es gewerbliche Tierpensionen. Natürlich sollten sich Tierhalter diese zuerst genau anschauen, denn Qualität ist nicht selbstverständlich. Viele örtliche Tierheime bieten ebenfalls eine Urlaubsbetreuung an. Und der Deutsche Tierschutzbund hat eine Aktion ins Leben gerufen, die auf Gegenseitigkeit beruht: ”Nimmst du mein Tier, nehme ich dein Tier”. Vermittelt wird durch lokale Tierschutzvereine. Siehe hier: https://www.tierschutzbund.de/urlaubs-hilfe.html

Welche Kosten fallen für eine Tierpension an?


Je nach angebotener Leistung können die Preise sich sehr unterscheiden. Und die Leistungen können sehr unterschiedlich sein: Von der eher einfachen Tierpension bis hin zum Tierhotel mit Luxus-Angeboten wie Hundesport und Agility-Training gibt es alles. Als Durchschnittswert kann man 20 bis 25 Euro pro Tag für Hunde annehmen (je nach Größe) sowie 10 bis 15 Euro für Katzen und 5 bis 15 Euro für Kaninchen oder Meerschweinchen. Bei mehreren Tieren gewähren Tierpensionen oft Mengenrabatt. Oft besteht eine Zusammenarbeit mit einem Tierarzt oder einer Tierklinik. Müssen dem Tier Medikamente verabreicht oder aufwändige Fellpflege betrieben werden, sind in der Regel zusätzliche Gebühren fällig. Oft gibt es einen Hol- und Bring-Service.
Tierfreunde müssen mit der Tierpension einen Vertrag schließen, in dem unbedingt auch die Besonderheiten des jeweiligen Tieres aufgeführt werden sollten. Dies sind etwa besondere Verhaltensweisen, Vorlieben, Erkrankungen, notwendige Medikamente. Verträgt sich das Tier schlecht mit Artgenossen, sollte man dies nicht verschweigen. Tierpensionen haben meist auch Plätze für unverträgliche Bewohner, sie müssen dies nur vorher wissen.
Mobile Tiersitter, die in die Wohnung kommen, werden nach Stunden bezahlt. Der Stundensatz kann abhängig von der Erfahrung des Betreffenden, dem Ort und der Anzahl der zu versorgenden Tiere sehr unterschiedlich sein. Die Anfahrt ist oft zusätzlich zu bezahlen.

Wer haftet, wenn Bello mal zubeißt?


Die Haftung von Tierhaltern ist – nicht nur für Hundehalter – in § 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) geregelt. Danach gilt: Wird jemand durch ein Haustier verletzt oder verursacht dieses einen Sachschaden, haftet der Tierhalter. Diese Haftung gilt unabhängig von einem Verschulden. Das Argument, dass man zum Zeitpunkt des Vorfalles in Schweden Lachse geangelt hat, zählt also nicht.
Nun könnte man ja auch auf die Idee kommen, dass die Haftung anders geregelt ist, wenn Personen geschädigt werden, die beruflich mit fremden Tieren umgehen. Aber: Die Gerichte haben schon mehrmals entschieden, dass auch diese Personen Anspruch auf Schadensersatz gegen den Tierhalter haben können.
Zum Beispiel gestand der Bundesgerichtshof 2014 der Inhaberin einer Tierpension einen Anspruch auf Schadensersatz gegen einen Kunden zu, dessen Hund sie während der Urlaubsbetreuung ins Gesicht gebissen hatte (Urteil vom 25. März
2014, Az. VI ZR 372/13).
Auch ein Tierarzt, der beim Versuch der rektalen Fiebermessung bei einem in Pension gegebenen Araberhengst einen Huftritt abbekam, machte erfolgreich Schadensersatzansprüche inklusive Verdienstausfall gegen die Tierhalterin geltend (BGH, Urteil vom 17. März 2009, Az. VI ZR 166/08).
Für solche Fälle empfiehlt sich dringend eine Tierhalter - Haftpflichtversicherung.

Wohin kann ich mein Tier mitnehmen?


In Deutschland gibt es immer wieder Hotels und Ferienwohnungen, in denen die Mitnahme von Tieren erlaubt ist. Denn auch Tierfreunde sind eine Zielgruppe, die für Umsatz in der Ferienbranche sorgt. Oft findet man in den Reise- oder Unterkunftsportalen im Internet solche tierfreundlichen Unterkünfte. Im Ausland wird es schon schwieriger. Denn bei einer Auslandsreise benötigen Tierfreunde nicht nur die Zustimmung des Inhabers ihrer Unterkunft, sondern auch das “okay” ihrer Fluggesellschaft, falls sie nicht per Auto kommen. Natürlich kann es für Tiere je nach Reiseland auch besondere ”Einreiseformalitäten” geben.

Was halten Fluggesellschaften von tierischen Passagieren?


Dies ist von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich. Die meisten Airlines nehmen Tiere mit, sie stellen dafür aber ganz unterschiedliche Regeln auf. Manchmal dürfen Fluggäste Tiere, die inklusive Transportbox nicht mehr als 8 kg wiegen, mit in die Kabine nehmen. Für die Mitnahme eines Tiers werden zusätzliche Gebühren erhoben, diese können etwa 25 bis 300 Euro betragen. Unbedingt erforderlich ist die vorherige Anmeldung des Tieres, vorzugsweise im Rahmen der Buchung des Fluges. Manche Airlines verlangen einen gültigen Impfpass. Größere Hunde werden teilweise im Frachtraum befördert. Hier muss man sich rechtzeitig erkundigen, welche Anforderungen die Fluggesellschaft an die Transportbox stellt. Gelockert sind die Regeln meist für Blinden- und Assistenzhunde. Dagegen werden gefährliche Hunde (Kampfhunde, sogenannte Listenhunde) oft gar nicht mitgenommen. Nagetiere oder Schlangen wollen die Fluggesellschaften ebenfalls nicht in ihren Maschinen haben – wenn so ein Tier entwischt, möchte wohl auch niemand die Ausfallzeit des Flugzeuges bezahlen, während eine Suchmannschaft durch Frachträume und Kabelschächte kriecht.

Welche Reiseformalitäten gelten für Tiere innerhalb der EU?


In der EU gibt es seit Ende 2014 eine neue Verordnung über das Reisen mit Hunden, Katzen und Frettchen. Wer von Deutschland aus in ein anderes EU-Land reisen will, muss dafür sorgen, dass seine Tiere folgende Voraussetzungen erfüllen:
- Gültige Impfung gegen Tollwut (mindestens 21 Tage alt),
- Kennzeichnung mit Mikrochip oder gut lesbarer Tätowierung (wenn diese vor dem 3.7.2011 durchgeführt wurde),
- Heimtierausweis: Seit 2014 in neuer Form. Der ihn ausstellende Tierarzt trägt darin Impfung, Kennzeichnung und Beschreibung des Tieres ein; der Ausweis ist vom Halter zu unterschreiben, alte Ausweise bleiben gültig.
Großbritannien, Malta, Schweden und Irland haben seit 2012 den verpflichtenden Bluttest für Tollwut und die Zeckenbehandlung abgeschafft. Finnland, Malta, Großbritannien und Irland fordern weiterhin den Nachweis einer Bandwurmbehandlung. Für Kampfhunde kann es je nach Einreiseland Einschränkungen geben. Tierhalter sollten sich vor der Reise an das jeweilige Konsulat in Deutschland wenden.

Welche Reiseformalitäten gelten außerhalb der EU?


Für Reisen mit Tieren in Länder außerhalb der EU sind deutlich mehr Formalitäten zu erwarten. Bei der Einreise ins Urlaubsland müssen zunächst dessen Vorschriften beachtet werden. Über diese kann man sich schon in Deutschland beim Konsulat des Einreiselandes informieren. Allerdings kann auch die Rückreise Schwierigkeiten mit sich bringen. Bei Hunden, Katzen und Frettchen gibt es meist besondere Regeln, um ein Einschleppen der Tollwut zu verhindern. Diese Regeln wurden innerhalb der EU wegen des guten flächendeckenden Impfschutzes meist abgeschafft oder gelockert, in Ländern außerhalb der EU besteht ein solcher jedoch oft nicht.

In der Regel sind bei der Rückreise in die EU erforderlich:
- Tätowierung oder Mikrochip (bei neuer Kennzeichnung ab 3. Juli 2011 nur noch Microchip),
- gültige Tollwutschutzimpfung,
- EU-Heimtierausweis (Tier aus der EU) bzw. amtliche Veterinärbescheinigung (Tier aus einem Nicht-EU-Staat), in dem die Mikrochipnummer oder Tätowierung eingetragen sind,
- Impfpapiere / Tiergesundheitsbescheinigung und ggf. Befund des Bluttests (Tollwutantikörpertest),
- Begleitung einer verantwortlichen Person, die eine schriftliche Erklärung darüber abgeben muss, dass das Tier nicht importiert wird, um es zu verkaufen oder einen Besitzerwechsel zu ermöglichen.

Welpen, die jünger sind als 15 Wochen, können nicht in die EU eingeführt werden. Bei älteren Welpen ist eine Tollwut-Schutzimpfung nachzuweisen. Näheres dazu finden Sie hier:
https://www.bmel.de/DE/Tier/HausUndZootiere/Heimtiere/_Texte/HeimtiereEinreiseregelung.html

Bei jedem Haustier, das nach einer Reise in die EU zurückkehrt, findet grundsätzlich eine Kontrolle der Dokumente und der Identität des Tieres statt. Das Tier muss deshalb am Zoll angemeldet werden. Zudem ist eine Einreise bzw. Rückreise mit Tieren aus Nicht-EU-Ländern nicht selbstverständlich über jeden Flughafen möglich, sondern nur über bestimmte Flughäfen. Eine Liste finden Sie hier:
https://www.bmel.de/DE/Tier/HausUndZootiere/Heimtiere/_Texte/HeimtiereEinreiseregelung.html#Liste

Wann ist ein Tollwut-Test notwendig?


Ein Bluttest (Tollwutantikörpertest) in einem EU-zugelassenen Labor muss vor der Rückreise in die EU durchgeführt werden, wenn man sich mit dem Tier in einem Land aufgehalten hat, in dem Tollwut vorkommt oder dessen Tollwutstatus zumindest unbekannt ist. Solche Länder sind zum Beispiel die Türkei, Ägypten, Marokko und Tunesien. Stammt das Tier sogar aus einem dieser Länder und kommt neu in die EU, reicht der Bluttest nicht aus. Erforderlich ist obendrein eine Wartefrist von drei Monaten vor der Einreise in die EU. Nähere Infos gibt es beim Bundeslandwirtschaftsministerium:
http://www.bmel.de/DE/Tier/HausUndZootiere/HausUndZootiere_node.html
oder beim Zoll:
http://www.zoll.de/DE/Privatpersonen/Reisen/Reisen-nach-Deutschland-aus-einem-nicht-eu-Staat/Einschraenkungen/Tiere-und-Pflanzen/Schutz-Tierseuchen/Regelungen-Heimtiere/regelungen-heimtiere.html

Praxistipp


Flugreisen können für Tiere eine Menge Stress bedeuten. Hier kann es für das Tier besser sein, es für die Dauer des Urlaubs zu Hause einer Betreuungsperson zu übergeben. Kommt es zu einem Rechtsstreit im Zusammenhang mit einem Haustier, sollten Sie einen Rechtsanwalt aufsuchen, der sich auf das Tierrecht spezialisiert hat.

(Wk)



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