Wann haften Eltern für ihre Kinder?

20.09.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (190 mal gelesen)
Wann haften Eltern für ihre Kinder? © Anwalt-Suchservice
Viele kennen das Schild noch aus ihrer eigenen Kindheit: "Eltern haften für ihre Kinder". Doch haften sie wirklich immer für ihre Kinder? Juristen antworten gerne wie folgt: Das kommt ganz darauf an. Eltern haften nur dann für die Schäden ihrer Kinder, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Kinder unter sieben Jahren haften selbst nie.

Kinderfahrräder auf dem Gehweg
Sabine Sorglos ist Mutter von zwei kleinen Kindern im Alter von fünf und sieben Jahren. Die Familie wohnt in der Ruhrmetropole Dortmund, die nicht gerade als besonders fahrradfreundlich gilt. Davon einmal abgesehen, lässt Frau Sorglos ihre Kinder grundsätzlich nur auf dem Bürgersteig fahren. Das ist auch richtig, denn gem. § 2 Abs. 5 StVO sind Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr von der Fahrbahn und vom Radweg ausgeschlossen. Sie müssen den rechten oder linken Gehweg benutzen. Nur wenn ein Gehweg fehlt, dürfen sie die Fahrbahn benutzen.

Lackschäden wie Erdbeben
Ihr Lebensgefährte Peter Panik stirbt jedoch regelmäßig tausend Tode, wenn er die Jungs auf dem Bürgersteig - dicht an den vielen teuren Autos - Fahrradfahren sieht. Vor seinem inneren Auge sieht er dann, wie sich die Pedale von Conrad und das Lenkrad von Hugo in die Beifahrertür eines Audi Q7 bohren, und gleichzeitig taucht dieses gelbe Schild mit schwarzer Schrift aus seiner eigenen Kindheit auf, auf dem steht "Eltern haften für ihre Kinder". Sabine lächelt nur, wenn sie Peter völlig verkrampft auf seinem Fahrrad sitzen sieht und sagt dann süffisant: "Da passiert nichts. Und wenn, dann ist das wie bei einem Erdbeben. Da müssen wir nichts zahlen". Doch wie ist ein vermeintlicher Lackschaden denn eigentlich juristisch zu handhaben? Wie sieht es mit einem möglichen Versicherungsschutz aus?

Kinder unter sieben Jahre sind deliktunfähig
Kinder unter sieben Jahren sind als deliktunfähig anzusehen. Das bedeutet, sie können keinen Schaden verursachen, für den sie auch haften müssen. In solchen Fällen bleibt den Besitzern des Autos oder Fahrzeugs nichts anderes über, als den Lackschaden selbst zu bezahlen. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit diesen über die Vollkaskoversicherung reparieren zu lassen. Allerdings führt dies wohl zu einer Beitragserhöhung. Ob sich das bei einem Lackschaden lohnt, sollte sorgfältig überlegt sein.

Vernachlässigung der Aufsichtspflicht
Im Straßenverkehr sind Kinder erst haftbar, wenn sie das zehnte Lebensjahr vollendet haben. Ein von einem solchen Kind verursachter Schaden ist in der Regel durch die private Haftpflichtversicherung der Eltern abgedeckt. Allerdings zahlen die Versicherungen nicht immer. Sollte den Eltern eine Vernachlässigung ihrer Aufsichtspflicht nachgewiesen werden, müssen sie für den entstandenen Schaden haften. Was Eltern im Rahmen ihrer Aufsichtspflichten tun müssen, hängt vom Alter des Kindes, der konkreten Situation und damit immer vom Einzelfall ab. Anderenfalls müssen sie nicht haften und dann zahlt auch nicht ihre Haftpflichtversicherung, der Geschädigte geht leer aus!

Einen solchen Fall hatte das AG Mönchengladbach im Februar 2012 entschieden (Az. 11 C 106/11). Ein sechsjähriges Kind hatte mit seinem Fahrrad den Seat Ibiza einer Dame auf einer Spielstraße beschädigt. Der Schaden lag bei rund 1.350 €. Die Dame blieb auf den Kosten sitzen. "Kollidiert ein sechsjähriges Kind mit seinem Fahrrad auf einer solchen Spielstraße mit einem anderen Fahrzeug, trifft die Eltern des Kindes, das im Fahrradfahren geübt und mit den Verkehrsvorschriften vertraut ist und Fahrten in dem Wohnbereich bereits selbständig gemeistert hat, kein Aufsichtsverschulden", so das Gericht. Sollte das Auto einem Nachbarn gehören, ist dies natürlich eine sehr ungünstige Situation. Dies könnte die Beziehung sehr belasten. Für solche Fälle gibt es aber einen Versicherungsschutz für deliktunfähige Personen. Wenn jedoch ein deliktfähiges Kind einen Schaden verursacht hat und dies von einem Gericht festgestellt wird, kann es dafür auch noch 30 Jahre später zum Schadenersatz herangezogen werden. Solange sind derartige Gerichtstitel nämlich vollstreckbar.

Schild "Eltern haften für ihre Kinder" unsinnig
Das Schild "Eltern haften für ihre Kinder" an vielen Baustellen ist übrigens unsinnig". Zwar müssen Eltern grundsätzlich dafür sorgen, dass ihre Kinder keine Baustellen betreten. Haben sie allerdings jegliche Sorgfalt walten lassen und ist dennoch etwas passiert, dann haften sie nicht für eventuelle Schäden. Vielmehr trägt der Unternehmer eine Mitschuld an dem vom Kind verursachten Schaden, da die Baustelle allem Anschein nach nicht ordentlich abgesichert war.