Wann ist ein Foul im Fussball eine strafbare Körperverletzung?

30.09.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (2678 mal gelesen)
Wann ist ein Foul im Fussball eine strafbare Körperverletzung? © fresnel6 – Fotolia.com
Fußball ist ein Kontaktsport, bei dem es mitunter hart zur Sache geht. Verletzungen kommen häufig vor. Zwar wird oft von einer Klage oder Anzeige abgesehen. Trotzdem ist der Fussballplatz kein rechtsfreier Raum. Wer allzu großzügig zutritt, riskiert durchaus rechtliche Folgen.

Foulspiel sorgt für Schlagzeilen
Im September 2016 ging das Foul des Mainz 05-Spielers Rodriguez gegen den Spieler Dominik Kohr vom FC Augsburg ausführlich durch die Presse. Kohr hatte durch das Foul eine offene Wunde am Unterschenkel davongetragen, der Unterschenkelknochen lag frei und eine Operation war notwendig. Rodriguez sah die rote Karte. Das DFB-Sportgericht befasste sich mit der Sache, Ergebnis waren eine Sperre für Rodriguez für die nächsten fünf Spiele sowie eine Geldstrafe von 10.000 Euro. Auch eine Geldstrafe durch Rodriguez' Verein wurde angekündigt. Staatliche Gerichte wurden allerdings nicht bemüht.

Wann ist ein Foul eine Straftat?
§ 223 Strafgesetzbuch (StGB) regelt den Straftatbestand der Körperverletzung. Danach wird, wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. So gesehen, wäre jeder blaue Fleck beim Fußball bereits eine Körperverletzung. Allerdings unter der Voraussetzung, dass diese vorsätzlich stattgefunden hat. Strafbar ist allerdings auch die fahrlässige Körperverletzung, § 230 StGB. Aber:
Nach § 228 StGB ist eine Körperverletzung nicht strafbar, wenn sie mit Einwilligung des Verletzten erfolgt. Man geht grundsätzlich davon aus, dass jeder, der an einem Sport teilnimmt, bei dem Verletzungen vorkommen können, stillschweigend seine Einwilligung erteilt. Nach § 228 StGB kann die Tat trotz Einwilligung immer noch rechtswidrig sein, wenn sie gegen die guten Sitten verstößt. Aber was sind diese guten Sitten?

Fußball als Kampfsport
Im Strafrecht wie auch im Zivilrecht unterscheidet man bei den Sportarten solche, die nur nebeneinander ausgeübt werden, wie ein Laufwettbewerb und solche, bei denen die Spieler gegeneinander kämpfen. Zu letzteren gehört Fußball – denn hier findet ein Kampf Spieler gegen Spieler statt. Meist geht man davon aus, dass eine fahrlässige Körperverletzung auch bei kampfbetonten Sportarten nicht strafbar ist, wenn sich das für die Verletzung ursächliche Verhalten im Rahmen der Regeln des jeweiligen Sports abgespielt hat. Wird dagegen grob gegen diese Regeln verstoßen und dadurch ein anderer verletzt, macht sich der Betreffende strafbar.

Haftung auf Schadensersatz und Schmerzensgeld
Das OLG Hamm bestätigte vor einigen Jahren ein zivilrechtliches Urteil aus Bochum, in dem einem verletzten Spieler ein Schadensersatz von 6.000 Euro für Arzt- und Krankenhauskosten zugestanden wurde. Es ging dabei um eine sogenannte Blutgrätsche, bei der ein Spieler ohne den Ball zu spielen in die Beine seines Gegenspielers gegrätscht war. Das OLG Hamm betonte: Teilnehmer an einem sportlichen Kampfspiel würden Verletzungen, die bei regelgerechtem Verhalten oder leichten Regelverstößen entstehen könnten, in Kauf nehmen. Dies gelte sogar für Verhaltensweisen, die sich zwischen kampfbetonter Härte und unzulässiger Unfairness bewegten. Werde allerdings die Grenze zur unzulässigen Unfairness überschritten, sei es mit dem stillschweigenden Einverständnis vorbei – dann hafte der Verursacher auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Dies sei in dem verhandelten Fall so gewesen (OLG Hamm, Az. 34 U 81/05). Zwar ging es hier um die zivilrechtliche Haftung. In einem solchen Fall kann jedoch mit ähnlicher Argumentation auch eine strafbare Körperverletzung begründet werden.

Körperverletzung: Bestrafung nur mit Strafantrag
Die Körperverletzung ist ein sogenanntes Antragsdelikt. Das bedeutet: Die vorsätzliche und die fahrlässige Körperverletzung werden nur auf Strafantrag des Verletzten hin verfolgt, soweit nicht die Staatsanwaltschaft ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung sieht. An einem Strafantrag fehlt es jedoch meist, da derartige Fälle intern in der Fußballwelt ausgetragen werden – wie etwa vor einem nicht staatlichen Sportgericht des Fußballverbandes, dessen Entscheidung sich beide Seiten freiwillig unterwerfen. Kein Antragsdelikt ist allerdings die gefährliche Körperverletzung. Sie liegt zum Beispiel vor, wenn eine "das Leben gefährdende Behandlung" stattfindet oder ein gefährliches Werkzeug eingesetzt wird. Hier besteht die Möglichkeit, dass ein Fußballschuh als ein gefährliches Werkzeug bewertet wird, kann er doch bei einem Tritt erhebliche Verletzungen verursachen. Fälle, in denen dies tatsächlich zur öffentlichen Strafverfolgung und zu einer Verurteilung geführt hätte, sind jedoch praktisch nicht bekannt.

Fazit
In vielen Fällen findet eine Strafverfolgung bei grob regelwidrig verursachten Fußballverletzungen nur deshalb nicht statt, weil kein Strafantrag gestellt wird. Bei erheblichen Trittverletzungen durch Fußballschuhe ist eine Strafbarkeit wegen gefährlicher Körperverletzung anzunehmen, hier gibt es jedoch kaum Verurteilungen. Allerdings gibt es verschiedene Urteile von Zivilgerichten, bei denen dem Geschädigten durchaus erhebliche Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche zugestanden wurden.