Wie lange kann ich Arbeitslosengeld I beziehen?

27.11.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (676 mal gelesen)
Wie lange kann ich Arbeitslosengeld I beziehen? © JiSign - Fotolia.com
Im Jahr 2015 bezogen in Deutschland im Durchschnitt 850.000 Menschen Arbeitslosengeld I. Mancher ist sich jedoch nicht über die rechtlichen Rahmenbedingungen im Klaren – zum Beispiel über die Bezugsdauer.

Was sind die Voraussetzungen, um Arbeitslosengeld I zu erhalten?
Nach dem Sozialrecht ist Grundvoraussetzung für einen Anspruch auf Arbeitslosengeld I zunächst, dass man innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens 12 Monate lang als Arbeitnehmer (mit Sozialversicherung) beschäftigt gewesen ist. Dieser Zeitraum wird als die Anwartschaftszeit bezeichnet. Eine weitere Grundvoraussetzung ist natürlich, dass sich der Betreffende bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet hat.

Wie lange bekomme ich Arbeitslosengeld I?
Die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I (ALG I) hängt davon ab, wie lange man zuvor gearbeitet hat und wie alt man war, als man arbeitslos wurde. Geregelt ist dies im Dritten Sozialgesetzbuch (§ 147 SGB III). Wer nur die Mindest-Anwartschaftszeit erfüllt hat, erhält nur für sechs Monate ALG I. Wenn der Betreffende innerhalb der letzten fünf Jahre die folgenden Zeiträume sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat, berechnet sich die Bezugsdauer so:

- mindestens 12 Monate gearbeitet = 6 Monate ALG I,
- mindestens 16 Monate gearbeitet = 8 Monate ALG I,
- mindestens 20 Monate gearbeitet = 10 Monate ALG I,
- mindestens 24 Monate gearbeitet = 12 Monate ALG I.

Vorteil für Ältere
Wie gesagt, auch das Alter spielt eine Rolle. Denn Ältere erhalten länger ALG I. Hat ein Arbeitnehmer das 50. Lebensjahr vollendet und innerhalb der letzten fünf Jahre mindestens 30 Monate versicherungspflichtig gearbeitet, hat er für 15 Monate Anspruch auf ALG I. Hat er das 55. Lebensjahr vollendet und in den letzten fünf Jahren mindestens 36 Monate gearbeitet, sind es 18 Monate. Hat er das 58. Lebensjahr vollendet und in den letzten fünf Jahren mindestens 48 Monate gearbeitet, liegt die Bezugsdauer bei 24 Monaten.

Verkürzte Anwartschaft
Allerdings kann man auch Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben, wenn man in den letzten zwei Jahren weniger als 12 Monate gearbeitet hat. Dies bezieht sich hauptsächlich auf Arbeitnehmer in kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen. Aber: Diese Sonderregelung gilt nur bis 31.12.2015.

Welche Auswirkungen hat eine Sperrzeit und wann muss ich mit dieser rechnen?
Eine Sperrzeit verkürzt die Anspruchsdauer. Die Sperrzeit kann je nach Fall eine Woche dauern oder bis zu drei Monate. Ein Arbeitnehmer, der selbst kündigt oder einen Aufhebungsvertrag mit dem Arbeitgeber abschließt, muss mit einer dreimonatigen Sperrzeit rechnen. Ebenso einer, der seine Kündigung durch sein Verhalten selbst verschuldet hat (z.B. dauerndes Zu-Spät-kommen, den Chef beleidigt, betrunken zur Arbeit gekommen). Wer sich Eingliederungsmaßnahmen der Arbeitsagentur widersetzt, angebotene Arbeitsplätze ablehnt, nicht zum Vorstellungsgespräch geht usw., riskiert eine Sperrzeit von drei Wochen, bei mehreren Verstößen können es bis zu zwölf Wochen sein. Unzureichende Bemühungen bei der Arbeitssuche oder eine verspätete Arbeitslosmeldung schlagen mit ein bis zwei Wochen zu Buche.

Verlängerung der Anspruchsdauer
Allerdings kann die Anspruchsdauer nicht nur verkürzt, sondern auch verlängert werden. Dies gilt zum Beispiel, wenn der Antragsteller in den letzten fünf Jahren schon einmal Arbeitslosengeld beansprucht, die Bezugsdauer aber nicht voll genutzt hat. Dann wird der restliche, vorher nicht genutzte Bezugszeitraum der neuen Bezugsdauer hinzuaddiert. Allerdings nur bis zu der Höchstzeit, auf die er abhängig vom Alter Anspruch hat (§ 147 Abs. 4 SGB III).

Wann muss ich mich beim Arbeitsamt melden?
Die Arbeitslosmeldung ist unbedingte Voraussetzung für den Bezug von Arbeitslosengeld. Sie muss spätestens am ersten Tag der Beschäftigungslosigkeit (frühestens jedoch drei Monate vorher) persönlich bei der für den Wohnort zuständigen Agentur für Arbeit stattfinden. Wer erfährt, dass er zu einem bestimmten Termin arbeitslos werden wird (Kündigung, auch mündlich) muss dies unverzüglich der Arbeitsagentur mitteilen, wenn er seine Ansprüche waren will.