Wohnung und Haus: Wie setzt man Handwerkerleistungen von der Steuer ab?

01.03.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (333 mal gelesen)
Wohnung und Haus: Wie setzt man Handwerkerleistungen von der Steuer ab? © Ma - Anwalt-Suchservice

Wer als Mieter oder Eigentümer Arbeiten an seinen Wohnräumen in Auftrag gibt, kann die Lohnkosten von der Steuer absetzen. Manche dieser Aufwendungen nennt man auch haushaltsnahe Dienstleistungen.

Man unterscheidet haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen. Für beide gibt es jedoch Steuervergünstigungen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Was sind haushaltsnahe Dienstleistungen?


Als haushaltsnahe Dienstleistungen bezeichnet man im Steuerrecht Arbeitsleistungen rund um den eigenen Haushalt des Steuerpflichtigen. Damit sind keine typischen Handwerkerarbeiten gemeint, die Fachkenntnisse erfordern, sondern solche, die normalerweise ein Mitglied des Haushalts erledigt. Nur, dass eben diesmal eine Firma damit beauftragt wurde.
Beispiele dafür sind die Leistungen von Winterdiensten, Hausmeisterdiensten und Treppenhaus-Reinigungsbetrieben. Diese Kosten kann man zu 20 Prozent, höchstens mit 4.000 Euro, von der Einkommenssteuer absetzen.
Genauer: Die tarifliche Einkommenssteuer, reduziert durch eventuelle andere Steuervergünstigungen, verringert sich um 20 Prozent der angefallenen Kosten für die Dienstleistungen. Die entsprechende Regelung ist § 35a Abs. 2 des Einkommenssteuergesetzes (EStG). Auch für bestimmte Pflege- und Betreuungsdienstleistungen oder eine Heimunterbringung wird diese Steuervergünstigung gewährt, wenn darin Leistungen enthalten sind, die mit der Arbeit einer Haushaltshilfe vergleichbar sind.
Auch die Gebühren für ein 24-Stunden-Notrufsystem im „Betreuten Wohnen“ sind absetzbar (Bundesfinanzhof, Urteil vom 3.9.2015, Az. VI R 18/14).

Was gilt für Handwerkerleistungen?


Für Handwerkerleistungen rund ums Haus gilt eine besondere Regelung: § 35a Abs. 3 EStG gewährt Steuerzahlern eine Vergünstigung auf Handwerkerarbeiten. Gemeint sind hier speziell Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Hier verringert sich die tarifliche Einkommensteuer, vermindert um die sonstigen Steuerermäßigungen, um 20 Prozent der Aufwendungen des Steuerpflichtigen, höchstens jedoch um 1.200 Euro. Allerdings kann diese Vergünstigung nicht beansprucht werden für öffentlich geförderte oder mit verbilligten Krediten geförderte Maßnahmen, wie zum Beispiel eine Wärmedämmung mit KfW-Förderung.

Welche Handwerkerleistungen sind zum Beispiel steuerbegünstigt?


Steuerbegünstigt können zum Beispiel sein:

- Schönheitsreparaturen (etwa Malerarbeiten),
- Gartenpflege (mit Einschränkungen),
- Dachrinnenreinigung,
- Reparatur an Waschmaschine, Trockner etc.,
- Wartungsarbeiten an Aufzug, Feuerlöscher, Heizung,
- Rauchmelder-Einbau,
- Schornsteinfeger,
- Schimmelbekämpfung,
- Schadstoffsanierung,
- Mauerwerkstrocknung,
- Wärmedämmung.

Welche Voraussetzungen gelten für die Ermäßigung?


Die Steuervergünstigung gibt es nur auf Antrag. Sie wird nur für Arbeiten an selbst genutzten Wohnräumen gewährt. Die Wohnräume müssen sich in einem Haushalt des Steuerpflichtigen im Inland oder in der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum befinden.
Die Steuervergünstigung kann sowohl von Eigentümern wie auch von Mietern in Anspruch genommen werden.
Für alle hier beschriebenen Vergünstigungen gilt: Absetzbar sind nur die Arbeits- bzw. Lohnkosten. Also nicht der Gesamt-Rechnungsbetrag und zum Beispiel keine Kosten für Material. Bei Handwerkerrechnungen sollte dies kein Problem sein, da sie die Lohnkosten gesondert ausweisen. Auch Hausverwalter vermerken in der Regel auf ihren Betriebskostenabrechnungen, welche Positionen steuerbegünstigt sind. Als Auftraggeber der Arbeiten sollte man daran denken, dass die Steuervergünstigung in Wahrheit der Bekämpfung der Schwarzarbeit dient. Deshalb gilt: Um etwas abzusetzen, muss als Beleg eine Rechnung mit Ausweis der Arbeitskosten vorliegen sowie unbedingt ein Nachweis, dass der Betrag überwiesen worden ist (z. B. ein Kontoauszug). Bei Barzahlung gibt es keine Steuervergünstigung.

Welche Kosten sind nicht steuerbegünstigt?


Beispiele für nicht steuerbegünstigte Kostenpositionen sind:

- Ablesedienste und Verbrauchsabrechnung,
- Anliegerbeiträge,
- Aufzugsnotruf,
- Energieausweis,
- Haushaltsauflösung,
- Hausverwalter,
- Zählermiete,
- Fahrstuhl-TÜV,
- Müllabfuhr,
- Reinigung öffentlicher Straßen,
(Quelle: BMF Anwendungsschreiben zu § 35a EStG vom 15.2.2010).

In welchem Jahr absetzen?


Die Kosten sind nur in dem Jahr absetzbar, in dem sie entstanden sind. Dies hat der Bundesfinanzhof in München erklärt. Eine Übertragung auf ein anderes Jahr kann nicht stattfinden. Natürlich kann außerdem grundsätzlich nur dann etwas abgesetzt werden, wenn überhaupt Steuern zu bezahlen sind (BFH, Urteil vom 29.1.2009, Az. VI R 44/08).

Muss mein Vermieter mir die abzugsfähigen Kosten bescheinigen?


Ja. Wenn der Vermieter im Rahmen der Betriebskosten Kosten auf den Mieter umlegt, die zu den nach § 35a EStG steuerbegünstigten Beträgen gehören, muss er diese in der Betriebskostenabrechnung entsprechend ausweisen. Hat er dies unterlassen, ist er verpflichtet, dem Mieter auf dessen Verlangen hin eine gesonderte Bescheinigung auszustellen. Hierbei handelt es sich um eine vertragliche Nebenpflicht aus dem Mietvertrag. Der Vermieter darf für eine solche Kostenaufgliederung kein zusätzliches Geld fordern, denn es handelt sich dabei um nicht umlagefähige Verwaltungskosten (AG Berlin-Lichtenberg, Urteil vom 23.5.2011, Az. 105 C 394/10).

Was gilt für Arbeiten jenseits der eigenen Grundstücksgrenze?


Immer wieder kommt es zum Streit mit dem Finanzamt, weil Steuerpflichtige die Kosten für Arbeiten absetzen wollen, die zwar mit ihrem Wohngrundstück zu tun haben, aber außerhalb der Grundstücksgrenze stattfinden.
So klagte vor einigen Jahren ein Ehepaar vor Gericht, das die Kosten für den Anschluss seines Grundstückes an das öffentliche Trinkwasser- und Abwassernetz absetzen wollte. Diese Arbeiten hatten zum Teil auf öffentlichem Grund außerhalb des Grundstücks stattgefunden, weshalb das Finanzamt sich zunächst geweigert hatte, die Kosten vollständig anzuerkennen.
Der Bundesfinanzhof entschied, dass Arbeiten im Zusammenhang mit Hausanschlüssen komplett absetzbar sind und nicht nur anteilig mit dem Teil, der auf dem Grundstück stattgefunden hat. Denn immerhin sei ein Hausanschluss eine Voraussetzung dafür, dass es überhaupt einen Haushalt geben könne.

Hier gelten folgende Grundsätze:
1. Auch die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen, die jenseits der Grundstücksgrenze auf fremdem, etwa öffentlichem Grund erbracht werden, kann als Handwerkerleistung nach § 35a EStG begünstigt sein.
2. Es muss sich jedoch um Tätigkeiten handeln, die in unmittelbarem räumlichen Zusammenhang zum Haushalt durchgeführt werden und dem Haushalt dienen. Hiervon ist insbesondere auszugehen, wenn der Haushalt des Steuerpflichtigen an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen wird.
(Bundesfinanzhof, Urteil vom 20.3.2014, Az. VI R 56/12).

Was gilt für den Winterdienst?


Eine ähnliche Rechtsprechung gibt es hinsichtlich der Kosten für den Winterdienst, den ein gewerbliches Unternehmen im Auftrag eines privaten Anliegers auf einem öffentlichen Gehweg durchführt (BFH, Az. VI R 55/12).

Was gilt, wenn auch eine Versicherung für die Arbeiten bezahlt?


Werden Handwerkerarbeiten am Haus wegen eines Schadensfalles nötig, für den eine Versicherung zahlt, muss die Versicherungsleistung auf den Steuer-Erstattungsbetrag angerechnet werden. Dies entschied das Finanzgericht Münster hinsichtlich eines Wasserschadens (Urteil vom 6.4.2016, Az. 13 K 136/15).

Praxistipp


In jedem Haushalt fallen Beträge an, die nach § 35a EStG als haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen steuerbegünstigt sind. Eigentümer und Mieter sollten hier auf absetzbare Beträge achten und keine Steuervergünstigungen verschenken. Zu Steuerfragen berät ein Fachanwalt für Steuerrecht.

(Bu)



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