Autodiebstahl Teil I – was zahlt die Versicherung?

27.04.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (421 mal gelesen)
Autodiebstahl Teil I – was zahlt die Versicherung? © Sven Krautwald - Fotolia.com
Jeden Tag wird in Deutschland eine große Zahl von Autos gestohlen. Für den Eigentümer folgt nun der Kampf mit Versicherungen und Formularen. Nicht selten sind Fahrzeughalter von dem Betrag enttäuscht, den sie am Ende erhalten.

Diebstahlsstatistik: Autoklau in Deutschland
Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 18.549 PKW gestohlen. Gegenüber dem Vorjahr war dabei ein Rückgang um vier Prozent zu verzeichnen. Die meisten Autodiebstähle meldete die Polizei in Berlin und Nordrhein-Westfalen. Besonders betroffen sind auch die östlichen Bundesländer. Die geringste Zahl von Autos verschwindet in Bayern. Besonders beliebt bei Autodieben sind der BMW X6 Xdrive, der Lexus RX 350, der BMW X70, der BMW M390, der Range Rover Sport, der Toyota Land Cruiser. Der BMW M390 ist darunter das einzige Nicht-SUV. Auch zwei VW-Busse sind unter den Top-Ten.

Verhalten nach dem Diebstahl
Ist das eigene Auto plötzlich nicht mehr da, sollte sich der Halter umgehend an die Polizei wenden. Vielleicht wurde sein Fahrzeug ja gar nicht gestohlen, sondern nur abgeschleppt oder umgesetzt? Ist dies nicht der Fall, sollte eine Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt werden. Der Fall ist nun aktenkundig, das Fahrzeug im Fahndungscomputer der Polizei verzeichnet. Falls es dann bei einer Kontrolle auffällt, kann es dem Eigentümer zurückgegeben werden. In vielen Fällen passiert dies freilich nicht: Denn handelt es sich um organisierten Autodiebstahl, sind die Fahrzeuge oft schnell exportiert oder gar zerlegt und in Teilen verkauft.

Der Eigentümer sollte neben der Anzeige bei der Polizei auch seine Versicherung informieren – und zwar schriftlich und innerhalb einer Woche. Die Versicherung will dabei in der Regel das Protokoll der Polizei mit Aktenzeichen haben. Wichtig ist es, gegenüber beiden Stellen wahre und übereinstimmende Angaben zu machen. Kommt der Verdacht auf, dass vorsätzlich falsche Angaben gemacht oder nicht existierende Einbauteile abgerechnet werden, ist der Versicherungsschutz in Gefahr. Auch eine Strafanzeige wegen Betrug steht dann im Raum.

KfZ-Zulassungsstelle und Leasinggeber
Ein weiterer Schritt besteht darin, das Auto sofort bei der Zulassungsstelle abzumelden. Denn: Der Fahrzeughalter haftet nach § 7 Straßenverkehrsgesetz für Schäden, die mit dem Auto angerichtet werden. Zu beweisen, dass es zum Unfallzeitpunkt schon gestohlen war, ist schwieriger, als es gleich abzumelden. Mit der Abmeldung enden auch der Versicherungsvertrag und die Steuerpflicht. Handelt es sich um ein per Kredit oder Leasing finanziertes Auto, sollte auch die Bank bzw. der Leasinggeber umgehend informiert werden.

Welche Versicherung zahlt bei KfZ-Diebstahl?
Die Teilkaskoversicherung zahlt bei Autodiebstahl. Auch die Vollkaskoversicherung zahlt, denn die Teilkasko ist in sie eingeschlossen. Allerdings hat der Versicherungskunde je nach Vertrag meist eine Selbstbeteiligung.

Eigentumsübergang auf Versicherung
Wenn das Auto nicht wiedergefunden wird, geht es nach einem Monat in das Eigentum der Versicherung über. Taucht es innerhalb dieser Frist jedoch wieder auf, bekommt es der Versicherungsnehmer zurück. Er muss es auch zurücknehmen, wenn ihm dies mit "zumutbaren Anstrengungen" möglich ist.

Wieviel zahlt die Versicherung?
Manche Versicherungsverträge regeln eine Neupreisentschädigung. Dann wird innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nach der Erstzulassung eines Neuwagens – zum Beispiel 12 Monate – der Neupreis ersetzt. Nach Ablauf dieser Frist und ohne Neupreisklausel ersetzt die Kaskoversicherung den Wiederbeschaffungswert. Diesen definieren die Allgemeinen Bedingungen für die Kraftfahrtversicherung 2015 wie folgt: "Wiederbeschaffungswert ist der Preis, den Sie für den Kauf eines gleichwertigen gebrauchten Fahrzeugs am Tag des Schadenereignisses bezahlen müssen." Wird das Fahrzeug nicht wiedergefunden, bleibt es beim Wiederbeschaffungswert. Wird es wiedergefunden, ist ein Restwert vorhanden, der von der Entschädigung abgezogen wird. Dies gilt natürlich nur, wenn der Bestohlene das Auto zurückbekommt – also bei Auffindung innerhalb der Einmonatsfrist. Ist alles Notwendige geklärt, erfolgt die Schadensregulierung üblicherweise innerhalb von zwei Wochen.

Wegfahrsperre
Moderne Autos sind in der Regel mit einer sich selbst schärfenden elektronischen Wegfahrsperre ausgerüstet. Ist dies nicht der Fall, sehen die AGB der Versicherungen üblicherweise eine Reduzierung der Entschädigung vor.

Wann verliert der Autofahrer seinen Anspruch?
Viele Versicherungsverträge schließen heute den Einwand der groben Fahrlässigkeit aus. Das heißt: Macht es der Autofahrer dem Dieb besonders einfach, weigert sich die Versicherung nicht zu zahlen, weil er sich grob fahrlässig verhalten hat. Diese Möglichkeit bietet ihr das Versicherungsrecht, und ohne eine solche Klausel kann sie das tun. Hat der Versicherungsnehmer also den Autoschlüssel stecken lassen oder stellt er sein Auto nach Diebstahl seiner Autoschlüssel inklusive Brieftasche und Personalausweis mit Adresse weiter vor seiner Haustür ab, wird er nach einem Autodiebstahl leer ausgehen. Achtung: Auch wenn der Einwand der groben Fahrlässigkeit im Vertrag ausgeschlossen ist, gilt dies nicht für Aktionen unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Lässt man also sein Auto nach einer durchzechten Nacht mit offener Tür, steckendem Schlüssel und laufendem Radio vor der Haustür stehen, gibt es kein Geld von der Versicherung.