Autodiebstahl – was tun?

21.12.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (411 mal gelesen)
Autodiebstahl – was tun? © Bu - Anwalt-Suchservice

Niemand rechnet damit, aber doch passiert es: Plötzlich ist das eigene Auto nicht mehr da. Autodiebe haben Hochkonjunktur. Hier einige Hinweise, wie sich Betroffene nach einem Autodiebstahl verhalten sollten.

In Deutschland wurden im Jahr 2016 genau 18.227 Autos gestohlen. Im Vergleich zum Vorjahr gab es kaum eine Veränderung. Am beliebtesten waren teure SUV und Geländewagen. Besonders häufig erwischte es Besitzer von Fahrzeugen der Marken Land Rover, Porsche und Audi. Die erste drei Plätze der Diebstahlsstatistik belegen Toyota Land Cruiser, Audi Q7 und BMW X6. Gerade BMW und Audi sind allerdings auch mit diversen anderen Modellen in der Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vertreten. Dazu kommen spezialisierte Banden, die gemietete Wohnmobile unterschlagen oder ganze Transporterflotten um ihre Abgas-Katalysatoren erleichtern.

Was sollte ich tun, wenn ich einen Diebstahl bemerke?


Der erste Schritt besteht darin, die Polizei zu benachrichtigen. Steht die Telefonnummer der nächsten Polizeidienststelle nicht zur Verfügung, kann auch der Notruf 110 gewählt werden. Wichtig ist es dabei, den Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung I) griffbereit zu haben, um Angaben zum Fahrzeug machen zu können. Nach Erfahrungen der Polizei geraten manche Fahrzeugeigentümer durch den Diebstahl so aus der Fassung, dass sie ihr eigenes Autokennzeichen nicht mehr wissen. Vielleicht stellt sich bei diesem Anruf schon heraus, dass das Auto gar nicht gestohlen, sondern nur im Auftrag der Polizei abgeschleppt oder umgesetzt wurde. Ist das Fahrzeug allerdings tatsächlich gestohlen worden, sollte der zweite Anruf an die KfZ-Versicherung gehen. Denn der Schaden muss schnellstmöglich der Versicherung gemeldet werden.

Welche Schritte folgen dann bei der Polizei?


Der nächste Weg des Bestohlenen sollte nun zur Polizeidienststelle führen, um den Diebstahl anzuzeigen. Auch hier sollten die Zulassungsbescheinigung I und der Personalausweis mitgeführt werden. Wichtig sind korrekte Angaben zum Fahrzeug und auch zu Details wie etwa der Laufleistung. Falsche Angaben können später zu Problemen mit der Versicherung führen. Die Polizei fertigt ein Diebstahlsprotokoll an, welches dann der Versicherung zur Verfügung zu stellen ist.

Abmeldung bei der Zulassungsstelle


Nun sollte der Fahrzeughalter das Auto bei der Zulassungsstelle abmelden. Diese wird das Auto stilllegen und die Zulassungsbescheinigung I einbehalten. Nun kann der Halter nicht mehr für Dinge verantwortlich gemacht werden, die mit seinem Auto und seiner Autonummer angestellt werden – etwa Ordnungswidrigkeiten. Vorzulegende Unterlagen sind eine Kopie des polizeilichen Diebstahlsprotokolls und beide Zulassungsbescheinigungen. Der Halter bekommt eine Abmeldebestätigung.

Wie ist das weitere Vorgehen bei der Versicherung?


Ein Autodiebstahl ist in der Kaskoversicherung versichert. Der erste Anruf reicht als Schadensmeldung nicht aus, hier ist in der Regel innerhalb einer Woche eine schriftliche Schadensmeldung einzureichen. Die Versicherung wird dabei die Übergabe der restlichen Autoschlüssel, des KfZ-Briefes (Zulassungsbescheinigung II), des polizeilichen Diebstahlsprotokolls und der Abmeldebestätigung fordern. Tipp: Fertigen Sie von allen Dokumenten Kopien an, bevor Sie diese aus der Hand geben! Auch der Versicherer wird genaue Angaben zum Fahrzeug und zum Hergang haben wollen. Achten Sie darauf, dass Ihre Angaben mit denen im Polizeibericht übereinstimmen.

Was tun bei Leasing- oder Firmenfahrzeugen?


Handelt es sich um ein Auto, das von einem Leasinggeber geleast oder über eine Bank finanziert wurde oder das gar dem Arbeitgeber gehört, müssen diese Stellen ebenfalls umgehend informiert werden.

Was zahlt die Versicherung?


Die Kasko-Versicherung zahlt in der Regel den Wiederbeschaffungswert, also den Kaufpreis für ein gleichwertiges Fahrzeug dieses Alters mit dieser Ausstattung und diesem Kilometerstand. Davon wird allerdings ein Selbstbehalt abgezogen, soweit vertraglich vereinbart. Bei Neuwagen zahlen viele Versicherungen in der ersten Zeit nach dem Kauf sogar eine Neupreisentschädigung. Wie lang diese Zeit ist, steht im Versicherungsvertrag.

Was passiert, wenn die Polizei mein Auto wiederfindet?


Wird das Auto innerhalb eines Monats wiedergefunden, bekommt es der Halter zurück. Ein eventueller Schaden durch den Diebstahl wird von der Teilkasko gezahlt. Innerhalb des ersten Monats sollte daher noch keine Neuanschaffung erfolgen. Wird das Fahrzeug erst nach Ablauf eines Monats gefunden, geht es ins Eigentum der Versicherung über und diese reguliert den Schaden des Versicherungsnehmers.

Wann zahlt die Versicherung nicht?


Wenn Sie als Fahrzeughaltter den Diebstahl durch grob fahrlässiges Verhalten begünstigt haben, kann die Versicherung ihre Leistung reduzieren – im Extremfall auf Null. Als grob fahrlässig sieht man zum Beispiel das Steckenlassen des Zündschlüssels an oder auch das Stehenlassen eines nicht abgeschlossenen Fahrzeugs. Aber auch falsche Angaben gegenüber der Versicherung können zur Leistungsfreiheit führen, hier wegen einer sogenannten Obliegenheitsverletzung.

Was passiert, wenn ein Auto während einer Probefahrt oder ein Mietwagen gestohen wird?


Immer wieder kommt es vor, dass ein Kaufinteressent nicht von einer Probefahrt zurück kommt. Auch Mietwagen verschwinden gerne während der Vermietung. Dies kann auch private Fahrzeughalter betreffen, seit es Carsharing-Portale gibt, bei denen man sein Privatfahrzeug zur Vermietung anbieten kann. Kommt der Nutzer mit einem solchen Auto nicht von der Fahrt zurück, handelt es sich rechtlich gesehen nicht um einen Diebstahl, sondern um eine Unterschlagung. Denn der Halter hat sein Auto ja freiwillig dem anderen überlassen. Eine Unterschlagung ist nur dann versichert, wenn es ausdrücklich im Versicherungsvertrag vereinbart ist.

Wer haftet, wenn der Dieb einen Unfall baut?


Nach § 7 Abs. 3 des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) haftet der Fahrzeughalter nicht für einen Unfall bei einer sogenannten Schwarzfahrt, wenn das Auto also ohne sein Wissen und gegen seinen Willen von einem Nichtberechtigten gefahren wird. Ausnahme: Der Halter hat den Diebstahl durch sein Verschulden ermöglicht, also zum Beispiel den Schlüssel steckengelassen.
Der Geschädigte kann sich direkt an die Haftpflichtversicherung des Fahrzeugs wenden, denn hier sind Halter und Fahrer versichert, egal, ob der Fahrer berechtigt war. Die Haftpflichtversicherung übernimmt den Schaden und versucht, den Dieb in Regress zu nehmen. Die Schadensfreiheitsklasse des Halters ändert sich nicht.

Was passiert beim Diebstahl von Teilen?


Teile, die fest mit dem Auto verbunden sind, werden der Teilkasko umfasst. Das bedeutet: Schraubt der Dieb den Katalysator ab oder klaut die Felgen, zahlt die Versicherung den Wiederbeschaffungswert. Auch ein Diebstahlsschaden wie die zwecks Radioklau eingeschlagene Scheibe wird ersetzt. Nicht ersetzt werden jedoch Teile, die nicht fest eingebaut sind (Saugnapf-Navi). Nicht ersetzt werden auch reine Vandalismusschäden.

Praxistipp


Sichern Sie Ihr Fahrzeug durch Abstellen in einer Garage oder durch zusätzliche einfache Sicherheitsmittel wie Lenkradkrallen und Gangschaltungssperren. Diese kosten für Diebe wertvolle Zeit. Ein sogenannter OBD-Saver kann verhindern, dass Diebe das Onboard-Diagnose-System Ihres Autos nutzen, um die Wegfahrsperre abzuschalten. Ein extra eingebauter Zündunterbrecher verhindert fremdes Starten. Nehmen Sie Abstand von Keyless-Go-Systemen. Deren Signale lassen sch auffangen, umleiten und verstärken – schon ist das Auto weg. Sollte Ihre Versicherung nach einem Diebstahl nicht zahlen wollen, kann Ihnen ein auf das Versicherungsrecht spezialisierter Rechtsanwalt gute Dienste leisten.