Berufskleidung – Was müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber beachten?

02.06.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (2911 mal gelesen)
Berufskleidung – Was müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber beachten? © spotmatikphoto - Fotolia.com
Vom Chef zur Verfügung gestellte typische Berufskleidung gilt nicht als geldwerter Vorteil, der versteuert werden muss. Die Kosten für selbstfinanzierte Berufskleidung können Arbeitnehmer unter bestimmten Voraussetzungen von der Steuer absetzen.

Schutzkleidung – wer trägt die Kosten?
Die Kosten für Schutzkleidung, die Arbeitnehmer aufgrund gesetzlicher Unfallverhütungsvorschriften tragen müssen, trägt der Arbeitgeber. Das Arbeitsrecht legt dies in § 618 und § 619 des Bürgerlichen Gesetzbuches fest. Der Arbeitnehmer kann allenfalls dann zur Kostenbeteiligung herangezogen werden, wenn er die Schutzkleidung auch außerhalb der Arbeit nutzen kann. Unter Schutzkleidung versteht man zum Beispiel: Sicherheitsschuhe, Helm, Sicherheitshandschuhe, Schutzbrille, Schnittschutzhose, Chemie-Schutzanzug.

Schutzkleidung steuerlich
Für den Arbeitnehmer ist vorgeschriebene Schutzkleidung kein „geldwerter Vorteil“. Er muss ihren Wert also nicht wie Einkommen versteuern. Der Arbeitgeber kann die Kosten als Werbungskosten absetzen.

Berufskleidung – wer trägt die Kosten?
Kosten für Berufskleidung, die keine vorgeschriebene Schutzkleidung ist, können dem Arbeitnehmer auferlegt werden. Oft wird dies im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag genauer geregelt. Hier kommt es aber auf den Einzelfall an. Denn eine solche Regelung im Arbeitsvertrag darf den Arbeitnehmer nicht unangemessen benachteiligen.

Urteil des Bundesarbeitsgerichts zum „Kittelgeld“
Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt hat sich mit einem Fall beschäftigt, in dem eine Verkäuferin im Einzelhandel vertraglich zum Tragen von Berufskleidung verpflichtet war. Die Kosten für die erste Anschaffung sollte sie selbst tragen, die Kosten für Wiederbeschaffung, Reinigung usw. der Arbeitgeber. Sie sollte sich an den letzteren Kosten mit rund sieben Euro „Kittelgeld“ im Monat beteiligen, die ihr vom Lohn abgezogen wurden. Das Bundesarbeitsgericht stellte fest, dass hier eine unangemessene Benachteiligung vorlag: Die Arbeitnehmerin verdiente monatlich nur einen Betrag, der unter der Pfändungsfreigrenze lag. Von einem Arbeitslohn, der nicht gepfändet werde könne, dürfe der Arbeitgeber nicht noch irgendetwas abziehen (Urteil vom 17.2.2009, Az. 9 AZR 676/07).

Unterschied typische Berufskleidung und bürgerliche Kleidung
Unter typischer Berufskleidung versteht man generell alles, was nicht im Alltag getragen werden kann. Beispiele:
Uniformen und Dienstkleidung mit Dienstabzeichen oder Firmensymbol, schwarzer Frack bei Orchestermusikern, schwarzer Rock bei Serviererinnen, schwarzer Anzug bei Leichenbestattern, weiße Berufskleidung bei Ärzten, Piloten, Friseuren, Sportlehrern, farblich festgelegte Anzüge und Kostüme bei Mitarbeitern einer Fluggesellschaft, Bühnenkleidung bei Schauspielern und Musikern.

Keine Berufskleidung
Nicht als Berufskleidung anerkannt werden in der Regel zum Beispiel der dunkle Anzug eines Bankangestellten, die modische Kleidung einer Fernsehansagerin und die weißen Hosen und T-Shirts einer Altenpflegerin. Als kurioses Beispiel offenbar aus der Kolonialzeit werden hier auch immer wieder die für Reisen in die Tropen offenbar üblichen Kleidungsstücke (z.B. Khakianzug, Tropenhelm) genannt.

Berufskleidung und Steuern
Hat der Arbeitnehmer Ausgaben für typische Berufskleidung, kann er diese als Werbungskosten von der Einkommenssteuer absetzen. Geregelt ist dies in § 9 Abs. 1 Nr. 6 EStG. Bürgerliche Kleidung – Alltagskleidung also, mit der man auf der Straße nicht auffällt – ist nicht steuerlich begünstigt. Übrigens wird bürgerliche Kleidung grundsätzlich nicht dadurch zur typischen Berufskleidung, dass sie auf Anweisung des Arbeitgebers getragen werden muss.

Kosten für die Reinigung
Auch die Kosten für die Reinigung der Berufskleidung sind absetzbar. Wird die Berufskleidung in eine Reinigung gegeben, kann der Beleg beim Finanzamt eingereicht werden. Wird mit der eigenen Waschmaschine gewaschen, möchte das Finanzamt Angaben zur Menge und zur Waschart (z.B. Kochwäsche) haben – die Anzahl der jährlichen Waschmaschinenfüllungen kann geschätzt werden. Bei den verschiedenen Wäschesorten wird eine unterschiedliche Lademenge anerkannt. Diese beträgt bei Kochwäsche/Buntwäsche bis zu fünf kg und bei Pflegeleichtwäsche bis zu 2,5 kg. Das Finanzamt hält sich bei den Kosten an die Aufstellungen, die zum Beispiel von der Verbraucherzentrale Bundesverband veröffentlicht worden sind (Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg, Az. 3 K 202/04).

Berufskleidung versteuern?
Typische Berufskleidung, die der Chef seinem Mitarbeiter kostenlos oder verbilligt überlässt, ist aus Sicht des Arbeitnehmers kein geldwerter Vorteil, den er als Teil seines Einkommens versteuern muss und für den dann womöglich Sozialabgaben anfallen. Sie ist nach § 3 Nr. 31 Einkommenssteuergesetz (EStG) steuerfrei.