Die Düsseldorfer Tabelle – Handwerkszeug für die Unterhaltsberechnung

11.02.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (1002 mal gelesen)
Die Düsseldorfer Tabelle – Handwerkszeug für die Unterhaltsberechnung © DOC RABE Media - Fotolia.com
Die Düsseldorfer Tabelle wurde von Richtern entwickelt, um die Berechnung des Unterhalts zu erleichtern. Hauptsächlich dient sie der Berechnung des Kindesunterhalts.

Was ist die Düsseldorfer Tabelle?
Mit Hilfe der Düsseldorfer Tabelle kann man den Unterhaltsbedarf von Unterhaltsberechtigten berechnen. Dieser muss vom zu zahlenden Unterhaltsbetrag unterschieden werden. Die Tabelle wurde entwickelt von Richterinnen und Richtern der Familiensenate der Oberlandesgerichte Düsseldorf, Köln, Hamm in Kooperation mit der Unterhaltskommission des Deutschen Familiengerichtstages und mit Hilfe einer Umfrage bei anderen Oberlandesgerichten. Sie hat keine Gesetzeskraft; trotzdem ist sie bei den mit dem Familienrecht befassten Gerichten weithin als Berechnungshilfe anerkannt. Die Tabelle wird alle zwei Jahre überarbeitet. Seit 1. Januar 2015 gibt es eine neue Fassung.

Was kann man mit der Düsseldorfer Tabelle berechnen?
Mit Teil A der Tabelle kann man den monatlichen Unterhaltsbedarf von Kindern errechnen. Dieser richtet sich nach dem Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen und dem Alter des Kindes. Die Anmerkungen zur Tabelle enthalten weitere wichtige Hinweise, etwa zum Selbstbehalt des Unterhaltspflichtigen und zur unterschiedlichen Behandlung von minderjährigen und volljährigen Kindern. Teil B der Tabelle beschäftigt sich mit dem Ehegattenunterhalt. Hier werden Unterhaltsrichtsätze vorgegeben und ein Selbstbehalt des Unterhaltszahlers festgelegt. Teil C befasst sich mit den Mangelfällen, in denen nicht genug Einkommen für die Deckung aller Unterhaltsansprüche vorhanden ist. Teil D enthält wichtige Hinweise zum Thema Verwandtenunterhalt. Hier wird der Selbstbehalt gegenüber den eigenen Eltern festgelegt.

Was ist der „Unterhaltsbedarf“?
Der Unterhaltsbedarf lässt sich in der Düsseldorfer Tabelle ablesen. Beispiel: Bei einem Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen zwischen 1.501 und 1.900 Euro beträgt er für ein fünfjähriges Kind 333 Euro im Monat. Dies ist aber nicht der Betrag, den der Unterhaltspflichtige zahlen muss. Denn vom Unterhaltsbedarf ist zunächst noch das Kindergeld abzuziehen. Inwieweit es abzuziehen ist, richtet sich nach Alter und Lebenslage: Lebt ein minderjähriges Kind bei einem Elternteil, der es betreut, wird das Kindergeld zur Hälfte abgezogen. Bei einem volljährigen Kind zählt das Kindergeld als dessen Einkommen und wird komplett abgezogen. Auch eine Ausbildungsvergütung wird bei zu Hause wohnenden Kindern abgezogen; diese darf jedoch zuvor um 90 Euro gekürzt werden, um den Kosten der Ausbildung (Fahrtkosten, Berufskleidung, Bücher) Rechnung zu tragen.

Welche Umstände haben noch Einfluss auf die Unterhaltshöhe?
Wie hoch der zu zahlende Unterhalt schließlich ist, richtet sich auch noch nach anderen Umständen. Mit dem Einkommen laut Düsseldorfer Tabelle ist nicht einfach das Nettoeinkommen laut Gehaltszettel gemeint. Denn die Tabelle legt einen Eigenbedarf bzw. Selbstbehalt fest, also einen Betrag, den der Unterhaltspflichtige behalten darf, um davon selbst ohne staatliche Unterstützung zu leben. Auch berufsbedingte Aufwendungen und bestimmte Schulden sind von seinem Einkommen abzuziehen, bevor es zur Unterhaltsberechnung verwendet wird. Gibt es mehrere Kinder, muss das Betrag, den der Betreffende zahlen kann, abhängig von deren Alter aufgeteilt werden. Auch dafür hält die Tabelle Berechnungshilfen bereit.

Was hat sich 2015 geändert?
Zum 1. Januar 2015 wurden die Selbstbehalte erhöht. So hat ein erwerbstätiger Unterhaltspflichtiger gegenüber einem minderjährigen Kind jetzt einen Selbstbehalt von 1.080 Euro (bisher: 1.000 Euro). Grund für die Erhöhung war eine Anpassung der ALG-II-Sätze. Der Kindesunterhalt wurde nicht erhöht. Angehoben wurden auch die Selbstbehalte gegenüber Ehegatten, dem betreuenden Elternteil eines nichtehelichen Kindes, volljährigen Kindern oder Eltern des Unterhaltspflichtigen.

Wann kann mich der „Verwandtenunterhalt“ betreffen?
Der Verwandtenunterhalt spielt meist dann eine Rolle, wenn Eltern erwachsener Kinder pflegebedürftig werden. Oft reichen Rente und Erspartes nicht für die Pflegekosten aus. Dann springt zwar das Sozialamt ein, holt sich das Geld jedoch bei Verwandten zurück, die gesetzlich unterhaltspflichtig sind – in der Regel bei den Kindern.

Welches Einkommen setzt man an, wenn ich gar nichts verdiene?
Unterhaltspflichtige Personen sind dazu verpflichtet, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten um eine Arbeit zu bemühen, um Unterhalt zahlen zu können. Tun sie dies nicht, kann ein fiktives Einkommen zur Berechnung des Kindesunterhalts herangezogen werden. Das Oberlandesgericht Celle ging zum Beispiel davon aus, dass ein gesunder 35jähriger Mann ohne Berufsausbildung durchaus auf dem Bau 1.280 Euro netto verdienen kann (Beschluss vom 22.08.2014, Az. 10 UF 180/14).

Was ist die „Berliner Tabelle“?
Die Berliner Tabelle kam für die neuen Bundesländer zur Anwendung. Sie stellt eine Vorstufe zur bundesweit anwendbaren Düsseldorfer Tabelle dar. Bei der Unterhaltsreform zum 1.1.2008 wurde die Berliner Tabelle aufgehoben.