Ehescheidung und Unterhalt – häufige Irrtümer

13.07.2020, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (1911 mal gelesen)
Eheringe,Geldscheine Über Scheidung und Unterhalt kursieren viele falsche Aussagen. © Bu - Anwalt-Suchservice

Eine große Zahl von Ehen wird heute wieder geschieden. Häufig entsteht dabei Streit – über das liebe Geld, über Unterhalt oder Zugewinnausgleich. Über die Scheidung und ihre Folgen gibt es viele Rechtsirrtümer.

Nach dem Statistischen Bundesamt geht die Zahl der Scheidungen seit Jahren leicht zurück. So wurden im 2017 in Deutschland 253.500 Ehen geschieden. Eine niedrigere Anzahl von Scheidungen gab es zuletzt im Jahr 1992 (135.000). Im Vergleich zu 2016 war dies ein Rückgang um 5,5 Prozent oder 9.000 Scheidungen. Durchschnittlich waren die Paare 15 Jahre lang verheiratet gewesen. Etwa die Hälfte hatte minderjährige Kinder. In 51,5 Prozent der Fälle wurde der Scheidungsantrag von der Ehefrau gestellt. In vielen Fällen kommt es nach einer Scheidung zu langwierigen Gerichtsverfahren. Welche Rechtsirrtümer kursieren über Scheidungen?

Eine kurze Ehe kann man doch einfach annullieren!


Das Gesetz lässt das Annullieren (also Aufheben) einer Ehe nur in ganz bestimmten Ausnahmefällen zu. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn einer der Ehepartner nicht ehemündig war oder nur durch eine Täuschung oder Drohung zum Heiraten gezwungen wurde. Auch eine kurze Ehe – selbst wenn sie nur einen Tag gedauert hat – kann man also nicht einfach annullieren. Sie muss von einem Gericht geschieden werden. Die Formalien und Voraussetzungen sind unabhängig von der Dauer der Ehe. Die beiden wichtigsten Voraussetzungen für eine Scheidung sind ein Scheidungsantrag eines der Ehepartner und das Trennungsjahr.

Wenn ich nicht zustimme, kannst Du Dich nicht von mir scheiden lassen!


Auch diese Aussage ist schlicht ein Irrtum. Zu den Scheidungsvoraussetzungen gehört die Zerrüttung der Ehe. Davon wird ausgegangen, wenn beide die Scheidung beantragen oder der Partner der vom anderen beantragten Scheidung zugestimmt hat. Außerdem muss das Trennungsjahr verstrichen sein.
In der Regel verlässt sich das Familiengericht auf das von beiden Partnern genannte Datum der Trennung. Will sich Ihr Partner nicht scheiden lassen und verweigert jede Mithilfe, müssen Sie als Antragsteller nachweisen, ab wann Sie getrennt leben. Ab einer Trennungszeit von drei Jahren ist es unwichtig, was Ihr Partner will: Dann geht man nämlich von Gesetzes wegen davon aus, dass die Ehe zerrüttet ist.
Übrigens kann eine Ehe auch nach einer Trennungszeit von weniger als einem Jahr geschieden werden. Voraussetzung ist, dass ihr Fortbestand für den Scheidungswilligen einen Härtefall darstellen würde. Dies ist etwa bei Misshandlungen der Fall.

Die Scheidung wird billiger, wenn mein Partner sie beantragt – denn der verdient weniger als ich!


Auf diesem Weg lassen sich die Kosten für eine Scheidung nicht reduzieren. Diese hängen nämlich vom Einkommen und Vermögen beider Eheleute ab. Dabei werden auch Steuerrückzahlungen, Zinseinkünfte und Dividenden berücksichtigt. Bei einer Scheidung fallen Gerichts- und Anwaltskosten an. Beide sind gesetzlich geregelt.

Ich lass mich online scheiden. Das geht bestimmt auch per Smartphone!


Für Online-Scheidungen wird viel Werbung gemacht. Was Sie aber wissen sollten: Der Begriff ist etwas irreführend. Eine reine Online-Scheidung gibt es nicht. In Deutschland kann eine Ehe nur durch ein Gericht geschieden werden. Im Scheidungsverfahren besteht Anwaltszwang. Bei den sogenannten Online-Scheidungen wird lediglich ein Teil der Arbeitsschritte des Anwalts online und telefonisch abgewickelt, statt jedes Mal einen persönlichen Termin anzusetzen. So kann man den Auftrag an den Rechtsanwalt online erteilen und wichtige Dokumente können Sie Ihrem Anwalt per E-Mail oder per Post zuschicken.
Aber: Dieses Verfahren eignet sich nur für eine einverständliche Scheidung, bei der kein Beratungsbedarf besteht. Beide Partner sollten sich also über alles Wesentliche einig sein und es sollte keinen Streit um Kinder, Haus oder Geld geben. Das Gerichtsverfahren mit Anwesenheit der Ehepartner ist unumgänglich und findet nur in der „Offline-Welt“ statt.
Sehr viel billiger wird eine Online-Scheidung übrigens nicht: Denn die Rechtsanwaltsgebühren sind nun einmal gesetzlich geregelt.

Ich bekomme jetzt 50 Prozent von allem, was mein Partner gespart hat!


Nein, eher nicht. Wenn nichts anderes vereinbart wurde, leben Sie im Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet: Im Fall einer Scheidung wird ein Zugewinnausgleich durchgeführt. Als finanziell schlechter gestellter Partner bekommen Sie die Hälfte von dem, was Ihr Partner während der Zeit der Ehe zusätzlich an Vermögen angesammelt hat. Aber: Sein Vermögen von vor der Ehe wird nicht angetastet. Auch Schenkungen und Erbschaften, die Ihr Partner während der Ehe bekommen hat, werden nicht eingerechnet. Bei diesen kann höchstens der Wertzuwachs - zum Beispiel die Wertsteigerung einer Immobilie - berücksichtigt werden.

Getrennt leben ist billiger als eine Scheidung!


Sind Sie sicher, dass keiner von Ihnen beiden jemals wieder heiraten will, kann das wohl stimmen. Aber: Wer kann das schon vorher wissen? Wenn es dann Jahre später doch zu einer Scheidung kommt, kann diese durchaus viel Geld kosten. Die Höhe der Kosten hängt von Ihrem Einkommen zum Zeitpunkt der Scheidung ab.
Dazu kommt: Bei der Berechnung des Zugewinnausgleichs wird auch der Vermögenszuwachs während der Zeit der Trennung einbezogen.
Der Ehepartner ist übrigens auch während einer Trennung weiterhin erbberechtigt – selbst bei testamentarischer „Enterbung“ hat er oder sie ein Recht auf den Pflichtteil. Womöglich zum Schaden der Personen, die Ihnen inzwischen mehr am Herzen liegen.

Nach der Scheidung muss ich höchstens drei Jahre lang Unterhalt zahlen!


Das kann man so pauschal nicht sagen. Ob man Unterhalt zahlen muss, hängt davon ab, ob Parter oder Partnerin finanziell ehebedingte Nachteile erlitten haben (etwa: kein Beruf wegen Kindererziehung) und inwieweit diese für sich sorgen können. Bestehen diese Nachteile nach einiger Zeit nicht mehr, erlischt auch der Unterhaltsanspruch. Wenn Ihr Partner nach einer gewissen Zeit aus eigenem Einkommen den ehemaligen ehelichen Lebensstandard erreichen kann, sind Sie „aus dem Schneider.“ Obendrein kann sein Anspruch auf Unterhalt verwirkt sein, wenn er oder sie wieder heiratet. Oder er lebt eheähnlich mit jemandem zusammen und heiratet allein deshalb nicht, um weiterhin Unterhalt zu erhalten. Hier kommt es immer auf den Einzelfall an.

Praxistipp


Eine Scheidung kann viele Rechtsfragen aufwerfen. Handelt es sich nicht um eine vollkommen einverständliche Scheidung, sollten sich beide Ehepartner einen Anwalt nehmen. Der richtige Ansprechpartner ist hier ein Fachanwalt für Familienrecht.

(Wk)



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