Ehescheidung und Unterhalt – häufige Irrtümer

06.01.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (1830 mal gelesen)
Ehescheidung und Unterhalt – häufige Irrtümer © Zerbor - Fotolia.co
Viele Ehen werden heute wieder geschieden. Oft entsteht dabei Streit – über das liebe Geld, über Zugewinnausgleich und Unterhalt. Über die Scheidung und ihre Folgen kursieren viele gängige Rechtsirrtümer.

Eine kurze Ehe kann man doch einfach annullieren!
Das Annullieren (also Aufheben) einer Ehe lässt das Gesetz nur in bestimmten Ausnahmefällen zu – etwa wenn einer der Ehepartner nicht ehemündig war oder durch Täuschung oder Drohung zum Heiraten gezwungen wurde. Eine kurze Ehe – selbst wenn sie nur einen Tag gedauert hat – kann nicht einfach annulliert werden. Sie muss geschieden werden. Die Formalien und Voraussetzungen einer Scheidung sind unabhängig von der Dauer der Ehe. Grundvoraussetzungen sind ein Scheidungsantrag eines der Ehepartner und das Trennungsjahr.

Wenn ich nicht zustimme, kannst Du Dich nicht von mir scheiden lassen!
Auch diese Aussage stimmt nicht. Immerhin: Eine einverständliche Scheidung geht schneller und ist oft billiger, weil zum Beispiel nur ein Rechtsanwalt bemüht werden muss. Zu den Scheidungsvoraussetzungen gehört die Zerrüttung der Ehe. Von dieser wird ausgegangen, wenn beide die Scheidung beantragen oder Ihr Partner der Scheidung zustimmt und wenn zusätzlich das Trennnungsjahr verstrichen ist. Wobei sich das Gericht in der Regel auf das von beiden Partnern genannte Datum der Trennung verlassen wird. Wenn Ihr Partner die Scheidung nicht will, müssen Sie als Antragsteller nachweisen, ab wann Sie getrennt leben. Ab einer Trennungszeit von drei Jahren spielt es keine Rolle mehr, was Ihr Partner will: Dann wird von einer Zerrüttung der Ehe von Gesetzes wegen ausgegangen. Übrigens kann eine Ehe auch nach einer Trennungszeit von unter einem Jahr geschieden werden: Dies ist der Fall, wenn ihr Fortbestand für den Scheidungswilligen einen Härtefall darstellen würde, etwa bei Mißhandlungsfällen.

Die Scheidung wird billiger, wenn mein Partner sie beantragt – denn der verdient weniger als ich!
Die bei einer Scheidung anfallenden Kosten lassen sich so nicht verringern, denn sie richten sich nach dem Einkommen und Vermögen beider Eheleute. Einschließlich Steuerrückzahlungen, Zinseinkünften und Dividenden. Es fallen Gerichts- und Anwaltskosten an. Beide sind gesetzlich geregelt.

Ich lass mich online scheiden. Das geht bestimmt auch per Smartphone!
Für Online-Scheidungen wird oft Werbung gemacht. Was Sie wissen sollten: Es gibt keine reine Online-Scheidung. In Deutschland kann nur ein Gericht eine Ehe scheiden, und im Scheidungsverfahren besteht Anwaltszwang. Bei den sogenannten Online-Scheidungen wird nur ein Teil der Arbeitsschritte des Rechtsanwalts online abgewickelt. So kann der Auftrag an den Rechtsanwalt online erteilt werden, wichtige Dokumente können Sie per Email zuschicken. Dieses Verfahren eignet sich aber nur bei einer einverständlichen Scheidung, bei der kein Beratungsbedarf besteht. Das Gerichtsverfahren findet nur in der „Offline-Welt“ statt. Viel billiger wird eine Online-Scheidung übrigens nicht: Denn die Rechtsanwaltsgebühren sind nun einmal gesetzlich festgelegt.

Ich bekomme jetzt 50 Prozent von allem, was mein Partner gespart hat!
Nein, eher nicht. Haben Sie nichts anderes vereinbart, leben Sie im Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet: Bei einer Scheidung findet ein Zugewinnausgleich statt. Als finanziell schlechter gestellter Partner bekommen Sie also die Hälfte von dem, was Ihr Partner während der Ehe zusätzlich an Vermögen angesammelt hat. Sein Vermögen von vor der Ehe bleibt außer Ansatz. Nicht ausgeglichen werden auch Schenkungen und Erbschaften, die Ihr Partner während der Ehe bekommen hat. Hier kann allenfalls der Wertzuwachs berücksichtigt werden.

Getrennt leben ist billiger als eine Scheidung!
Wenn Sie sicher sind, dass keiner von Ihnen beiden jemals wieder heiraten will, kann das stimmen. Aber wer kann das schon vorher wissen? Kommt es Jahre später zu einer Scheidung, kann diese durchaus teurer werden. Denn die Kosten sind von Ihrem Einkommen zum Scheidungszeitpunkt abhängig. Und bei der Berechnung des Zugewinnausgleichs wird auch der Vermögenszuwachs während der Trennungszeit berücksichtigt – der besser Verdienende muss also wahrscheinlich mehr Ausgleich zahlen. Übrigens ist der Ehepartner auch während einer Trennung weiter erbberechtigt – selbst bei testamentarischer „Enterbung“ bekommt er oder sie einen Pflichtteil. Womöglich zum Schaden der Personen, die Ihnen inzwischen wichtiger geworden sind.

Nach der Scheidung muss ich höchstens drei Jahre lang Unterhalt zahlen!
So pauschal kann man das nicht sagen. Ob Sie Unterhalt zahlen müssen, hängt davon ab, ob Ihr Parter / Ihre Partnerin finanziell ehebedingte Nachteile erlitten hat und inwieweit er / sie selbst für sich sorgen kann. Wenn die Nachteile nach einiger Zeit nicht mehr bestehen, erlischt auch der Unterhaltsanspruch. Kann Ihr Partner nach einer gewissen Zeit aus eigenem Einkommen den ehemaligen ehelichen Lebensstandard erreichen, sind Sie „aus dem Schneider.“ Auch kann sein Anspruch auf Unterhalt verwirkt sein, weil er oder sie wieder heiratet. Oder er lebt eheähnlich mit jemandem zusammen und heiratet nur deshalb nicht, um weiter Unterhalt zu bekommen. Es kommt hier also immer auf den Einzelfall an.