Online-Scheidung - Was meint das und wie funktioniert sie?

05.03.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice (209 mal gelesen)
Online-Scheidung - Was meint das und wie funktioniert sie? © Bu - Anwalt-Suchservice

Circa ein Drittel der Ehen in Deutschland wird wieder geschieden. Im Trend liegt die sogenannte Online-Scheidung. Diese wird jedoch oft mit falschen Erwartungen verbunden und eignet sich nicht immer.

Warenkäufe aller Art, Streamen von Filmen und Musik, Autokauf, Finanzgeschäfte, Wohnungssuche und Partnersuche – fast in allen wichtigen Lebensbereichen werden heute Online-Angebote genutzt. Was liegt da näher, als auch eine Scheidung online abzuwickeln? Viele Anwaltskanzleien haben sich mittlerweile auf die Online-Scheidung spezialisiert. Allerdings wird die Erwartung vieler Scheidungswilliger, sich unangenehme Gerichtstermine ersparen zu können, enttäuscht. Was also ist eine Online-Scheidung genau und wie funktionier sie?

Welche Vorstellungen werden oft mit der Online-Scheidung verbunden?


Bei rechtlichen Laien weckt dieser Begriff Hoffnungen auf etwas, das es in dieser Form eigentlich nicht gibt. Denn viele Menschen verbinden damit ein komplett via Internet durchgeführtes Scheidungsverfahren, das ihnen unangenehme Termine vor Gericht mit peinlichen Fragen über private Dinge sowie auch das weitere Zusammentreffen mit dem Ex-Partner oder der Ex-Partnerin erspart. Mancher hofft darauf, einfach auf der Homepage des Gerichts seine Daten in eine Maske eingeben zu können, dann auf “jetzt kostenpflichtig scheiden lassen” zu klicken, und sich dann nie wieder mit der Ex-Beziehung beschäftigen zu müssen. Und warum gibt es keine App dafür? Hier müssen wir den Leser jedoch enttäuschen.

Was ist tatsächlich unter einer Online-Scheidung zu verstehen?


In Deutschland existiert nur ein einziges gesetzlich erlaubtes Scheidungsverfahren. Dieses wird persönlich vor dem Familiengericht durchgeführt und nicht online. Die Verwendung des Begriffes „Online-Scheidung“ hat trotzdem ihre Berechtigung. Damit ist eine Scheidung gemeint, bei der viele der mit dem Rechtsanwalt vor der eigentlichen Gerichtsverhandlung zu regelnden Formalitäten online stattfinden. Ein scheidungswilliges Paar kann so Zeit und viel Lauferei sparen. Auch die Kosteneinsparung ist nicht zu unterschätzen. Fazit: Die Online-Scheidung betrifft nur die Vorbereitungen der Scheidung mit anwaltlicher Hilfe. Sie ändert am gerichtlichen Verfahren nichts. Allerdings gibt es seltene Ausnahmen – wie etwa eine 2014 erfolgte Zuschaltung der Ehepartner in einer Videokonferenz im Gerichtssaal in Erfurt.

Wie läuft ein Scheidungsverfahren im Normalfall ab?


Nur ein Rechtsanwalt kann beim Familiengericht einen Scheidungsantrag einreichen. Wer eine Scheidung beabsichtigt, muss sich daher zuerst zu einem Anwalt seiner Wahl bemühen. Diesen sucht man in der Regel persönlich auf. Der Anwalt wird dann mit dem Mandanten besprechen, ob die gesetzlichen Scheidungsvoraussetzungen – wie etwa das Trennungsjahr – erfüllt sind. Er wird dem Mandanten auch mitteilen, welche Unterlagen dieser beizubringen hat. Dazu gehört zum Beispiel die Heiratsurkunde. Der Mandant sucht nun zu Hause seine Dokumente zusammen und muss oft in einem zweiten Termin noch einmal zum Rechtsanwalt, um diese abzugeben und mögliche offene Fragen abzusprechen. Sobald der Anwalt alle Dokumente und Informationen beisammen hat, reicht er beim Familiengericht den Scheidungsantrag ein.
Das Gericht verlangt zuerst mal einen Kostenvorschuss. Erst, wenn dieser eingegangen ist, stellt es den Scheidungsantrag dem anderen Ehepartner zu. Dieser erhält eine Frist, in der er sich dazu äußern kann. Meist werden auch gleich Formulare für den Versorgungsausgleich zugeschickt.
Diese müssen von den Ehepartnern ausgefüllt und wieder dem Gericht zugeschickt werden, welches sie dann zur Berechnung der Renten-Anwartschaften an die Rentenversicherungsträger weiterleitet. Wenn dies geklärt ist, wird der Gerichtstermin festgesetzt. Zu diesem müssen in der Regel beide Ehepartner persönlich kommen. Wenn es möglich ist, in diesem Termin alle relevanten Fragen zu regeln, wird das Gericht die Ehe in Anwesenheit beider Partner durch Beschluss scheiden. In aller Regel nimmt sich bei einer herkömmlichen Scheidung auch der zweite Ehepartner einen Anwalt.

Wie unterscheidet sich eine Online-Scheidung davon?


Bei einer Online-Scheidung werden die persönlichen Termine zwischen Anwalt und Mandant nach Möglichkeit auf das Internet verlagert. Informationen werden mit Hilfe von Kontaktformularen und Emails ausgetauscht. Dokumente werden eingescannt und per Email versandt. Fragen und Details kann man am Telefon klären. In einigen Fällen ist eine Original-Unterschrift unumgänglich – dann bemüht man die Post.
Vorteilhaft kann es sein, wenn der Anwalt auch eine Scheidungsfolgenvereinbarung entwirft, in der die Ehepartner vom Unterhalt bis zu den Besuchsterminen für die Kinder alle wichtigen Fragen für „später“ regeln.
Was allerdings nicht wegfallen kann, ist der Gerichtstermin in Anwesenheit beider Parteien. Ausnahmen sind in bestimmten Fällen möglich – wenn sich zum Beispiel ein Ehepartner im Ausland aufhält und nicht für die Gerichtsverhandlung anreisen kann.

Welche Vorteile hat die Online-Scheidung?


Die Online-Scheidung hat den Vorteil, dass die Ehepartner dabei einiges an Zeit sparen können. Auch die Kosten können gegenüber einer normalen Scheidung geringer ausfallen. Der Grund: Wenn beide die Scheidung wollen und keine größeren Streitigkeiten bestehen, muss nur einer von beiden den Anwalt beauftragen und der andere dem Scheidungsantrag zustimmen. Die Kosten für den normalerweise erforderlichen zweiten Anwalt entfallen.

Welche Nachteile hat die Online-Scheidung?


Nur einen einzigen Anwalt zu beauftragen, kann Nachteile haben. Denn nicht selten gibt es zwischen den sich trennenden Partnern Streit – über Unterhalt, persönliches Eigentum, das Sorgerecht für die Kinder oder Vermögensfragen. Der Rechtsanwalt kann und wird nur die Interessen der Person vertreten, die ihn beauftragt hat. Es gibt keinen „gemeinsamen“ Anwalt. Derjenige, der keinen Anwalt beauftragt hat, kann vor Gericht keine Anträge stellen.
Generell gilt: Sobald es zu einer echten Auseinandersetzung kommt, ist das Scheidungsverfahren in aller Regel so kompliziert, dass nicht alle wichtigen Fragen online geklärt werden können. Auch ist hier eine ausführliche Beratung erforderlich – durch einen Anwalt, den der Betreffende selbst beauftragt hat.

Für wen ist die Online-Scheidung geeignet?


Die Online-Scheidung eignet sich besonders für einverständliche Scheidungen von Paaren, die noch in der Lage sind, ihre gemeinsamen Angelegenheiten ohne Streit zu regeln und sich über wichtige Fragen zu einigen. Viele Scheidungen erfolgen tatsächlich einverständlich – und die Möglichkeit, Streit und Kosten zu vermeiden, ist ein Anreiz für die Beteiligten, der anderen Seite im Zweifel etwas entgegenzukommen. Auch kinderlose Paare, bei denen beide berufstätig sind, haben zum Beispiel oft weniger Streitpunkte.

Für wen ist die Online-Scheidung weniger geeignet?


Manches Paar ist so zerstritten, dass eine friedliche Einigung selbst über die einfachsten Details unmöglich ist. Bei Themen wie dem Sorgerecht für die Kinder, der eigene finanziellen Absicherung oder persönlichen Wertgegenständen und Erinnerungsstücken entsteht oft Streit. Selbst über das Besuchsrecht für den Hund wird dann vor Gericht gekämpft. In Fällen, in denen echte Auseinandersetzungen drohen, ist die klassische Scheidung mit zwei Anwälten und einer vorherigen ausführlichen und persönlichen Beratung zu empfehlen. Denn allzu schnell wird in solchen Verfahren „schmutzige Wäsche“ auf den Tisch gebracht, es sind Beweise nötig, eine Strategie muss abgestimmt oder ein Vergleich zwischen den Parteien ausgehandelt werden. Dafür ist die Online-Scheidung nicht geeignet.

Was kostet eine Online-Scheidung?


Für jede Scheidung werden Gerichtskosten und Anwaltskosten nach den jeweiligen Gebührenordnungen fällig. Die Höhe von beiden hängt vom Streitwert des Verfahrens ab. Bei einer Scheidung richtet sich dieser nach dem Nettoeinkommen der Eheleute. Grundsätzlich multipliziert das Gericht das Gesamteinkommen beider Ehepartner mit drei, um den Streitwert zu ermitteln. Es gibt dann eine Reihe von Positionen, die abgezogen werden können (zum Beispiel Schulden) oder die man dazu addiert (wie das Kindergeld). Für eine einverständliche Scheidung fallen niedrigere Gebühren an. Ein vom Gericht durchzuführender Versorgungsausgleich sorgt für zusätzliche Gebühren. Sind außer der Rente weitere Altersvorsorge-Bausteine wie etwa eine Betriebsrente zu berücksichtigen, steigen die Gebühren. Der Rechtsanwalt erhält Gebühren für das Verfahren und für die Verhandlung. Dazu kommen Auslagenpauschalen und Mehrwertsteuer. Anwälte dürfen den gesetzlichen Mindest-Gebührensatz nicht unterschreiten. Es sind also auch keine echten „Schnäppchen-Angebote“ möglich.

Wie lange dauert eine Online-Scheidung?


Online-Scheidungen finden meist bei einfachen, einverständlichen Fällen statt. Schon deswegen dauert eine Online-Scheidung meist nicht so lange, wie eine herkömmliche. Feste Zeitangaben kann man allerdings nicht machen, denn die Dauer des Verfahrens hängt von der Arbeitsbelastung des Gerichts ab. Teilweise wird durch Scheidungsanwälte damit geworben, dass ein Scheidungsverfahren bei einverständlicher Scheidung mit Versorgungsausgleich etwa zwei bis vier Monate dauert. Kommt es jedoch zum Streit über eine Vielzahl von Details, kann sich eine Scheidung auch über Jahre hinziehen.

Was sagen die Gerichte zur Online-Scheidung?


Bekannt ist hier lediglich ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamm. Die Anwaltskammer war gegen einen Rechtsanwalt vorgegangen, der Online-Scheidungen abot, weil sie seine Werbeaussagen für unzulässig hielt. Es ging dabei um die Aussage „Scheidung online - spart Zeit, Nerven und Geld“. Das Gericht erklärte diese Werbung jedoch für zulässig. Die einzelnen Punkte würden im Text der Homepage näher erklärt, insbesondere die Aussage zur Kostenersparnis würde im Folgesatz begründet. Eine Irreführung der Leser fände insofern nicht statt. Wichtig fand das Gericht, dass nicht der Eindruck erweckt werde, dass eine anwaltliche Beratung in keinem Fall stattfinden müsse (Urteil vom 7. März 2013, Az. 4 U 162/12).

Praxistipp


Achten Sie darauf, dass Sie sich für Ihre Online-Scheidung an einen qualifizierten Rechtsanwalt wenden, vorzugsweise an einen Fachanwalt für Familienrecht. Dieser sollte telefonisch persönlich erreichbar sein, damit Ihre Fragen beatwortet werden können. Fragen Sie vorher nach den Kosten.

(Bu)



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