Habe ich ein Recht auf einen schnellen Arzttermin?

11.02.2026, Redaktion Anwalt-Suchservice
Arzt,Behandlung,Patient Wie schnell muss ich einen Termin beim Arzt bekommen? © - freepik
Das Wichtigste in Kürze

1. Grundsatz: Ein unmittelbarer Anspruch auf einen „sofortigen“ Arzttermin besteht nicht. Gesetzlich Versicherte haben jedoch Anspruch auf eine ausreichende, zweckmäßige und zeitnahe medizinische Versorgung.

2. Dringende Fälle: Bei medizinischer Dringlichkeit, insbesondere starken Schmerzen, muss eine zeitnahe Behandlung erfolgen. Terminservicestellen, die bundesweit rund um die Uhr unter der Telefonnummer 116117 erreichbar sind, können bei der Arztsuche helfen.

3. Rechtsfolgen bei Verzögerung: Kommt es zu unzumutbaren Wartezeiten, können Patienten sich an die Krankenkasse oder die Kassenärztliche Vereinigung wenden.
Wer krank wird, muss in Deutschland oft lange auf einen Behandlungstermin warten. Besonders bei Facharztterminen gibt es wochenlange Wartezeiten. Dies gilt auch für Untersuchungen, die eine anspruchsvolle technische Ausrüstung erfordern, wie eine MRT. In manchen Facharztpraxen reicht beim Termin die Warteschlange durch das Treppenhaus bis nach unten. Regelmäßig werden Termine beim Facharzt schneller an Privatpatienten vergeben als an gesetzlich Versicherte. Dies führt bei letzteren zu Verstimmungen. Jahrelang wurden auch die Notaufnahmen von Krankenhäusern immer mehr zur Anlaufstelle für normale Patienten, die schlicht keinen schnellen Arzttermin bekommen konnten. Der Gesetzgeber wollte mit dem Terminservicegesetz von 2019 Abhilfe schaffen und die Wartezeiten auf einen Arzttermin verkürzen.

Welche gesetzlichen Regelungen zum Arzttermin gibt es?


Seit dem 11. Mai 2019 gibt es das Termin- und Servicestellengesetz, kurz TSVG. Dieses enthält eine Reihe von Maßnahmen, um für schnellere Arzttermine zu sorgen. So schreibt es vor, dass die kassenärztlichen Vereinigungen sogenannte Terminservicestellen betreiben müssen, um gesetzlich Versicherten schneller einen Termin beim Hausarzt, Facharzt oder Psychotherapeuten zu ermöglichen. Das Gesetz sieht außerdem erweiterte Sprechzeiten für Ärzte vor. Seine Einführung war umstritten – bis zuletzt gab es etwa 50 Änderungsanträge.

Habe ich Anspruch auf einen schnellen Termin beim Arzt?


Einen Rechtsanspruch auf einen schnellen Arzttermin gibt es nicht. Allerdings ermöglicht das Terminservicegesetz eine Terminvermittlung über die Telefonnummer oder Homepage 116117. Dort vermittelte Termine müssen in der Regel innerhalb von vier Wochen stattfinden.

Was ist die Aufgabe der Terminservicestellen?


Für gesetzlich Versicherte gab es auch schon vor Inkrafttreten des Gesetzes Terminservicestellen, um schneller an Arzttermine zu kommen. Allerdings wurde deren Dienstleistung praktisch nicht genutzt. Die Terminservicestellen sind erst seit Januar 2020 bundesweit rund um die Uhr unter der Telefonnummer 116117 zu erreichen sowie online über www.116117.de und über die 116.117.app. Das Gesetz gibt vor, dass Patienten dort einen Arzttermin vermittelt bekommen sollen, der innerhalb von höchstens vier Wochen stattfindet, bei einem psychotherapeutischen Akutfall innerhalb von zwei Wochen.

Seit Einführung des Terminservicegesetzes können die Servicestellen auch schnellere Termine bei Haus-, Jugend- und Kinderärzten sowie bei Psychotherapeuten vermitteln.

Wie funktioniert die Vergabe von Arztterminen über die Terminservicestellen?


Bei einer Terminvergabe über eine Terminservicestelle können sich die Patienten keinen bestimmten Arzt aussuchen und keinen Wunschtermin. Allerdings soll der Termin bei einem Arzt stattfinden, dessen Praxis noch in zumutbarer Entfernung zum Wohnort des Patienten liegt. Damit ist ein Umkreis von 30 km oder eine Fahrzeit von 30 Minuten gemeint.

Für einen Facharzttermin müssen Patienten einen 12-stelligen Vermittlungscode angeben. Dieser gibt auch Auskunft über die Dringlichkeit der Behandlung. Den Code findet man auf der Überweisung vom Hausarzt oder Psychotherapeuten.

Ohne Vermittlungscode ist eine Terminvergabe möglich für

- Hausärzte,
- Kinderärzte,
- Augenärzte,
- Frauenärzte,
- Psychotherapeutische Sprechstunden für Erwachsene und Kinder.

Über die Telefonnummer 116117 und die genannte Internetseite werden keine Zahnarzttermine vermittelt. Auf der Website findet sich jedoch eine Liste von zahnärztlichen Notdiensten in den einzelnen Bundesländern.

Ernsthaft krank nachts und am Wochenende: Was tun?


Vielleicht wird man aber auch zu einem Zeitpunkt ernsthaft krank, zu dem die Arztpraxen geschlossen sind. Auch wenn die Erkrankung nicht lebensbedrohlich ist, braucht man trotzdem zügig ärztliche Hilfe. Dann kann ebenfalls über die Telefonnummer 116117 der Kontakt zum ärztlichen Bereitschaftsdienst hergestellt werden, welcher Hausbesuche durchführt.

Bei einem echten Notfall mit Lebensgefahr ist nach wie vor die Notrufnummer 112 zu wählen und der Rettungsdienst für schnelle Hilfe zu rufen.

Was hat sich bei den Sprechzeiten der Ärzte geändert?


Um schnellere Termine beim Arzt zu erreichen, verlangt das Terminservicegesetz von niedergelassenen Ärzten, mindestens 25 Stunden pro Woche Sprechstunde zu haben. Dies sind fünf Stunden mehr als früher. Hausbesuche werden angerechnet; diese sind jedoch mittlerweile nicht mehr üblich. Bestimmte Fachärzte sollen fünf Stunden wöchentlich für Patienten ohne Termin freihalten. Dies betrifft etwa HNO-Ärzte, Augenärzte oder Frauenärzte. Die kassenärztlichen Vereinigungen sollen dies überwachen.

Arzttermin dringend benötigt: Welche Anreize wurden für Ärzte geschaffen?


Ziel des Gesetzes war es auch, die Ungleichbehandlung von gesetzlich und privat Versicherten bei der Terminvergabe zu beenden. Dies sollte auf finanziellem Wege erreicht werden, indem sich die Behandlung von gesetzlich Versicherten in vielen Fällen für Ärzte besser auszahlen sollte.

So dürfen Ärzte zum Beispiel die Behandlung von neuen Patienten außerhalb ihres normalen Praxisbudgets mit der Krankenkasse abrechnen. Dies gilt auch, wenn ein Patient eine offene Sprechstunde besucht oder über einen Hausarzt oder eine Terminservicestelle vermittelt wird. Vermittelt ein Hausarzt einem Patienten einen dringenden Facharzttermin, erhält er einen Zuschlag von mindestens zehn Euro.

Wie wurde die ärztliche Versorgung auf dem Land verbessert?


Ärzte auf dem Land erhalten nun obligatorische regionale Zuschläge. Die kassenärztlichen Vereinigungen sollen Investitionskostenzuschüsse für Ärzte zahlen, die eine Praxis auf dem Land übernehmen wollen. Gibt es in einer Gegend zu wenig Ärzte, haben die örtlichen kassenärztlichen Vereinigungen die Pflicht, dort eigene Praxen mit angestellten Ärzten zu betreiben oder zumindest mobile bzw. telemedizinische Versorgungseinrichtungen. Außerdem dürfen die Bundesländer von den kassenärztlichen Vereinigungen verhängte Zulassungssperren für neue Ärzte in ländlichen oder strukturschwachen Regionen aufheben. All diese Maßnahmen dienen auch dem Ziel, Patienten einen schnelleren Arzttermin zu ermöglichen.

Was hat das Terminservicegesetz gebracht?


Nach einem Bericht des WDR vom Februar 2026 beträgt die aktuelle Wartezeit auf einen Facharzttermin dem Bundesgesundheitsministerium zufolge derzeit durchschnittlich 42 Tage, also sechs Wochen. Die Terminservicestellen selbst geben an, dass sie immer noch zu wenig genutzt werden – viele freie Termine könnten nicht vergeben werden. Andererseits gibt es medizinische Bereiche, in denen einfach die Terminnachfrage oft größer ist als das Angebot. Dazu gehören Psychotherapie, Neurologie, Gastroenterologie, Endokrinologie, Rheumatologie und Pneumologie.
Auch bei der direkten Terminvereinbarung beim Facharzt können schon einmal sechs Wochen oder zwei Monate Wartezeit zusammenkommen. So manche Arztpraxis ist heute gar nicht mehr telefonisch erreichbar und verweist auf Online-Terminvereinbarungsplattformen. Dort stehen oft aber nur Termine für bestimmte Arten von Behandlungen zur Verfügung. Insgesamt stellt sich die Vereinbarung eines Facharzttermins oft als echtes Problem dar.

Was ist das geplante Primärarztmodell?


Das Primärarztmodell wird von der aktuellen Bundesregierung favorisiert. Es gibt dagegen jedoch viel Widerstand, auch aus Fachärztekreisen. Das Modell sieht vor, dass Patienten verpflichtend immer zuerst zu ihrem Hausarzt müssen, der dann eine Überweisung an den jeweiligen Facharzt ausstellt. Der direkte Weg zum Facharzt entfällt. Ob dies überflüssige Facharzttermine einspart oder nur die Hausärzte zusätzlich belastet, ist umstritten. Inwieweit dieses Modell eingeführt wird, steht noch nicht fest.

Praxistipp zum Recht auf einen schnellen Arzttermin


Mit dem Terminservicegesetz wurde versucht, die rechtlichen Grundlagen für eine gerechtere und schnellere Vergabe von Arztterminen zu schaffen. Wirklich funktioniert hat dies nicht. Eine große Rolle bei den Wartezeiten spielt dabei die Anzahl der vor Ort zugelassenen Arztpraxen. Diese liegt allein in der Hand der kassenärztlichen Vereinigungen. Haben Sie rechtliche Probleme oder Fragen im Zusammenhang mit einem Arztbesuch oder einer medizinischen Behandlung? Dann ist ein Fachanwalt für Medizinrecht der beste Ansprechpartner.

(Ma)


 Ulf Matzen
Anwalt-Suchservice
Juristische Redaktion
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