Rechte und Pflichten von Hinterbliebenen

14.11.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice (6211 mal gelesen)
Rechte und Pflichten von Hinterbliebenen © Rh - Anwalt-Suchservice

Der Tod eines Angehörigen reißt eine tiefe Wunde und nicht jeder ist in der Lage, in diesen schweren Stunden an Organisatorisches zu denken beziehungsweise die nötigen Maßnahmen einzuleiten.

Doch gerade, wenn es um Formalien geht, ist im Todesfall schnelles Handeln gefragt, denn den Hinterbliebenen bleibt teilweise nur sehr wenig Zeit, bestimmte Ansprüche geltend zu machen, beziehungsweise bestimmten rechtlichen Pflichten nachzukommen. Doch welche Rechte und Pflichten haben die Hinterbliebenen? Im Folgenden sind die wichtigsten Maßnahmen, die im Falle des Todes eines Angehörigen eingeleitet werden müssen, in der Reihenfolge ihrer Dringlichkeit aufgelistet.

Welche Maßnahmen sind in welcher Reihenfolge zu treffen?


Es folgt eine Auflistung der wichtigsten Maßnahmen, die Hinterbliebene im Fall des Todes eines Angehörigen zu treffen haben. Wer merkt, dass er, aufgrund des schmerzlichen Verlustes, dieser Aufgabe nicht gewachsen ist, sollte sich dringend Hilfe im Freundeskreis suchen, da diese Maßnahmen in jedem Fall umgehend eingeleitet werden müssen, wollen die Hinterbliebenen nicht mit dem Recht in Konflikt geraten und sollen ihnen keine sonstigen Nachteile entstehen.

Muss ich einen Arzt informieren?


Als aller erstes muss im Todesfall ein Arzt benachrichtigt werden. Es gibt in diesem Fall drei mögliche Szenarien:

Der Angehörige verstarb Zuhause


In diesem Fall sollte am besten der Hausarzt verständigt werden. Er untersucht den entkleideten Leichnam und stellt den Totenschein aus. Sollte der Hausarzt nicht erreichbar sein, kann alternativ auch der ärztliche Notdienst gerufen werden.

Der Todesfall ereignete sich in einem Heim oder Krankenhaus


Hier sind die Verantwortlichen im Heim beziehungsweise Krankenhaus in der Pflicht, einen Arzt zu informieren. Der Totenschein wird vom Krankenhauspersonal ausgehändigt.

Es besteht der Verdacht auf Unfall oder Suizid


Dieser Umstand wird vom Arzt auf dem Totenschein vermerkt. Er informiert daraufhin die Kriminalpolizei oder die Gerichtsmedizin, welche unter Umständen eine Obduktion vornimmt, so ein Beitrag von betanet.de. Ist dies der Fall, muss der Leichnam erst freigegeben werden, bevor die Bestattung erfolgen kann. In der Regel dauert dies circa einer Woche.

Die Bestattung organisieren


Hat der Verstorbene selbst zu Lebzeiten keine Vorkehrungen getroffen, entscheiden die nächsten Angehörigen über die Art der Bestattung. Im Interesse der Hinterbliebenen sollte sofort ein Bestattungsinstitut aufgesucht werden, welches die üblichen Formalitäten, wie Beantragung einer Sterbeurkunde oder die Terminabsprache mit der Friedhofsverwaltung übernimmt. Die Entscheidung, wie die Bestattung organisiert sein soll, liegt in erster Line beim Verstorbenen selbst. Er hat das Recht im Vorfeld des Todes den Umfang der Bestattung sowie alle Einzelheiten festzulegen, zum Beispiel in Form einer Bestattungsverfügung. Nicht selten ist sogar bereits ein Bestattungsvertrag geschlossen worden. Bestehen derlei Vorkehrungen nicht, ist es das Recht der nächsten Angehörigen, nicht der Erben, die Totenführsorge zu übernehmen. Dafür herrscht innerhalb der Angehörigen folgende Reihenfolge:

- Ehegatte,
- Volljährige Kinder,
- Eltern,
- Großeltern,
- Volljährige Geschwister,
- Enkel

Sind gleich mehrere Angehörige gleichen Grades zuständig, muss unter ihnen Einigkeit über das Vorgehen herrschen. Sollte es nicht zu einem Konsens kommen, gilt in der Regel die ortsübliche Bestattung, wobei es sich meist um eine Erdbestattung handelt. Die Kostentragungspflicht für die Bestattung liegt, laut § 1968 BGB, beim Erben.

Die Sterbeurkunde beantragen


Für alle weiteren Schritte ist die Sterbeurkunde vorzulegen (bitte nicht mit dem Erbschein verwechseln). Diese wird beim Standesamt abgeholt, was in der Regel das beauftragte Bestattungsinstitut übernimmt. Es sollten gleich mehrere Urkunden beantragt werden, da Behörden und Versicherungen jeweils eine Urkunde als Nachweis für den Tod des Betreffenden verlangen. Stellen die Hinterbliebenen den Antrag selbst, müssen der Personalausweis, die Sterbefallanzeige des Krankenhauses und die Todesbescheinigung des Arztes vorgelegt werden. Bei unverheirateten Verstorbenen wird zusätzlich die Geburtsurkunde und bei verheirateten die Heiratsurkunde beziehungsweise bei geschiedenen zusätzlich die Scheidungsurkunde verlangt.

Das Testament einreichen


Als Nächstes sollten die Hinterbliebenen in den Unterlagen des Verstorbenen nach seinem Testament suchen. Im Testament ist geregelt, wer den Nachlass des Verstorbenen erhält. Es ist die Pflicht der Hinterbliebenen das Testament dem Nachlassgericht vorzulegen. Tun sie dies nicht, machen sie sich strafbar. Ist in den Unterlagen kein Testament zu finden, kann es auch bei der Bank oder bei einem Notar aufbewahrt sein.

Den Erbschein beantragen


Hierbei handelt es sich um ein amtliches Zeugnis des Nachlassgerichtes über die Erbfolge. In aller Regel wird er vom Nachlassgericht des letzten Wohnortes des Verstorbenen ausgestellt. Der Erbschein muss offiziell beantragt werden, wozu die Vorlage bestimmter Dokumente, wie der Geburtsurkunde und gegebenenfalls des Testaments, zu erfolgen hat. Das Nachlassgericht prüft daraufhin die Rechtsgültigkeit und auch, ob bereits Erbschaftsstreitigkeiten bestehen, die die Ausstellung des Erbscheins verzögern könnten. Üblicherweise wird kein Erbschein benötigt, wenn ein notarielles Testament vorliegt. Die Kosten des Erbscheins sind bundesweit einheitlich und orientieren sich an der Höhe des Erbes. Wichtig zu wissen ist auch, dass durch die Beantragung eines Erbscheines automatisch das Erbe angenommen wird. Gibt der Verstorbene ausschließlich Schulden an den Erben weiter, sollte dieser in Betracht ziehen, das Erbe auszuschlagen.

Die Lebens- und Unfallversicherung in Kenntnis setzen


Verfügte der Verstorbene über eine Lebens- oder Unfallversicherung, so ist diese innerhalb von 24 Stunden nach Eintreten des Todesfalls zu informieren. Am besten wird das Schreiben vorab gefaxt und zusätzlich per Einschreiben per Post verschickt. Die Versicherungsgesellschaften zahlen die Summe erst nach schriftlicher Benachrichtigung über den Tod des Versicherungsnehmers aus.

Einen Postnachsendeantrag stellen


Lebt der Erbe nicht in der Wohnung oder im Haus des Verstorbenen, sollte er einen Nachsendeantrag bei der Post stellen. So ist sichergestellt, dass mögliche offene Rechnungen und andere relevante Dokumente den Erben erreichen. Gibt es mehrere Erben, wird eine Person ausgewählt, die stellvertretend für alle die Post entgegennimmt.

Die Bankvollmacht widerrufen


Erben sollten zeitnah überprüfen, ob Dritte Verfügungsgewalt über das Bankkonto des Verstorbenen haben. Alle Vollmachten sind in diesem Fall umgehend schriftlich bei der Bank zu widerrufen, da ansonsten Dritte weiterhin Geld abheben und so das Erbe beträchtlich schmälern können. Gleiches gilt für Lastschriften und Einzüge und auch die EC- und Kreditkarten sollten gesperrt werden. Es muss jedoch in Hinblick auf den individuellen Einzelfall entschieden werden, welche Maßnahmen einzuleiten sind.

Die gesetzliche Rentenversicherung in Kenntnis setzen


Bestehen Rentenbezüge aus einer Renten- oder Unfallversicherung des Verstorbenen, so ist diese Stelle ebenfalls umgehend zu informieren. Beträge, die nach dem Tod weitergezahlt werden, sind von den Erben zurückzuerstatten. Informationen darüber, von welchem Rententräger der Erblasser gegebenenfalls eine Rente erhält, können über die Kontoauszüge eingeholt werden. Sind keine Kontoauszüge zu finden, besteht die Option, sich an das entsprechende Postrentenzentrum der Deutschen Post AG zu wenden. Betriebsrenten und Pensionszahlungen sind über den ehemaligen Arbeitgeber des Verstorbenen in Erfahrung zu bringen.

Gegebenenfalls Überbrückungsgeld beantragen


Hinterlässt der Verstorbene einen Ehepartner, kann für diesen das sogenannte Überbrückungsgeld bei der zuständigen Rentenversicherung beantragt werden. Der Ehepartner erhält dann bis zum Ende des dritten Kalendermonats nach dem Sterbemonat die Rente des Verstorbenen.

Kündigung des Mietvertrages und anderer Verträge


Soll die Wohnung des Verstorbenen nicht vom Erbe übernommen werden, muss er diese kündigen. Erben kommt dabei ein Sonderkündigungsrecht zu. Innerhalb eines Monats nach dem Tod des Angehörigen muss die Kündigung dem Vermieter erklärt werden. Innerhalb einer Frist von drei Monaten läuft der Mietvertrag aus und es ist die Pflicht der Erben für diese Zeit die laufenden Mietkosten zu decken. Findet keine fristgerechte Kündigung statt, besteht der Mitvertrag mit dem Ehepartner des Verstorbenen oder dessen Erben weiter.
Nicht vergessen werden darf, dass auch alle mit der Wohnung in Verbindung stehende Verträge, wie Gas und Strom, GEZ oder der Telefonanschluss gekündigt werden müssen. Auch an Zeitschriften und andere Abonnements sollten die Hinterbliebenen denken. Mitgliedschaften in Vereinen, Verbänden oder Gewerkschaften enden automatisch, wenn eine Person verstirbt. Dennoch ist es die Pflicht der Erben, diese über den Tod des Betreffenden zu informieren. Auch hier kann dem Schreiben einfach eine Kopie der Sterbeurkunde beigelegt werden.

Die Erfassung des Vermögens


Wenn es unter Hinterbliebenen zum Streit kommt, dann in den meisten Fällen wegen des Vermögens beziehungsweise der Aufteilung bestimmter Vermögenswerte des Erblassers. Aus diesem Grund sollte schnellstmöglich eine Erfassung aller Vermögenswerte und Konten des Verstorbenen veranlasst werden. Die Bank muss Auskunft über alle Konten und deren Kontostände, über eventuelle Darlehensverträge, Bürgschaften, Verträge zugunsten Dritter o.ä., aber auch über Kontoverbindungen zu anderen Banken im In- und Ausland erteilen. Zu Sicherheit ist es auch möglich, eine Kontoverlaufsübersicht anzufordern. Eventuelles Bargeld kann auch im Haus beziehungsweise in der Wohnung versteckt sein, zum Beispiel unter der Matratze, im Gefrierschrank oder in Büchern.


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