Erbengemeinschaft: Tipps für Erben

16.02.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice (1126 mal gelesen)
Erbengemeinschaft: Tipps für Erben © fairith - Fotolia.com
Erben mehrere Personen einen Nachlass gemeinsam, entsteht eine Erbengemeinschaft. Schnell entsteht Streit: Soll ein Haus verkauft oder vermietet werden, wer bekommt wertvolle Erinnerungsstücke? Oft bestehen Erbengemeinschaften über Jahre und verwalten das geerbte Vermögen.

Erbengemeinschaft: Was ist das?
Unabhängig davon, ob ein Nachlass über ein Testament oder im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge vererbt wurde: In Deutschland erben grundsätzlich nicht einzelne Erben bestimmte Teile oder Gegenstände aus dem Nachlass eines Verstorbenen, sondern der Nachlass wird als Ganzes vererbt. Gibt es mehrere Erben, entsteht eine Erbengemeinschaft. Ihr gehört jetzt der Nachlass als Ganzes. Der einzelne Miterbe kann nun zwar über seinen Anteil am Nachlass verfügen, aber nicht über einzelne Nachlassgegenstände. Zugriff auf einzelne Gegenstände hat er allenfalls dann, wenn die Erbengemeinschaft sich aufgelöst und den Nachlass entsprechend aufgeteilt hat. Diesen Vorgang nennt man „Auseinandersetzung“.

Beispiel: Verfügungsmacht des einzelnen Erben
Erben vier Erben zu gleichen Teilen einen Nachlass, der aus vier antiken Stühlen besteht, kann ein Erbe theoretisch seinen Anteil von ¼ am Nachlass verkaufen. Dazu ist ein notarieller Vertrag erforderlich. Er kann aber nicht einen einzelnen Stuhl verkaufen. In der Praxis kommt es vor, dass Erben ihren Erbanteil an andere Erben verkaufen.

Was passiert mit dem Nachlass?
Der Nachlass muss bis zur Erbauseinandersetzung von den Erben gemeinschaftlich verwaltet werden. Im Beispiel der Stühle müssten die Erben diese also sicher
einlagern und ggf. gemeinsam die Lagerkosten tragen. Schließlich erfolgt die Erbauseinandersetzung. Man einigt sich, dass die vier Stühle als Set zu einem guten Preis verkauft werden und teilt sich entsprechend der Erbquote den Gewinn.

Wodurch entsteht häufig Streit?
Ein beliebter Streitpunkt sind einzelne Nachlassgegenstände, die entweder besonders wertvoll sind oder an denen ein emotionelles Interesse besteht. Problematisch wird es auch, wenn ein Haus oder gar ein Betrieb zum Nachlass gehören. Vielleicht wohnt noch ein überlebender Elternteil im Haus. Vielleicht hängt eines der Kinder am Haus und wünscht keinen Verkauf. Vielleicht handelt es sich um ein Mietshaus, das gute Gewinne abwirft, und einige Erben wollen es als Einnahmequelle behalten. Bei einem Betrieb wird die Lage oft noch komplizierter. Denn dieser muss womöglich zerschlagen werden, um den Nachlass aufzuteilen. Oft sind jahrelange Streitigkeiten die Folge.

Gemeinsame Verwaltung
Der Nachlass ist von allen Erben gemeinsam zu verwalten. Die Erben müssen je nach Wichtigkeit der einzelnen Verwaltungsmaßnahmen entscheiden, ob diese von allen gemeinsam durchgeführt werden, oder durch die Mehrheit der Erben, einen Miterben alleine oder einen Außenstehenden. Wichtige Entscheidungen können nur einstimmig getroffen werden. Will zum Beispiel ein Erbe eine Abschlagszahlung auf seinen Erbteil, um Schulden zu bezahlen, ist Einstimmigkeit erforderlich. Beschlüsse, die die ordnungsgemäße Verwaltung betreffen, können mit einfacher Mehrheit stattfinden – zum Beispiel, ob ein Mietvertrag über eine geerbte Immobilie geschlossen werden soll. Alleingänge sind kaum möglich. Einzige Ausnahme sind Notfälle, bei denen sofort gehandelt werden muss, weil zum Beispiel eine Immobilie in ihrer Existenz gefährdet ist – etwa durch einen Sturmschaden oder einen Wasserrohrbruch – und die anderen Miterben nicht schnell genug erreichbar sind.

Mietvertrag mit der Erbengemeinschaft
Eine Erbengemeinschaft hat keine eigene Rechtspersönlichkeit. Sie kann also nicht selbst Verträge abschließen. Will eine Erbengemeinschaft eine Immobilie vermieten, muss der Mietvertrag daher von allen Miterben gemeinsam unterzeichnet werden. Ebenso sollten alle rechtlich bedeutsamen Schreiben oder Dokumente von allen gemeinsam unterschrieben werden – etwa die Kündigung eines Mieters oder eine Mieterhöhung.

Auseinandersetzung
Jeder Erbe kann die Auseinandersetzung des Nachlasses fordern. Vor der Aufteilung des Nachlasses müssen zuerst die Nachlassverbindlichkeiten bezahlt werden – dies können alte Schulden des Erblassers sein, Bestattungskosten oder ein Pflichtteil für einen nahen Angehörigen. Danach kann es an die Aufteilung gehen. Zu empfehlen ist der Abschluss eines Auseinandersetzungsvertrages. Dieser ist nicht an eine bestimmte Form gebunden, sollte jedoch schriftlich geschlossen werden. Allerdings muss er in zwei Fällen notariell beurkundet werden: Wenn Grundstücke zu den Nachlassgegenständen gehören und wenn GmbH-Anteile übertragen werden. Ist keine Einigung über den Nachlass möglich, kann man das Nachlassgericht um Vermittlung bitten. Dies gehört zu seinen Aufgaben und erfolgt auf Antrag eines Miterben. Das Gericht darf jedoch keinen eigenen Teilungsplan vorlegen. Es wird Gebühren verlangen, deren Höhe sich nach der Höhe des Nachlasses richtet.


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