Wann ist ein Praktikum zu vergüten?

23.10.2018, Autor: Frau Maria-U. Lottes / Lesedauer ca. 2 Min. (44 mal gelesen)
Ein Praktikum kann ein Arbeitsverhältnis sein, für das zumindest der Mindestlohn von derzeit 8,84 € gezahlt werden muss! Zu unterscheiden ist zwischen einem freiwilligen Praktikum und einem Pflichtpraktikum.

Was ist ein Pflichtpraktikum?

Handelt es sich um ein Praktikum, das von Schule, Ausbildungseinrichtung oder Hochschule vorgeschrieben ist, besteht kein Lohnanspruch. Dasselbe gilt für ein Praktikum im Rahmen einer Berufsausbildungsvorbereitung oder in einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung. Keine Anwendung auf Praktika findet das sogenannte Mindestlohngesetz ebenfalls im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung nach dem SGB III und Maßnahmen einer Berufsausbildungsvorbereitung nach dem Berufsbildungsgesetz.

Ein freiwilliges Praktikum ist das Praktikum, das junge Menschen vor Beginn der Studien- oder Ausbildungszeit absolvieren, wenn ihnen noch nicht klar ist, was sie mit ihrem Leben anfangen möchten. Durch ein Praktikum können sie in die jeweiligen Berufsfelder hineinschnuppern und sich so einen Eindruck von dem Beruf machen. Auch während der Ausbildung oder Studienzeit ist ein freiwilliges Praktikum möglich.

Allein der Umstand, dass der Praktikant sich bei Ausübung einer bestimmten betrieblichen Tätigkeit in die – auch arbeitszeitmäßige – Organisation eines Betriebs eingliedern muss, spricht nicht gegen die Annahme eines Orientierungspraktikums. Zum Erwerb praktischer Kenntnisse und Erfahrungen gehört nach einer Entscheidung des Landesarbeitsgerichts (LAG) Düsseldorf (7 Sa 995/16, https://www.justiz.nrw.de/nrwe/arbgs/duesseldorf/lag_duesseldorf/j2017/NRWE_LAG_D_sseldorf_7_Sa_995_16_Urteil_20171025.html) auch, die beruflich anfallenden Tätigkeiten nicht nur sporadisch, sondern durchaus auch arbeitstäglich unter Einhaltung vorgegebener Arbeitszeiten kennenzulernen.

Entscheidend dafür, ob „noch“ ein Orientierungspraktikum oder „schon“ ein Arbeitsverhältnis vorliegt, dürfte die Beantwortung der Frage sein, ob der Praktikant eingesetzt wird, damit er sich ein Bild von der angestrebten beruflichen Tätigkeit machen kann, oder um einen ansonsten fehlenden Arbeitnehmer zu ersetzen.

Die Vergütungspflicht des freiwilligen Praktikums

Ein freiwilliges Praktikum ist mit dem Mindestlohn zu vergüten, wenn es über eine Dauer von drei Monaten hinausgeht.

Die Dreimonatsdauer ist allerdings noch nicht überschritten, wenn die Parteien mehrere Zeitabschnitte vereinbaren, die die Dauer von drei Monaten nicht überschreiten. Das gilt jedenfalls, wenn die Vereinbarung auf Wunsch und im Interesse des Praktikanten erfolgt. Der Zeitraum der Unterbrechung ist bei der Berechnung des Dreimonatszeitraums nicht zu berücksichtigen. Folge ist, dass nicht bereits nach Ablauf von drei Kalendermonaten eine Zahlungspflicht entsteht.

Unter http://anwaltskanzlei-lottes.de/aktuelles_arbeitsrecht.html finden Sie weitere Artikel zum Arbeitsrecht, insbesondere zur Kündigung, zur Arbeitnehmerstellung, zum Gleichbehandlungsgrundsatz und zur Arbeitszeitverringerung.

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