Wer erbt die Lebensversicherung?

25.10.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (539 mal gelesen)
Wer erbt die Lebensversicherung? © Ma - Anwalt-Suchservice

Lebensversicherungen stellen immer noch eine beliebte Form der Vorsorge dar. Wie ist nun aber das Verhältnis zwischen Lebensversicherung und Erbrecht – und welche diesbezüglichen Regelungen kann der Versicherungsnehmer treffen?

Lebensversicherungen können der Altersvorsorge dienen und / oder die Angehörigen des Sparers absichern. Man unterscheidet zwischen Kapitallebensversicherungen, die eher als Geldanlage dienen, und Risikolebensversicherungen, mit denen die Hinterbliebenen abgesichert werden sollen. Lebensversicherungen sind generell wegen niedriger Zinsen heute keine besonders lohnende Geldanlage mehr. Trotzdem können sie einige Vorteile haben. Hier erklären wir, was beim Erbfall mit einer Lebensversicherung passiert.

Lebensversicherung: Wer bekommt das Geld?


Eine Lebensversicherung auf den Todesfall oder Risikolebensversicherung dient – im Gegensatz zur Kapitallebensversicherung – nicht der Geldanlage für die eigene Altersvorsorge, sondern hauptsächlich der Absicherung der Angehörigen. Beim Vertragsabschluss benennt der Versicherungsnehmer einen Bezugsberechtigten – beispielsweise seinen Ehepartner oder ein Kind. Diese Person erhält bei Eintritt des Versicherungsfalles die Versicherungsleistung. Es ist auch möglich, mehrere Personen als Bezugsberechtigte zu nennen. Der Versicherungsnehmer kann bestimmen, welchen Anteil der Versicherungssumme die einzelnen Personen bekommen sollen. Bestimmt er nichts, gibt es eine Auszahlung zu gleichen Teilen.

Erben und Lebensversicherung


Das Geld aus der Lebensversicherung bekommen ganz unabhängig vom Erbrecht die Bezugsberechtigten. Das bedeutet: Die Versicherungssumme wird an den oder die Bezugsberechtigten ausgezahlt, egal ob diese nun Erben des Versicherungsnehmers sind oder nicht. Allerdings zwingt niemand den Versicherungsnehmer, überhaupt einen Bezugsberechtigten zu nennen. Unterlässt er dies, gehört die Versicherungssumme zum Nachlass und wird unter den Erben aufgeteilt wie alles andere auch.

Lebensversicherung und Pflichtteil


Probleme gibt es häufig im Zusammenhang mit dem Pflichtteil. Diesen bekommen nahe Angehörige, die durch eine letztwillige Verfügung (Testament, Erbvertrag) vom Erbe ausgeschlossen, also enterbt, sind.
Pflichtteilsberechtigt sind die Abkömmlinge (Kinder, Enkel) des Erblassers, zusätzlich sein Ehepartner sowie seine Eltern. Sind Kinder vorhanden, bekommen die Enkel und die Eltern des Erblassers nichts.

Der Pflichtteil umfasst die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Eine Lebensversicherung, bei der es namentlich benannte Berechtigte gibt, fällt zwar nicht in den Nachlass. Rechtlich wird sie jedoch oft wie eine Art Schenkung zu Lebzeiten betrachtet, und so etwas darf den Pflichtteil nicht schmälern. Als Ausgleich hat der Pflichtteilsberechtigte einen sogenannten Pflichtteilsergänzungsanspruch gegen die Erben.
Dies funktioniert nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes so: Die Lebensversicherung wird für die Berechnung des Pflichtteils fiktiv zum Nachlass hinzugerechnet (Az. IV ZR 230/08). Dadurch wird der Pflichtteil größer. Dabei wird die Lebensversicherung wertmäßig mit dem Rückkaufswert zum Zeitpunkt des Todes des Erblassers angesetzt. Die Versicherungssumme ist jedoch in der Regel höher als der Rückkaufswert.

Widerrufliches und unwiderrufliches Bezugsrecht


Bei einer Lebensversicherung wird zwischen dem widerruflichen und dem unwiderruflichen Bezugsrecht unterschieden.
Widerrufliches Bezugsrecht bedeutet: Der Versicherungsnehmer kann bis zu seinem Tod noch den Bezugsberechtigten ändern. Diese Konstruktion gibt es oft.
Unwiderrufliches Bezugsrecht bedeutet: Eine Änderung der bezugsberechtigten Person ist nur mit Zustimmung des bisherigen Bezugsberechtigten möglich.

Die Unwiderruflichkeit führt dazu, dass der Bezugsberechtigte schon zu Lebzeiten des Versicherungsnehmers Inhaber des Anspruchs auf die Versicherungssumme ist. Dies kann Vorteile haben – zum Beispiel dann, wenn dem Versicherungsnehmer bereits ein Schwarm Gläubiger hinterherläuft und seine Insolvenz absehbar ist.

Welche Folgen hat der Tod des Bezugsberechtigten?


Es ist natürlich möglich, dass der Berechtigte vor dem Versicherungsnehmer verstirbt. Dann hängt alles von der obigen Unterscheidung ab: War die Bezugsberechtigung widerruflich, kann nun der Versicherungsnehmer ganz einfach einen neuen Bezugsberechtigten benennen. War die Bezugsberechtigung jedoch unwiderruflich, geht der Anspruch auf die Versicherungsleistung vom Bezugsberechtigten auf dessen Erben über.

Widerruf kann Klarheit schaffen


Ein Widerruf der Bezugsberechtigung kann helfen, spätere Streitigkeiten unter den Angehörigen zu vermeiden. Widerruft der Versicherungsnehmer die Bezugsberechtigung, ohne einen neuen Bezugsberechtigten zu benennen, fällt die Versicherungssumme in den Nachlass. Sie wird dann unter den Erben aufgeteilt. Der Widerruf muss durch eine schriftliche Erklärung gegenüber dem Versicherer vorgenommen werden.

Bezugsberechtigt: Die Erben


Der Versicherungsnehmer hat auch die Möglichkeit, anstelle einer Einzelperson einfach "die Erben" als Bezugsberechtigte einzutragen. Folge ist nach § 160 Absatz 2 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG), dass die Erben im Verhältnis ihrer Erbanteile bezugsberechtigt sind.
Das bedeutet auch, dass die Versicherungssumme jetzt nicht mehr in den Nachlass fällt. Wenn die Erben jetzt das Erbe ausschlagen (weil es zum Beispiel überwiegend aus Schulden besteht), bekommen sie immer noch das Geld aus der Lebensversicherung.

Was muss man zur Erbschaftsteuer wissen?


Auch dann, wenn die Versicherungssumme nicht in den Nachlass fällt, ist gegebenenfalls darauf Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer zu zahlen. Denn der Betrag aus der Lebensversicherung gilt als "freigebige Zuwendung", also als Zuwendung ohne Gegenleistung und somit als Geschenk. Ob Steuern zu zahlen sind, hängt damit vom Freibetrag der begünstigten Person ab.
Der Freibetrag für Ehe- und Lebenspartner liegt nach § 16 des Erbschafts- und Schenkungssteuergesetzes bei 500.000 Euro, der für Kinder bei 400.000 Euro.

Praxistipp


Wer das Geld aus einer Lebensversicherung am Ende bekommt, ist nicht so eindeutig, wie man meist denkt. Um Gelder tatsächlich in vollem Umfang den Personen zukommen zu lassen, die bedacht werden sollen, ist eine Beratung bei einem Fachanwalt für Erbrecht zu empfehlen.

(Bu)



Anwalt-Suchservice
Juristische Redaktion
E-Mail schreiben Juristische Redaktion

Anwalt-Suchservice
Juristische Redaktion
E-Mail schreiben Juristische Redaktion