Wer erbt die Lebensversicherung?

23.11.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (326 mal gelesen)
Wer erbt die Lebensversicherung? © Stauke - Fotolia.com
Lebensversicherungen sind immer noch eine beliebte Form der Vorsorge. Bei einer Versicherung auf den Todesfall kann ein Bezugsberechtigter benannt werden. Wie ist nun aber das Verhältnis zwischen Lebensversicherung und Erbrecht – und was für Regelungen kann der Versicherungsnehmer treffen?

Lebensversicherung: Wer bekommt das Geld?
Eine Lebensversicherung auf den Todesfall dient – im Gegensatz zur Kapitallebensversicherung – nicht der Geldanlage für die eigene Altersvorsorge, sondern in erster Linie der Absicherung der Angehörigen. Bei Abschluss des Vertrages bestimmt der Versicherungsnehmer einen Bezugsberechtigten – etwa Ehepartner oder Kind. Dieser bekommt dann bei Eintritt des Versicherungsfalles die Versicherungsleistung. Es können auch mehrere Personen als Berechtigte aufgeführt werden. Der Versicherungsnehmer kann bestimmen, dass diese bestimmte Anteile der Versicherungssumme erhalten. Bestimmt er nichts, wird zu gleichen Teilen ausgezahlt.

Erben und Lebensversicherung
Das Geld aus der Lebensversicherung geht an den Bezugsberechtigten – unabhängig vom Erbrecht. Das bedeutet: Unabhängig davon, ob der Bezugsberechtigte gesetzlicher oder testamentarischer Erbe ist oder gar kein Erbe, bekommt er oder sie die Versicherungssumme. Aber: Niemand zwingt den Versicherungsnehmer, überhaupt einen Bezugsberechtigten zu benennen. Unterlässt er dies, fällt die Versicherungssumme in den Nachlass und wird unter den Erben aufgeteilt wie alles andere.

Lebensversicherung und Pflichtteil
Probleme entstehen oft im Zusammenhang mit dem Pflichtteil. Pflichteilsberechtiigt sind die Abkömmlinge (Kinder, Enkel) des Erblasssers, außerdem Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner sowie seine Eltern. Voraussetzung: Sie sind durch letztwillige Verfügung (Testament, Erbvertrag) vom Erbe ausgeschlossen. Gibt es Kinder, gehen die Enkel und die Eltern des Erblassers leer aus. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Zwar fällt eine Lebensversicherung mit benannten Berechtigten nicht in den Nachlass. Sie wird rechtlich aber oft wie eine Art Schenkung zu Lebzeiten betrachtet, und so etwas darf den Pflichtteil nicht schmälern. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat entschieden, dass für die Berechnung des Pflichttteils die Lebensversicherung fiktiv dem Nachlass hinzugerechnet wird (Az. IV ZR 230/08). Dadurch erhöht sich der Pflichtteil. Die Lebensversicherung wird dabei mit dem Rückkaufswert zum Zeitpunkt des Todes des Erblassers angesetzt. Dies nennt man auch Pflichtteilsergänzungsanspruch.

Widerrufliches und unwiderrufliches Bezugsrecht
Bei einer Lebensversicherung unterscheidet man das widerrufliche und das unwiderrufliche Bezugsrecht. Bei einem widerruflichen Bezugsrecht kann der Versicherungsnehmer bis zu seinem Tod noch den Bezugsberechtigten ändern. Diese Konstruktion wird oft gewählt. Bei einem unwiderruflichen Bezugsrecht ist eine nachträgliche Änderung nur noch mit Zustimmung des Bezugsberechtigten möglich. Durch die Unwiderruflichkeit ist schon bei Lebzeiten des Versicherungsnehmers der Bezugsberechtigte Inhaber des Anspruchs auf die Versicherungssumme. Das kann Vorteile haben – insbesondere dann, wenn dem Versicherungsnehmer ein Schwarm Gläubiger hinterher läuft und die Insolvenz droht.

Tod des Bezugsberechtigten
Nun ist es natürlich möglich, dass der Berechtigte vor dem Versicherungsnehmer stirbt. In diesem Fall hängt alles von der obigen Unterscheidung ab: War die Bezugsberechtigung widerruflich, ist nun wieder der Versicherungsnehmer am Zug. Er kann einen neuen Bezugsberechtigten bestellen. War die Bezugsberechtigung unwiderruflich, geht der Anspruch auf die Leistung vom Bezugsberechtigten auf dessen Erben über.

Widerruf kann Klarheit schaffen
Der Widerruf der Bezugsberechtigung ist eine Möglichkeit, um späteren Streit unter den Angehörigen zu verhindern. Wird die Bezugsberechtigung widerrufen, fällt die Versicherungssumme in den Nachlass und wird unter den Erben aufgeteilt. Der Widerruf erfordert eine schriftliche Erklärung gegenüber dem Versicherer.

Bezugsberechtigt: Die Erben
Der Versicherungsnehmer kann allerdings auch anstelle einer Einzelperson einfach "die Erben" als Bezugsberechtigte eintragen. Dies führt nach § 160 Absatz 2 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) dazu, dass die Erben im Verhältnis ihrer Erbanteile bezugsberechtigt sind. Aber: Die Versicherungssumme fällt jetzt nicht mehr in den Nachlass. Schlagen die Erben jetzt also das Erbe aus (weil es zum Beispiel aus Schulden besteht) ändert das nichts an ihrer Bezugsberechtigung aus der Lebensversicherung.

Erbschaftsteuer
Auch für eine Versicherungssumme, die nicht in den Nachlass fällt, ist gegebenenfalls Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer zu zahlen. Denn sie gilt als "freigebige Zuwendung", also als Zuwendung ohne Gegenleistung und damit als Geschenk. Hier kommt es dann auf den Freibetrag des Begünstigten an.