Erbschaft: Was müssen Erben beachten?

05.11.2020, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 6 Min. (61 mal gelesen)
Büro,drei Personen Bei einer Erbschaft gibt es einiges zu bedenken. © - freepik

Bei einer Erbschaft gibt es einige rechtliche Details zu beachten - obwohl die Erben in dieser Zeit vielleicht ganz andere Dinge im Kopf haben. Wir geben hier einige Tipps zu den wichtigsten Punkten.

Eine Erbschaft geht meist mit einem Trauerfall einher - und die Angehörigen möchten sich in dieser Zeit gerade nicht mit rechtlichen und formellen Fragen befassen. Trotzdem gibt es einige Punkte, die rund um die Erbschaft zu klären sind - und das möglichst bald. Zum Teil gibt es hier auch Fristen zu beachten - insbesondere, wenn man die Erbschaft gar nicht will.

Wie kommt es zur Erbschaft?


Eine Erbschaft kann auf zweierlei Art zustande kommen: Aufgrund der gesetzlichen Erbfolge oder durch eine letztwillige Verfügung, also ein Testament oder einen Erbvertrag. Bei der gesetzlichen Erbfolge richtet sich der Anteil der jeweiligen Person am Erbe nach dem Verwandtschaftsgrad. Bei einem Testament sind individuelle Regelungen möglich, jedoch auch nur im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften. Allerdings können hier auch Personen enterbt werden, die normalerweise erben würden. Diese erhalten dann in der Regel einen Pflichtteil, der von den Erben auszuzahlen ist. Die Erben müssen Pflichtteilsberechtigten bestimmte Auskünfte geben, ihnen etwa ein Nachlassverzeichnis zukommen lassen.

Welche Versicherungen bestehen?


Angehörige sollten zunächst prüfen, ob es irgendwelche Versicherungen zu ihren Gunsten gibt. Wenn es etwa eine Lebensversicherung gibt, will der Versicherer nach 48 bis 72 Stunden - je nach Versicherungsgesellschaft - über den Sterbefall informiert werden. Bei einer Unfallversicherung sind es meist 48 Stunden. Auch eine Sterbegeldversicherung setzt im Vertrag meist kurze Fristen. An wen die Versicherungssumme ausgezahlt wird, richtet sich nach dem Versicherungsvertrag. Hier spielt es keine Rolle, wer Erbe wird. Entscheidend ist, wer im Vertrag begünstigt wurde.
Informiert werden sollten dann auch die anderen Versicherungen, etwa Krankenkasse, Pflegeversicherung, Haftpflichtversicherung, Hausratversicherung, Kfz-Versicherung, Wohngebäudeversicherung.

Wichtige Frage: Besteht das Erbe nur aus Schulden?


Für die Erben gilt es, so schnell wie möglich festzustellen, ob der Nachlass tatsächlich wertvoll ist oder womöglich nur aus Schulden besteht. Denn: In Deutschland werden auch diese vererbt. Dies nennt sich Gesamtrechtsnachfolge.
Der Erbe muss die sogenannten Nachlassverbindlichkeiten bezahlen - dies sind einerseits die Schulden des Verstorbenen, andererseits aber auch die Verbindlichkeiten infolge des Erbfalls selbst - etwa die Bestattungskosten.

Daher sollten sich Erben rasch einen Überblick über die Finanzlage des Verstorbenen machen. Hilfreich ist eine über den Tod hinaus erteilte Bankvollmacht, um zum Beispiel den Kontostand oder Geldanlagen einsehen zu können. Aber auch laufende Zahlungspflichten etwa für Kredite oder Abos sollten berücksichtigt werden.

Ist der Nachlass überschuldet, überwiegen die Schulden und Zahlungsverpflichtungen also das Vermögen, sollte man das Erbe ausschlagen. Dann bekommt man zwar überhaupt nichts, erbt aber auch keine Schulden.
Wichtig: Beantragen Sie in dieser Phase keinen Erbschein. In dem Moment, in dem Sie dies tun, haben Sie das Erbe angenommen.

Wie schlägt man eine Erbschaft aus?


Die Erben können innerhalb von sechs Wochen die Erbschaft ausschlagen. Dies passiert durch Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht. Sie kann auf der Geschäftsstelle niedergeschrieben oder von einem Notar beglaubigt und dem Nachlassgericht übergeben werden. Die Frist beginnt, sobald der Erbe von der Erbschaft erfährt. Bei Erbschaft durch Testament beginnt die Frist frühestens mit Bekanntgabe der Erbschaft durch das Nachlassgericht. Hat der Erblasser ganz im Ausland gewohnt oder hält sich der Erbe bei Fristbeginn im Ausland auf, beträgt die Frist sechs Monate.
Folge ist, dass derjenige Erbe wird, der in der Rangfolge als nächster an der Reihe wäre. Schlagen alle das Erbe aus, erbt der Staat. Dieser kommt jedoch nicht für die Schulden auf.

Achtung: Wer sich wie ein Erbe verhält, hat unter Umständen nur durch sein Verhalten das Erbe angenommen.

Um eine Erbschaft anzunehmen, brauchen Sie nichts Besonderes zu tun. Wer die Ausschlagungsfrist verpasst, kann unter Umständen diese Annahme der Erbschaft anfechten, etwa wegen Irrtums. Hier ist anwaltliche Beratung unabdingbar.

Testament: Streit oder Frieden unter der Verwandtschaft?


Leider kennen viele Menschen die erbrechtlichen Regelungen nicht und schreiben munter in ihr Testament alles hinein, was ihnen einfällt. Oder die Regelungen im Testament sind widersprüchlich, wurden mehrfach geändert und sind unklar. Oder es wurden unpassende Muster aus dem Internet verwendet. Oft ist dann Streit vorprogrammiert. Hier empfiehlt es sich, das Testament von einem Anwalt auf seinen wahren Inhalt prüfen zu lassen.

Was, wenn es mehrere Erben gibt?


Dann haben es die einzelnen Erben mit einer Erbengemeinschaft zu tun. Diese entsteht oft bei gesetzlicher Erbfolge und kann zu schweren Streitigkeiten unter den Hinterbliebenen führen - zum Beispiel, wenn es um die Frage geht, ob das Elternhaus verkauft, weiter bewohnt oder vermietet wird, beim Streit um Erinnerungsstücke oder gar um einen elterlichen Betrieb. Bei einer Erbengemeinschaft kann sich nicht jeder nach Belieben am Erbe bedienen, sondern die Erben müssen den Nachlass erhalten und gemeinsam verwalten, um dann schließlich gemeinschaftlich eine sogenannte Erbauseinandersetzung durchzuführen und ihn aufzuteilen. Wichtig ist es, sich zuerst mit den anderen Erben in Verbindung zu setzen und sich über das weitere Vorgehen zu einigen.

Vollmachten - Fluch oder Segen?


Eine Bankvollmacht über den Tod hinaus kann viele Abwicklungen erleichtern. Hat jedoch die falsche Person eine solche Vollmacht inne, ist womöglich plötzlich das Geld weg, das eigentlich jemand anderer geerbt hat. Vollmachten des Erblassers gegenüber Personen, denen die Erben nicht trauen, sollten die Erben daher sofort kündigen und dies auch der Bank mitteilen. Dieses Recht haben sie.

Sterbeurkunde beantragen


Eine Sterbeurkunde beantragt man beim örtlichen Standesamt. Sie ist ein unentbehrliches Hilfsmittel, um zum Beispiel Verträge des Verstorbenen zu kündigen. Für den Antrag benötigt man den ärztlichen Totenschein, den Personalausweis des Verstorbenen, seine Geburtsurkunde und ggf. eine Heiratsurkunde oder ein Familienstammbuch. Oft kümmert sich das Bestattungsunternehmen um den Antrag.

Wann braucht man einen Erbschein?


Ein Erbschein wird vom Nachlassgericht ausgestellt und bestätigt den Status einer Person als Erbe einer anderen. Aus ihm geht hervor, wer den Verstorbenen beerbt und - bei mehreren Erben - mit welchem Anteil. Der Erbschein kostet Geld; wie viel, richtet sich nach der Höhe des Nachlasses.

Banken fordern gelegentlich immer noch einen Erbschein als Nachweis, dass man Erbe einer Person geworden ist. Der Bundesgerichtshof hält jedoch den Erbschein als Erbnachweis gegenüber einer Bank für überflüssig. Immerhin kann dieser einige Kosten verursachen. Gegenüber Banken und Versicherungen sollte es ausreichen, das vom Nachlassgericht eröffnete Testament und die Sterbeurkunde vorzulegen (Urteil vom 8.10.2013, Az. XI ZR 401/12). Bei gesetzlicher Erbfolge kommt es darauf an, ob irgendwelche anderen Unterlagen die Erbfolge eindeutig nachweisen.

Notwendig ist ein Erbschein in der Regel zur Umschreibung von Grundstücken beim Grundbuchamt. Auch hier kann jedoch ein notariell beurkundetes Testament oder ein ebensolcher Erbvertrag einen Erbschein überflüssig machen (OLG Hamm, Beschluss vom 26.7.2013, Az. 15 W 248/13).

Mietwohnung kündigen


Erben sollten wissen, dass der Mietvertrag des Verstorbenen nicht automatisch endet, sondern weiterläuft - bis er vom Erben gekündigt wird. Hier gilt die reguläre Kündigungsfrist von drei Monaten. So lange müssen die Erben ggf. auch die Miete weiterzahlen. Achtung: Hier handelt es sich um eine außerordentliche Kündigung mit gesetzlicher Frist. Sie muss innerhalb eines Monats erfolgen, nachdem der Erbe von dem Todesfall erfahren hat.

Stehen allerdings neben dem Verstorbenen noch weitere Mieter im Mietvertrag, wird das Mietverhältnis per Gesetz mit diesen fortgesetzt. Die anderen Mieter können den Mietvertrag innerhalb von einem Monat mit gesetzlicher Frist (drei Monate) kündigen.

Wenn nur der Verstorbene den Vertrag unterschrieben hat, dürfen Ehepartner, eingetragene Lebenspartner oder im Haushalt wohnende Kinder in den Vertrag als Mieter eintreten. Machen diese Personen keinen Gebrauch davon, haben auch andere Personen, die mit im gleichen Haushalt leben, das Recht auf Eintritt in den Mietvertrag.

Verträge kündigen


Generell sollten Erben daran denken, dass womöglich eine Menge Verträge des Verstorbenen noch weiterlaufen. Dies kann Abos betreffen, Mitgliedschaften, Fitnessverträge, Handyverträge... Hier ist es wichtig, sich einen Überblick zu verschaffen und diese Verträge zu kündigen. Meist reicht eine Kopie der Sterbeurkunde als Nachweis aus.

Schwieriger wird es beim digitalen Nachlass. Dazu haben wir hier nähere Informationen:
Digitales Erbe - Was passiert mit dem Online-Nachlass?

Praxistipp


Bei vielen erbrechtlichen Fragen besteht Beratungsbedarf, besonders, da es hier oft um viel Geld geht. Einverständliche Lösungen können helfen, langwierige Familienstreitigkeiten zu vermeiden. Oft bietet sich die Beratung eines Fachanwalts für Erbrecht an, um eine Lösung zu finden oder die eigenen Ansprüche zu verteidigen.

(Bu)



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