Wie beantragt man einen Erbschein?

03.08.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (446 mal gelesen)
Wie beantragt man einen Erbschein? © Rh - Anwalt-Suchservice

Mit einem Erbschein kann man nachweisen, dass man Erbe ist – man benötigt ihn zum Beispiel, um Grundstücke umzuschreiben. Aber: Wie und wo bekommt man ihn? Und was kostet ein Erbschein?

Für Erben ist ein Erbschein ein wichtiges Dokument. Denn aus ihm ergibt sich, dass man Erbe eines Verstorbenen geworden ist. Bei mehreren Erben kann man auch seinen Erbanteil aus dem Erbschein ersehen. Ein Erbschein verursacht allerdings auch Kosten. Gerichtsentscheidungen zufolge braucht man ihn heute nicht mehr in allen Fällen zwingend – Banken zum Beispiel müssen auch andere Nachweismöglichkeiten akzeptieren, wie etwa ein nachweislich vom Nachlassgericht eröffnetes Testament. Das Grundbuchamt allerdings verlangt meist die Vorlage eines Erbscheins, um den Erben als neuen Eigentümer der geerbten Immobilie im Grundbuch einzutragen.

Erbschein beantragen: Was muss ich tun?


Einen Erbschein beantragt man beim Nachlassgericht. Dabei handelt es sich um eine Abteilung des örtlichen Amtsgerichts. Zuständig ist das Gericht an dem Ort, an dem der Verstorbene seinen letzten Wohnsitz gehabt hat. Den Antrag kann man mündlich oder schriftlich stellen. Mündliche Anträge werden in der Geschäftsstelle des Gerichts zu Protokoll genommen. Erben können sich jedoch ebenso an einen Notar wenden, der den ganzen Vorgang für sie erledigt.
Übrigens können nur Erben einen Erbschein beantragen. Wer testamentarisch enterbt wurde, ist nicht antragsberechtigt.

Welche Unterlagen brauche ich für den Antrag?


Im Erbschein wird nicht nur der Antragsteller erwähnt, sondern auch die anderen Erben mit ihren Erbanteilen. Daher muss man aus dem Erbscheinsantrag ersehen können,
- welche Personen Erben geworden sind und
- in welchem Verhältnis diese zueinander stehen.
- Der Antragsteller muss seinen Personalausweis vorlegen und
- mit der Sterbeurkunde den Erbfall nachweisen.

Er muss außerdem das Testament oder den Erbvertrag im Original oder auch als beglaubigte Abschrift vorlegen.

Mehr Aufwand haben gesetzliche Erben ohne Testament: Hier müssen zum Beispiel die Kinder eine Geburtsurkunde vorlegen, um das Verwandtschaftsverhältnis zum Verstorbenen zu beweisen. Ist der Antragsteller ein Ehegatte, ist die Heiratsurkunde erforderlich. Wenn Enkelkinder, deren Eltern bereits verstorben sind, ihre Großeltern beerben, müssen sie die Geburts- und Sterbeurkunden der Eltern (also der Kinder des Erblassers) vorlegen.
Nicht zuletzt sollte der Antragsteller auch die Anschriften aller Erben bereit halten.

Was kostet die Beantragung eines Erbscheins?


Dies bestimmt das Gerichts- und Notarkostengesetz. Für die Erstellung des Erbscheins berechnet das Nachlassgericht eine Einzelgebühr, deren Höhe sich wiederum nach dem Nachlasswert richtet. Konkrete Zahlen ergeben sich aus den Tabellen im Anhang des Gesetzes (Tabelle B, Anlage 2).
Beispiele:
Nachlasswert: 50.000 Euro – Einzelgebühr: 165 Euro.
Nachlasswert 200.000 Euro – Einzelgebühr: 435 Euro.
Nachlasswert: 500.000 Euro – Einzelgebühr: 935 Euro.

Bei diesem Betrag bleibt es allerdings meist nicht, denn der Antragsteller muss in der Regel mit einer eidesstattlichen Versicherung bestätigen, dass seine Angaben stimmen und dass ihm keine Umstände bekannt sind, die Einfluss auf das Erbe haben könnten. Für die eidesstattliche Erklärung fällt eine weitere Einzelgebühr an, wodurch sich die genannten Beträge verdoppeln.
Teuer kann es werden, wenn ein Grundstück oder eine Immobilie zum Nachlass gehören. Denn dann fallen auch entsprechend höhere Gebühren für den Erbschein an. Als Wert des Grundstücks wird meist der Verkehrswert, also der tatsächliche Marktwert, verwendet.
Wird ein Notar konsultiert, muss dieser (anders als das Nachlassgericht) auf seine Gebühr die Mehrwertsteuer aufschlagen.

Wer trägt die Kosten?


Die Gebühren für den Erbschein bezahlt immer der jeweilige Antragsteller. Wenn alle Mitglieder einer Erbengemeinschaft zusammen einen gemeinschaftlichen Erbschein beantragen, müssen sich auch alle an den Kosten beteiligen.

Wie lange dauert es, bis man den Erbscheins bekommt?


Dies hängt von der Arbeitsbelastung des Gerichts ab. Möglich sind einige Tage bis einige Monate.

Wer beantragt den Erbschein in einer Erbengemeinschaft?


Hier gibt es drei möglicheVarianten: Wenn es mehrere Erben gibt, kann jeder einzelne Erbe für sich einen Teilerbschein über seinen Erbteil beantragen. Alle Erben können gemeinsam einen gemeinschaftlichen Erbschein beantragen. Oder ein einzelner Erbe kann nach § 352a FamFG einen gemeinschaftlichen Erbschein beantragen. Aus diesem geht hervor, was er selbst und die anderen geerbt haben, und mit welchen Erbquoten. Allerdings ist eine Angabe der Quoten bzw. Erbteile entbehrlich, wenn alle Antragsteller im Antrag auf die Aufnahme der Erbteile in den Erbschein verzichten. Will ein einzelner Erbe einen gemeinschaftlichen Erbschein beantragen, muss er dazu nicht die Erlaubnis der anderen Erben einholen. Stellen nicht alle Erben den Antrag gemeinsam, muss der Erbschein die Angabe enthalten, dass die übrigen Erben die Erbschaft angenommen haben. Denn die Annahme der Erbschaft ist eine grundsätzliche Voraussetzung für einen Erbscheinantrag.

Internationales Erben: Europäisches Nachlasszeugnis


Im Jahr 2015 wurde für Erbfälle mit Auslandsbezug das Europäische Nachlasszeugnis eingeführt. Es hat eine ähnliche Funktion wie ein Erbschein, wird aber in sämtlichen EU-Staaten anerkannt, was bei nationalen Erbscheinen nicht so ohne Weiteres der Fall ist.
Beim Nachlasszeugnis gelten andere Regeln als beim deutschen Erbschein. Beantragen kann man es entweder bei dem Gericht, in dessen Zuständigkeitsbereich der Erblasser zur Zeit seines Todes seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte, oder bei einem Gericht des Staates, dessen Recht der Erblasser als maßgeblich für seinen Nachlass ausgewählt hat. Denn: Wer Vermögen in mehreren EU-Staaten hat und ein Testament verfasst, kann darin selbst bestimmen, ob sein Nachlass zum Beispiel nach deutschem oder spanischem Recht abgewickelt wird. Ohne eine solche Regelung kommt für das Vermögen das Recht des Landes zur Anwendung, in dem sich die jeweiligen Nachlassgegenstände befinden – und das kann recht kompliziert werden.
Auch bei Notaren kann der Antrag auf ein Nachlasszeugnis gestellt werden.

Praxistipp


Durch die Beantragung eines Erbschein nehmen Sie das Erbe an. Es kann dann nicht mehr ausgeschlagen werden. Informieren Sie sich also unbedingt vor dem Antrag darüber, was der Nachlass umfasst und ob der Erblasser womöglich Verbindlichkeiten hatte. Denn: Als Erbe erben Sie alles – auch die Schulden.

(Bu)



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