Wie beantragt man einen Erbschein?

17.07.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice (113 mal gelesen)
Wie beantragt man einen Erbschein? © Rh - Anwalt-Suchservice

Ein Erbschein ist erforderlich, um nachzuweisen, dass man Erbe ist – man braucht ihn zum Beispiel, um Grundstücke umzuschreiben. Aber: Wie und wo erhält man ihn? Und was kostet so etwas?

Ein Erbschein ist ein wichtiges Dokument für jeden Erben. Aus ihm geht hervor, dass man Erbe eines Verstorbenen geworden ist, und ggf. auch mit welchem Erbanteil. Zwar braucht man den Erbschein heute nicht mehr in allen Fällen zwingend – Banken etwa müssen auch andere Nachweismöglichkeiten zulassen, wie ein nachweislich vom Nachlassgericht eröffnetes Testament. Das Grundbuchamt aber fordert in den meisten Fällen die Vorlage eines Erbscheins, um den Erben als neuen Eigentümer einer Immobilie einzutragen.

Erbschein beantragen: Was muss ich tun?


Den Erbschein stellt das Nachlassgericht aus, das eine Abteilung des Amtsgerichts ist. Dazu muss man sich an das Amtsgericht am letzten Wohnsitz des Verstorbenen wenden. Der Erbschein kann dort schriftlich oder mündlich beantragt werden. Mündliche Anträge werden in der Geschäftsstelle protokolliert. Der Erbe kann sich allerdings auch an einen Notar wenden, der alles für ihn erledigt.

Welche Unterlagen brauche ich, um einen Erbschein zu beantragen?


Aus dem Erbscheinantrag muss hervorgehen, welche Personen Erben geworden sind und in welchem Verhältnis diese zueinander stehen. Der Antragsteller muss natürlich mit einem Personalausweis seine Identität und mit der Sterbeurkunde den Erbfall nachweisen. Er muss außerdem das Testament oder den Erbvertrag im Original oder auch als beglaubigte Abschrift vorlegen. Aufwändiger ist es für gesetzliche Erben ohne Testament: Hier muss etwa durch die Kinder eine Geburtsurkunde vorgelegt werden, um das Verwandtschaftsverhältnis zum Verstorbenen zu beweisen. Erbt ein Ehegatte, ist die Heiratsurkunde nötig. Beerben Enkelkinder, deren Eltern bereits verstorben sind, ihre Großeltern, müssen Geburts- und Sterbeurkunden der Eltern (also der Kinder des Erblassers) vorgelegt werden. Auch die Anschriften aller Erben sollte der Antragsteller verfügbar haben.

Was kostet die Beantragung eines Erbscheins?


Dies ist im Gerichts- und Notarkostengesetz geregelt. Für die Erstellung des Erbscheins fällt eine Einzelgebühr an, deren Höhe sich nach dem Nachlasswert richtet. Für die konkrete Höhe kann man die Tabellen zu Rate ziehen, die der Anhang des Gesetzes enthält (Tabelle B, Anlage 2). Beispiele: Bei einem Nachlasswert von 50.000 Euro beträgt die einzelne Gebühr 165 Euro. Bei 200.000 Euro sind es 435 Euro, bei 500.000 Euro sind es 935 Euro. Aber: Oft muss der Antragsteller mit einer eidesstattlichen Versicherung bestätigen, dass seine Angaben stimmen und ihm keine Umstände bekannt sind, die Einfluss auf das Erbe haben könnten. Eine solche eidesstattliche Erklärung kostet noch einmal eine Einzelgebühr, wodurch sich die genannten Beträge verdoppeln. Gehört ein Grundstück zum Nachlass, fallen schnell hohe Gebühren für den Erbschein an. Als Wert des Grundstücks ist meist der Verkehrswert maßgeblich. Im Gegensatz zum Nachlassgericht muss der Notar auf seine Gebühr die Mehrwertsteuer aufschlagen.

Wer zahlt?


Die Kosten für den Erbschein muss immer der jeweilige Antragsteller entrichten. Beantragen alle Mitglieder einer Erbengemeinschaft gemeinsam einen gemeinschaftlichen Erbschein, müssen sich auch alle an den Kosten beteiligen.

Wie lange dauert die Beantragung eines Erbscheins?


Dies hängt von der Personalauslastung des Gerichts ab. Möglich sind einige Tage bis einige Monate.

Wer beantragt den Erbschein in einer Erbengemeinschaft?


Hier gibt es drei Möglichkeiten: Erben mehrere Personen, so hat jeder Erbe die Möglichkeit, für sich einen Teilerbschein ausschließlich über seinen Erbteil zu beantragen. Ebenso können alle Erben gemeinsam einen gemeinschaftlichen Erbschein beantragen. Und drittens kann auch ein einzelner Erbe nach § 352a FamFG einen gemeinschaftlichen Erbschein beantragen. Aus diesem geht hervor, was er selbst und die anderen geerbt haben, und mit welchen Erbquoten. Die Angabe der Quoten bzw. Erbteile ist entbehrlich, wenn alle Antragsteller im Antrag auf die Aufnahme der Erbteile in den Erbschein verzichten. Ein einzelner Erbe, der einen gemeinschaftlichen Erbschein beantragen will, benötigt dazu nicht die Erlaubnis der anderen Erben. Aber: Stellen nicht alle Erben den Antrag gemeinsam, muss der Erbschein die Angabe enthalten, dass die übrigen Erben die Erbschaft angenommen haben. Denn die Annahme der Erbschaft ist eine grundsätzliche Voraussetzung für einen Erbscheinantrag.

Internationales Erben: Europäisches Nachlasszeugnis


Für Erbfälle mit Auslandsbezug gibt es seit 2015 das Europäische Nachlasszeugnis, das in allen EU-Ländern anerkannt wird. Dies ist nämlich bei nationalen Erbscheinen nicht so ohne Weiteres der Fall. Hier gelten besondere Regeln, die von denen für einen deutschen Erbschein abweichen. Beantragen kann man das Nachlasszeugnis entweder bei dem Gericht, in dessen Zuständigkeitsbereich der Erblasser zur Zeit seines Todes seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte, oder bei einem Gericht des Staates, dessen Recht der Erblasser als maßgeblich für seinen Nachlass ausgewählt hat. Denn dieser kann testamentarisch selbst bestimmen, ob sein Nachlass zum Beispiel nach deutschem oder spanischem Recht abgewickelt wird, wenn er als Deutscher in Spanien gelebt hat. Auch bei Notaren kann der Antrag gestellt werden.


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