Wie viel Honorar darf der Erbenermittler verlangen?

15.10.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (1938 mal gelesen)
Wie viel Honorar darf der Erbenermittler verlangen? © Bu - Anwalt-Suchservice

Erbenermittler machen Erben ausfindig, die ansonsten nie etwas von ihrem Erbe erfahren würden. Dafür verlangen sie Geld. Wie viel Geld darf ein Erbenermittler für seine Tätigkeit fordern?

Ein professioneller Erbenermittler sucht nach bisher unbekannten oder nicht auffindbaren Erben und weist deren Anspruch auf das Erbe durch geeignete Dokumente nach. Diese Dienstleistung ist oft dann notwendig, wenn Erben ins Ausland verzogen sind, Familien seit langer Zeit keinen Kontakt mehr untereinander gehalten haben oder kein Testament vorhanden ist, sodass aufgrund der gesetzlichen Erbfolge entfernte Verwandte erben. Oft müssen die Erbenermittler in Vorleistung treten: Ihre Arbeit kann aufwändig sein und findet notwendigerweise statt, bevor es einen Vertrag mit den Erben gibt, der ihnen ein Honorar zusichert. Die Gerichte haben sich bereits mehrfach mit Honorarforderungen von Erbenermittlern beschäftigt.

Wer beauftragt einen Erbenermittler?


Erbenermittler werden zum Teil ohne Auftrag tätig, wenn sie durch amtliche Bekanntmachungen und Erbenaufrufe erfahren, dass in einem Erbfall die Erben unbekannt sind. Zum Teil werden sie allerdings auch von Nachlasspflegern beauftragt, die wiederum vom Nachlassgericht eingesetzt werden. Nachlasspfleger dürfen allerdings in einfachen Fällen nicht sofort einen Erbenermittler einsetzen, wenn sie ohne größere Recherche die Erben auch selbst feststellen könnten. Ein Nachlasspfleger muss zunächst selbst alle erforderlichen und zumutbaren Maßnahmen zur Ermittlung der Erben durchführen. Erst, wenn er selbst nicht weiterkommt, darf er einen Erbenermittler einschalten. Ansonsten kann sich der Nachlasspfleger gegenüber den Erben schadensersatzpflichtig machen (OLG Düsseldorf, Beschluss vom 5. März 2014, Az. I-3 Wx 192/13).

Worauf beruht der Honoraranspruch des Erbenermittlers?


Das Honorar des Erbenermittlers zahlen die ermittelten Erben. Ein gewerblicher Erbenermittler hat jedoch keinen gesetzlichen Anspruch auf Vergütung gegenüber dem gefundenen Erben. Deswegen muss er eine Honorarvereinbarung mit diesem treffen. Dies kann er natürlich erst dann tun, wenn er den Erben gefunden hat.
Wie hoch das Honorar sein darf, wurde in einigen Gerichtsentscheidungen beurteilt.

Wie hoch darf das Honorar sein?


Aus einem Urteil des Landgerichts München I geht hervor, dass ein Erbenermittler für seine Tätigkeit eine Vergütung von 20 Prozent des Erbanteils vereinbaren und verlangen darf. Nimmt ein Erbe die Dienstleistung eines Erbenermittlers in Anspruch, ist er auch dazu verpflichtet, diesem Auskunft über den Wert seines Erbanteils und den Zeitpunkt der Auszahlung zu erteilen, damit der Erbenermittler seine Vergütung berechnen kann.

Dem Gericht zufolge ist ein Anteil von 10 Prozent bis 30 Prozent am Reinnachlass als Vergütung für Erbenermittler allgemein anerkannt. Der Erbenermittler müsse einen hohen Aufwand betreiben, für den er keinerlei Vergütung bekomme, wenn seine Bemühungen ohne Erfolg blieben. Gelinge es ihm aber, einen Erben ausfindig zu machen, komme dieser in den unerwarteten Genuss eines Vermögenszuwachses aus der Erbmasse. In Anbetracht des Umfangs und der Schwierigkeit seiner Tätigkeit sei eine "Erfolgsbeteiligung" des Erbenermittlers am Nachlass keine unangemessene Benachteiligung für den Erben. Immerhin verdiene der Erbenermittler seinen Lebensunterhalt mit der Vergütung der in Anspruch genommenen Dienstleistung (Urteil vom 12.10.2005, Az. 26 O 10845/05).

Große Beträge ändern nichts


Auch das Brandenburgische Oberlandesgericht hat entschieden, dass eine Vergütung in Höhe von 10 bis 30 Prozent für die Dienstleistungen eines Erbenermittlers angemessen ist. Im konkreten Fall waren 20 Prozent vereinbart worden. Diese 20 Prozent machten jedoch rund 104.000 Euro aus. Diesen Betrag hielt die Erbin für unangemessen und versuchte den bestehenden Vertrag anzufechten. Das Gericht sprach dem Erbenermittler den Anspruch auf das Geld jedoch zu: Dass der übliche Prozentsatz bei größeren Erbschaften zu hohen Beträgen führen könne, bedeute nicht, dass die Forderung unangemessen sei (Urteil vom 20.5.2008, Az. 11 U 157/07).

Amtsermittlungsgrundsatz ändert nichts


Grundsätzlich gibt es im gerichtlichen Verfahren für die Erteilung eines Erbscheins auch einen Amtsermittlungsgrundsatz. Das Nachlassgericht muss hier also auch tätig werden. Wie das Oberlandesgericht Sachsen-Anhalt in einer Entscheidung erklärte, besteht trotzdem keine Pflicht des Nachlassgerichts zur Ermittlung der einzelnen gesetzlichen Erben. In erster Linie sei es Sache des Erben, die Urkunden zum Nachweis seiner Erbenstellung beizubringen, deren Richtigkeit dann das Nachlassgericht von Amts wegen zu überprüfen habe. Die Tätigkeit des Erbenermittlers, der gerade diese Unterlagen beschaffe, sei also nicht überflüssig.
Das Gericht erklärte hier ein Honorar von 33 Prozent des Nachlasses für angemessen (Beschluss vom 24.11.2014, Az. 12 Wx 16/14).

Praxistipp


Das angemessene Honorar für eine gewerbliche Erbenermittlung liegt zwischen 10 und 33 Prozent des Wertes des Erbes. Die Gerichte sehen kein Problem im Geschäftsmodell der Erbenermittler, erst Ermittlungen anzustellen und dann Verträge mit den Erben abzuschließen. Kommt es zum Streit um Nachlassangelegenheiten, ist ein Fachanwalt für Erbrecht der beste Ansprechpartner.

(Bu)



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