Was macht ein Nachlasspfleger / Nachlassverwalter?

29.10.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (7910 mal gelesen)
Was macht ein Nachlasspfleger / Nachlassverwalter? © Ma - Anwalt-Suchservice

Bei einer Nachlasspflegschaft oder Nachlassverwaltung verwalten nicht die Erben, sondern ein Dritter den Nachlass. Eine Nachlasspflegschaft oder -verwaltung kann für Erben einige Vorteile haben.

Als Nachlass wird die Gesamtheit der Vermögensgegenstände eines Verstorbenen bezeichnet. Dazu zählen allerdings auch die Schulden des Erblassers. Was mit dem Nachlass passiert, richtet sich entweder nach der gesetzlichen Erbfolge oder nach einer letztwilligen Verfügung wie zum Beispiel einem Testament oder Erbvertrag.

Was ist eine Nachlasspflegschaft?


Eine Pflegschaft bedeutet, dass für eine Person, die nicht oder nicht mehr in der Lage ist, sich selbst um wichtige Angelegenheiten zu kümmern, ein gesetzlicher Vertreter bestellt wird, der dies übernimmt. Es existieren unterschiedliche Arten von Pflegschaften. Ihnen ist gemeinsam, dass der Pfleger die Interessen des Betroffenen wahrzunehmen hat. Bei einer Nachlasspflegschaft steht die Sicherung des Nachlasses im Vordergrund. Diese wird beispielsweise angeordnet, wenn die Erben die Erbschaft bisher nicht angenommen haben oder noch gar nicht festgestellt werden konnte, wer die Erben überhaupt sind.

Was ist der Unterschied zu einer Nachlassverwaltung


Die Nachlassverwaltung ist eine Variante der Nachlasspflegschaft, kommt jedoch in anderen Fällen zur Anwendung. Es kann nämlich sein, dass es Gläubiger gibt, die Forderungen an den Nachlass haben. Eine Nachlassverwaltung wird angeordnet, wenn es Grund zu der Annahme gibt, dass die Befriedigung der Nachlassgläubiger aus dem Nachlass durch das Verhalten oder die Finanzlage des oder der Erben in Gefahr ist. Für den oder die Erben kann das von Vorteil sein: Seine Haftung für Nachlassverbindlichkeiten wird auf den eigentlichen Nachlass, also das Erbe beschränkt und betrifft nicht mehr sein sonstiges Vermögen.
Erben beantragen eine Nachlassverwaltung zum Beispiel, wenn sich ihr eigenes Vermögen nicht eindeutig vom Vermögen des Erblassers trennen lässt und dieser verschuldet war. Ein Antrag auf Nachlassverwaltung ist innerhalb von zwei Jahren nach Annahme der Erbschaft zu stellen.

Wann und von wem wird ein Nachlasspfleger bestellt?


Einen Nachlasspfleger bestellt das Nachlassgericht (eine Abteilung des örtlichen Amtsgerichts), wenn dafür ein Bedürfnis besteht. Ein solches Bedürfnis gibt es zum Beispiel,
- wenn die Erben noch nicht bekannt sind,
- wenn Minderjährige geerbt haben,
- wenn es zwischen den Erben Streit gibt und deshalb kein Erbschein ausgestellt werden kann oder
- wenn der Nachlass ohne zeitnahe Verwaltungsmaßnahmen in Gefahr wäre.

Ein Nachlasspfleger kann vom Gericht auch auf Antrag bestellt werden, wenn der Antragsteller einen gegen den Nachlass gerichteten Anspruch gerichtlich geltend machen will. Häufig werden Rechtsanwälte als Nachlasspfleger bestellt.

Was tut ein Nachlasspfleger?


Seine Aufgaben richten sich nach den Besonderheiten des jeweiligen Falles. Sie werden bei seiner Bestellung festgelegt. So kann es zu seinen Pflichten gehören, Erben zu ermitteln, die unbekannt oder im Ausland sind. Er hat dafür zu sorgen, dass der Nachlass keinen Schaden nimmt, dass also vorhandene Werte nicht verloren gehen. Dazu gehört es auch, sich um laufende Zahlungen wie Miete etc. zu kümmern, Rechnungen zu bezahlen, vielleicht auch die Bestattung des Verstorbenen zu organisieren. Auch kann es dazu gehören, den Haushalt des Erblassers aufzulösen oder eine Immobilie aus dem Nachlass zu verwalten oder zu verwerten. Er muss ggf. auch eine Erbschaftssteuererklärung anfertigen und eine Aufstellung des Vermögens im Nachlass verfassen.

Wem ist der Nachlasspfleger Rechenschaft schuldig?


Der Nachlasspfleger ist der Vertreter der Erben. Daraus folgt: Die Erben haben ein Recht auf Auskunft. Wenn die Erben dies wünschen, muss der Nachlasspfleger den Erben beispielsweise Dokumente übergeben, die zum Nachlass gehören.
Wenn das Nachlassgericht die Nachlasspflegschaft durch Beschluss aufhebt – zum Beispiel, weil die Erben erfolgreich ermittelt worden sind und nun die Erbschaft angenommen haben – muss der Nachlasspfleger den Nachlass an die Erben herausgeben. Dann muss er über seine Tätigkeit einen Rechenschaftsbericht erstellen und die Erben um „Entlastung“ bitten.

Wer bezahlt den Nachlasspfleger?


Ein Nachlasspfleger kann entweder mit den Erben eine Vergütung für seine Tätigkeit aushandeln oder einen Antrag auf eine Vergütung beim Nachlassgericht stellen. Die Vergütung ist von den Erben zu bezahlen. Wenn sie nicht zahlen, kann der Pfleger am Nachlass ein Zurückbehaltungsrecht in Höhe seiner Vergütung geltend machen, bis er bezahlt worden ist.

Urteil: Erbenermittlung


Nach einer Entscheidung des Landgerichts Berlin hat ein Nachlasspfleger, dem auch die "Ermittlung der Erben" übertragen ist, alle erforderlichen und zumutbaren Maßnahmen zu diesem Zweck durchzuführen. So muss er zum Beispiel bei den Standesämtern auch Auskünfte hinsichtlich Ehen und Nachkommen des Erblassers einholen. Beauftragt er damit von vornherein einen gegen Provision arbeitenden gewerblichen Erbenermittler, statt selbst tätig zu werden, haftet er dem Erben auf Schadensersatz wegen Verletzung seiner Pflichten (Urteil vom 23.10.2011, Az. 23 O 613/10).

Urteil: Auskunftsanspruch gegen Lebensversicherung


Ein Nachlasspfleger hat gegenüber der Lebensversicherung des Verstorbenen einen Anspruch auf Auskunft darüber, wer die Bezugsberechtigten der Versicherung sind. Dies hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden. In dem Fall war ein Wohnhaus explodiert und alle Unterlagen waren vernichtet worden. Der Nachlasspfleger sollte das Erbe sichern und die Erben ermitteln. Die Versicherung verweigerte jedoch die Auskunft, an wen die Lebensversicherung ausgezahlt werden sollte.
Das Gericht entschied, dass diese Auskunft nur verweigert werden darf, wenn der Nachlass überschuldet ist (Urteil vom 23.11.2018, Az. I-20 U 72/18).

Praxistipp


Oft kann nur eine Nachlasspflegschaft oder Nachlassverwaltung sicherstellen, dass die Erben eines Verstorbenen den Nachlass erhalten. Allerdings kann die Tätigkeit dieser Personen auch zu Streit führen. Bei Auseinandersetzungen über Nachlassverwaltung oder -Pflegschaft sollte man sich durch einen Fachanwalt für Erbrecht beraten lassen.

(Ma)



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