Was macht ein Nachlasspfleger / Nachlassverwalter?

22.04.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (6038 mal gelesen)
Was macht ein Nachlasspfleger / Nachlassverwalter? © kytalpa - Fotolia.com
Bei einer Nachlasspflegschaft oder Nachlassverwaltung wird der Nachlass nicht mehr vom Erben, sondern von einem Dritten verwaltet. Für den Erben kann eine Nachlasspflegschaft oder -verwaltung Vorteile haben.

Was ist ein Nachlass?
Als Nachlass bezeichnet man die Gesamtheit der Vermögensgegenstände eines Verstorbenen. Dazu gehören auch die Schulden des Erblassers. Was mit dem Nachlass passiert, richtet sich nach dem Erbrecht - gesetzliche Erbfolge - bzw. einer letztwilligen Verfügung (Erbvertrag, Testament, Vermächtnis).

Was ist eine Nachlasspflegschaft?
Bei einer Pflegschaft wird für eine Person, die nicht oder nicht mehr in der Lage ist, sich um wichtige Angelegenheiten zu kümmern, ein gesetzlicher Vertreter bestellt, der dies für die Person übernimmt. Es gibt unterschiedliche Arten von Pflegschaften. Gemeinsam ist ihnen, dass der Pfleger die Interessen des Betroffenen wahrnehmen soll. Bei der Nachlasspflegschaft steht die Sicherung des Nachlasses im Vordergrund. Sie wird zum Beispiel angeordnet, wenn die Erben die Erbschaft noch nicht angenommen haben oder noch gar nicht festgestellt wurde, wer die Erben sind.

Unterschied zur Nachlassverwaltung
Die Nachlassverwaltung ist eine Variante der Nachlasspflegschaft, die jedoch in anderen Fällen zum Einsatz kommt. Die Nachlasspflegschaft hat den Zweck, den Bestand des Nachlasses bis zur Klärung der Sachlage (Auffinden von Erben oder Annahme der Erbschaft) zu sichern. Die Nachlassverwaltung ist anzuordnen, wenn Grund zu der Annahme besteht, dass die Befriedigung der Nachlassgläubiger aus dem Nachlass durch das Verhalten oder die Vermögenslage des Erben in Gefahr ist. Für den Erben bedeutet sie, dass seine Haftung für Nachlassverbindlichkeiten auf den Nachlass beschränkt wird. Erben beantragen eine Nachlassverwaltung etwa dann, wenn ihr eigenes Vermögen nicht eindeutig vom Vermögen des Erblassers zu trennen ist und dieser verschuldet war. Der Antrag auf Nachlassverwaltung muss innerhalb von zwei Jahren nach Annahme der Erbschaft gestellt werden.

Wann und von wem wird ein Nachlasspfleger bestellt?
Der Nachlasspfleger wird vom Nachlassgericht (einer Abteilung des jeweiligen örtlichen Amtsgerichts) bestellt, wenn dafür ein Bedürfnis besteht. Ein solches Bedürfnis kann zum Beispiel vorliegen, wenn die Erben noch unbekannt sind, wenn Minderjährige geerbt haben, wenn zwischen den Erben Streit entstanden ist und deshalb kein Erbschein ausgestellt werden kann, wenn der Nachlass ohne zeitnahe Verwaltungsmaßnahmen in Gefahr wäre. Ein Nachlasspfleger kann auch auf Antrag bestellt werden, wenn der Antragsteller einen gegen den Nachlass gerichteten Anspruch gerichtlich geltend machen will. Oft werden Rechtsanwälte zu Nachlasspflegern bestellt.

Was tut ein Nachlasspfleger?
Die Aufgaben eines Nachlasspflegers richten sich nach den Besonderheiten des jeweiligen Falles. Sie werden bei der Bestellung festgelegt. Es kann zu seinen Pflichten gehören, unbekannte oder im Ausland befindliche Erben zu ermitteln. Er muss dafür sorgen, dass der Nachlass keinen Schaden nimmt, dass also vorhandene Werte nicht verloren gehen. Er muss sich ggf. um laufende Zahlungen wie Miete etc. kümmern, Rechnungen bezahlen, womöglich eine Beerdigung organisieren, den Haushalt des Erblassers auflösen, eine Immobilie aus dem Nachlass verwalten oder verwerten. Auch eine Erbschaftsteuererklärung muss er ggf. verfassen und eine Aufstellung des Vermögens im Nachlass anfertigen.

Wem ist der Nachlasspfleger Rechenschaft schuldig?
Der Nachlasspfleger ist Verteter der Erben. Diese haben ein Recht auf Auskunft. Wenn sie dies wünschen, muss der Nachlasspfleger den Erben Dokumente übergeben, die zum Nachlass gehört haben. Hebt das Nachlassgericht die Nachlasspflegschaft durch Beschluss auf – zum Beispiel, weil die Erben ermittelt wurden und die Erbschaft angenommen haben – muss er den Nachlass an die Erben herausgeben, über seine Tätigkeit einen Rechenschaftsbericht anfertigen und die Erben um „Entlastung“ bitten.

Wer bezahlt den Nachlasspfleger?
Der Nachlasspfleger kann mit den Erben eine Vergütung für seine Tätigkeit aushandeln oder einen Vergütungsantrag beim Nachlassgericht stellen. Zahlen müssen die Erben. Zahlen sie nicht, kann der Pfleger ein Zurückbehaltungsrecht am Nachlass in Höhe seiner Vergütung geltend machen.

Urteil: Erbenermittlung
Das Landgericht Berlin hat entschieden, dass ein Nachlasspfleger, dem auch die "Ermittlung der Erben" übertragen ist, alle erforderlichen und zumutbaren Maßnahmen zu diesem Zweck durchführen muss. Er muss sich zum Beispiel bei den Standesämtern um Auskünfte hinsichtlich Ehen und Nachkommen des Erblassers kümmern. Betraut er damit von vornherein einen gegen Provision arbeitenden gewerblichen Erbenermittler, statt selbst zu handeln, haftet er dem Erben auf Schadensersatz wegen Verletzung seiner Pflichten (Urteil vom 23.10.2011, Az. 23 O 613/10).