Black Friday und Black Week: Recht für die Schnäppchenjagd

25.11.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 6 Min. (380 mal gelesen)
Black Friday und Black Week: Recht für die Schnäppchenjagd © Bu - Anwalt-Suchservice

Sale, Rabatte, Angebote: Der Black Friday und die folgenden Tage werden auch in Deutschland als Synonym für Sonderangebote angesehen. Woran sollten Verbraucher bei der Schnäppchenjagd denken?

Der Begriff “Black Friday” kommt aus den USA. Gemeint ist damit dort der Freitag nach dem Feiertag Thanksgiving. 2019 fällt dieser auf den 29. November. Der Termin steht auch für den Beginn der Weihnachts-Einkaufssaison. Nicht nur in den USA lassen sich Handelsketten an diesem Tag und den umliegenden viele Rabatte und Sonderangebote einfallen. 2019 wird zumindest in Deutschland statt der "Cyber Week" nach dem Black Friday die "Black Friday Woche" ab 22.11. zelebriert, die mit dem Black Friday endet. Dies schließt Sonderangebote am darauffolgenden "Cyber Monday" nicht aus. In den USA stürmen an diesen Tagen wahre Menschenmassen die Einkaufszentren und Elektromärkte, während sich die Schnäppchenjagd in Deutschland eher online abspielt.

Warum gibt es die verschiedene Bezeichnungen?


Ein vorausschauendes Unternehmen aus Hongkong ist auf die Idee gekommen, sich den Begriff “Black Friday” als Markenbezeichnung schützen zu lassen. Daher muss jeder Händler, der jetzt diesen in seiner Werbung verwenden will, Lizenzgebühren nach Hongkong bezahlen. Nicht wenige Händler benutzen deshalb andere oder abgewandelte Begriffe für den Tag. Ansonsten riskieren sie eine Abmahnung, die teuer werden kann. Die unterschiedlichen Bezeichnungen für die Woche nach dem Freitag haben ihren Grund in den unterschiedlichen Gepflogenheiten der großen Händler bzw. Online-Verkaufsplattformen.

Worauf sollten Käufer bei Sonderangeboten achten?


Günstiger gibt es am Black Friday und den Tagen danach zum Beispiel viele Technik- und Multimedia-Artikel. Hier ist jedoch etwas gesunde Vorsicht am Platz. Häufig nutzen die Händler nämlich die Rabattaktionen, um Auslaufmodelle oder Ladenhüter loszuwerden. Kunden, die immer das aktuellste Produkt kaufen wollen, sollten daher darauf achten, keine veraltete Ware zu bekommen. Besonders verlockend sind natürlich zeitlich begrenzte Aktionen und Countdown-Angebote. Hier ist die Gefahr besonders groß, auf einen Ladenhüter hereinzufallen. Ein anderes Problem besteht darin, dass viele Rabatte nicht so günstig sind, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen.

Wie wird bei Mega-Rabatten getrickst?


Am Black Friday und den anderen Rabatt-Tagen ziehen riesige Rabatte die Käufer in die Läden und auf die Shopping-Seiten: “70 Prozent herabgesetzt.” “Um 85 Prozent reduziert.” Aber: Hier wird oft getrickst. So wird häufig zum Beispiel die Prozentzahl auf Basis der unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) des Herstellers berechnet. Diese UVP stimmt aber häufig nicht mit dem normalen, üblichen Preis des Händlers für das Produkt überein, denn oft ist der im Handel verwendete Preis sowieso niedriger als die UVP. So wird den Kunden eine deutlich größere Preissenkung vorgegaukelt, als sie tatsächlich stattgefunden hat.

Generell ist es für Käufer auch oft gar nicht so einfach, festzustellen, ob der Preis eines Produkts im Normalbetrieb tatsächlich 70 oder gar 85 Prozent höher ist als während der Rabattaktion. Eine Möglichkeit ist die Nutzung von Online-Vergleichsportalen.
Ein solches Vergleichsportal hat 2016 verschiedene Rabatte zum deutschen Black Friday untersucht. Das Ergebnis: Bei 24 Prozent der Produkte hatten die Händler einfach den normalen Marktpreis als Sonderangebot ausgegeben. Wer realistisch einschätzen möchte, wie viel er tatsächlich spart, sollte also am besten schon vor den Tagen der Rabattschlacht den normalen Preis für das Wunschhandy oder den neuen Fernseher recherchieren.

2018 kam das ZDF-Magazin WISO nach einer von einer Preisagentur durchgeführten Preisanalyse von über 3.000 Produkten zu einem noch negativeren Urteil. Danach blieb am Black Friday 2017 sogar bei 67,9 Prozent der untersuchten Produkte der Preis in Wirklichkeit gleich, bei einigen Produkten war er am Black Friday sogar höher.
Echte Rabatte von 20 Prozent wurden im Rahmen dieser Untersuchung nur bei 3,7 Prozent der beobachteten Produkte registriert, Rabatte von 30 Prozent lediglich bei 1,9 Prozent und eine Preisreduzierung um mehr als 40 Prozent ließ sich gerade mal bei 1 Prozent der Artikel feststellen. Insgesamt sind die Chancen also nicht groß, wirklich ein echtes Schnäppchen zu ergattern.

Wie sieht es bei Online-Sonderangeboten mit der Rückgabe aus?


Hier gilt das Gleiche wie im normalen Alltagsbetrieb: Wenn ein Verbraucher online Waren von einem gewerblichen Händler kauft, hat er ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Dieses besteht unabhängig davon, ob die Ware Mängel hat. Der Verbraucher muss seinen Widerruf nicht begründen. Allerdings muss dieser ausdrücklich erfolgen, etwa durch eine E-Mail. Kommentarloses Zurückschicken der Ware reicht nicht aus.
Die 14-tägige Widerrufsfrist startet mit dem Erhalt der Ware und nicht, bevor der Händler den Verbraucher korrekt über dessen Widerrufsrecht belehrt hat. Wenn diese Belehrung sofort nach dem Kauf stattfindet, läuft die Frist vom Erhalt der Ware an. Belehrt der Verkäufer den Käufer erst drei Tage nach Erhalt der Ware, beginnt die Frist eben erst dann zu laufen. Wenn der Verkäufer die Widerrufsbelehrung ganz vergisst, endet die Widerrufsfrist erst ein Jahr und 14 Tage nach dem Erhalt der Ware.

Rückgabe nur im Original-Karton?


Auch wenn Händler etwas anderes behaupten: Das Widerrufsrecht ist nicht davon abhängig, dass man die Originalverpackung aufgehoben hat. Händler dürfen also nicht die Rückgabe verweigern, weil man den Originalkarton entsorgt hat. Eine Ausnahme gibt es hier: Wenn die Verpackung ein elementarer Bestandteil der Ware ist. Dies kann etwa bei bestimmten Sammlerartikeln der Fall sein, die sich die Käufer häufig in der Originalverpackung in die Vitrine stellen und die bei einem Wiederverkauf nur verpackt ihren Sammlerwert behalten. In derartigen Fällen darf der Händler den erstatteten Kaufpreis wegen der fehlenden Verpackung reduzieren, um die Wertminderung der Ware auszugleichen.

Welche Rechte hat der Käufer bei Mängeln?


Manche Händler erwecken gern bei ihren Kunden den Eindruck, dass bei Sonderangeboten besondere Regeln für die Gewährleistung gelten. Dies ist jedoch falsch: Auch Schnäppchenangebote müssen einwandfrei sein. Wieder gibt es eine Ausnahme: Ist die Ware ausdrücklich wegen bestimmter Mängel im Preis herabgesetzt, etwa eine Waschmaschine wegen Kratzern im Lack, kann der Käufer sich natürlich nicht auf diesen Mangel berufen.

Ansonsten gilt: Wenn die Ware defekt ist, hat der Kunde über das Widerrufsrecht hinaus Rechte aus der gesetzlichen Sachmängelhaftung. Ist das am Black Friday oder Cyber Monday billig gekaufte neue Tablet also schon nach drei Wochen defekt, kann der Kunde wahlweise Reparatur oder Neulieferung beanspruchen. Der Händler darf zweimal eine Reparatur versuchen. Funktioniert das Gerät dann immer noch nicht, ist der Käufer berechtigt, vom Kaufvertrag zurückzutreten. Dann werden Ware und Geld jeweils wieder zurückgegeben.
Dabei muss sich der Kunde nicht mit Warengutscheinen abspeisen lassen.

Die Rechte des Käufers aus der Sachmängelhaftung verjähren für Neuware innerhalb von zwei Jahren. Sie gelten jedoch nur für Schäden, die die Ware schon beim Kauf hatte. In den ersten sechs Monaten wird dies einfach per Gesetz vermutet. Der Händler darf versuchen, das Gegenteil zu beweisen (was ihm meist schwerfallen dürfte). Danach allerdings liegt die Beweislast beim Käufer. Aus diesem Grund sollte man nicht zu lange warten, um Ansprüche wegen Mängeln einzufordern.

Gibt es ein allgemeines Umtauschrecht?


Nein - so etwas gibt es weder am Black Friday noch an normalen Tagen. Das oben beschriebene 14-tägige Widerrufsrecht gilt nur für Käufe, die per Fernabsatz (also zum Beispiel online oder telefonisch) oder außerhalb von Geschäften, zum Beispiel an der Haustür, stattfinden. Kauft man etwas in einem normalen Ladengeschäft, gibt es dieses Widerrufsrecht nicht.
Allerdings gilt immer die oben beschriebene Sachmängelhaftung des Händlers, wenn die Ware defekt oder mangelhaft ist.

Wie lange muss ein Sonderangebot im Laden vorrätig sein?


Für Schnäppchenjäger ist es besonders ärgerlich, wenn ein gewünschter Artikel mit Rabatten besonders beworben wurde, man extra deswegen zum Laden gerannt ist, und dann der Artikel schon ausverkauft ist.
Ist ein als Sonderangebot beworbenes Produkt nicht in ausreichender Menge oder gar nicht im Laden vorhanden, spricht man auch von einem Lockvogelangebot. Dagegen können Verbraucher leider kaum etwas tun. Verbraucherschutzverbände oder Wettbewerbsvereine gehen gegen solche Praktiken mit Abmahnungen und Unterlassungsklagen vor. So verbot zum Beispiel 2015 das Oberlandesgericht Hamm einem Onlinehändler, für Elektrofahrräder mit dem Zusatz “lieferbar in zwei bis vier Tagen” zu werben, wenn diese Räder weder beim Händler noch beim Zulieferer vorrätig sind und nicht innerhalb dieser Zeit geliefert werden können (Az. 4 U 69/15).

Nach dem Landgericht Wiesbaden müssen Discounter und Supermärkte beworbene Aktionsware zumindest zwei Tage lang auf Vorrat haben. Es ging hier um ein Luftbett und ein Mobiltelefon (Az. 7 O 373/04). Der Bundesgerichtshof forderte bei heruntergesetzter Markenbutter von einem Händler in der Werbung den Hinweis, dass diese eventuell schon am ersten Tag vergriffen sein könnte (Az. I ZR 183/09).

Sind Angebote mit Countdown rechtens?


Manchmal wird neben einem Online-Sonderangebot eine rückwärts laufende Uhr eingeblendet. Mit diesem Thema haben sich bisher wenige Gerichte beschäftigt. Das Landgericht Bochum hat entschieden, dass ein solcher Countdown zumindest dann eine Irreführung des Verbrauchers darstellt, wenn die Uhr nach Ablauf des Countdowns sofort wieder neu zu laufen beginnt. Schließlich wird dem Kunden so fälschlicherweise vorgespielt, dass er etwas verpasst, wenn er nicht sofort bestellt. Hier können Händler durch Konkurrenten oder Verbraucherverbände abgemahnt oder auf Unterlassung verklagt werden (Urteil vom 10.9.2015, Az. 14 O 55/15).

Praxistipp


Lassen Sie sich nicht von durchgestrichenen alten Preisen, Preis-Countdowns und enormen Rabatten irreführen. Viele Rabatte am Black Friday bedeuten keine echte Ersparnis. Ein Preisvergleich vor der Rabattschlacht hilft, die echten Schnäppchen herauszufiltern. Unter Umständen ist ein Kauf in den ersten Wochen des neuen Jahres nach dem Weihnachtsrummel billiger. Bei Streitigkeiten mit Händlern um Widerrufsrecht oder Mängel kann Ihnen ein auf das Zivilrecht spezialisierter Rechtsanwalt zu Ihrem Recht verhelfen.

(Bu)



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