Black Friday und Black Week: Recht für die Schnäppchenjagd

21.11.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 6 Min. (200 mal gelesen)
Black Friday und Black Week: Recht für die Schnäppchenjagd © Bu - Anwalt-Suchservice

Sale, Rabatte, Angebote: Der Black Friday und die folgenden Tage gelten auch in Deutschland mittlerweile als Synonym für Sonderangebote. Worauf sollten Verbraucher bei der Schnäppchenjagd achten?

Ursprünglich kommt der Begriff “Black Friday” aus den USA. Damit ist der Freitag nach dem Feiertag Thanksgiving, gemeint, 2018 ist dies der 23. November. Dieser Termin steht für den Beginn der Weihnachts-Einkaufssaison. Nicht nur in den USA bieten viele Handelsketten an diesem Tag und den darauffolgenden Rabatte und Sonderangebote. Die Tage danach bezeichnen die Unternehmen zum Teil als Black Week oder Cyber Week, den darauffolgenden Montag als Cyber Monday. Während sich in den USA wahre Menschenmassen in Einkaufszentren und Elektromärkte drängen, konzentrieren sich die Sonderaktionen in Deutschland vorwiegend auf den Onlinehandel.

Warum gibt es die verschiedene Bezeichnungen?


Ein vorausschauendes Unternehmen aus Hongkong hat sich den Begriff “Black Friday” als Markenbezeichnung schützen lassen. Nun muss jeder Händler, der diesen in seiner Werbung nutzen möchte, Lizenzgebühren nach Hongkong bezahlen. Dies ist der Grund dafür, dass manche Händler andere oder abgewandelte Begriffe nutzen. Andernfalls riskieren sie nämlich eine Abmahnung, die teuer werden kann. Die verschiedenen Bezeichnungen für die Woche nach dem Freitag beruhen auf den unterschiedlichen Gepflogenheiten einiger großer Händler bzw. Verkaufsplattformen.

Worauf ist bei Sonderangeboten zu achten?


Speziell Technik- und Multimedia-Artikel gibt es am Black Friday und den darauffolgenden Tagen günstiger. Allerdings ist hier gesunde Vorsicht angesagt. Oft sind die Rabattaktionen nämlich für die Händler eine willkommene Möglichkeit, um Auslaufmodelle oder Ladenhüter loszuwerden. Wer also immer das aktuellste Produkt kaufen möchte, sollte darauf achten, keine veraltete Ware zu bekommen. Besonders bei zeitlich sehr knapp begrenzten Rabatt-Aktionen sollte man daher nicht zu schnell zuschlagen. Ein anderes Problem: Viele Rabatte sind nicht so günstig, wie sie auf den ersten Blick scheinen.

Wie wird bei Mega-Rabatten getrickst?


Riesige Rabatte ziehen am Black Friday die Käufer in die Läden und auf die Shopping-Seiten. “70 Prozent herabgesetzt.” “Um 85 Prozent reduziert.” Allerdings wird auch hier oft getrickst. In vielen Fällen wird beispielsweise die Prozentzahl auf Basis der unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) des Herstellers berechnet. Die UVP muss aber nicht mit dem normalen, üblichen Preis des Händlers für das Produkt übereinstimmen, denn viele Händler verwenden im Alltagsgeschäft sowieso einen niedrigeren Preis. Auf diese Art wird also dem Kunden eine deutlich größere Preissenkung vorgegaukelt, als wirklich stattgefunden hat.
Natürlich ist es für Kunden auch generell oft nicht so einfach, festzustellen, ob der Preis eines Produkts normalerweise tatsächlich 70 oder gar 85 Prozent höher ist als während der Rabattaktion.
Ein Vergleichsportal hat 2016 diverse Rabatte zum deutschen Black Friday untersucht. Das Ergebnis: Bei 24 Prozent der Produkte wurde einfach der normale Marktpreis als Sonderangebot ausgegeben. Wer also realistisch einschätzen will, wie viel er tatsächlich spart, sollte vorher den regulären Preis für das Wunschhandy oder den neuen Fernseher recherchieren.
Das ZDF-Magazin WISO ist 2018 nach einer von einer Preisagentur durchgeführten Preisanlayse von über 3.000 Produkten zu einem noch negativeren Urteil gekommen. Demnach blieb am Black Friday 2017 bei 67,9 Prozent der untersuchten Produkte der Preis in Wahrheit gleich, bei einigen Produkten stieg er sogar an.
Echte Rabatte von 20 Prozent wurden lediglich bei 3,7 Prozent der beobachteten Produkte festgestellt, Rabatte von 30 Prozent nur bei 1,9 Prozent und eine Preisreduzierung um mehr als 40 Prozent fand sich gerade mal bei 1 Prozent der Artikel. Insgesamt besteht hier also gar keine gute Chance, ein echtes Schnäppchen zu erwischen.

Wie sieht es bei Online-Sonderangeboten mit der Rückgabe aus?


Hier gilt nichts anderes, als im normalen Alltagsbetrieb: Kauft ein Verbraucher online Waren von einem gewerblichen Händler, hat er ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Dies gilt unabhängig davon, ob die Ware irgendwelche Mängel hat. Den Widerruf muss der Verbraucher nicht begründen. Allerdings muss dieser ausdrücklich erfolgen, zum Beispiel durch eine E-Mail. Es reicht nicht aus, den Artikel kommentarlos zurückzuschicken.
Die 14-tägige Frist beginnt mit Erhalt der Ware und nicht bevor der Händler den Verbraucher über sein Widerrufsrecht korrekt belehrt hat. Findet diese Belehrung also sofort nach dem Kauf statt, läuft die Frist ab Erhalt der Ware. Belehrt der Verkäufer den Käufer erst drei Tage nach Erhalt der Ware über sein Widerrufsrecht, beginnt die Frist eben dann. Vergisst der Verkäufer die Widerrufsbelehrung ganz, endet die Widerrufsfrist erst ein Jahr und 14 Tage nach Erhalt der Ware.

Rückgabe nur im Original-Karton?


Das Widerrufsrecht hängt nicht davon ab, dass man die Originalverpackung aufgehoben hat. Eine Rückgabe im Originalkarton dürfen Händler nicht fordern – es sei denn, die Verpackung ist ein elementarer Bestandteil der Ware. Dies kann zum Beispiel bei manchen Sammlerartikeln der Fall sein, die sich die Käufer oft in der Originalverpackung in die Vitrine stellen und die bei einem Wiederverkauf auch nur verpackt etwas wert sind. In einem solchen Fall kann der Händler den zurückerstatteten Kaufpreis in gewissem Maße herabsetzen, wenn die Verpackung fehlt, um die Wertminderung seiner Ware auszugleichen.

Welche Rechte hat der Käufer bei mangelhafter Ware?


Manchmal erwecken Händler beim Käufer den Eindruck, dass bei Sonderangeboten spezielle Regeln für die Gewährleistung gelten. Dies ist jedoch nicht der Fall. Hier gilt, was sonst auch gilt: Auch Schnäppchenangebote müssen einwandfrei sein. Ausnahme: Sie sind ausdrücklich wegen bestimmter Mängel im Preis herabgesetzt, wie etwa eine Waschmaschine wegen Kratzern im Lack.
Ansonsten gilt: Ist die Ware defekt, hat der Kunde über das oben angesprochene Widerrufsrecht hinaus Rechte aus der gesetzlichen Sachmängelhaftung. Funktioniert also das am Black Friday oder Cyber Monday billig gekaufte neue Tablet schon nach drei Wochen nicht mehr, hat der Kunde nach Wahl Anspruch auf Reparatur oder Neulieferung. Eine Reparatur darf der Händler zweimal versuchen. Funktioniert das Gerät dann immer noch nicht, kann der Kunde vom Kaufvertrag zurücktreten. Ware und Geld werden beim Rücktritt jeweils wieder zurückgegeben.
Der Kunde muss sich dabei nicht mit Warengutscheinen abspeisen lassen.
Die Rechte des Kunden aus der Sachmängelhaftung verjähren für Neuware in zwei Jahren. Allerdings gelten sie nur für Schäden, die die Ware bereits beim Kauf hatte. In den ersten sechs Monaten wird dies einfach per Gesetz vermutet, und der Händler darf versuchen, das Gegenteil zu beweisen. Danach liegt die Beweislast beim Käufer. Daher sollte man nicht zu lange warten, um Mängelansprüche geltend zu machen.

Gibt es ein allgemeines Umtauschrecht?


So etwas gibt es nicht – weder am Black Friday noch an normalen Tagen. Das oben beschriebene 14-tägige Widerrufsrecht gilt ausschließlich für Käufe, die per Fernabsatz (also zum Beispiel online oder telefonisch) oder außerhalb von Geschäften, zum Beispiel an der Haustür, getätigt werden. Beim normalen Kauf in einem Ladengeschäft besteht dieses Widerrufsrecht nicht.
Was allerdings immer gilt, ist die oben beschriebene Sachmängelhaftung des Händlers bei defekter oder mangelhafter Ware.

Wie lange muss ein Sonderangebot im Laden vorrätig sein?


Besonders ärgerlich ist es für Schnäppchenjäger, wenn ein herabgesetzter Artikel besonders beworben wird, man extra deswegen zum Laden gerannt ist, und der Artikel dann gleich ausverkauft ist. Wenn ein als Sonderangebot beworbenes Produkt nicht in ausreichender Menge oder gar nicht vorhanden ist, spricht man von einem Lockvogelangebot. Verbraucher können dagegen jedoch leider wenig tun. Allerdings gehen Verbraucherschutzverbände oder Wettbewerbsvereine mit Abmahnungen und Unterlassungsklagen gegen solche Praktiken vor. 2015 etwa verbot das Oberlandesgericht Hamm einem Onlinehändler, für Elektrofahrräder mit der Angabe “lieferbar in zwei bis vier Tagen” zu werben, wenn weder der Händler noch sein Zulieferer diese Räder vorrätig haben und innerhalb dieser Zeit liefern können (Az. 4 U 69/15).
Dem Landgericht Wiesbaden zufolge müssen Discounter und Supermärkte beworbene Aktionsware mindestens zwei Tage lang vorrätig haben. Konkret ging es dabei um ein Luftbett und ein Handy (Az. 7 O 373/04). Bei herabgesetzter Markenbutter verlangte der Bundesgerichtshof von einem Händler in der Werbung den Hinweis, dass die Ware womöglich schon am ersten Tag vergriffen sei (Az. I ZR 183/09).

Sind Angebote mit Countdown rechtens?


Es kommt vor, dass neben einem Online-Sonderangebot eine rückwärts laufende Uhr eingeblendet wird. Zu diesem Thema gibt es erst wenige Gerichtsentscheidungen. Das Landgericht Bochum hat den Countdown zumindest dann als Irreführung des Verbrauchers angesehen, wenn die Uhr nach Ablauf des Countdowns einfach wieder von vorn zu laufen beginnt. Denn immerhin wird dem Kunden hier fälschlicherweise vorgespielt, dass er etwas verpasst, wenn er nicht sofort kauft. Folge können Abmahnungen des Händlers durch die Konkurrenz oder Verbraucherverbände sein (Urteil vom 10.9.2015, Az. 14 O 55/15).

Praxistipp


Lassen Sie sich beim Kauf nicht von durchgestrichenen alten Preisen, Preis-Countdowns und enormen Rabatten blenden. Viele Rabatte bringen keine echte Ersparnis. Ein Preisvergleich deutlich vor der Rabattschlacht hilft dabei, die echten Schnäppchen zu finden. In den ersten Wochen des neuen Jahres kann ein Kauf unter Umständen billiger sein. Bei Streitigkeiten um Widerrufsrecht oder Mängelansprüche kann Ihnen ein auf das Zivilrecht spezialisierter Rechtsanwalt zu Ihrem Recht verhelfen.

(Bu)



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