Erbengemeinschaft – immer Ärger mit der Familie?

12.06.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (735 mal gelesen)
Erbengemeinschaft – immer Ärger mit der Familie? © Stauke - Fotolia.com
Gibt es mehrere Erben, die zu bestimmten Anteilen an einem Nachlass beteiligt sind, entsteht eine Erbengemeinschaft. Oft bleibt diese lange Zeit bestehen, weil zum Beispiel ein Betrieb oder eine Immobilie nicht ohne große Verluste einfach aufgeteilt werden können.

Wie entsteht eine Erbengemeinschaft?
Oft gibt es nach einem Erbfall mehrere Erben. Dies kann durch die gesetzliche Erbfolge ebenso zustande kommen wie durch ein Testament. Die Erben bilden nun ohne weiteres Zutun eine sogenannte Gesamthandsgemeinschaft – das bedeutet, ihnen gehört gemeinsam der gesamte Nachlass und jeder hat ein Anrecht auf den ihm zustehenden Anteil. Dies gilt auch dann, wenn der Erblasser verfügt hat, dass sein Sportwagen an den Enkel, seine Münzsammlung an seine Tochter und sein Aktiendepot an seine Pflegekraft gehen soll. Es entsteht also ein gemeinsames Vermögen – und das will bis zur offiziellen Aufteilung erst einmal verwaltet werden.

Gibt es besondere gesetzliche Regeln?
Was eine Erbengemeinschaft ist, steht in § 2032 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Die §§ 2034 bis 2057a geben die Regeln für die Gemeinschaft vor. Dazu gehört zum Beispiel: Ein Miterbe kann zwar (durch notariellen Vertrag) über seinen Anteil am Nachlass verfügen. Er kann also zum Beispiel einem anderen Miterben seinen 25-Prozent-Anteil am Nachlass überschreiben. Er kann aber nicht frei über seinen Anteil an einzelnen Nachlassgegenständen verfügen. Er kann also nicht 25 Prozent der Münzen aus der Münzsammlung bei eBay verkaufen.

Verkauf eines Anteils
Will ein Miterbe seinen Anteil am Gesamtnachlass verkaufen, haben die anderen Miterben nach dem deutschen Erbrecht ein Vorkaufsrecht. Dieses muss innerhalb von zwei Monaten ausgeübt werden. Wenn der Verkäufer den Anteil bereits auf einen Fremden übertragen hat, können die anderen Miterben ihr Vorkaufsrecht gegenüber dem Käufer geltend machen. Der Verkäufer muss sie von dem Geschäft unverzüglich unterrichten.

Wer trfft die Entscheidungen?
Die Verwaltung des Nachlasses erfolgt durch die Erben gemeinsam. Jeder ist den anderen gegenüber verpflichtet, bei Maßnahmen mitzuwirken, die zur ordnungsgemäßen Verwaltung erforderlich sind. Dringende Erhaltungsmaßnahmen kann jeder Miterbe auch alleine veranlassen (wenn es zum Beispiel durch das Dach der geerbten Immobilie ins Schlafzimmer der Mieter regnet, kann auch ein einzelner Miterbe die Abdichtung in Auftrag geben. Werden durch den Nachlass Gewinne erwirtschaftet, so werden diese erst bei der Erbauseinandersetzung verteilt. Ist diese für längere Zeit als ein Jahr ausgeschlossen, kann jeder der Miterben am Ende eines jeden Jahres verlangen, dass der Reinertrag aufgeteilt wird.

Wer haftet?
Die Erben haften für die Nachlassverbindlichkeiten gemeinsam als Gesamtschuldner. Das bedeutet: Jeder Gläubiger kann sich aussuchen, an welchen der Erben er sich wendet. Allerdings gilt dies erst, nachdem das Erbe angenommen wurde. Wird ein Mitglied der Erbengemeinschaft wegen einer Nachlassverbindlichkeit in Anspruch genommen, müssen die anderen ihm anteilig einen Ausgleich bezahlen. Grundsätzlich werden die Nachlassverbindlichkeiten – von einem Darlehen des Erblassers für den Hausbau bis hin zu seinen Bestattungskosten – vor der Erbauseinandersetzung aus dem Nachlass bezahlt. Dieser muss dazu soweit erforderlich in Geld umgesetzt werden. Bis zur Teilung des Nachlasses kann jeder Miterbe sich weigern, Beträge als Nachlassverbindlichkeiten zu bezahlen, die über seinen Erbanteil hinausgehen.

Wie endet eine Erbengemeinschaft?
Eine Erbengemeinschaft endet mit der Erbauseinandersetzung. Bei diesem Vorgang wird der Nachlass entsprechend der Erbanteile aufgeteilt. Die Auseinandersetzung kann grundsätzlich von jedem Miterben jederzeit verlangt werden. Kommt eine einvernehmliche Regelung unter den Erben nicht zustande, kann das Nachlassgericht zur Vermittlung angerufen werden. Ist auch diese ergebnislos, kann einer der Miterben auf Erbauseinandersetzung klagen. Die Erbauseinandersetzung kann jedoch für eine bestimmte Zeit ausgeschlossen sein. Zum Beispiel, wenn ein Miterbe dies wegen eines Aufgebotsverfahrens zur Ermittlung unbekannter Nachlassgläubiger wünscht, wenn die Erbteile wegen der zu erwartenden Geburt eines Miterben unklar sind oder der Erblasser entsprechende Regelungen im Testament getroffen hat.

Die Teilungsanordnung
Der Erblasser kann im Testament eine Teilungsanordnung treffen. Darin legt er fest, welche Nachlassgegenstände bestimmte Erben erhalten sollen. Gibt es keine derartige Anordnung, geht es nach prozentualen Anteilen.

Urteil: Anfechtung der Erbauseinandersetzung
Eine Erbauseinandersetzung sollte immer als schriftlicher Vertrag festgehalten werden – mit notatieller Beurkundung, wenn Immobilien im Spiel sind. Allerdings kann ein solcher Vertrag wie jedes gegenseitige Rechtsgeschäft auch angefochten werden. Zum Beispoiel wegen arglistiger Täuschung, wenn ein Miterbe den anderen nicht mitteilt, dass er vorher rechtswirksam auf seinen Erbteil verzichtet hat. Dies entschied das Oberlandesgericht München am 24. Juni 2009 (Az. 20 U 4882/08).