Was kann in einem Testament wie geregelt werden?

05.12.2018, Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (42 mal gelesen)
Was kann in einem Testament wie geregelt werden? © Rh - Anwalt-Suchservice

In einem Testament legt man seinen letzten Willen nieder und bestimmt, wer zu welchem Anteil Erbe werden soll. Wer ein Testament verfasst, hat eine Reihe vom Möglichkeiten, wichtige Punkte zu regeln.

Mit einem Testament – oder auch mit einem Erbvertrag – kann der eigene Nachlass geregelt werden. Existiert kein solcherart niedergelegter “letzter Wille” tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Dies kann oft unerwünschte Folgen haben, wie etwa eine zerstrittene Erbengemeinschaft, den erzwungenen Verkauf des Hauses, in dem der überlebende Ehepartner noch wohnen will, oder schlicht den Übergang von Vermögensteilen auf Personen, zu denen der Erblasser schon lange keinen Kontakt mehr hatte und die er normalerweise nicht bedenken würde. Ein Testament bietet viele Möglichkeiten, sinnvolle Regelungen für den eigenen Nachlass zu treffen.

Wer soll erben?


Im Testament können Sie bestimmen, wer Ihren Nachlass erhalten soll. Als Erben können Sie natürliche Personen einsetzen. Diese müssen nicht mit Ihnen verwandt sein. Sie können aber auch juristische Personen wie etwa Vereine oder Stiftungen als Erben einsetzen.

Wer soll nichts erben?


Sie können Personen vom Erbe ausschließen, auch wenn diese – wie etwa Kinder oder der Ehegatte – gesetzliche Erben sind. Allerdings erhalten diese Personen dann immer noch einen gesetzlichen Pflichtteil in Höhe der Hälfte ihres Erbteils. Sie können die Auszahlung des Pflichtteils von den testamentarischen Erben verlangen.
Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch eine Pflichtteilsentziehung per Testament möglich. Dies setzt aber in der Regel besondere Verfehlungen des Erben gegenüber dem Erblasser bei Lebzeiten voraus – ein Fall für fachkundige Beratung.

Was bedeutet die Bestimmung eines Ersatzerben?


Dies bedeutet, dass Sie eine Person als Erbe einsetzen und eine zweite für den Fall, dass die erste Person vor Ihnen selbst verstirbt. Beispiel: „Ich setze meine Tochter Veronica als Alleinerbin ein. Sollte Sie vor mir sterben, soll mein Nachbar Paul mein Alleinerbe sein.“
Nun kann es natürlich sein, dass Veronica Kinder hat. Bei einer solchen Regelung werden diese enterbt, soweit Veronica vor dem Erblasser stirbt. Erbt also Paul, erben Veronicas Kinder nichts, erhalten jedoch als gesetzliche Erben (Enkel) einen Pflichtteil.

Was bedeutet die Anordnung einer Vor- und Nacherbschaft?


Sie können im Testament verfügen, dass eine Person zuerst Ihren Nachlass erben soll. Erst wenn diese Person selbst verstorben ist, soll eine zweite Person erben.
Sie können auch einen anderen Zeitpunkt festlegen, zu dem das Vermögen auf die zweite Person übergehen soll (etwa: 21. Geburtstag des Nacherben).
Der Vorerbe darf allerdings laut Gesetz nur eingeschränkt über das Vermögen verfügen. Er darf daraus Nutzen ziehen (etwa die Miete bei einer Mietwohnung oder die Äpfel von einem Baum auf einem Grundstück). Allerdings darf er den Nachlass nicht verschenken, verkaufen, beleihen oder sonst wie belasten. Er kann gegenüber dem Nacherben bei riskanten Spekulationsgeschäften schadensersatzpflichtig sein. Der Nacherbe hat auch einen Auskunftsanspruch gegen den Vorerben über den Verbleib des Nachlasses.
Im Testament können Sie allerdings den Vorerben auch ausdrücklich zum befreiten Vorerben machen. Dann kann dieser frei über den Nachlass verfügen und diesen auch zum Beispiel verkaufen. Dies ist anzuraten, wenn auch der Vorerbe finanziell abgesichert werden soll, etwa bei Ehegatten. Ein Beispiel für eine solche Konstruktion ist das gemeinsame Ehegattentestament in Form des Berliner Testaments.

Was ist ein Ehegattentestament?


Ehegatten können ein gemeinschaftliches Testament aufsetzen. Allerdings gibt es auch dabei Besonderheiten. So können sogenannte wechselbezügliche Verfügungen – die auf Gegenseitigkeit beruhen – nicht einfach durch ein neues Einzel-Testament aufgehoben werden. Nach dem Tod des ersten Ehegatten kann der zweite eine solche Verfügung nicht mehr widerrufen, er kann sie höchstens aufheben, wenn auch er seinerseits das ihm Zugewendete ausschlägt.

Wie soll das Erbe aufgeteilt werden?


Der Erblasser kann im Testament regeln, welcher seiner Erben welchen Anteil vom Nachlass bekommen soll. Bekommt ein pflichtteilsberechtigter gesetzlicher Erbe (z.B. Kinder und Enkelkinder, Eltern, Ehegatten und eingetragene Lebenspartner) weniger als seinen Pflichtteil (das ist die Hälfte seines gesetzlichen Erbteils), so hat dieser gegen die Erben Anspruch auf einen sogenannten Zusatzpflichtteil, also auf die Differenz zwischen dem vollen Pflichtteil und dem per Testament nur Zugewendeten.
Als Testamentsverfasser können Sie auch anordnen, dass die Aufteilung des Nachlasses entsprechend der gesetzlichen Erbteile ausgeschlossen ist. Dies gilt dann entweder für 30 Jahre oder bis zu einem von Ihnen genannten, früheren Termin. Sinnvoll ist dies zum Beispiel, wenn ein Familienunternehmen zum Nachlass gehört, das nicht zerschlagen werden soll, damit die Erben ihre prozentualen Anteile bekommen.

Wie kann ich jemandem einzelne Gegenstände zukommen lassen?


Hierfür gibt es das sogenannte Vermächtnis. So nennt man eine Anordnung im Testament, mit der einer Person, dem Vermächtnisnehmer, ein bestimmter Gegenstand zugesprochen wird (etwa die Münzsammlung, ein Schmuckstück). Beispiel:
„Mein Alleinerbe wird mein Sohn Hinnerk. Das Gemälde „Der heilige Hieronymus“ von Leonardo da Vinci erhält meine Putzfrau Luise.“)
Ein Vermächtnisnehmer ist kein Erbe und wird nicht Teil der Erbengemeinschaft. Er erwirbt lediglich einen Herausgabeanspruch gegen den oder die Erben.

Kann ich auch unter Auflagen vererben?


Sie können die Erbschaft auch davon abhängig machen, dass Ihre Erben Auflagen erfüllen. Diese Auflagen dürfen jedoch nicht sittenwidrig sein, also den Rahmen von Anstand und Zumutbarkeit sprengen. Beispiele:
- „Mein Alleinerbe wird mein Sohn Johann. Dafür ist er verpflichtet, mein Grab zu pflegen.“ Diese Regelung ist ok.
- „Meine Alleinerbin wird meine Tochter Josephine. Sie soll dafür meinen Kegelbruder Hannes ehelichen.“ Diese Regelung ist sittenwidrig.
- „Mein Alleinerbe wird mein Butler James. Dafür soll er meinen Rottweiler-Staffordshire-Mischling ‚Brutus‘ bis an dessen Lebensende pflegen und täglich mit ihm Gassi gehen. Das Wohlergehen von Brutus wird regelmäßig von meinem Testamentsvollstrecker, Rechtsanwalt Dr. Hugo Sorgfalt, kontrolliert.“ Diese Regelung ist zulässig.

Was können Tiere erben?


Tiere können in Deutschland nicht als Erben eingesetzt werden. Es sind aber Regelungen im Sinne von Auflagen möglich, mit denen zum Beispiel die Versorgung des Tieres sichergestellt wird. Dabei kann durchaus auch genauer definiert werden, wie diese auszusehen hat.

Anordnung der Testamentsvollstreckung


Im Testament können Sie auch anordnen, dass ein Testamentsvollstrecker sich um die Durchsetzung Ihrer Verfügungen kümmern soll. Dies ist besonders bei einem komplizierten Nachlass oder zerstrittenen Verwandten zu empfehlen. Sie können im Testament eine bestimmte Person zum Testamentsvollstrecker ernennen, dies sollte vorher abgesprochen sein. Derjenige muss kein Rechtsanwalt sein.

Praxistipp


Bei der Erstellung eines Testaments lauern viele Fallen im Detail. Je komplizierter der Nachlass und die Verwandtschaftsverhältnisse sind, umso wichtiger wird es, sich dabei von einem auf das Erbrecht spezialisierten Rechtsanwalt beraten zu lassen.

(Ma)



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