Hochzeit: Welche Steuerklassen passen zu uns?

18.09.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (393 mal gelesen)
Hochzeit: Welche Steuerklassen passen zu uns? © CG - Fotolia.com
Wer kurz davor steht, an den Traualtar zu treten, denkt an Liebe, Romantik, Flitterwochen, vielleicht an Kinder - sicher aber nicht an die Wahl der Steuerklasse. Doch das Thema Steuern ist wichtig - denn die Wahl der "richtigen" Steuerklassen spart Bares.

Welche Steuerklassen gibt es?
Im deutschen Lohnsteuersystem gibt es insgesamt sechs Steuerklassen. Die Wahl der Klasse bestimmt sich in erster Linie nach dem Familienstand. Alleinstehende haben im Normalfall die Steuerklasse I; gleiches gilt für getrennt lebende Verheiratete. Steuerklasse II ist für Alleinerziehende vorgesehen, Steuerklasse VI bekommen Steuerpflichtige, die mehr als einen Job ausüben, automatisch zugewiesen. Verheiratete können zwischen verschiedenen Steuerklassenkombinationen wählen. Zunächst einmal werden beide Ehepartner nach der Hochzeit automatisch in die Steuerklasse IV einsortiert. Möglich ist aber auch eine Einstufung in die Steuerklassen III und V oder eine Veranlagung in der Steuerklasse IV mit Faktor (s.u.).

IV/IV oder besser III/V?
Doch welche Wahl ist die beste für die frischgebackenen Eheleute? Die Beantwortung dieser Frage richtet sich in erster Linie nach der Höhe der Einkommen. Verdienen beide Partner in etwa gleich viel, ist die Kombination IV/IV durchaus die richtige Wahl. Faustregel: der Unterschied beim Gehalt sollte hier zehn Prozent möglichst nicht überschreiten. Im Prinzip ändert sich bei dieser Variante nichts zur vorherigen Steuerklasse I - der Abzug beim Lohn bleibt bei den meisten auch nach der Hochzeit in etwa gleich. Verdient ein Partner deutlich mehr als der andere - Faustregel hier: 60 zu 40 Prozent -, ist die Wahl der Steuerklassen III und V vorzuziehen. Dabei erhält der besserverdienende Partner die Klasse III mit den weitergehenden Abzugsmöglichkeiten - der Freibetrag wird verdoppelt, die Vorsorgepauschale ebenso.

IV/IV mit Faktor
Eine weitere Möglichkeit bei unterschiedlich hohen Einkünften bietet die Wahl der Steuerklasse IV mit Faktor. Hier zahlt jeder Partner prozentual ungefähr den Teil der Steuern, der dem Anteil seines Einkommens entspricht. Die Differenz beim Gehalt sollte allerdings geringer sein das zitierte Verhältnis von 60 zu 40 Prozent bei der Variante III/V. Der vom Finanzamt festzulegende Faktor wird nach dem zu erwartenden Einkommen des laufenden Jahres ermittelt. Der Splittingvorteil kommt unmittelbar zum Tragen, denn die persönlichen Freibeträge werden direkt abgezogen. Vorteil: Es lassen sich erhebliche Nachzahlungen zum Jahresende vermeiden. Allerdings kann dies monatlich weniger Nettogehalt bedeuten.

Nachwuchs unterwegs?
Tipp: Kündigt sich Nachwuchs an, sollte man die Wahl der Steuerklasse noch einmal genau überdenken und unter Umständen auch wechseln. Denn die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach dem Netto-Einkommen der zurückliegenden zwölf Monate. Wird die Steuerklasse hier rechtzeitig getauscht, kann ein deutlich höheres Elterngeld erzielt werden. Gleiches gilt im Übrigen für den Bezug von Arbeitslosengeld, das sich ebenfalls am Nettolohn orientiert.

Wie wird die Steuerklasse gewechselt?
Grundsätzlich gilt, dass Verheiratete jedes Jahr einmal die Steuerklasse wechseln dürfen, und zwar spätestens bis zum 30. November bei dem für sie zuständigen Finanzamt. Hierzu ist Formular "Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten" auszufüllen. Soweit frisch verheiratet, ist auch die Vorlage des Familienstammbuchs notwendig.