Schneemangel im Winterurlaub - ein Reisemangel?

02.01.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (248 mal gelesen)
Schneemangel im Winterurlaub - ein Reisemangel? © Rh - Anwalt-Suchservice

Viele Reisende zieht es über Weihnachten und Silvester zum Skiurlaub in die Berge. Doch was tun, wenn vor Ort nur grüne Hügel vorzufinden sind? Gibt es wegen Schneemangel Geld vom Reiseveranstalter zurück?

Wegen einer Vielzahl von Reisemängeln können Pauschalreisende Ansprüche gegen ihren Reiseveranstalter geltend machen. Für Skifahrer ist es besonders bitter, wenn die Lifte still stehen und statt weißer Pracht nur schmutzig grün-braunes Gras die Hügel ziert. Aber kann man den Veranstalter auch für das Wetter verantwortlich machen?

Welche Grundsätze gelten bei Schneemangel?


Grundsätzlich gilt Schneemangel auch im Skiurlaub nicht als Reisemangel. Es handelt sich vielmehr um ein allgemeines Lebensrisiko, für das der Urlauber niemand anderen verantwortlich machen kann und mit dem man eben leben muss. Normalerweise kann man also kein Geld vom Veranstalter zurückverlangen. Es gibt aber Ausnahmen.

Wann kann man Ansprüche geltend machen?


Dies kann dann der Fall sein, wenn der Reiseveranstalter entsprechende Zusicherungen gemacht, also Schnee versprochen hat.
Das Amtsgericht München etwa befasste sich mit einem Fall, in dem ein Reiseveranstalter den Urlaubsort als ganzjährig schneesicher angepriesen hatte. Der Urlauber stand jedoch mit seinen Ski auf grünem Gras – und konnte erfolgreich den Reisepreis nachträglich um 25 Prozent mindern. Er erhielt damit über 1.500 Euro vom Veranstalter zurück (Az. 161 C 10590/89).

Was bewirken falsche Ortsbeschreibungen?


Auch falsche Angaben zum Urlaubsort können zu einer Haftung des Reiseveranstalters führen. Dies geht aus einem Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main hervor. Geklagt hatte eine Urlauberfamilie, die ihren Winterurlaub im schweizerischen Schwarzsee verbringen wollten. Der Katalog für ihre Pauschalreise hatte angegeben, dass dieser Ort 1.560 Meter hoch lag – eine Höhe, bei der man in der Schweiz durchaus von Schnee ausgehen darf. Allerdings stimmte die Angabe nicht – der Urlaubsort liegt in Wahrheit gerade mal 1.046 Meter hoch und war auffällig schneefrei. Die Kläger machten sich daher auf den Weg in verschneitere Nachbarorte und verlangten die Fahrtkosten vom Reiseveranstalter zurück. Das Landgericht gestand ihnen eine teilweise Kostenerstattung zu und gewährte ihnen auch eine Reisepreisminderung um zehn Prozent wegen irreführender Angaben im Reiseprospekt (Urteil vom 25.2.1991, Az. 2/24 S 480/89).

Was gilt, wenn der Skilift ausfällt?


Auch in diesem Fall kann es Geld vom Reiseveranstalter zurück geben. Das Amtsgericht Münster befasste sich mit einem Fall, in dem ein Reiseveranstalter im Katalog auf einen Gondelbahnbetrieb ins Skigebiet hingewiesen hatte. Der Urlaub sollte von 19. bis 28. April dauern. Drei Wochen vor der Reise erhielt der Urlauber vom Veranstalter den Hinweis, dass die Gondelbahn nur bis 21. April in Betrieb sein würde. Daher kündigte er den Reisevertrag und verlangte sein Geld zurück. Das Gericht gestand ihm dies auch zu. Stornokosten musste er nicht bezahlen (Az. 59 C 2377/03).

Was passiert bei zu viel Schnee?


Starker Schneefall ist nach Ansicht der Gerichte meist kein Reisemangel. So kann ein Urlauber zum Beispiel keine Reisepreisminderung geltend machen, wenn der Parkplatz an einer gemieteten Almhütte durch Schnee unbenutzbar ist und der Urlauber 400 Meter entfernt parken muss. Im Winterurlaub muss man nämlich mit schneebedingten Problemen rechnen. Auch wegen fehlender Sektgläser auf der Almhütte gewährte das Amtsgericht Offenburg keine Reisepreisminderung (Az. 1 C 357/94).
Allerdings können Winterurlauber Anspruch auf eine Kündigung ihres Vertrages über die Anmietung einer Ferienwohnung ohne Stornokosten haben, wenn für die Urlaubszeit am Urlaubsort die höchste Lawinenwarnstufe ausgerufen wird und die Zufahrt zum Ort jederzeit gesperrt werden kann (Amtsgericht Herne-Wanne, Urteil vom 08.7.1999, Az. 2 C 175/99).

Praxistipp


Weder zu viel noch zu wenig Schnee begründen im Normalfall Ansprüche gegen den Reiseveranstalter. Zu wenig Schnee kann jedoch zu Ansprüchen führen, wenn der Veranstalter Schneesicherheit zugesichert hat. Zu viel Schnee kann eine vorherige Kündigung des Reisevertrages rechtfertigen, wenn er lebensgefährliche Ausmaße annimmt. Ein auf das Zivilrecht spezialisierter Rechtsanwalt kann Winterurlaubern im Streitfall individuellen Rat geben.

(Bu)



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