Sportverletzung im Frauenfußball: Schadensersatz?

13.02.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (120 mal gelesen)
Sportverletzung im Frauenfußball: Schadensersatz? © BillionPhotos.com - Fotolia.com
Immer wieder kommt es bei Sporarten wie Fußball zu ernsthaften Verletzungen. In der Regel scheidet eine Haftung unter Spielern aus. Dies gilt jedoch nicht immer.

Fall: Verletzung beim Frauenfußball
In Gelsenkirchen hatten zwei Fußballvereine der Frauen-Bezirksliga ein Spiel ausgetragen. Kurz nach Spielbeginn gab eine Mittelfeldspielerin im 16-Meter-Raum einen Schuss auf das gegnerische Tor ab. Unmittelbar danach wurde sie von der gegnerischen Torhüterin so heftig in den Unterschenkel getreten, dass sie sich verletzte. Sie schied aus dem Spiel aus, der Schiedsrichter hatte kein Foulspiel gesehen. Die Mittelfeldspielerin hatte einen Unterschenkelbruch erlitten, der eine Notoperation nötig machte. Bei der Heilung gab es Komplikationen, weitere Operationen waren die Folge. Es bildete sich schließlich ein sogenanntes Kompartmentsyndrom mit der Folge einer dauerhaften Nervenschädigung; sie ist bis heute sichtbar gehbehindert. Die Mittelfeldspielerin ging nun vor Gericht und verlangte Schadensersatz und 50.000 Euro Schmerzensgeld. Die Torhüterin habe sie absichtlich mit gestreckten Bein gefoult, nachdem sie selbst einen aus dem Mittelfeld heraus geflankten Ball ins Tor geschossen habe. Die Torhüterin verteidigte sich damit, dass beide mit hoher Geschwindigkeit auf den Ball zu gelaufen seien. Sie habe die Klägerin versehentlich kurz nach deren Torschuss umgerannt, weil sie nicht mehr rechtzeitig abbremsen konnte. Absicht sei dies nicht gewesen.

Sportverletzungen vor Gericht
Der Bundesgerichtshof hat vor Jahren Grundsätze für die Behandlung derartiger Sportverletzungen im Zivilrecht entwickelt. Denn es gibt Sportarten, bei denen ein deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko besteht. Grundsätzlich sind dies alle Sportarten, bei denen es zu Zweikämpfen mit Körperkontakt kommen kann – wie etwa Fußball, aber auch Basketball, Eishockey, Ringen oder Boxen. Hier gilt: Wird ein Spieler bei einer Aktion verletzt, die noch von den Regeln des jeweiligen Sports abgedeckt ist, können keine Ansprüche geltend gemacht werden. Denn: Verletzungen, die auch bei regelgerechtem Verhalten stattfinden können, nimmt jeder Spieler in Kauf – schließlich hätte er selbst genau so gut der Verursacher sein können (Bundesgerichtshof, Az. VI ZR 296/08). Auch Regelverstöße, die für den jeweiligen Sport typisch sind, führen nicht zu einer Haftung. Zumindest gilt dies für Regelverstöße, die jeder irgendwann mal im Kampf um den Ball begeht.

Wo liegt die Grenze?
Das Oberlandesgericht Köln hat entschieden, dass der Gegenspieler erst dann haftet, wenn er einen vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Regelverstoß begangen hat und dabei die Grenze zwischen noch gerechtfertigter Härte und unfairem Regelverstoß überschritten hat. Man nennt dies auch: "Grobe Unsportlichkeit." Um dies zu beurteilen, schauen sich die Gerichte zum Beispiel an, ob der Angriff eines Fußballspielers dem Ball gegolten hat. Ist dies nicht der Fall und sollte nur der andere Spieler getroffen werden, besteht durchaus die Gefahr einer Haftung. Noch nicht einmal ein Grätschsprung soll jedoch dafür ausreichen. Oft wird dem Verletzten ein Anspruch erst dann zugestanden, wenn der Gegner von hinten angegriffen hat oder es sich um eine zweifelsfreie "Blutgrätsche" handelte – was vom Verletzten zu beweisen ist (OLG Köln, Urteil vom 16. August 2010, Az. 11 U 96/10).

OLG Hamm: Die Entscheidung
Diese Grundsätze wendete auch das Oberlandesgericht Hamm im eingangs beschriebenen Fall an. Die Klägerin hatte aus Sicht des Gerichts nicht beweisen können, dass ein Regelverstoß im Sinne einer groben Unsportlichkeit stattgefunden habe. Zeugen hätten ausgesagt, dass das Zusammentreffen der beiden Spielerinnen noch als normaler Zweikampf um den Ball angesehen werden könne. Jedenfalls deute nichts darauf hin, dass die Torhüterin die Mittelfeldspielerin absichtlich verletzt habe, um sie für den gerade erfolgten Torschuss zu bestrafen. Das Gericht erließ einen entsprechenden Hinweisbeschluss und die verletzte Spielerin nahm ihre Klage zurück (Beschluss vom 22.12.2016, Az. 9 U 138/16).

Fazit
Oft ist das Problem in einem solchen Zivilprozess die Beweislage. Denn die verletzte Person ist beweispflichtig dafür, dass es zu der Verletzung durch eine schwere Regelwidrigkeit gekommen ist. Es muss also Zeugen geben, die einen solchen Regelverstoß beobachtet und trotz des hohen Spieltempos genau gesehen haben. Im beschriebenen Fall hätte ein etwas größerer zeitlicher Abstand zwischen dem Torschuss und dem Tritt in den Unterschenkel zu einer Haftung führen können.