Umgangsrecht – Wie oft darf ich mein Kind besuchen?

24.10.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (1299 mal gelesen)
Umgangsrecht – Wie oft darf ich mein Kind besuchen?
Leben nach einer Scheidung die Kinder bei einem Elternteil, hat der andere oft ein sogenanntes Umgangsrecht – er darf zu bestimmten Gelegenheiten seine Kinder sehen und etwas mit ihnen unternehmen.

Umgangsrecht – was ist das?
Für die gesunde und normale Entwicklung eines Kindes ist es erforderlich, dass dieses Umgang mit beiden Elternteilen hat. Von diesem Grundsatz geht zumindest das deutsche Familienrecht aus. Das Umgangsrecht ist in § 1684 des Bürgerlichen Gesetzbuches konkret geregelt. Darin steht, dass ein Kind das Recht auf Umgang mit beiden Elternteilen hat – und dass auch jeder Elternteil zum Umgang mit dem Kind berechtigt und verpflichtet ist. Wie das Umgangsrecht im Einzelnen ausgeübt werden soll, entscheidet das Familiengericht.

Muss mir der Umgang ermöglicht werden?
Die gesetzliche Regelung bedeutet, dass der Elternteil, bei dem das Kind wohnt, dem anderen grundsätzlich den Umgang mit dem Kind ermöglichen muss. Er darf also auch nicht durch vorgeschützte Terminprobleme, Erkrankungen, Reisen oder andere Taktiken einen Besuch oder eine gemeinsame Unternehmung verhindern. Auch muss er den Expartner mit dem Kind allein lassen und darf nicht ständig „dazwischen funken“. Die Gerichte verlangen sogar, dass der Partner, bei dem das Kind lebt, den Umgang des anderen mit dem Kind fördern soll (OLG Saarbrücken, 8.10.2012, Az. 6 WF 381/12).

Vereinbarungen über den Umgang
In vielen Fällen legen getrennte Elternpaare durch eine Vereinbarung fest, wie das Umgangsrecht gehandhabt wird. Scheitert jedoch eine solche gütliche Regelung oder hält sich einer der Partner nicht an die Absprachen, ist das Familiengericht gefragt. Dieses wird den Einzelfall beurteilen und dementsprechend eine Umgangsregelung festlegen. Entscheidendes Kriterium dabei ist das Wohl des Kindes.

Wann kann der Umgang unterbunden werden?
Das Familiengericht kann einem Elternteil den Umgang mit seinem Kind verbieten, wenn das Kindeswohl ernsthaft gefährdet erscheint. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein sexueller Missbrauch oder Gewalttätigkeiten zu befürchten sind. Es muss allerdings gute Gründe geben, derartige Gefahren anzunehmen. Denn ein Unterbinden jeglichen Umgangs findet wirklich nur im Ausnahmefall statt.

Wie oft?
Es gibt keine gesetzliche Regelung, die vorschreibt, wie oft ein „getrenntes“ Elternteil sein Kind sehen darf. Wollen die Eltern eine Vereinbarung treffen, richtet sich die Häufigkeit der Besuche natürlich auch nach ihren persönlichen Verhältnissen. Einerseits empfiehlt sich eine möglichst klare und bestimmte Absprache. Andererseits gilt: Je älter das Kind wird, desto weniger sinnvoll ist eine starre und unflexible Umgangsregelung. Denn auch Ihr Kind hat nun immer mehr Termine. Die Gerichte entscheiden sich in vielen Fällen für eine Variante, nach der über jedes zweite Wochenende hinweg ein Besuch stattfinden soll. In den Schulferien sollen dann Kind und Elternteil auch einen längeren Zeitraum, oft die Hälfte der Ferien, miteinander verbringen dürfen. Feiertage (Weihnachten, Ostern) und der Geburtstag des Kindes werden oft zwischen beiden Elternteilen aufgeteilt.

Vorgehen bei Verweigerung
Verweigert der Elternteil, bei dem das Kind lebt, dem anderen den Umgang, muss dieser beim Familiengericht das Umgangsrecht beantragen. Das Gericht wird zunächst das Jugendamt einschalten, welches mit beiden Elternteilen und dem Kind sprechen wird. Das Jugendamt muss dabei feststellen, was für das Kind das Beste ist. Sein Ergebnis teilt es dem Familiengericht mit. Es nimmt regelmäßig auch am Gerichtstermin teil. Das Gericht wird ebenfalls in der Regel die Beteiligten anhören – einschließlich des Kindes. Dann entscheidet es durch Urteil.

Kosten für den Umgang
Beim Umgang fallen meist auch Kosten an – für das Abholen und Bringen des Kindes, für Verpflegung und gemeinsame Unternehmungen. Diese Kosten hat grundsätzlich der Umgangsberechtigte selbst zu tragen. Es gibt jedoch auch Ausnahmen: Denn derjenige, bei dem das Kind wohnt, ist ja zur Mitwirkung und Förderung bei der Ausübung des Umgangsrechtes verpflichtet. Hat der Umgangsberechtigte also kein Geld und kein Auto, kann der andere zum Beispiel verpflichtet sein, das Kind zu bringen und abzuholen.