Versicherungsrecht: Wenn die Küche brennt

15.04.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (292 mal gelesen)
Versicherungsrecht: Wenn die Küche brennt © Scarlet61-Fotolia.com
Küchenbrände können sich extrem schnell ausbreiten. Meistens sind sog. Fettbrände die Ursache. Dabei überhitzen Speisefette oder -öle über ihren Brennpunkt und entzünden sich selbst. Löschversuche mit Wasser können sogar zu einer Fettexplosion führen. Doch welche Versicherung zahlt für welche Schäden? Wenn sie überhaupt zahlt!

Wer zahlt für welche Schäden?
Brandschäden werden von den Versicherungen danach unterschieden, ob sie Einrichtungsgegenstände oder die Immobilie selbst betreffen. Bei Einrichtungsschäden ist die Hausratversicherung zuständig. Diese ersetzt die Schäden zum Neuwert. Ein Sachverständiger muss letztlich ermitteln und entscheiden, ob die beschädigten Möbel erhalten werden können. Verbleibende Geruchsbelästigungen sind nicht hinzunehmen. Bei Gebäudeschäden ist hingegen die Wohngebäudeversicherung zuständig.

Versicherungsvertragsgesetz
Haben die Nachbarn bei einem Wohnungsbrand etwa Ruß- bzw. Rauchschäden erlitten oder sind Schäden durch Löschwasser entstanden, greift die Private Haftpflichtversicherung ein. Von besonderer Bedeutung ist dabei das BGH-Urteil vom 1.4.2011 (Az.: V ZR 193/10. Danach greift die Haftung auch dann ein, wenn der Brand nicht durch eine Unachtsamkeit, sondern durch einen technischen Defekt verursacht wurde. Für derartige Risiken bietet nur der Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung ausreichenden Versicherungsschutz.

Am 1.1.2008 trat das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) in Kraft. Seitdem sind Versicherungsnehmer gesetzlich besser gestellt: Für sie gilt die alte "Alles-oder-Nichts"-Regelung nicht mehr: Der Gesetzgeber hat bestimmt, dass es immer eine Entschädigung nach Quote geben muss. Diese ergibt sich je nach Schwere des Verschuldens. Es kann also nicht passieren, dass der Versicherte gar nichts erhält, wenn ihm grob fahrlässiges Verhalten nachgewiesen wird.

Verzicht auf Vorwurf der groben Fahrlässigkeit
Bei der Hausratversicherung und der Wohngebäudeversicherung gibt es gewöhnlich keine Mitversicherung der groben Fahrlässigkeit. Die Grenzen zwischen leichter (mitversichert) und grober Fahrlässig sind fließend. Mittlerweile bieten aber einige Versicherer in günstigen Basistarifen einen Verzicht auf den Vorwurf der groben Fahrlässigkeit an. Insofern könnte es sich lohnen, einen alten Vertrag zu kündigen und einen neuen abzuschließen. Ein solcher Verzicht fehlte bei einem Mann aus Niedersachsen. Er musste sich seitens der Versicherung den Vorwurf gefallen lassen, dass er sich grob fahrlässig verhalten und den Schaden erst ermöglicht habe.

Brennendes Frittierfett
Der damals 33-jährige Mann hatte nach einigen Bierchen Hunger bekommen und sich in einem Kochtopf mit Frittiereinsatz Kartoffelröllchen zubereitet. Er gab den tiefgefrorenen Snack in heißes Fett und ging ins Wohnzimmer. Während er dort war, erhitzte sich das im Topf befindliche Fett so stark, dass es sich entzündete. Der Brand ergriff die Küchenzeile und den Deckenbereich. Der Mann wurde rechtskräftig wegen fahrlässiger Brandstiftung zu einer Geldstrafe verurteilt. Doch es kam noch schlimmer: Der Feuerversicherer des Vermieters nahm ihn aus gem. § 67 VVG a.F. übergegangenem Recht wegen des Brandschadens in Regress. Knapp 150.000 € sollte er wegen des Vorwurfs der groben Fahrlässigkeit an die Versicherung zahlen.

Das AG Nordhorn und das LG Osnabrück wiesen die Klage ab. Der Bundesgerichtshof bestätigte diese Entscheidungen (Urteil vom 10.5.2011, Az.: VI ZR 196/10). Die Richter in Karlsruhe sahen zwar ebenfalls einen objektiv schweren Verstoß gegen Sorgfaltspflichten. In subjektiver Hinsicht sei das Verhalten des "Amateurkochs" aber nicht schlechthin unentschuldbar. Der damals 33-jährige Mieter habe schließlich erst seit relativ kurzer Zeit eigene Erfahrungen mit der Essenszubereitung gesammelt. Und Unerfahrenheit stelle einen subjektiven Umstand dar, der es im Einzelfall rechtfertigen könne, einen Pflichtenverstoß geringer als grob fahrlässig zu bewerten. Nicht auszumalen, was die Richter möglicherweise im Fall einer halbwegs erfahrenen jungen Frau entschieden hätten!

Fazit
Seien Sie achtsam beim Kochen mit heißen Fetten oder Ölen. Überprüfen Sie am besten sofort Ihre bestehenden Versicherungsverträge. Sollte sich trotzdem einmal ein solcher Schadensfall ereignen und verweigert die Versicherung eine Zahlung, wenden Sie sich umgehend an einen auf Versicherungsrecht spezialisierten Rechtsanwalt, im Idealfall an einen Fachanwalt für Versicherungsrecht. So vermeiden Sie ein finanzielles Fiasko!