Adoption - Was muss man dazu wissen?

07.05.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 8 Min. (446 mal gelesen)
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Kinder werden aus vielen verschiedenen Gründen adoptiert. Eine Adoption ist eine wichtige Entscheidung, die gut überlegt sein will. Hier einige Hinweise zu rechtlichen Fragen und zum Ablauf einer Adoption.

2016 wurden in Deutschland insgesamt 3.976 Kinder und Jugendliche adoptiert. Für viele kinderlose Paare ist der Weg bis zur Entscheidung für eine Adoption lang. Nicht nur die Kinderlosigkeit ist jedoch ein Anlass für eine Adoption. So adoptiert in Patchworkfamilien oft ein Partner das Kind des anderen – dies ist schon deshalb sinnvoll, um das Zusammenleben zu vereinfachen. Auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren mit Kinderwunsch stellt die Adoption einen Lösungsweg dar. Dieser Rechtstipp verschafft einen Überblick über den Ablauf und die rechtlichen Aspekte einer Adoption.

Warum ein Kind adoptieren?


Immer wieder kommt es vor, dass Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können. Dies kann die unterschiedlichsten Gründe haben. Mit Hilfe einer Adoption kann ein Kind wieder Teil einer Familie werden. Für viele Paare ist sie die einzige Möglichkeit, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Wie beginnt ein Adoptionsverfahren?


Wer ein Kind adoptieren möchte, kann sich in Deutschland an die Adoptionsvermittlungsstelle des Jugendamtes wenden. Die Aufgabe dieser Stelle ist es jedoch nicht, Eltern ihr Wunschkind zu vermitteln, sondern vielmehr für Kinder eine neue Familie zu finden. Hier steht also das Wohl der Kinder im Vordergrund. Melden sich dort adoptionswillige Eltern, findet zuerst ein Gespräch mit einem Adoptionsvermittler des Jugendamtes statt. In diesem Erstgespräch geht es hauptsächlich um ihre Gründe für die Adoption. Das Erstgespräch ist damit der erste Teil des Eignungsverfahrens, mit dem geprüft wird, ob sich die Betreffenden für die Adoption eines Kindes und die Aufgabe, Eltern zu sein, eignen. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf die Feststellung der Eignung für eine Adoption, sondern nur auf die Prüfung. Mit dieser ist ein gewisser bürokratischer Aufwand in Form von Formularen und Unterlagen verbunden. Ist die Vermittlungsstelle des Jugendamtes schließlich mit dem Ergebnis zufrieden, erklärt sie in einem Abschlussbericht formell, dass die Betreffenden für die Adoption eines Kindes geeignet sind. Damit sind die Adoptionswilligen dann „Bewerber“ um ein Adoptivkind.

Wie geht es weiter, wenn ein Kind in Frage kommt?


In der Regel gibt es mehr Adoptionswillige, als zu adoptierende Kinder. Wenn die Bewerber Glück haben, meldet sich nach einiger Zeit die Adoptionsvermittlungsstelle und fragt, ob sie daran interessiert sind, ein bestimmtes Kind zu adoptieren. Allerdings werden dann nicht sofort vollendete Tatsachen geschaffen. Wenn die Bewerber interessiert sind, nehmen sie das Kind mit Zustimmung des Jugendamtes zuerst einmal als Pflegekind bei sich auf. Dies bezeichnet man als eine Adoptionspflege. Während dieser Zeit können Kind und Eltern sehen, ob sie miteinander auskommen. Die Adoptionswilligen haben in dieser Zeitspanne noch kein Sorgerecht. Dieses liegt vielmehr bei den leiblichen Eltern oder auch beim Jugendamt.
Wie lange die Adoptionspflege dauert, hängt vom Alter des Kindes ab (je älter, desto länger). Entscheiden sich die Adoptionswilligen dafür, das Kind tatsächlich zu adoptieren, müssen sie die Adoption beim Familiengericht beantragen – und zwar mit Hilfe eines Notars. Vor seiner Entscheidung wird das Gericht eine Stellungnahme des Jugendamtes einholen. Es prüft auch, ob die rechtlichen Voraussetzungen für eine Adoption erfüllt sind. So muss eine Einverständniserklärung der leiblichen Eltern und des Kindes selbst vorliegen. Wenn das Gericht sich für die Adoption entscheidet, trifft es einen sogenannten Adoptionsbeschluss. Sobald dieser rechtskräftig ist, erlöschen die verwandtschaftlichen Beziehungen des Kindes zu seiner alten Familie und es wird Teil der neuen.

Wie läuft ein Bewerbungsgespräch für eine Adoption ab?


Zunächst geht es dabei um die Vorstellungen der Adoptionswilligen: Warum wünschen Sie sich eine Adoption? Wie stellen sie sich die Zukunft und das gemeinsame Leben mit einem Kind vor? Sind beide Partner gleichermaßen der Überzeugung, dass dies das Richtige für sie ist? Natürlich müssen sich die Bewerber auf persönliche Fragen einstellen. Themen können ihre Finanzlage, ihr Beruf, Beziehung, Familie und Wohnumfeld sein. Einige Jugendämter verlangen nach einem erfolgreichen Vorgespräch, dass die Adoptionswilligen an einem mehrtägigen Seminar teilnehmen. Darin werden Ihnen unter anderem die Vorstellungen und Erfahrungen des Jugendamtes und anderer Adoptiveltern vermittelt. Allerdings werden auch die Beweggründe von Eltern erklärt und verständlich gemacht, die ihr Kind zur Adoption freigeben. Üblich sind ein oder mehrere Hausbesuche des Jugendamtes, um festzustellen, wie die Bewerber leben.

Welche Unterlagen verlangt das Jugendamt?


Dies sind zum Beispiel eine Verdienstbescheinigung, ein Führungszeugnis, ggf. eine Heiratsurkunde, eine Abstammungsurkunde, ein amtsärztliches Attest über den Gesundheitszustand und ein sogenannter Lebensbericht. Letzterer ist für die Bewerber meist das größte Problem: Hier müssen sie in ihren eigenen Worten ihre persönliche Entwicklung und ihr bisheriges Leben beschreiben, eben ihren Weg zu der Entscheidung für die Adoption eines Kindes darstellen. Geraten wird dafür meist, umfangsmäßig ein gesundes Mittelmaß einzuhalten: Keinesfalls reicht ein tabellarischer Lebenslauf aus, aber ein „Roman“ sprengt den Zeitrahmen des Jugendamtes. Das Jugendamt verlangt häufig auch Fotos der Bewerber und eine besondere schriftliche Erklärung ihrer Gründe für die Adoption.

Wie lange dauert das Eignungsverfahren?


Es gibt keinen festen Zeitraum für das Eignungsverfahren. Dies hängt auch von der Arbeitsbelastung beim Jugendamt und Familiengericht ab. Meist rechnet man mit einer Dauer von etwa einem Jahr.

Wer darf überhaupt ein Kind adoptieren?


Ein Kind adoptieren kann ein verheiratetes Paar oder eine alleinstehende Person. Wenn ein Ehepaar ein Kind gemeinsam adoptiert, wird dieses durch die Adoption zum gemeinsamen Kind beider Ehepartner.

Bei der früher üblichen gleichgeschlechtlichen eingetragenen Lebenspartnerschaft ist keine gemeinsame Adoption möglich. Hier hat aber das Bundesverfassungsgericht eine sogenannte Sukzessivadoption erlaubt: Zuerst adoptiert ein Partner das Kind, später folgt der zweite (Urteil vom 19. Februar 2013, Az. 1 BvL 1/11). § 9 des Lebenspartnerschaftsgesetzes (LPartG) lässt diese Möglichkeit ausdrücklich zu.

Seit 1. Oktober 2017 gibt es die „Ehe für alle“. Die eingetragenen Lebenspartnerschaften sind damit zum Auslaufmodell geworden: Zwar müssen sie nicht in eine Ehe umgewandelt werden, neue kann man aber nicht eingehen. Seit Einführung der „Ehe für alle“ können auch gleichgeschlechtliche Ehepaare unter den gleichen Voraussetzungen Kinder adoptieren wie heterosexuelle Ehepaare.

Unverheiratete Paare: Bisher können unverheiratete Paare keine Kinder adoptieren. Hier stehen jedoch Änderungen an. Das Bundesverfassungsgericht hat sich 2019 mit einem Fall befasst, in dem ein Mann das Kind seiner Lebensgefährtin adoptieren wollte. Beide waren nicht verheiratet und wollten auch nicht heiraten. Das Gericht erklärte, dass die Familie unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes stünde – auch die Stiefkindfamilie. Es sei nicht gerechtfertigt, dass Kinder bei der Adoption benachteiligt würden, nur, weil die Eltern nicht verheiratet seien. Heutzutage habe sich die nichteheliche Familie neben der ehelichen als eigene Lebensform etabliert. Es könne nicht mehr davon ausgegangen werden, dass eine nichteheliche Paarbeziehung im Vergleich zu einer ehelichen besonders fragil sei. Mit anderen Worten: Das Bundesverfassungsgericht will die Adoption von Kindern des nichtehelichen Partners in einer Beziehung zulassen. Bis 31.3.2020 hat der Gesetzgeber nun Zeit, die Rechtslage anzupassen (Beschluss vom 26.3.2019, Az. 1 BvR 673/17).

Adoptionswillige müssen ein Mindestalter einhalten: So muss bei Ehepaaren ein Ehepartner mindestens 25 Jahre alt sein, der andere mindestens 21 Jahre. Alleinstehende Adoptionswillige sollten das 25. Lebensjahr vollendet haben. Auch der Altersunterschied zwischen Adoptiveltern und Kind soll „natürlichen Verhältnissen“ entsprechen. Zwar gibt es keine offizielle Alters-Obergrenze, mit steigendem Alter sinken jedoch die Chancen.

Welche Formen der Adoption gibt es?


Ein wichtiger Unterscheidung besteht zwischen der Adoption eines Kindes, das mit keinem der Adoptivelternteile verwandt ist, und der Stiefkindadoption. Bei letzterer bringt ein Partner sein leibliches Kind mit in eine neue Ehe. Sein neuer Partner adoptiert es, damit es zum gemeinsamen Kind beider wird. Unverheiratete Paare können dies bisher nicht (aber: siehe oben).
Eine weitere Unterscheidung gibt es zwischen einer Minderjährigenadoption und einer Erwachsenenadoption. Bei einer Minderjährigenadoption differenziert man auch noch zwischen der Ingoknito-Adoption (die Herkunftsfamilie erfährt nicht, wer das Kind adoptiert), der halboffenen Adoption (ein Kontakt zwischen Kind und leiblichen Eltern bleibt über Jugendamt/Adoptionsvermittlungsstelle möglich) und der offenen Adoption (Adoptiveltern und leibliche Eltern in direktem Kontakt, leibliche Eltern haben Kontakt zum Kind).
Auch zwischen einer Inlandsadoption und einer Auslandsadoption ist zu unterscheiden.

Was hoch sind die Kosten einer Adoption und wer übernimmt diese?


Im Inland ist eine Adoptionsvermittlung durch das Jugendamt gebührenfrei. Allerdings entstehen für die notarielle Beurkundung des Adoptionsantrages und die Beglaubigung von Unterlagen Gebühren. Hinzu kommen behördliche Gebühren etwa für das Führungszeugnis. Meist sollten hier einige hundert Euro ausreichen.
Eine Auslandsadoption ist teurer. Hier verlangt das Jugendamt eine Gebühr von einigen hundert Euro. Natürlich wollen auch Reisen, Übersetzungen und Beglaubigungen bezahlt sein.
Besonderheiten gibt es auch bei einer Volljährigenadoption: Hier ist mit höheren Kosten zu rechnen. Bei Gerichts- und Notargebühren werden die Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Beteiligten berücksichtigt (OLG Celle, Beschluss vom 11.4.2013, Az. 17 WF 39/13).
Die Kosten einer Adoption sind immer durch die Adoptiveltern zu tragen. Sie können nicht von der Steuer abgesetzt werden.

Können leibliche Eltern das Kind nachher zurückverlangen?


Wenn der Adoptionsbeschluss erst einmal rechtskräftig ist, sind die Verwandtschaftsverhältnisse des Kindes zu den bisherigen Eltern erloschen. Die biologischen Eltern können ihr leibliches Kind also nicht einfach zurückverlangen. Sie können die Adoption jedoch rechtlich anfechten. Dies ist etwa möglich, wenn es dabei Formfehler gegeben hat, zum Beispiel bei der Zustimmung der leiblichen Eltern. Beispiel: Die Zustimmung eines Elternteils fehlt oder wurde erzwungen. Ist die Anfechtung erfolgreich, hebt das Familiengericht die Adoption nach § 1760 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) auf.

Haben die leiblichen Eltern ein Umgangsrecht?


Die leiblichen Eltern haben allenfalls dann ein Umgangsrecht mit den adoptierten Kindern, wenn dies ausdrücklich und beweisbar vereinbart und rechtlich abgesichert wurde. Ansonsten gibt es so etwas nicht. Dies zeigte sich auch am Fall einer Mutter, die ihre Zwillingstöchter wegen einer Depressionserkrankung zur Adoption freigegeben hatte. Sie zog bis vor das Bundesverfassungsgericht und schließlich vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Alle Gerichte wiesen die Klage auf ein Umgangsrecht ab (EGMR, Straßburg, 5. Juni 2014, Az. 31021/08).

Welche Rechte und Pflichten haben die Adoptiveltern?


Die Adoptiveltern haben von der Adoption an für das Kind das Sorgerecht in persönlichen und Vermögensangelegenheiten. Das bedeutet: Sie haben die Verantwortung für das Kind und damit das Recht, aber auch die Pflicht, sich um das Kind zu kümmern, es aufzuziehen, es zu erziehen und für sein gesundheitliches und finanzielles Wohl zu sorgen. Dazu gehört auch die Aufsichtspflicht über das Kind. Die Adoptiveltern sind dem Kind zum Unterhalt verpflichtet. Dieser wird beim Zusammenleben mit dem Kind dadurch erbracht, dass sie es aufziehen, ernähren, alles Nötige kaufen und sich um seine Bedürfnisse kümmern.
Auch erbrechtlich besteht nun ein Verwandtschaftsverhältnis zwischen Adoptiveltern und Kind. Das Kind ist gesetzlicher Erbe der Adoptiveltern und nicht mehr der leiblichen Eltern. Es erhält regelmäßig den Familiennamen der Adoptiveltern. Es gibt auch Ansprüche nach dem Sozialrecht. Diese beziehen sich etwa auf die Mitversicherung des Kindes in der gesetzlichen Krankenversicherung und auf Kindergeld. Auch können die Adoptiveltern Elternzeit und Elterngeld beantragen.

Wie funktioniert eine Auslandsadoption?


Diese beginnt ebenfalls beim deutschen Jugendamt, das überprüft, ob die Adoptionswilligen geeignet dazu sind, ein Kind aufzuziehen. Danach kann man verschiedene spezielle Auslands-Vermittlungsstellen in Anspruch nehmen, die staatlich anerkannt sind. Hierfür können unter Umständen erhebliche Gebühren fällig werden. Eine Auslandsadoption ist deutlich teurer als eine Inlandsadoption. Adoptionswillige sollten dabei nicht vergessen, dass sie es in oftmals mit traumatisierten Kindern aus einem völlig anderen Kulturkreis zu tun haben werden. Dringend abzuraten ist von illegalen Adoptionsvermittlungen. Hier machen sich die Adoptionswilligen sehr schnell strafbar.

Praxistipp


Im Inland kann eine Adoption nicht nur durch Jugendämter, sondern auch durch staatlich anerkannte freie Träger vermittelt werden. Oft bieten diese auch Beratungen an. Beispiele dafür sind findefux e.V., Evangelischer Verein für Adoption und Pflegekinderhilfe e.V. (EVAP), Verband Katholische Jugendfürsorge e. V. Bei allen rechtlichen Fragen kann ein Fachanwalt für Familienrecht die Adoptionswilligen unterstützen.

(Bu)



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