Autokauf im Internet: Was gibt es zu beachten?

22.05.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 6 Min. (148 mal gelesen)
Autokauf im Internet: Was gibt es zu beachten? © Ma - Anwalt-Suchservice

Wie in vielen anderen Bereichen wird auch beim Autokauf heute oft das Internet genutzt. Hier gibt es jedoch eigene Regeln zu beachten, damit aus dem Kauf des Traumautos kein Reinfall wird.

Bei Online-Autokauf muss man unterscheiden: Soll ein Neufahrzeug erworben werden? Dafür gibt es seit einigen Jahren spezielle Verkaufsportale, zum Teil mit einem Neuwagen-Konfigurator, bei dem sich der Kunde sein Wunschfahrzeug zusammenstellen kann. Oder soll das Netz lediglich als Anzeigenquelle genutzt werden, um ein gebrauchtes Fahrzeug über eines der bekannten Gebrauchtwagenportale zu finden und dann einen herkömmlichen Kaufvertrag abzuschließen? Bei beiden Varianten gibt es rechtliche Fragen, über die sich Autokäufer vor einem Kauf Gedanken machen sollten.

Was bieten Auto-Portale?


Auto-Portale ersetzen den Kleinanzeigenteil einer Zeitung. Hier können Händler und Privatleute Fahrzeuge einstellen. Der Interessent kann über ein Kontaktformular oder gleich über die angegebene Telefonnummer Kontakt aufnehmen, Fragen stellen und eine Probefahrt vereinbaren. Kaufinteressenten sollten sich darüber im Klaren sein, dass die hier angegebenen Preise meist etwas höher sind als der realistische Verkaufspreis. Denn der Verkäufer geht davon aus, dass noch Verhandlungen stattfinden. Die größeren Portale bieten heute nicht mehr nur Gebrauchtwagen an, sondern oft auch neue Fahrzeuge. Für die Gewährleistung gilt hier das Übliche: Private Verkäufer können die Gewährleistung für Sachmängel des Fahrzeugs ausschließen. Händler können bei Gebrauchtwagen die Gewährleistung auf ein Jahr verkürzen, bei Neuwagen müssen sie jedoch zwei Jahre lang für Mängel gerade stehen.

Auto ersteigern: Was geht bei Online-Auktionen?


Bei einer Online-Auktion wird meist ein Mindestpreis angegeben. Dann können die Kaufinteressenten Gebote abgeben. Der Höchstbietende bekommt das Fahrzeug für den Betrag, den er geboten hat – ohne Nachverhandlungen. Eine Online-Auktion ist ein bindender Kaufvertrag. Sie ist keine “Versteigerung” nach dem Zivilrecht, für die Sonderregeln gelten. Käufer haben die normalen Gewährleistungsrechte wie bei jedem Kfz-Kauf – sofern diese nicht durch den privaten Verkäufer wirksam ausgeschlossen werden. Wer allerdings das Fahrzeug nicht vor der Gebotsabgabe besichtigt und zur Probe fährt, handelt auf eigenes Risiko.

Was ist der Unterschied zwischen Online-Auktion und Versteigerung?


Autos kann man auch “offline” bei einer Versteigerung erwerben, bei der die Beteiligten persönlich anwesend sind und es einen Auktionator mit einem kleinen Hammer gibt. Oft werden solche Versteigerungen veranstaltet, um ausrangierte Behördenfahrzeuge oder von der Polizei sichergestellte Autos zu verkaufen, die niemand abgeholt hat. Hier gelten tatsächlich die rechtlichen Sonderregeln für Versteigerungen: Es gibt keine Gewährleistung, die einzige Absicherung des Käufers besteht darin, sich ggf. das Auto vor Versteigerungsbeginn kurz von außen anzusehen. Sind die Bremsen kaputt, ist dies das Problem des Käufers – ebenso wie die fünf Altbatterien im Kofferraum. Ein hohes Risiko also – es kann jedoch auch das eine oder andere Schnäppchen dabei sein.

Was passiert, wenn der Verkäufer die Auktion abbricht?


Wer nicht daran gedacht hat, bei einer Online-Auktion einen Mindestpreis anzugeben und einen Euro als Startpreis angibt, kann Pech haben. So ging es vor einigen Jahren einem privaten Autoverkäufer auf eBay, der seinen PKW nicht für einen Euro abgeben wollte – und die Auktion gerade noch rechtzeitig abbrach. Er verkaufte den PKW anderweitig für 4.200 Euro. Allerdings verklagte ihn der eBay-Höchstbietende auf Schadensersatz – erfolgreich. Der Bundesgerichtshof sah den auf der Auktionsplattform geschlossenen Kaufvertrag als wirksam an und verurteilte den Verkäufer zur Zahlung von Schadensersatz in Höhe des Fahrzeugwertes. Dem Gericht zufolge deutet ein grobes Missverhältnis zwischen dem Gebot und dem Wert des Gegenstandes nicht auf eine “verwerfliche Gesinnung” des Käufers hin. Man kann alleine daraus also nicht ableiten, dass es sich um einen professionellen “Abbruchjäger” gehandelt hat, der mit Hilfe von abgebrochenen Auktionen Geld machen möchte. Dann nämlich könnte das Geschäft wegen Sittenwidrigkeit unwirksam sein (Urteil vom 12. November 2014, Az. VIII ZR 42/14).

Braucht man eine Probefahrt?


Auch beim Kauf eines Autos aus einer Online-Anzeige oder einer Online-Auktion und sogar bei größeren Entfernungen sollte man nicht auf eine Besichtigung und eine Probefahrt verzichten. Besser eine vergebliche Fahrt als ein Auto, mit dessen Mängeln man sich lange herumplagen muss.

Wann liegt eine arglistige Täuschung vor?


Private Verkäufer von Gebrauchtwagen dürfen die Gewährleistung für Sachmängel ausschließen. Allerdings dürfen sie sich trotzdem nicht alles erlauben. Denn der Käufer kann den Kaufvertrag immer noch wegen arglistiger Täuschung anfechten. Von dieser spricht man, wenn der Verkäufer absichtlich über einen ihm bekannten Mangel falsche Angaben macht – etwa einen Unfallschaden oder ein Motorproblem verschweigt. Nach dem Landgericht Heidelberg reicht es aus, wenn der Verkäufer “ins Blaue hinein” Angaben macht, die sich dann als falsch erweisen. Im verhandelten Fall hatte der Verkäufer sein Auto in einem Internetinserat als unfallfrei angeboten. Im schriftlichen Kaufvertrag stand “Seitenwand hinten links nachlackiert”. Beim TÜV erfuhr der Käufer jedoch, dass der Opel Tigra bei einem Unfall einen schweren Heckschaden erlitten hatte und dass es strukturelle Schäden gab. Das Gericht ging hier von einer arglistigen Täuschung aus. Die Angabe im Kaufvertrag sei nicht ausreichend gewesen, um das ursprüngliche “unfallfrei” zu korrigieren. Der Käufer konnte erfolgreich die Rückabwicklung des Kaufvertrages fordern (Urteil vom 28.1.2015, Az. 1 S 22/13).

Welche Möglichkeiten bieten Markenforen?


Vom Renault Twingo bis zum Lamborghini – für die meisten Automarken und -Typen gibt es Internetforen, in denen die angemeldeten Mitglieder Tipps austauschen und sich über Ersatzteilbeschaffung und Reparaturen unterhalten. In der Regel haben diese Foren auch einen nicht öffentlichen Anzeigenteil, in dem die Mitglieder Autos anbieten. Auch diese Marktplätze können ein guter Weg sein, an das Traumauto zu kommen – gerade wenn es um ein spezielles Fahrzeug geht. Insbesondere bei besonderen Autos wie seltenen Sportwagen, Geländefahrzeugen oder Oldtimern lohnt sich generell die Recherche in Foren. Dort finden sich meist auch autotypenabhängige Kaufratschläge. Oft sind die hier angebotenen Liebhaberfahrzeuge allerdings etwas teurer, als wenn man sie auf anderen Wegen erwerben würde.

Wie überführt man ein online gekauftes Auto?


Überführungsfahrten mit via Internet gekauften Autos sind nicht mehr so einfach wie noch vor einigen Jahren. Am 1.4.2015 gab es nämlich neue Regeln für Kurzzeitkennzeichen (Fünf-Tages-Kennzeichen), mit deren Hilfe viele Online-Autokäufer ihr Fahrzeug nach Hause überführen. Jetzt gilt: Hat das Auto keinen TÜV, darf es mit Kurzzeitkennzeichen nur direkt bis zur nächsten Untersuchungsstelle gefahren werden. Überführungsfahrten ohne TÜV sind nicht mehr möglich. Für das Kurzzeitkennzeichen ist nun eine amtlich erstellte Zulassungsbescheinigung erforderlich. Für viele Gebrauchtwagenkäufer bedeutet dies nun eine Überführung mit einem gemieteten Kfz-Trailer und einem entsprechend starken Zugfahrzeug.

Was bieten Neuwagenportale?


Eine Reihe von Online-Portalen bieten mittlerweile Neuwagen an. Oft kann man hier mit einem Neuwagen-Konfigurator sein Auto so konzipieren, wie man es sich wünscht – Motorisierung, Farbe, Ausstattung, Sitze und mehr. Derartige Portale treten üblicherweise als Vermittler auf. Der Kaufvertrag wird hier also zwischen dem privaten Käufer und einem Vertragshändler geschlossen. Dies bedeutet auch, dass das Portal bei Problemen bzw. Sachmängeln des Fahrzeugs nicht haftet. Zuständig ist hier der jeweilige Händler. In der Regel gelten dabei die bei Neuwagen üblichen Konditionen: Oft wird zusätzlich zu den zwei Jahren Gewährleistung dem Kunden noch eine zusätzliche, freiwillige Garantie des Händlers eingeräumt. Für die Kaufinteressenten winken beim Kauf über Neuwagenportale oft interessante Rabatte, die es auf normalen Wegen nicht gibt.

Worauf sollten Neuwagenkäufer achten?


Ein Test des ADAC ergab 2017, dass viele der Neuwagenportale noch Wünsche offen lassen. Zwar gab es gute Rabatte, aber die Transparenz des Kaufprozesses ließ oft zu wünschen übrig. Von zehn untersuchen Portalen wurden nur zwei mit “gut” bewertet, eines mit “mangelhaft”, der Rest erhielt mittlere Bewertungen. Zum Teil stellten die Portale nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen ins Netz oder stellten Ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht in der korrekten Form zur Verfügung. Auch die Neuwagen-Konfiguratoren ließen oft zu wünschen übrig.
Kunden sollten sich nicht vom Anschein der Einfachheit blenden lassen. Oft kommt dieser durch das Weglassen wichtiger Informationen zu Stande. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Portale sollten genau angeschaut werden. Wird der gesamte Kauf online abgewickelt, besteht ein gesetzliches Widerrufsrecht für 14 Tage. Darauf muss der Verkäufer hinweisen. Ohne Widerrufsbelehrung beträgt die Widerrufsfrist maximal ein Jahr und 14 Tage. Begründen muss der Kunde den Widerruf nicht, wohl aber ihn ausdrücklich erklären.
Ohne Kaufvertrag wird in der Regel auch keine Vermittlungs-Provision fällig. In jedem Fall sollte man hier genau durchrechnen, ob der Kauf über ein solches Portal am Ende tatsächlich billiger ist, als beim Händler um die Ecke.

Praxistipp


Das Internet ermöglicht eine große und überregionale Auswahl an Gebraucht- und Neuwagen. Allerdings ist der Aufwand des Käufers für das Vergleichen der verschiedenen Angebote dadurch auch höher geworden. Kommt es nach einem online eingeleiteten Kauf zum Streit, sollte ein Rechtsanwalt für Zivilrecht hinzugezogen werden.

(Ma)



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