Der Testamentsvollstrecker: Was ist seine Aufgabe?

20.11.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (502 mal gelesen)
Der Testamentsvollstrecker: Was ist seine Aufgabe? © Ma - Anwalt-Suchservice

Der Testamentsvollstrecker sorgt dafür, dass der letzte Wille eines Verstorbenen tatsächlich umgesetzt wird. Dieses Amt ist mit vielen Pflichten und auch mit einigen Haftungsrisiken verbunden.

Ein Testamentsvollstrecker hat dafür zu sorgen, dass der letzte Wille des Erblassers so umgesetzt wird, wie es sich dieser vorgestellt hat. Er hat dafür weit reichende Befugnisse. Anzuraten ist die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers besonders dann, wenn die Erbverhältnisse besonders kompliziert sind (es zum Beispiel viele, möglicherweise zerstrittene Erben gibt), wenn Minderjährige unter den Erben sind oder der Erblasser ganz sicher gehen will, dass besondere Vorgaben wie etwa Vermächtnisse an bestimmte Personen, die keine Erben sind, auch wirklich beachtet werden. Der Testamentsvollstrecker hat Anspruch auf eine Vergütung, wenn der Erblasser nichts Gegenteiliges geregelt hat. Diese geht zulasten der Erben.

Wie wird man Testamentsvollstrecker?


Der Erblasser kann in seinem Testament oder in einem Erbvertrag bestimmen, dass sich ein Testamentsvollstrecker um seinen Nachlass kümmern soll. Dieses Amt kann jeder übernehmen, eine besondere Qualifikation ist nicht erforderlich.
Der Erblasser kann eine bestimmte Person ernennen, er kann dies jedoch auch einer Person seines Vertrauens zu überlassen. Übernimmt ein Vertrauter die Ernennung, muss diese gegenüber dem Nachlassgericht und in öffentlich beglaubigter (also notarieller) Form erfolgen.
Der Erblasser kann auch im Testament bestimmen, dass das Nachlassgericht einen Testamentsvollstrecker bestimmen und ernennen soll.
Allerdings wird eine Person nicht nur deshalb Testamentsvollstrecker, weil jemand anders dies so bestimmt: Wer dazu ernannt wird, kann das Amt gegenüber dem Nachlassgericht annehmen oder ablehnen.

Wie weist sich ein Testamentsvollstrecker aus?


Das Nachlassgericht erteilt ihm auf Antrag ein Testamentsvollstreckerzeugnis. Dieses Dokument ist keine Beurteilung seiner Arbeit, sondern dient seiner Legitimation zum Beispiel gegenüber Behörden, Banken und Versicherungen.
Antragsberechtigt ist nur die Person, welche zum Testamentsvollstrecker bestimmt wurde. Voraussetzung für die Erteilung des Zeugnisses ist, dass diese das Amt angenommen hat. Zuständig ist das Nachlassgericht am Amtsgericht des letzten Wohnorts des Erblassers.

Welchen Pflichten muss der Testamentsvollstrecker nachkommen?


Er hat die Aufgabe, den letzten Willen des Erblassers umzusetzen, der in Testamt oder Erbvertrag niedergelegt ist. Dabei muss er die gesetzlichen Regeln des Erbrechts beachten. Je nach Regelung im Testament kann die Testamentsvollstreckung einen unterschiedlichen Umfang haben.
Grundsätzlich muss der Testamentsvollstrecker den Nachlass während der Zeit der Testamentsvollstreckung verwalten und die sogenannte Auseinandersetzung des Nachlasses organisieren. So nennt man die Verteilung des Nachlasses an die Erben nach den im Testament festgelegten jeweiligen Erbquoten.
Diese Hauptaufgaben bringen eine Reihe von Pflichten mit sich. Um den Nachlass sinnvoll verwalten und verteilen zu können, muss der Testamentsvollstrecker als Erstes den Nachlass sichten und ein Inventar bzw. Nachlassverzeichnis inklusive Kontoständen und möglichen Schulden erstellen. Dieses hat er den Erben unaufgefordert und unverzüglich zuzuleiten. Natürlich muss er den Nachlass auch sichern und dafür sorgen, dass nicht irgendein Erbe schon mal mit der Münzsammlung verschwindet und ein anderer sich den Familienschmuck einpackt. Auch die Erstellung der Erbschaftsteuererklärung und das Bezahlen der Erbschaftsteuer gehören zu den Aufgaben des Testamentsvollstreckers.

Was umfasst die Verwaltung des Nachlasses?


Die Verwaltung des Nachlasses kann arbeitsintensiv sein. In besonderem Maße gilt dies, wenn zum Nachlass vermietete Immobilien oder gar ein Familienbetrieb gehören.
Bis zur Auseinandersetzung des Nachlasses ist der Testamentsvollstrecker als Einziger berechtigt, über den Nachlass zu verfügen. Ein Erbe darf also nicht schon mal die Briefmarkensammlung verkaufen, weil er glaubt, diese geerbt zu haben. Zur Verwaltung des Nachlasses kann es auch gehören, zulasten des Nachlasses Geschäfte zu tätigen. So muss vielleicht einmal ein Handwerker beauftragt werden, um das Dach eines Mietshauses zu flicken. Vielleicht muss ein Anwalt bezahlt werden, der einen Mietrechtsstreit führt. Oder es müssen Wertpapiere verkauft werden, bevor diese noch weiter an Wert verlieren. Der Testamentsvollstrecker muss den Nachlass sorgfältig und ordnungsgemäß verwalten. Steht eine Wohnung leer, muss er sich zum Beispiel um neue Mieter bemühen. Er hat dafür zu sorgen, dass der Nachlass nicht zum Nachteil der Erben geschädigt wird. Er darf keine Geschenke aus dem Nachlass machen – es sei denn, dies entspräche im Ausnahmefall einer sittlichen Verpflichtung.
Der Erblasser kann auch eine Dauertestamentsvollstreckung anordnen. Diese kann maximal 30 Jahre dauern. Bei einer solchen Verfügung muss der Testamentsvollstrecker den Nachlass auf Dauer verwalten. Im Testament können bestimmte Endtermine dafür genannt werden, etwa der Eintritt der Volljährigkeit eines Erben.

Wem ist der Testamentsvollstrecker rechenschaftspflichtig?


Der Testamentsvollstrecker hat verschiedene Aufklärungs- und Rechenschaftspflichten gegenüber den Erben. So muss er diesen auf Verlangen Auskunft über den Stand der Abwicklung des Nachlasses geben. Am Ende der Testamentsvollstreckung muss er eine saubere Abrechnung erstellen. Bei einer Dauervollstreckung, also einer langfristigen Verwaltung des Nachlasses, können die Erben jährliche Rechnungslegung fordern. Kommt es zu Unregelmäßigkeiten, können die Erben beim Nachlassgericht beantragen, den Testamentsvollstrecker zu entlassen.

Wofür haftet ein Testamentsvollstrecker?


Wenn der Testamentsvollstrecker schuldhaft seine gesetzlichen Pflichten verletzt, kann er sich gegenüber den Erben oder auch gegenüber Vermächtnisnehmern schadensersatzpflichtig machen. Ein solcher Anspruch kann sich auch aus der nicht ordnungsgemäßen Verwaltung des Nachlasses ergeben. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Testamentsvollstrecker einzelnen Erben unzulässigerweise Nachlassgegenstände aushändigt, leichtfertig unwirtschaftliche Geschäfte zulasten des Nachlasses tätigt oder sich gar selbst daran bereichert.

Wann endet das Amt eines Testamentsvollstreckers?


Grundsätzlich endet sein Amt, wenn er alle seine Aufgaben erledigt hat. Es kann aber auch erlöschen, wenn er stirbt oder Umstände eintreten, die seine Ernennung unwirksam machen. Dies kann vorkommen, wenn er ernsthaft erkrankt und nicht mehr geschäftsfähig ist. Der Testamentsvollstrecker kann sein Amt auch selbst gegenüber dem Nachlassgericht kündigen. Das Gericht kann ihn durchaus auch auf Antrag eines Erben entlassen, weil er seinen Pflichten nicht nachgekommen ist.

Praxistipp


Wer zum Testamentsvollstrecker ernannt wurde oder bestimmt werden soll, sollte sich vor der Zustimmung erst einmal genau darüber informieren, was von ihm erwartet wird und was der Nachlass umfasst. Gibt es Schulden und Gläubiger, gibt es zerstrittene Verwandte oder komplizierte Investitionen, die ohne Fachkenntnisse kaum zu bewältigen sind? Hat man genug Zeit, um das Amt mit der gebotenen Sorgfalt auszufüllen? Rat zum Thema Testamentsvollstreckung findet man bei einem Fachanwalt für Erbrecht.

(Ma)



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