Mobbing in der Schule – was kann man dagegen tun?

28.08.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (1258 mal gelesen)
Mobbing in der Schule – was kann man dagegen tun? © Rh - Anwalt-Suchservice

Auch unter Schülern ist Mobbing nicht selten. Es findet nicht nur in der Schule selbst statt, sondern setzt sich in den sozialen Medien fort. Die Folgen für betroffene Schüler können massiv sein.

An vielen Schulen wird Mobbing immer mehr zum Problem. Dies gilt um so mehr, als es über Smartphones und soziale Netzwerke die betroffenen Kinder oft bis ins Elternhaus und in ihre Freizeit verfolgt. Mobbing ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: Es kann Depressionen verursachen, krank machen und hat bereits Schüler in den Selbstmord getrieben. In seinen Auswirkungen darf es daher nicht unterschätzt werden.

Was versteht man unter Mobbing in der Schule?


Beim Mobbing in der Schule wird meist ein Schüler sozial ausgegrenzt. Oft ist dies mit versteckten oder offenen Beleidigungen verbunden, mit der Verbreitung von Unwahrheiten oder bösen Gerüchten, dem bewusstem Fernhalten des Betreffenden von wichtigen Informationen. Auch Verhöhnungen, Erpressungen, Drohungen oder Gewalt können im Spiel sein.
Dabei spielen die modernen Medien heute eine große Rolle. Kein Schüler kann sich heutzutage aus den sozialen Netzwerken und Messenger-Diensten heraushalten, ohne sich selbst auszugrenzen. Wird jedoch auch dort gemobbt – man spricht dann von Cyber-Mobbing – kommt es schnell zu einer Situation, in welcher der oder die Betroffene sich kaum noch zu helfen weiß.
Oft geht Mobbing zwar von Einzelnen aus. Es handelt sich trotzdem um einen Gruppen-Prozess, weil es oft von der ganzen Gruppe oder Klasse übernommen wird. Die Folgen können Minderwertigkeitsgefühle, Depressionen und andere ernsthafte Erkrankungen sein. Nicht selten kommt es zu Leistungsschwäche und Motivationsmangel, aber auch zu gesteigerter Aggressivität.
Es sind mehrere Fälle von Schülern bekannt geworden, die infolge von permanentem Psychoterror in eine für sie so ausweglose Situation gerieten, dass sie Selbstmord begingen.

Welche strafrechtlichen Folgen kann Mobbing haben?


Durch Mobbing können eine ganze Reihe verschiedener Straftatbestände verwirklicht werden. Darunter sind Beleidigung, üble Nachrede (Verbreiten unwahrer Tatsachen, die den anderen herabwürdigen), Verleumdung (Verbreitung unwahrer Tatsachen wider besseres Wissen), Nötigung (jemanden durch Drohungen oder Gewalt zu etwas bringen, das er oder sie freiwillig nicht tun würde) und Erpressung (jemanden mit Hilfe von Drohungen oder Gewalt zur Herausgabe von Geld oder Wertgegenständen bringen). Auch das öffentliche Verbreiten von Fotos oder Videos anderer ohne deren Zustimmung ist strafbar (Recht am eigenen Bild, § 22 Kunsturheberrechtsgesetz). Auch Facebook und Twitter sind dabei „öffentlich“.

Zusätzlich kann eine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen vorliegen. Diese Straftat ist in § 201a des Strafgesetzbuches geregelt und wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet. Sie liegt vor, wenn jemand eine andere Person in eine Weise filmt oder fotografiert, die deren Hilflosigkeit zur Schau stellt. Hier ist keine Veröffentlichung nötig, um sich strafbar zu machen. Die gleiche Strafe droht jemandem, der unbefugt eine Aufnahme von einer anderen Person, die deren Ansehen erheblich schaden kann, einer dritten Person zugänglich macht.

Auf alle genannten Delikte stehen Freiheits- oder Geldstrafen. Allerdings nützt dies alles wenig, wenn die Täter noch keine 14 Jahre alt sind. In diesem Fall sind sie nämlich noch nicht strafmündig. Oberhalb der Altersgrenze kann eine Strafanzeige stattfinden. Einige der genannten Mobbing-Delikte werden nur auf Strafantrag hin verfolgt. Diesen muss man innerhalb von drei Monaten nach der Tat stellen.

Welche zivilrechtlichen Folgen kann Mobbing haben?


Im Zivilrecht geht es nicht um Bestrafung, sondern um Schadensersatz und Schmerzensgeld für den Geschädigten. Mobbing wird als eine Verletzung des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts angesehen und kann daher Schmerzensgeldansprüche zur Folge haben.
Bei Kindern sieht man dies etwas großzügiger, da Beleidigungen und “dumme Sprüche” auf dem Schulhof schon mal vorkommen. Aber: Die Gerichte können durchaus zwischen lockerem Umgangston und systematischem Mobbing unterscheiden.

Fall: Minderjähriger zu Schmerzensgeld verurteilt


Sobald Minderjährige das siebente Lebensjahr vollendet haben und die nötige Einsichtsfähigkeit besitzen, um zu erkennen, dass sie etwas falsch machen, kann man sie auch finanziell zur Verantwortung ziehen.
Dass auch Schüler als Mobber vor teuren Forderungen nicht sicher sind, beweist ein Urteil des Landgerichts Memmingen. Dort ging es um einen 12-jährigen Schüler. Dieser hatte einen Mitschüler ständig auf Facebook beleidigt, auf dessen Namen und mit dessen Foto ein Profil mit dem Zusatz “Fat-Opfer” auf Facebook erstellt und ihn beschuldigt, kleine Kinder zu vergewaltigen. Außerdem hatte er ihn dazu aufgefordert, sich umzubringen, weil er nichts wert sei. Der betroffene Schüler erlitt schließlich einen Nervenzusammenbruch und musste sich in stationäre psychotherapeutische Behandlung. Das Gericht verurteilte den Mobber zur Unterlassung weiterer Mobbing-Handlungen und zur Zahlung von 1.500 Euro Schmerzensgeld sowie der Prozess- und Anwaltskosten (Urteil vom 3. Februar 2015, Az. 21 O 1761/13).

Haften Eltern für ihre mobbenden Kinder?


Dabei drängt sich die Frage auf, wer am Ende die Rechnung zahlen muss: Die Eltern oder das mobbende Kind?
Im oben geschilderten Fall erging das Urteil gegen den Minderjährigen selbst. Dieser könnte sich nun darauf berufen, als Schüler gar kein Geld zu haben. Nützt aber nichts: Aufgrund eines zivilrechtlichen Urteils kann 30 Jahre lang vollstreckt werden. Der Kläger braucht also nur abzuwarten, bis der Verurteilte selbst Geld verdient, und kann ihm dann den Gerichtsvollzieher schicken.
In manchen Fällen haften allerdings auch die Eltern für Handlungen ihrer Kinder. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Wieviel Aufsicht ein Kind braucht, richtet sich dabei immer nach dessen Alter und Reife.

Manche Anwälte schlagen als Mittel gegen Schüler-Mobbing vor, die Eltern mit einer kostenpflichtigen Abmahnung dazu aufzufordern, ihrem Kind rechtswidriges Verhalten zu verbieten und sich bei weiteren Mobbing-Taten ihres Kindes zur Zahlung einer Vertragsstrafe zu verpflichten. Wenn sich die Eltern weigern, eine entsprechende Erklärung zu unterschreiben, kann eine Unterlassungsklage folgen.

Darf ein gemobbtes Kind ungestraft zuschlagen?


Auch bei Mobbing haben Schüler nicht das Recht, sich mit Gewalt zu wehren. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin. Vor Gericht ging es um einen Schüler, der einem anderen fälschlich vorgeworfen hatte, Läuse zu haben. Dieser hatte daraufhin zugeschlagen, was zu einer Prügelei führte. Die Schule reagierte mit einem Verweis für beide und der Einbestellung zu einer Mediationssitzung. Die Eltern des einen Schülers griffen diese Maßnahme gerichtlich an, da sie ihren Sohn als Mobbing-Opfer betrachteten. Dem Gericht zufolge waren die Maßnahmen der Schule jedoch korrekt (Az. VG 3 K 320.13).

Praxistipp


Für ein juristisches Vorgehen sollten man zunächst Beweise sammeln. In Frage kommen zum Beispiel abgespeicherte Nachrichten und E-Mails, Screenshots von Facebookseiten, Computer-Ausdrucke und Zeugen. Betroffene Schüler sollten sich mit dem Problem an ihre Eltern oder Lehrer oder auch an den Klassenlehrer wenden. Rechtliche Beratung im Hinblick auf eine Unterlassungs- oder Schmerzensgeldklage erteilt ein Rechtsanwalt, der im Bereich Zivilrecht tätig ist.

Lehrer sollten solche Probleme ernst nehmen. Für sie gibt es heute viele Anleitungen und Hinweise, wie mit dem Thema umzugehen ist – etwa von der Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/lernen/grafstat/mobbing/

Gerade in der Anfangsphase des Mobbing sind rechtliche Schritte oft noch nicht angezeigt. Mehrere Online-Foren geben Hinweise, wie Kinder durch ihr Verhalten weiterem Mobbing vorbeugen können: Zum Beispiel
http://www.familie.de/kind/tipps-gegen-mobbing-fuer-eltern-und-kinder-512117.html oder
https://www.betreut.de/magazin/kinder/strategien-gegen-mobbing/

(Bu)



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