Mobbing – Was tun? Tipps für Betroffene

08.08.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (410 mal gelesen)
Mobbing – Was tun? Tipps für Betroffene © Bu - Anwalt-Suchservice

Mobbing kommt heute in vielen Lebensbereichen vor. Es ist ein Grund für das Scheitern von Ausbildungen und Arbeitsverhältnissen und verursacht Erkrankungen und vielfältige psychische Probleme.

Unter Mobbing versteht man das dauerhafte und regelmäßige Schikanieren, Verletzen und Ausgrenzen eines anderen Menschen. Im Arbeitsleben kann dies zum Beispiel durch die Zuweisung sinnloser Aufgaben stattfinden, durch den Ausschluss von wichtigen Informationen, das Verbreiten falscher Behauptungen und Gerüchte, dauernde unsachliche Kritik, durch Drohungen mit Kündigung oder gar mit Gewalt. Oft führt Mobbing zur Isolation des Betroffenen in seinem sozialen Umfeld. Mobbing findet nicht nur im Arbeitsverhältnis sowohl unter Kollegen als auch durch Vorgesetzte statt, sondern oft auch in der Schule und im Internet. Für letzteres wird der Begriff Cybermobbing verwendet.
Mobbing hat für die Betroffenen erhebliche negative Folgen. Ihre Motivation für Schule, Ausbildung oder Arbeit sinkt deutlich, ihre Leistungsfähigkeit lässt nach, immer wieder kommt es zu teuren Fehlern und Konflikten am Arbeitsplatz. Nicht selten erleiden Betroffene Angstzustände, Depressionen und diverse ernsthafte Erkrankungen. Mobbing kann auch eine erhöhte Aggressivität des Betroffenen auslösen, die sich manchmal in Gewaltakten entlädt.

Wo fängt Mobbing am Arbeitsplatz rechtlich an?


Mobbing am Arbeitsplatz wurde einmal vom Bundesarbeitsgericht als jedes systematische Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte beschrieben. Allerdings kann nicht jeder auch längere Konflikt oder Streit am Arbeitsplatz gleich als Mobbing angesehen werden. Auch eine Abmahnung oder Kündigung läuft nicht automatisch unter Mobbing – ebenso wenig wie häufige schlechte Laune des Chefs und dadurch bedingte Unhöflichkeiten. Für Mobbing muss der Arbeitnehmer schon zielgerichtet schikaniert werden, womöglich mit der Absicht, ihn oder sie aus dem Betrieb oder der jeweiligen Abteilung zu vergraulen.

Wann spricht man von Mobbing in der Schule?


Werden Schüler von Mitschülern systematisch gehänselt, bedroht, beschimpft, herabgesetzt, bloßgestellt oder schikaniert, spricht man von Mobbing in der Schule. Dazu gehören auch Rufschädigungen durch unwahre Behauptungen, das Verbreiten von Lügen, das Beschädigen von Eigentum oder das Verbreiten von herabwürdigenden Inhalten in Internet bzw. in Sozialen Netzwerken. Allerdings kann Mobbing auch von Lehrern ausgehen. Dann richtet es sich gegen bestimmte Schüler. Natürlich können Lehrer auch selbst wie andere Arbeitnehmer gemobbt werden.

Wann spricht man von Cybermobbing?


Cybermobbing findet online statt. Häufiger Schauplatz sind Soziale Netzwerke, aber auch Messenger-Dienste oder Video-Plattformen werden dafür häufig zweckentfremdet. Auch hier werden Personen herabgesetzt, beleidigt und bedroht, es werden Lügen verbreitet, oft werden auch herabwürdigende Fotos und Videos veröffentlicht.
Letztere wieder aus dem Internet zu entfernen, ist oft praktisch unmöglich. Sie werden in vielfältiger Weise geteilt, heruntergeladen und weitergesendet. Den Tätern wird ihr Tun oft dadurch erleichtert, dass die Betroffenen allzu leichtsinnig Informationen über sich online gestellt haben, die nun gegen sie verwendet werden können. So können und echte oder verfälschte herabsetzende Informationen an das persönliche Umfeld der Betroffenen wie etwa an Mitschüler, Sportkollegen oder Arbeitskollegen verbreitet werden. Folge ist oft soziale Isolation. Schließlich hilft dann unter Umständen – wie bei der 15-jährigen Kanadierin Amanda Todd – nicht einmal mehr ein Umzug oder ein mehrfacher Wechsel der Schule, um dem Psychoterror zu entgehen. Die kanadische Schülerin hat sich 2012 umgebracht.

Wie kann man Mobbing beweisen?


Will man rechtlich gegen Mobbing vorgehen, muss man zunächst einmal beweisen können, dass man gemobbt wird. Im Arbeitsrecht etwa sind die Anforderungen der Gerichte an die vorgelegten Beweise recht hoch. Hier geht es dann beispielsweise um einen Anspruch auf Schmerzensgeld. Mobbing-Betroffenen wird generell geraten, eine Art Tagebuch zu führen, in dem sie die Vorfälle mit Datum und Uhrzeit festhalten. Dies ist zwar unangenehm, allerdings lässt sich auf diese Weise glaubhaft machen, dass die Vorfälle systematisch und über einen längeren Zeitraum stattgefunden haben.
Geht es um Mobbing am Arbeitsplatz, sollte man auch darauf achten, ob andere Kollegen aus ähnlichen Gründen den Betrieb wechseln. Es empfiehlt sich, deren Kontaktdaten aufzubewahren. Vielleicht sind sie bereit, als Zeugen auszusagen – immerhin müssen sie nun keine eigenen Nachteile mehr befürchten.
Bei Cybermobbing bietet es sich an, Nachrichten und Posts zu sammeln und zu kopieren sowie Screenshots anzufertigen.

Bekommt man wegen Mobbing Schmerzensgeld?


Die Arbeitsgerichte haben schon mehrfach Arbeitnehmern, die von Mobbing betroffen waren, Schmerzensgeld zugesprochen. So gestand das Arbeitsgericht Siegburg einem Industriekaufmann 7.000 Euro Schmerzensgeld zu, weil er unter anderem zum Sortieren von Elektronik-Schrott eingesetzt worden war. Die Bitten des Mannes um mehr und bessere Aufgaben hatte der Arbeitgeber ignoriert, seine Urlaubsanträge waren abgelehnt worden. Auch musste er unsinnige Tagesberichte schreiben. Bei seiner Rückkehr nach einer Erkrankung fand er seinen Arbeitsplatz durch einen Azubi besetzt vor. Er landete am Tisch für die Kaffeekannen mit einem Computer ohne Maus (Az. 1 Ca 1310/12).
Das Verwaltungsgericht Halle gestand einer Beamtin in einer ähnlichen Situation 23.000 Euro Schmerzensgeld zu. Der Fachbereichsleiterin einer Behörde war unter anderem ihr Büro weggenommen worden, sie musste in einem Raum arbeiten, der nur über eine Leiter zu erreichen war (Urteil vom 27.3.2019, Az. 5 A 519/16).

Was können Betroffene tun?


Mobbing überschreitet häufig die Grenze zur Strafbarkeit. In Frage kommen die Straftatbestände Beleidigung, Bedrohung, Nötigung, Verleumdung, üble Nachrede sowie die auch online mögliche Nachstellung (Stalking, § 238 Strafgesetzbuch). Betroffene können bei der Polizei Strafanzeige stellen. Wurden vom Täter konkrete Drohungen ausgesprochen (“auflauern”, “kalt machen”) kann auch ein gerichtliches Kontaktverbot nach dem Gewaltschutzgesetz ausgesprochen werden (Oberlandesgericht Hamm, Az. 2 UF 254/12).
Wenn durch Äußerungen und Fotos auf Sozialen Netzwerken Persönlichkeitsrechte des Betroffenen verletzt werden, kann dieser vom Betreiber der jeweiligen Plattform die Löschung der Inhalte verlangen. Die Sozialen Netzwerke haben dazu mittlerweile eigene Seiten mit entsprechenden Hinweisen eingerichtet. Ehrverletzende Äußerungen verstoßen nämlich auch gegen deren Nutzungsbedingungen. Natürlich können Nachrichten von bestimmten Nutzern auch geblockt werden.
Schnelles Reagieren ist nötig, wenn Fotos oder Videos gepostet werden. Denn diese lassen sich nur schwer wieder löschen, wenn sie erst einmal kursieren.

Praxistipp


Um Mobbing und Identitätsdiebstahl vorzubeugen, ist es wichtig, nachzudenken, bevor man Informationen über sich ins Netz stellt oder Freundschaftsanfragen beantwortet. Wer von Mobbing betroffen ist, kann sich bei einem auf das Zivilrecht spezialisierten Rechtsanwalt beraten lassen. Bei Mobbing im Arbeitsverhältnis ist ein Fachanwalt für Arbeitsrecht der richtige Ansprechpartner.

(Bu)



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