Privates WLAN: Muss ich das voreingestellte Router-Passwort ändern?

10.05.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (276 mal gelesen)
Privates WLAN: Muss ich das voreingestellte Router-Passwort ändern? © Bu - Anwalt-Suchservice

Nutzt ein Fremder einen schlecht gesichertes WLAN eines privaten Routers für illegales Filesharing, besteht die Gefahr teurer Abmahnungen. Ein sicheres Router-Passwort ist aus vielen Gründen zu empfehlen.

Zu Urheberrechtsverletzungen im Bereich des Filesharing kommt es oft, weil ein Nutzer über eine Tauschbörse oder ein Filesharing-Netzwerk Filme, Musik oder Spiele herunterlädt. Dabei werden diese automatisch auch anderen Nutzern zum Upload zur Verfügung gestellt. Dadurch wird das Recht des Urhebers an seinem Werk verletzt. Mit Hilfe der IP-Adresse des Rechners lässt sich ermitteln, über welchen Internetanschluss (Router) der Download - unter Umständen auch per WLAN - erfolgt ist. Über den Provider lässt sich dann herausfinden, welche Person mit welcher Adresse Anschlussinhaber ist. Dieser Person flattert dann sehr wahrscheinlich eine Abmahnung ins Haus. Eine Abmahnung kann mit Schadensersatzansprüchen, Anwaltskosten und der Forderung nach Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung verbunden sein.

Was muss man zur Haftung beim Filesharing wissen?


Lange Zeit beruhten viele Abmahnungen für Filesharing auf der sogenannten Störerhaftung. Dabei haftete der Inhaber eines Internetanschlusses nicht, weil er selbst eine Urheberrechtsverletzung begangen hatte, sondern deshalb, weil er diese – durch Verfügbarmachen seines (WLAN-) Anschlusses – ermöglicht hatte.
Die Störerhaftung wurde zum 13.10.2017 vom Gesetzgeber abgeschafft. Rechteinhaber können allerdings immer noch fordern, dass ein Anschlussinhaber in seinem WLAN geeignete Sperren für Filesharing-Seiten einrichtet, wenn es bereits zu Urheberrechtsverstößen über diesen Anschluss gekommen ist (§ 7 Abs. 4 Telemediengesetz).
Die weitgehende Abschaffung der Störerhaftung ändert jedoch nichts daran, dass ein Urheberrechtsverstoß weiterhin illegal ist und der Anschlussinhaber als Täter haften kann. Wird seine IP-Adresse ermittelt, spricht eine sogenannte „tatsächliche Vermutung“ dafür, dass er selbst die Urheberrechtsverletzung begangen hat. Der Anschlussinhaber hat dann die Möglichkeit, diese Vermutung zu entkräften. Dazu muss er darlegen, dass Dritte Zugriff hatten, wer diese Dritten sind und dass sie als Täter in Betracht kommen. Dies ergibt sich aus der sogenannten Bear-Share-Entscheidung (Urteil vom 8.1.2014, Az. I ZR 169/12).
Nennt er keine Namen, sondern sagt nur, dass eines seiner drei volljährigen Kinder die Tat begangen hat, haftet er selbst. Denn diese Information reicht nicht aus – es müssen schon Namen genannt werden (Urteil vom 30.3.2017, Az. I ZR 19/16 ).

Muss der private Nutzer seinen WLAN-Anschluss schützen?


Manchmal weiß der Anschlussinhaber jedoch gar nicht, dass über seinen Anschluss Urheberrechtsverletzungen stattfinden, und auch Familie und Mitbewohner sind unschuldig. Nämlich dann, wenn sich ein Außenstehender Zugriff auf einen nicht ausreichend gesicherten WLAN-Router verschafft und diesen für illegale Tauschaktionen genutzt hat.

2016 befasste sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall einer privaten Anschlussinhaberin, über deren WLAN ein Unbekannter illegal einen Film heruntergeladen hatte. Sie sollte dafür haften. Selbst kam sie als Täterin nicht in Frage, hier ging es damals um die Störerhaftung.
Gestritten wurde darum, ob sie verpflichtet gewesen war, den 16-stelligen werksseitigen Passwortschlüssel ihres WLAN-Routers durch ein eigenes Passwort zu ersetzen.
Der Bundesgerichtshof meinte, dass sie dies nicht zu tun brauchte. Eine Passwortänderung sei nur erforderlich, wenn das werksseitige Passwort für mehr als ein Gerät vergeben worden wäre oder der Sicherheitsstandard des Geräts nicht Up-to-Date sei. Hier habe es sich jedoch um ein individuelles Passwort gehandelt. Die WPA2-Verschlüsselung des Geräts sei zeitgemäß und ausreichend gewesen. Die Frau musste also nicht haften (Urteil vom 24. November 2016, Az. I ZR 220/15).

Eine entsprechende Prüfpflicht des Anschlussinhabers – sich also um den Sicherheitsstandard seines Routers zu kümmern und wenn nötig für ein besseres Passwort zu sorgen – leitete der Bundesgerichtshof 2016 aus der Störerhaftung ab. Mit der Abschaffung der Störerhaftung kann man von einer solchen Pflicht nun nicht mehr ausgehen.

Warum sollte man sein WLAN trotzdem absichern?


Trotzdem bestehen Haftungsrisiken für private WLAN-Betreiber. Denn: Bei dem oben geschilderten Fall handelte es sich um die exotische Variante, dass die Anschlussinhaberin nachweisen konnte, selbst nicht die Täterin zu sein. Was ist aber, wenn der Anschlussinhaber nicht zum Beispiel zur Tatzeit im Urlaub war oder sich anders entlasten kann? Die Urheberrechtsverletzung hat mit seiner IP-Adresse stattgefunden, und er wird nicht als Störer, sondern als Täter zur Verantwortung gezogen.
Auch wenn es keine regelrechte Prüfpflicht hinsichtlich des WLAN-Routers mehr gibt, ist es trotzdem notwendig, auf die Sicherheit des Routers und auf ein gutes Passwort zu achten – einfach, damit man nicht für eine Urheberrechtsverletzung haften muss, die ein Fremder über das eigene WLAN begangen hat.

Welches WLAN-Passwort ist sicher?


Ein eigenes Passwort ist dem ab Werk eingestellten vorzuziehen – es sollte jedoch ausreichend sicher sein. Zu empfehlen sind willkürliche Buchstaben- und Zahlenkombinationen von 20 Zeichen. Beim Router sollte die WPA2-Verschlüsselung aktiviert sein. Der Zugang zum Einstellungsmenü des Routers sollte unbedingt durch ein Administratorpasswort geschützt werden – damit Fremde nicht die Einstellungen manipulieren können. Zu empfehlen ist auch eine Änderung des Netzwerknamens des WLAN. Verwenden sollte man ein Fantasiewort, aber keinen Ortsnamen und auch nicht den eigenen Namen. Die Änderung der Einstellungen erfolgt über den Browser, vorzugsweise ohne geöffnete Internetseiten im Hintergrund. Die einfachste Sicherheitsmaßnahme aber ist es, das WLAN bei Nichtbenutzung abzuschalten.

Wie hoch ist das Kostenrisiko?


Vom Täter einer Urheberrechtsverletzung kann Schadensersatz verlangt werden, außerdem auch Erstattung der außergerichtlichen Anwaltskosten bzw. Abmahngebühren. Diese richten sich nach dem sogenannten Gegenstandswert. Seit 2013 ist der Gegenstandswert bei Abmahnungen privater Nutzer auf 1.000 Euro gedeckelt, dies führt zu maximalen Anwaltsgebühren von 124 Euro inklusive Auslagenpauschale. Allerdings gibt es schwammig formulierte Ausnahmen von dieser Regelung. Daher kann es auch deutlich höhere Beträge geben, wenn der Fall aus irgendeinem Grund als erheblich eingestuft wird – zum Beispiel bei illegaler Verbreitung eines neuen Films vor dem Kinostart.

Praxistipp


Ein sicheres WLAN-Passwort hält Fremde nicht nur davon ab, über Ihren Anschluss illegal Filme oder Musik downzuloaden. Es sorgt auch dafür, dass Ihr Datenverkehr nicht von Außenstehenden mitgelesen wird, und dass auch sonst nichts Unerwünschtes passiert. Heute braucht man dafür keinen Hacker mehr – Software sucht automatisch im Internet nach schlecht gesicherten Netzwerken. Passt man nicht auf, verwandeln sich die Geräte des eigenen Netzwerkes vielleicht plötzlich in Bestandteile eines Botnetzes, das weltweit Spam versendet, Viren verbreitet oder für andere Leute Kryptowährungen erzeugt. Sicherheit zahlt sich aus. Kommt es trotzdem zu einer Abmahnung, sollten Sie möglichst schnell einen Fachanwalt für Urheberrecht bemühen – die Reaktionsfristen sind kurz.

(Bu)



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