Rechtliche Tipps für Patchworkfamilien

11.03.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (491 mal gelesen)
Rechtliche Tipps für Patchworkfamilien © M. Schuppich - Fotolia.com
Die Anzahl der Patchworkfamilien steigt. Viele Menschen finden einen neuen Partner, der bereits Kinder aus einer früheren Beziehung hat. Oft bringen beide Partner Kinder in die neue Verbindung ein. Auch rechtliche Probleme sind zu lösen, damit das Zusammenleben reibungslos läuft.

Die Patchworkfamilie
Etwa 14 Prozent der deutschen Haushalte sind Patchworkfamilien. Es ist zum Beispiel denkbar, dass eine Frau nach der Scheidung die Kinder behält, sich mit einem alleinerziehenden Vater zusammentut, beide zusammen auch ein gemeinsames Kind haben. In solchen Fällen spricht man von einer Patchworkfamilie. Auch Pflegefamilien, Familien mit Adoptivkindern und gleichgeschlechtliche Paare mit adoptierten Kindern werden teilweise zu den Patchworkfamilien gezählt. In einer Patchworkfamilie gibt es viele Probleme zu lösen. So müssen zum Beispiel die Kinder lernen, mit den neuen „Geschwistern“ klarzukommen und ihren leiblichen Elternteil mit dessen neuem Partner und den anderen Kindern zu teilen. Auch das gemeinsame Wohnen kann Probleme aufwerfen – denn oft haben beide Familienteile unterschiedliche Gewohnheiten, Traditionen und unterschiedlichen Platzbedarf.

Was für rechtliche Fragen können auftauchen?
Rechtliche Fragen können zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Erbrecht auftauchen. Denn Stiefkinder und Stiefeltern werden nur als verschwägert angesehen. Aus rechtlicher Sicht sind sie keine Verwandten und damit nicht erbberechtigt. Auch das Familienrecht hält Fallstricke bereit: Es gibt keinen Unterhaltsanspruch von Kindern gegen ihre Stiefeltern. Das gemeinsame Sorgerecht der leiblichen Eltern bleibt oft auch nach der Trennung bestehen. Dann müssen sich die beiden leiblichen Elternteile bei allen wichtigen Entscheidungen über ihr Kind einigen, etwa über die Teilnahme an Klassenfahrten, das Beantragen eines Ausweises oder eine größere medizinische Behandlung. Der neue Partner, der täglich mit dem Kind zu tun hat, hat nichts zu sagen. Und nicht zuletzt kann schon der Familienname Probleme bereiten. Denn auch wenn die neuen Partner heiraten und den Namen von einem der Partner als Familiennamen nehmen, behalten die Kinder des anderen Partners ihren Geburtsnamen.

Erbrecht
Das erbrechtliche Problem lässt sich zum Beispiel über ein Testament angehen. Auf diesem Weg kann man auch den Kindern des Partners etwas vererben, ohne mit ihnen verwandt zu sein. Verwandtschaft kann allerdings auch mit Hilfe einer Adoption hergestellt werden. Denn Adoptivkinder sind gesetzliche Erben wie leibliche Kinder. Allerdings: Je komplizierter die Familienverhältnisse sind, desto mehr empfiehlt es sich, sich nicht auf die gesetzliche Erbfolge zu verlassen und – mit fachkundiger Beratung – ein Testament aufzusetzen.

Sorgerecht
Haben die leiblichen Eltern eines Kindes das gemeinsame Sorgerecht, ändert eine Scheidung und neue Eheschließung daran zunächst einmal nichts. Bei jeder Entscheidung muss also der Expartner hinzugezogen werden, der Stiefelternteil hat keine Entscheidungen zu treffen – auch keine unwichtigen. Es gibt allerdings die Möglichkeit, dass die leiblichen Eltern dem Stiefelternteil eine Vollmacht erteilen. Diese kann zum Beispiel auf Alltagsentscheidungen eingeschränkt sein. So kann das alltägliche Zusammenleben deutlich erleichtert werden. Hat der leibliche Elternteil des Kindes, der eine neue Beziehung eingeht, allerdings das alleinige Sorgerecht, ist die Lage einfacher. Denn das Gesetz gewährt dessen neuem Ehepartner (oder eingetragenem Lebenspartner) das „kleine Sorgerecht“.

Kleines Sorgerecht
Das bedeutet: Der neue Partner hat im Einvernehmen mit dem allein sorgeberechtigten Elternteil die Befugnis zur Mitentscheidung in Angelegenheiten des täglichen Lebens des Kindes (§ 9 Abs. 1 Satz 1 LPartG, § 1687b BGB). Dies gilt allerdings nur, wenn der neue Lebenspartner auch im gleichen Haushalt lebt wie das Kind. Bei Angelegenheiten des kleinen Sorgerechts muss Einvernehmen zwischen den Partnern vorhanden sein – der neue Partner kann zwar in alltäglichen Angelegenheiten das Kind allein vertreten, ist aber vom Einvernehmen des leiblichen Elternteils abhängig, das jederzeit widerrufen werden kann. Zusätzlich gibt es ein Notsorgerecht: Im Notfall darf der neue Partner alle Rechtshandlungen vornehmen, die zum Wohl des Kindes nötig sind, muss aber den allein sorgeberechtigten Elternteil unverzüglich informieren. Dieses Notsorgerecht gilt nur bei Gefahr im Verzug, etwa bei einer dringend notwendigen ärztlichen Behandlung.

Namensänderung
Das oben erwähnte Problem mit dem Familiennamen lässt sich lösen, indem man eine sogenannte Einbenennung nach § 1618 des Bürgerlichen Gesetzbuches durchführt. Das bedeutet: Der leibliche Elternteil und der neue Ehepartner geben dem Kind durch eine Erklärung vor dem Standesamt ihren Ehenamen oder fügen diesen dem Geburtsnamen des Kindes hinzu.

Adoption
Wer ein Stiefkind adoptieren möchte, benötigt dafür auch die Zustimmung des leiblichen Elternteils, der mit dem Kind nicht mehr zusammenlebt. Durch eine solche Adoption wird das Stiefkind in rechtlicher Hinsicht zum Kind des neuen Ehepaares. Jede rechtliche Beziehung zum leiblichen Elternteil, von dem sich Vater oder Mutter getrennt haben, erlischt. Dies gilt auch für dessen Familie, also etwa die Großeltern und betrifft auch Erbansprüche.