Tickets fürs Spiel oder Festival: Weiterverkaufen erlaubt?

27.07.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (218 mal gelesen)
Tickets fürs Spiel oder Festival: Weiterverkaufen erlaubt? © eccolo - Fotolia.com
Ob Fußballspiel oder Festival: Viele Veranstalter versuchen, durch Geschäftsbedingungen und Verbote den Weiterverkauf ihrer Tickets zu unterbinden. Was ist aber, wenn man dann doch plötzlich krank wird – sind die Verbote verbindlich oder ist ein privater Weiterverkauf erlaubt?

Veranstaltungs-Pech: Krank oder verhindert
Tickets für ein Fußballspiel oder ein anderes Event werden meist lange im Voraus gekauft. In vielen Bereichen fördern dies die Veranstalter durch günstigere Preise. Aber: Je mehr Zeit noch bis zur Veranstaltung vergeht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas dazwischen kommt – etwa eine Erkrankung, ein Unfall, eine Geschäftsreise, eine Familienangelegenheit. Viele Ticketinhaber verkaufen in solchen Fällen ihre Eintrittskarte privat weiter.

Veranstalter versuchen Weiterverkauf zu verhindern
Dies ist natürlich bei den Veranstaltern wie etwa Sportvereinen nicht gern gesehen. Verschiedene Methoden werden dabei angewandt: So wird über Allgemeine Geschäftsbedingungen geregelt, dass Eintrittskarten nicht privat weiterverkauft werden dürfen, auf den Tickets finden sich besondere Verbotsaufdrucke, oder die Tickets werden personalisiert und sind nur mit dem eingetragenen Namen des Käufers gültig.

Allgemeine Ticketbedingungen – wirksam oder nicht?
Für Allgemeine Geschäftsbedingungen gelten strenge Regeln – der Verbraucher darf durch sie nicht unangemessen benachteiligt werden. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat in einem Urteil von 2008 zwar nicht den privaten Ticketverkauf generell erlaubt. Die Richter haben aber immerhin festgestellt, dass ein Weiterverkaufsverbot in den AGB gegenüber Privatpersonen oft nicht wirksam ist. Ein solcher Ausnahmefall ist zum Beispiel die persönliche Verhinderung des Käufers bei der Veranstaltung. Wer also krank wird und nicht zum Spiel gehen kann, darf seine Karte verkaufen. Eine weitere Ausnahme gilt für Tickets, die ursprünglich privat verschenkt wurden. Denn an die AGB müssen sich nach dem Zivilrecht immer nur die Vertragspartner halten – und wenn der Enkel von Oma ein Ticket geschenkt bekommt, ist nur die Oma Vertragspartner geworden (BGH, Az. I ZR 74/06).

Gewerblicher Handel – wer gilt als Händler?
Wer gewerblich mit Tickets handelt, muss sich an die Regeln der Veranstalter halten. Hier geht es ums Geschäft – und der Veranstalter darf selbstverständlich bestimmen, welche Verkaufsstellen seine Tickets unters Volk bringen. Als gewerblich gilt man aber nicht erst dann, wenn man einen Gewerbeschein besitzt oder ein Unternehmen gegründet hat. Auch eine Privatperson kann als gewerblicher Händler angesehen werden, wenn sie regelmäßig und offenbar mit Gewinnerzielungsabsicht Tickets verkauft. Eine feste Ticketanzahl, ab der man als gewerblicher Händler gilt, gibt es dabei nicht. Die Gerichte entscheiden dies im Einzelfall. Gerade Inhaber eines Abos sind hier schnell in Gefahr, als gewerblich behandelt zu werden, wenn sie regelmäßig Tickets weiterverkaufen. Hier drohen teure Klagen auf Unterlassung und Schadensersatz.

Personalisierte Tickets
Sind Tickets personalisiert – also auf den Namen des Käufers ausgestellt – gelten andere Spielregeln. Hier kann der Veranstalter den privaten Weiterverkauf wirksam untersagen. Er muss jedoch dem Kunden die Möglichkeit einräumen, die Eintrittskarte gegen Kaufpreiserstattung bis kurz vor der Veranstaltung zurückzugeben. Manche Veranstalter bieten auch ein Umschreiben des Tickets auf eine andere Person an – gegen Gebühr.

Postversand – Ticket weg
Werden Tickets mit der Post verschickt, besteht die Möglichkeit, dass diese auf dem Versandwege verloren gehen. Hat der Käufer nun Anspruch auf Ersatz? Rechtlich stellt sich hier die Frage, wann der Verkäufer seine vertraglichen Pflichten erfüllt hat – mit dem Absenden oder der Ankunft des Tickets beim Kunden? Dies richtet sich danach, ob der Verkäufer dem Kunden die Möglichkeit zur Selbstabholung gegeben hat. Darf der Kunde die Eintrittskarte ausdrücklich auch selbst abholen und entscheidet sich für den Versand mit zusätzlichen Kosten, läuft der Versand auf Risiko des Kunden. In diesem Fall muss der Käufer die Karte auch dann bezahlen, wenn sie auf dem Versandweg verschwindet. Aber: Gibt der Verkäufer dem Kunden die Möglichkeit der Selbstabholung nicht, geht der Versand auf das Risiko des Verkäufers. Dies ist durchaus üblich – denn viele Onlinehändler haben nun einmal gar kein Ladengeschäft.