Urlaubsanspruch bei Teilzeit

19.05.2020, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (717 mal gelesen)
Teilzeit,Urlaub,Sonne,Meer Anspruch auf Urlaub - Was gilt für Arbeitnehmer, die in Teilzeit arbeiten? © Rh - Anwalt-Suchservice

Auch Teilzeitbeschäftigte haben selbstverständlich einen Anspruch auf Urlaub. Es gibt allerdings einige Besonderheiten gegenüber Vollzeitbeschäftigten. Was für Teilzeitarbeiter gilt, erfahren Sie hier.

Immer mehr Arbeitnehmer arbeiten in Teilzeit oder im Rahmen von verschiedenen flexiblen Beschäftigungsmodellen. Auch hinsichtlich des Urlaubs gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung. Teilzeitbeschäftigte haben grundsätzlich ebenso wie Vollzeitbeschäftigte Anspruch auf Urlaub. Fragen ergeben sich oft jedoch hinsichtlich der Berechnung.

Wie viel Urlaub gewährt das Gesetz generell?


§ 3 Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) gewährt Arbeitnehmern mindestens 24 Werktage Urlaub im Kalenderjahr. Werktage sind alle Tage, die keine Sonntage oder Feiertage sind. Das bedeutet: Wer sechs Tage in der Woche arbeitet, hat 24 Urlaubstage im Jahr. Arbeitnehmer mit fünf-Tage-Woche haben einen Mindest-Urlaubsanspruch von 20 Arbeitstagen im Jahr. In beiden Fällen läuft es auf vier Wochen Urlaub hinaus. Jedoch kann per Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag auch ein längerer Urlaub vereinbart werden.

Welchen Urlaubsanspruch haben Teilzeitarbeitnehmer?


Teilzeitmitarbeiter haben im Prinzip den gleichen Urlaubsanspruch wie Vollzeitkräfte. Das Bundesurlaubsgesetz legt in § 1 fest, dass jeder Arbeitnehmer in jedem Kalenderjahr bezahlten Erholungsurlaub beanspruchen kann. Es gibt allerdings Unterschiede bei der Berechnung der Urlaubstage.

Um zu berechnen, wie viele Urlaubstage ein Teilzeitbeschäftigter im Jahr nehmen kann, kommt es darauf an, wie viele Tage dieser pro Woche arbeitet. Auf die Stundenzahl pro Tag kommt es hingegen nicht an.

Die Arbeitsgerichte verwenden dazu eine einfache Formel: Man nimmt die übliche Anzahl der jährlichen Urlaubstage im Betrieb, multipliziert sie mit der Zahl der tatsächlich gearbeiteten Tage des Mitarbeiters pro Woche und teilt das Ganze durch die Zahl der Arbeitstage einer Vollzeitwoche in diesem Betrieb.

Beispiele für die Berechnung der Urlaubstage in Teilzeit



Beispiel 1: Ein Arbeitnehmer arbeitet halbtags, jeden Tag 4 Stunden. Im Betrieb gilt 5-Tage-Woche. Vollzeitbeschäftigte bekommen 26 Tage Urlaub.
Berechnung:
(26 Urlaubstage x 5 Arbeitstage) / 5 = 26 Urlaubstage für den Teilzeitbeschäftigten.

Beispiel 2: Der Arbeitnehmer arbeitet im gleichen Betrieb an 3 Tagen pro Woche je 8 Stunden. Berechnung:
(26 Urlaubstage x 3 Arbeitstage) / 5 = 15,6 Urlaubstage für den Teilzeitbeschäftigten.

Die Stundenzahl pro Arbeitstag spielt dabei keine Rolle.

0,6 Urlaubstage - was passiert mit Bruchteilen?


Bei dieser Berechnungsweise kommt es zwangsläufig zu Nachkommastellen. Was passiert nun mit diesen Bruchteilen von Urlaubstagen?

§ 5 Abs. 2 des Bundesurlaubsgesetzes schreibt vor, dass Bruchteile von Urlaubstagen, die mehr als einen halben Tag ausmachen, auf einen vollen Tag aufgerundet werden müssen.

Was mit Bruchteilen unter einem halben Tag passiert, ist im Gesetz nicht geregelt. Das Bundesarbeitsgericht hat dazu bereits 1991 entschieden, dass Arbeitgeber auch Bruchteile von Urlaubstagen gewähren müssen, wenn dies nicht durch tarifvertragliche Regelungen ausgeschlossen ist (Urteil vom 14.2.1991, Az. 8 AZR 97/90). Damals ging es um einen Urlaub von 22,4 Urlaubstagen, der auf 22 abgerundet worden war.

Auch 2016 entschied das Bundesarbeitsgericht, dass das Abrunden von Urlaubstagen ohne tarifvertragliche Grundlage unzulässig ist. Ist nichts anderes in einem Tarifvertrag geregelt, muss der Arbeitgeber den Urlaub eben in Bruchteilen gewähren. Hier war es um eine im Schichtdienst beschäftigte Flughafen-Kontrolleurin gegangen, der nach Manteltarifvertrag 28,15 Urlaubstage zustanden (Urteil vom 8.5.2016, Az. 9 AZR 578/17).

Was gilt bei unregelmäßigen Arbeitszeiten?


Mancher Arbeitnehmer arbeitet jedoch nicht in jeder Woche gleich viele Tage lang. In solchen Fällen muss die durchschnittliche Zahl der wöchentlichen Arbeitstage herangezogen werden. Hier teilt man die betriebsübliche Urlaubsdauer durch die Anzahl aller Werktage im Jahr und multipliziert sie mit den Tagen, an denen der Mitarbeiter insgesamt gearbeitet hat.

Beispiel 3: (26 Urlaubstage im Betrieb / 260 Werktage) x 130 gearbeitete Tage = 13 Urlaubstage.

Urlaubsentgelt: Wie viel ist ein Teilzeittag wert?


Gemäß § 1 BUrlG können Arbeitnehmer eine Fortzahlung ihrer Vergütung auch während des Erholungsurlaubs beanspruchen. Diese Zahlung wird als das Urlaubsentgelt bezeichnet. Nach § 11 BUrlG richtet sich seine Höhe nach dem durchschnittlichen Verdienst in den letzten 13 Wochen, also den drei Monaten vor Antritt des Urlaubs.

Das Urlaubsentgelt berechnet sich nach den gleichen Grundsätzen wie bei Vollzeitkräften. Bei Teilzeitmitarbeitern, die nicht an allen betrieblichen Arbeitstagen arbeiten, wird der in den letzten drei Monaten erzielte Verdienst durch die Anzahl der echten Arbeitstage in diesen drei Monaten geteilt – unabhängig von der Zahl der jeweiligen Arbeitsstunden. Das Ergebnis wird mit den tatsächlich genommenen Urlaubstagen multipliziert.

Beispiel 4: Ein Arbeitnehmer arbeitet an 3 Tagen pro Woche je 8 Stunden. Hat er in den drei Monaten vor dem Urlaub insgesamt 3.600 Euro verdient, wird so gerechnet:

3.600 Euro / (13 Wochen x 3 Arbeitstage pro Woche ) = 92,31 Euro.
Der Mitarbeiter bekommt dann für 15,6 Urlaubstage (siehe Beispiel 2):
92,31 Euro x 15,6 genommene Urlaubstage = 1.440 Euro Urlaubsentgelt.

Einmalzahlung und Urlaubsgeld: Bei Teilzeit nur anteilig


Wenn die Vollzeitkräfte im jeweiligen Betrieb eine jährliche Einmalzahlung als Urlaubsgeld erhalten, haben auch die Teilzeitkräfte darauf ein Recht. Allerdings nur anteilig entsprechend ihrer tatsächlichen Arbeit.

Urlaubstage: Was gilt beim Wechsel von Vollzeit zu Teilzeit?


Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass Arbeitgeber den ungenutzten Jahresurlaub eines Arbeitnehmers nicht verhältnismäßig kürzen dürfen, wenn dieser während des laufenden Jahres von Vollzeit zu Teilzeit wechselt. Die Richter verwiesen dabei auf den Europäischen Gerichtshof, der eine derartige Kürzung von Urlaubsansprüchen als Diskriminierung von Teilzeitbeschäftigten betrachtet (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.02.2015, Az. 9 AZR 53/14).
Wechselt also ein Arbeitnehmer von einer Vollzeitarbeit in eine Teilzeitbeschäftigung mit weniger Wochentagen, bleibt ihm der bereits erlangte Urlaubsanspruch aus der Vollzeitbeschäftigung – sofern er noch nicht erfüllt wurde – für das aktuelle Kalenderjahr vollständig erhalten.

Praxistipp


Bei der Berechnung des Urlaubsentgelts oder der Urlaubstage werden immer wieder Fehler gemacht. Arbeitnehmer sollten keinesfalls einfach eigenmächtig in Urlaub fahren oder länger im Urlaub bleiben, weil sie ihren Urlaubsanspruch anders berechnen, als der Chef. Hier drohen die Abmahnung und die Kündigung wegen Arbeitsverweigerung. Im Streitfall kann ein Fachanwalt für Arbeitsrecht qualifizierte Beratung erteilen.

(Bu)



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