Urlaubsanspruch bei Teilzeit

28.03.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (625 mal gelesen)
Urlaubsanspruch bei Teilzeit © hati - Fotolia.com
Auch Teilzeitbeschäftigte haben Anspruch auf Urlaub. Gegenüber einer Vollzeitbeschäftigung sind jedoch einige Besonderheiten zu beachten.

Wieviel Urlaub gewährt das Gesetz?
§ 3 Bundesurlaubsgesetz gesteht Arbeitnehmern mindestens 24 Urlaubstage im Jahr zu. Dies bezieht sich auf eine sechs-Tage-Woche. Bei einer 5-Tage-Woche beträgt der Mindest-Urlaubsanspruch 20 Arbeitstage. In beiden Fällen werden vier Wochen Urlaub gewährt. Allerdings kann per Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag auch ein längerer Urlaub festgelegt werden.

Urlaubsanspruch auch für Teilzeitmitarbeiter
Immer mehr Arbeitnehmer sind in Teilzeit oder im Rahmen verschiedener flexibler Beschäftigungsmodelle beschäftigt, die das deutsche Arbeitsrecht erlaubt. Auch hinsichtlich des Urlaubs gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung. Teilzeitbeschäftigte haben grundsätzlich ebenso wie Vollzeitbeschäftigte Anspruch auf Urlaub. Fragen ergeben sich oft jedoch hinsichtlich der Berechnung.

Entscheidend: Der Zeitfaktor
Um zu bestimmen, wieviele Urlaubstage ein Teilzeitmitarbeiter pro Jahr nehmen kann, kommt es darauf an, wieviele Tage er pro Woche arbeitet. Die Gerichte arbeiten hier mit einer einfachen Formel: Man nimmt die normale Anzahl der Urlaubstage im Betrieb, multipliziert sie mit der Zahl der tatsächlich gearbeiteten Tage des Mitarbeiters pro Woche und teilt das Ganze durch die Zahl der Arbeitstage einer Vollzeitwoche.

Beispiele
Beispiel 1: Ein Arbeitnehmer arbeitet halbtags, also jeden Tag 4 Stunden. Im Betrieb gilt die 5-Tage-Woche. Vollzeitbeschäftigte erhalten 26 Tage Urlaub. Berechnung:
(26 Urlaubstage x 5) / 5 = 26 Urlaubstage für den Teilzeitbeschäftigten.

Beispiel 2: Der Arbeitnehmer arbeitet im gleichen Betrieb an 3 Tagen pro Woche je 8 Stunden. Berechnung:
(26 Urlaubstage x 3) / 5 = 15,6 Urlaubstage für den Teilzeitbeschäftigten.

Die Stundenzahl pro Arbeitstag ist bei dieser Berechnung nicht relevant.

0,6 Tage?
Auch Bruchteile von Urlaubstagen müssen dem Arbeitnehmer gewährt werden, wenn dies nicht durch tarifvertragliche Regelungen ausgeschlossen ist. Dies hat das Bundesarbeitsgericht in Erfurt entschieden (Az. 8 AZR 97/90). Ergeben die Bruchteile mindestens einen halben Tag, sind sie auf einen vollen Urlaubstag aufzurunden. So steht es in § 5 Absatz 2 Bundesurlaubsgesetz. Allerdings kann auch dies tarifvertraglich anders gehandhabt werden.

Unregelmäßige Arbeitszeiten
In manchen Fällen arbeitet jedoch ein Arbeitnehmer nicht in jeder Woche gleich viele Tage lang. Hier muss nun die durchschnittliche Zahl der wöchentlichen Arbeitstage herangezogen werden. Man nimmt die betriebsübliche Urlaubsdauer, teilt sie durch die Anzahl aller Werktage im Jahr und multipliziert sie mit den Tagen, an denen der Mitarbeiter insgesamt gearbeitet hat.

Beispiel 3: (26 Urlaubstage im Betrieb / 260 Werktage) x 130 gearbeitete Tage = 13 Urlaubstage.

Urlaubsentgelt: Wieviel ist ein Teilzeittag wert?
Gemäß § 1 BUrlG haben Arbeitnehmer Anspruch auf Fortzahlung ihrer Vergütung auch während des Erholungsurlaubs. Diese Zahlung bezeichnet man als Urlaubsentgelt. Wie hoch dieses ist, richtet sich nach dem durchschnittlichen Verdienst in den letzten 13 Wochen, also drei Monaten vor Antritt des Urlaubs.

Das Urlaubsentgelt wird nach den gleichen Grundsätzen wie bei Vollzeitkräften berechnet. Bei Teilzeitmitarbeitern, die nicht an allen betrieblichen Arbeitstagen arbeiten, muss der im Berechnungszeitraum erzielte Verdienst durch die Anzahl der echten Arbeitstage – unabhängig von der Zahl der jeweiligen Arbeitsstunden –
geteilt werden. Das Ergebnis ist mit den tatsächlich genommenen Urlaubstagen zu multiplizieren.

Hat der Arbeitnehmer aus Beispiel 2 also in den drei Monaten vor dem Urlaub insgesamt 3.600 Euro verdient, wird so gerechnet:

Beispiel 4: Tagessatz des Urlaubsentgelts: 3.600 Euro / (13 Wochen x 3 Arbeitstage pro Woche ) = 92,31 Euro. Der Mitarbeiter bekommt dann für 15,6 Urlaubstage 92,31 Euro x 15,6 genommene Urlaubstage = 1.440 Euro Urlaubsentgelt.

Urlaubsgeld: Nur anteilig
Erhalten die Vollzeitkräfte im jeweiligen Betrieb eine jährliche Einmalzahlung als Urlaubsgeld, haben auch die Teilzeitkräfte darauf ein Recht. Allerdings nur anteilig entsprechend ihrer tatsächlichen Arbeit.

Neue Regeln für Wechsel
Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts dürfen Arbeitgeber den ungenutzten Jahresurlaub eines Mitarbeiters nicht verhältnismäßig kürzen, wenn dieser während des laufenden Jahres von Vollzeit zu Teilzeit mit weniger Arbeitsstunden pro Woche wechselt. Die Richter nahmen Bezug auf den Europäischen Gerichtshof, der eine solche Kürzung von Urlaubsansprüchen als Diskriminierung von Teilzeitbeschäftigten ansieht (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.02.2015, Az. 9 AZR 53/14).