Vollzeit, Teilzeit, Vertrauensarbeitszeit - flexible Arbeitszeitmodelle

23.04.2018, Reaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (276 mal gelesen)
Vollzeit, Teilzeit, Vertrauensarbeitszeit - flexible Arbeitszeitmodelle © Bu - Anwalt-Suchservice

Viele Unternehmen in Deutschland bieten ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeitmodelle an. Für Angestellte mit Familie hat dies Vorteile. Und ein neues Gesetz soll ab 2019 die “befristete Teilzeit” einführen.

Flexible Arbeitszeitmodelle haben viele Vorteile für Unternehmen und Mitarbeiter. Die Arbeitnehmer können ihre persönliche Lebensplanung, Beruf und Familie besser “unter einen Hut” bringen. Das Unternehmen hat die Möglichkeit, auf erhöhte Auftragseingänge oder flaue Zeiten flexibel zu reagieren, trotzdem aber seine qualifizierten Mitarbeiter zu halten.

Welche gesetzlichen Regelungen zur Arbeitszeit gibt es?


Maßgeblich ist hier das Arbeitszeitgesetz. Dieses Gesetz bezweckt, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer bei der Gestaltung der Arbeitszeit sicherzustellen und die Rahmenbedingungen für flexible Arbeitszeiten zu verbessern. Es soll ferner dafür sorgen, dass der Sonntag und die gesetzlichen Feiertage zu Erholungszwecken arbeitsfrei bleiben.

Wie viele Stunden sind zulässig?


Nach § 3 des Arbeitszeitgesetzes dürfen Arbeitnehmer pro Werktag nicht mehr als acht Stunden arbeiten. Es dürfen auch zehn Stunden sein, wenn der Arbeitnehmer über sechs Monate oder 24 Wochen immer noch im Durchschnitt bei acht Stunden pro Tag bleibt. Zusätzliche Regelungen schreiben Ruhepausen vor und betreffen die Nacht- und Schichtarbeit. Per Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung können abweichende Vereinbarungen getroffen werden. Sonderregeln bestehen für Bereiche mit vielen Bereitschaftszeiten und für bestimmte Branchen wie die Landwirtschaft oder den Pflegebereich.

Flexible Teilzeitarbeit


Teilzeitarbeit kann zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertraglich vereinbart werden. Dabei kann eine geringere Stundenzahl festgelegt werden als bei einem Vollzeitjob. Je nach Bedarf können die Beteiligten auch vereinbaren, ob beispielsweise jeden Tag halbtags oder an wenigen Wochentagen acht Stunden lang gearbeitet werden soll. Das Arbeitsrecht trifft im Teilzeit- und Befristungsgesetz spezielle Regelungen für die Teilzeitarbeit. So kann das Unternehmen seine Arbeitskräfte flexibler einteilen und qualifizierte Fachkräfte im Betrieb halten, auch wenn diese für eine bestimmte Zeitspanne mehr Freizeit wünschen. Die Mitarbeiter selbst haben mehr Zeit für sich und ihre Familie. Bei unbefristeten Teilzeitverträgen kann die Rückkehr in ein Vollzeit-Arbeitsverhältnis problematisch werden. Bevor eine solche Vereinbarung getroffen wird, sollte man nach Alternativen Ausschau halten und fachkundigen Rat suchen.

Gibt es einen Anspruch auf Teilzeit?


Wenn das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht, kann der Arbeitnehmer verlangen, dass seine Arbeitszeit reduziert wird. Dies geht aus § 8 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes hervor. Der Antrag kann erst nach den sechs Monaten gestellt werden, muss aber drei Monate vor dem gewünschten Beginn der Teilzeitarbeit eingehen. Allerdings darf der Arbeitgeber aus betrieblichen Gründen widersprechen. Wie das Landesarbeitsgericht Köln entschieden hat, muss er dafür jedoch gute Gründe haben (Urteil vom 10. Januar 2013, Az. 7 Sa 766/12). Für die Elternzeit gibt es spezielle Regelungen.

Befristete Teilzeit: Welche Änderungen sind beabsichtigt?


Ein im April 2018 fertig gestellter Gesetzentwurf von Arbeitsminister Hubertus Heil sieht die Einführung einer befristeten Teilzeit mit Rückkehr zur Vollzeitarbeit vor. Dieses Konzept könnte ab Januar 2019 umgesetzt werden. Arbeitnehmer sollen dann für einen befristeten Zeitraum von ein bis fünf Jahren einen Rechtsanspruch darauf haben, in Teilzeit zu arbeiten. Anträge auf längere oder kürzere Zeiträume sind zwar möglich, können vom Chef aber abgelehnt werden. Allerdings bekommen nicht alle Arbeitnehmer diesen Anspruch, sondern dies hängt von der Unternehmensgröße ab: In Unternehmen bis 45 Mitarbeiter soll das Recht auf befristete Teilzeit ausgeschlossen sein. Kompliziert wird es in Betrieben mit 45 bis 200 Mitarbeitern: Dort erhält ein Arbeitnehmer von 15 einen Anspruch, die restlichen dürfen Anträge stellen, die der Chef ablehnen darf. Ein generelles Recht auf befristete Teilzeit soll in Unternehmen mit mehr als 200 Arbeitnehmern bestehen. Grundsätzlich sollen nur Mitarbeiter einen Antrag stellen können, die schon seit über sechs Monaten im Betrieb arbeiten. Die Antragstellung muss drei Monate vor dem gewünschten Teilzeitbeginn liegen.

Welche Chancen bietet die Telearbeit?


Es gibt mehrere Varianten der Telearbeit. Ihr liegt nicht zwingend ein herkömmlicher Arbeitsvertrag zugrunde. Denn auch Heimarbeit ist üblich – hier gibt es spezielle Verträge. Ein Heimarbeiter hat kein eigenes Gewerbe. Er ist für Gewerbebetriebe oder Unternehmen zuhause tätig und überlässt die Verwertung seiner Arbeitsergebnisse seinen Auftraggebern. Dazu gibt es besondere Bestimmungen im Heimarbeitsgesetz. Besonders verbreitet ist ein Modell der Telearbeit, bei dem der herkömmliche Arbeitsplatz im Betrieb weiterbesteht, der Arbeitnehmer aber einen Großteil der Arbeit zu Hause durchführt. Die Kommunikation mit dem Betrieb findet dabei über Email und Telefon statt. Problematisch ist für den Betrieb allerdings dabei oft die Kontrolle des Arbeitnehmers sowie der Datenschutz. Die Telearbeit wird im Rahmen des Arbeitsvertrages vereinbart. Ein großer Vorteil für den Arbeitnehmer besteht darin, dass lange Anfahrtszeiten wegfallen.

Was ist die Vertrauensarbeitszeit?


Die Vertrauensarbeitszeit kann auf Basis eines Arbeitsvertrages, einer Betriebsvereinbarung oder eines Tarifvertrages zustande kommen. Bei ihr entfallen feste Arbeitszeiten und Zeiterfassungssysteme. In vielen Fällen existiert ein “Zeitrahmen” etwa von 7 Uhr bis 21 Uhr, innerhalb dessen die Arbeit stattfinden muss. Wann tatsächlich gearbeitet wird, ist dann Sache des Arbeitnehmers. Entscheidend ist hier nicht das Ableisten von Stunden, sondern das zu erreichende Ergebnis. Zielvereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer legen fest, welche Ziele wann zu erreichen sind. Allerdings gelten die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes trotzdem. Die gesetzlichen Höchstarbeitszeiten sind einzuhalten. Sobald mehr als acht Stunden täglich gearbeitet werden, muss der Arbeitgeber darüber Buch führen und die Unterlagen zwei Jahre lang aufbewahren. Die Buchführung über die Arbeitsstunden kann dem Arbeitnehmer übertragen werden – dieser muss dann zum Beispiel Stundenzettel oder andere Nachweise über seine tatsächliche Arbeitszeit führen.

Vor- und Nachteile der Vertrauensarbeitszeit


Der Arbeitnehmer muss bei erhöhtem Auftragsvolumen des Unternehmens länger arbeiten, bekommt aber keine zusätzliche Vergütung. Allerdings kann er bei geringerem Arbeitsanfall früher Schluss machen. Das Hauptproblem ist dabei, dass die Arbeitsmenge mit der Anzahl der Mitarbeiter zusammenhängt – wenn eine Abteilung unterbesetzt ist, wird immer zu viel Arbeit zu erledigen sein. Dann gibt es die Gefahr, dass die zusätzlichen Stunden niemals durch Freizeit abgegolten werden. Für einen Mitarbeiter gibt es dann nur den Weg, dem Chef gegenüber zuzugeben, dass er mit den erteilten Aufgaben nicht schnell genug fertig wird. Die Versuchung, ohne entsprechenden Vermerk in den Stundenzetteln mehr zu arbeiten, um vor Chef und Kollegen gut dazustehen, könnte dann erheblich sein. Auf Dauer schadet dies jedoch der Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Fehlern.

Urteil: Auf den Vertrag kommt es an


Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt kann das Modell der Vertrauensarbeitszeit nicht dadurch vereinbart werden, dass man das Thema im Arbeitsvertrag offen lässt. Ist nichts weiter geregelt (außer “der Mitarbeiter muss auch außerhalb der betrieblichen Arbeitszeiten tätig werden”) gelten die im Betrieb üblichen Arbeitszeiten. Wer zu diesen Zeiten nicht anwesend ist, kann Lohnabzug bekommen – auch wenn er seine Arbeitsziele erreicht (Urteil vom 15. Mai 2013, Az. 10 AZR 325/12).

Praxistipp


Flexible Arbeitszeitmodelle bringen Arbeitgebern und Arbeitnehmern Vorteile, bieten jedoch einige rechtliche Fallstricke. Entsteht zwischen beiden Seiten Streit, ist ein Fachanwalt für Arbeitsrecht der richtige Ansprechpartner.

(Ma)



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